GeschichtsTalk: Die Talkshow als Methode im Geschichtsunterricht

Geschichte, Methode, Methodik

Talkshows gehören (wie Krimis oder Quizshows) momentan zu den beliebtesten Formaten im Fernsehen. Es wird gerade jedes tagesaktuelle Thema mit mehreren Expert*Innen hoch und runter diskutiert. Besonders interessant wird es natürlich, wenn es um Themen geht, die auch wirklich sehr breit diskutiert werden können. Je kontroverser eine Debatte ist und je mehr Argumente ausgetauscht werden können, desto spannender zeigt sich die Diskussion darüber. Das gilt aber nicht nur für Talkshows, sondern auch für den Geschichtsunterricht: Im Endeffekt wollen wir dort auch, dass die Schüler*Innen historische Streitfragen kontrovers diskutieren und sich auf Basis von Argumenten einen eigenen Standpunkt bilden. Aus diesem Grund stellt dich die Frage, warum wir die bestehende Form einer Talkshow nicht gleich für den Geschichtsunterricht adaptieren? Also die Schüler*Innen wie Talkshowgäste über ein historisch kontroverses Thema diskutieren lassen. In der folgenden Unterrichtsidee habe ich diesen Gedanken aufgegriffen und einmal praktisch umgesetzt.

Vorbereitung

Schwerpunkt der folgenden Stundenidee soll die Debatte über die Rückgabe von Deutschen zur Kolonialzeit „erworbenen“ Kulturgütern sein. Hier gibt es zwei Gegenpositionen: Die eine Seite befürwortet die Rückgabe dieser Kulturgüter, die andere lehnt sie ab. Die Klasse wird hierbei in zwei Hälften geteilt, welche jeweiles eine Position vertreten. Wichtig ist hier, dass die Schüler*Innen bereits mit diesem Thema vertraut sind und es somit keine tiefere Einarbeitung in die historischen Hintergründe braucht. Die Schüler*Innen bekommen Material, welches sich ausschließlich auf die jeweiligen Positionen bezieht. Dieses Material sollen die Schüler*Innen nun sichten und darauf sowohl Argumente für die eigene Position, als auch mögliche Argumente der Gegenseite herausarbeiten. Die Schüler*Innen erkennen hier den zentralen Unterschied zu „gewöhnlichen“ Beurteilungsaufgaben: Dort erleben sie selten eine Konfrontation, was bei einer Talkshow aber der Kern ist. Deshalb ist es auch wichtig, dass sie nicht nur überlegen, wie sie Fragen der Gegenseite entkräften, sondern auch, welche kritischen Fragen sie selber stellen können. Jede Seite bekommt in etwa 35-40 Minuten Zeit, um sich auf die Diskussion vorzubereiten.

Neben den beiden Diskussionsgruppen gibt es auch noch die Rolle eines Moderators, welche optional eingebaut werden kann, sofern Schüler*Innen daran Interesse haben. Hierbei geht es darum, die Diskussion am Ende zu moderieren und versuchen, eine ausgewogene Argumentation beider Seiten zu erreichen. Der Moderator muss sich in der Vorbereitungsphase ausführlich mit beiden Positionen auseinandersetzen und sich kluge Fragen überlegen, welche er im Verlauf der Diskussion stellen kann.

Durchführung

Für die Diskussion selbst wählen beide Gruppen dann zwei „Sprecher*Innen“, welche ihre Position in der Talkshow präsentieren. Nach einer kurzen Vorstellung beider Positionen kann die Diskussion auch schon beginnen. Eine zentrale Rolle nimmt hier der Moderator ein, welcher zum einen durch kritische Fragen die Debatte lenkt, aber gleichzeitig moderierend auf mögliche Diskussionen eingehen muss. Denn, wer Talkshows kennt, kennt die Entwicklung, die solche Debatten oft nehmen können. Dies gilt natürlich auch für dieses Format. Insofern ist es für den Moderator wichtig, eine ausgewogene Mischung aus der freien Debatte und dem einlenkenden Moderieren zu finden. Auch das Publikum kann gerne für Fragen oder Abstimmungen mit einbezogen werden, um die anderen Mitglieder der Gruppe nicht nur zu passiven Zuschauern zu machen.

Ergebnis

Insgesamt hat die Durchführung dieser Stunde in einer 60 Minuten-Stunde gut geklappt. Nach einer Einführung (5 Min) gab es die 35 Minuten Arbeitsphase, nach welcher eine 10-minütige „Präsentationsphase“ kam. In dieser wurden die Argumente ausgetauscht und debattiert. Abschließend folgte eine 10-minütige Nachbesprechung, in welcher die Schüler*Innen „losgelöst“ von ihren Rollen Stellung zu der Frage beziehen konnten. Hierbei war es interessant zu sehen, dass auch die leistungsschwächeren Schüler*Innen durch diese Methode einen Bezug zum Thema herstellen konnten. Durch die „vorgegebene“ Perspektive versuchten sie sehr intensiv, gute Argumente für ihre Position zu finden. Bei 45 Minuten Stunden wäre es ggf. angebracht, eine ganze 45 Minuten Stunde zur Einführung und Vorbereitung zu nutzen und in der zweiten Stunde die Talkshow durchzuführen, sie nachzubesprechen und die Schüler*Innen ein schriftliches Fazit schreiben zu lassen.

Material

Das Material zur Durchführung findet ihr hier. Es sind links zu jeweiligen Artikeln, die sich mit genau dieser Problematik auseinandersetzen.

2 Gedanken zu “GeschichtsTalk: Die Talkshow als Methode im Geschichtsunterricht

Schreibe eine Antwort zu bdbjorn Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s