Rubbellose als Belohnungssystem

Gamification, Methode, Spiel

Eingeübte Belohnungssysteme sind eine Möglichkeit, SchülerInnen zu motivieren und sie auch bei schwierigeren Sachen zu motivieren. Natürlich muss man immer aufpassen, dass Motivation dadurch nicht komplett externalisiert wird, aber gerade durch eine gewisse Routine kann so ein System gut funktionieren. Ich habe bereits im letzten Jahr ein Belohnungssystem in Form von Rubellosen in meiner siebten Klasse genutzt und da dies größtenteils gut funktioniert hat, für dieselbe Klasse wieder adaptiert. Nur, dass es jetzt eben eine achte Klasse ist. Der Grundgedanke ist, dass die Lerngruppe sich in jeder Doppelstunde zwei Lose erspielen kann. Diese Lose beinhalten ähnlich wie „echte“ Lose verschiedene Gewinne oder eben Nieten. Insgesamt verwende ich 50 Lose, von denen 40 Nieten, 5 kleinere Preise und 5 große Preise sind:

Hierbei sind die Belohnungen relativ selbsterklärend: Eine Niete ist halt… eine Niete! 15 Min Kahoot heißt, dass wir in der zweiten Stunde der Doppelstunde am Ende 15 Min Kahoot spielen. Spazieren bedeutet ein Spaziergang in einer 45-Minuten Stunde. Beim Ziehen des Loses „Süßigkeiten“ bringe ich in der nächsten Stunde Süßigkeiten mit und bei der Spielstunde wird 45 Minuten gespielt. Die Wahrscheinlichkeiten für eine Niete liegen hierbei bei 80%, 10% für „15 Min Kahoot“, je 4% für „Süßigkeiten“ und „Spielstunde“ und 2% für das „Spazieren“. So ist gesichert, dass es viele Lose gibt, aber die Chance auf einen Gewinn doch relativ klein bleibt.

Die SchülerInnen können nun 2 Lose innerhalb einer Doppelstunde gewinnen. Das Prinzip basiert darauf, dass sie zu Beginn einer Doppelstunde mit 0 Losen starten und sich im Verlauf der Doppelstunde durch gutes Verhalten Lose erarbeiten können. Dies kann durch eine lebhafte Diskussion zu einem Thema, eine sehr konzentrierte Arbeitsphase oder eine generell gute Beteiligung im Unterricht geschehen. Hier habe ich die Faktoren bewusst nicht ganz offen gelegt, um mir selbst herauszunehmen, wann ich ein besonderes Lob für gutes Verhalten aussprechen kann. Die SchülerInnen wissen mittlerweile, welches Verhalten ich mag… und welches nicht. Denn die SchülerInnen können gewonnene Lose auch wieder verlieren. Somit ist abgesichert, dass sie nach dem „Erspielen“ des zweiten Loses nicht auf einmal aufhören, sich z.B. gut zu beteiligen. Via Tafel ist durchgehend konstant sichtbar, wie viele Lose sich die Klasse gerade erspielt hat.

Zur Herstellung der Lose habe ich sie einfach in einer Text-Datei erstellt, welche ihr auch am Ende dieses Beitrags findet. Diese habe ich ausgedruckt und mit einer Rubelfläche beklebt, die ich zuvor im Internet gekauft habe. Hier könnt ihr gerne selber suchen, welche ihr verwenden wollte, für meine nutze ich diese Vorlage hier. Diese können einfach abgezogen und auf die jeweiligen Felder geklegt werden. Danach habe ich die Lose ausgeschnitten und in eine Box gepackt, aus welcher die SchülerInnen dann die Lose ziehen dürfen.

Insgesamt hat sich das System auch im aktuellen Schuljahr wieder voll bewährt. Die SchülerInnen haben Spass beim Gewinnen der Lose und achten auch gegenseitig darauf, dass sie sich möglichst so verhalten, dass sie Lose gewinnen. Somit sind diese Lose präsent, aber eben nicht im Mittelpunkt: Dort bleibt nach wie vor der Unterricht und das jeweilige Thema. Insofern bin ich gespannt, wie sich dieses System weiter entwickelt. Sehr würde ich mich auch freuen, wenn ihr eventuell ein ähnliches System nutzt und ggf. eure Erfahrungen teilt.

Jugendsprache im Lateinunterricht

Latein, latine loqui

„Digga“, „saftig“, „Fühl ich“… die Liste an gebräuchlichen Jugendsprachwörtern ist relativ lang. Immer wieder kommen aus verschiedenen Quellen neue Wörter hinzu, welche vor allem Jugendliche gerne nutzen und somit ihre ganz eigene Sprache verwenden. Jugendsprache als Phänomen ist spätestens seit 2008 auch anerkannt, als man das erst mal das „Jugendwort des Jahres“ kürte: Es war „Gammelfleisch-Party“, eine scherzhaft-freche Bezeichnung für eine Ü30-Party. Jugendsprache und ihre Begriffe sind also durchaus relevante Begriffe, deren genauere Betrachtung sich gerade in den modernen Sprachen anbietet, da viele in ihrer Systematik doch auf Englisch oder bei uns eben auf Deutsch zurückgreifen oder sogar Mischformen (fly sein, wyld) darstellen.

Da das Verwenden der Jugendsprache jedoch kein Privileg für die modernen Sprachen sein sollte, habe ich mir überlegt, wie man das ganze in den Lateinunterricht bringen könnte. Entstanden ist dabei ein Arbeitsblatt, bei welchem die SchülerInnen für Begriffe der heutigen Jugendsprache passende lateinische Begriffe finden sollen. Was bei einigen Begriffe relativ einfach scheint, wird bei Begriffen wie „YOLO“ schon schwieriger. In einer zweiten Aufgabe können die SchülerInnen dann noch selbst überlegen, welche Begriffe fehlen und für diese eigene lateinische Übersetzungen finden.

Insgesamt hat die Arbeit mit dem AB den SchülerInnen nicht nur sehr viel Spass gemacht, sondern auch dafür gesorgt, dass ich auf dem Schulhof einige „Pingua“ oder „Itaaaaa“ gehört habe. Auch war es interessant, eine generelle Diskussion zum Thema „Sinn“ von Jugendsprache zu führen. Wenn ihr also eine kleine Aufgabe zum Schulstart oder zum restlichen Füllen einer Stunde braucht, bietet sich das kleine AB sehr gut an.

[kms-Ref] Praktische Tools für deinen Unterrichtsbesuch

Apps/Programme, Referendariat

In den ersten Bundesländern sind die Sommerferien vorbei und Lehrkräfte und SchülerInnen strömen wieder in die Schulen. Auch fangen jetzt viele ReferendarInnen mit ihrem Referendariat an und machen sich auf den Weg, die letzte Ausbildungsstufe der Schullaufbahn zu erledigen. Doch genau diese Zeit gilt als anstrengendste und belastende, weil man als Referendar in einem Zwiespalt gefangen ist, sowohl Lehrkraft (gegenüber den SchülerInnen) als auch Schüler (gegenüber den Fachleitern) zu sein. Gerade Unterrichtsbesuche sorgen für eine enorme psychische und arbeitstechnische Belastung. In diesen „Showstunden“ geht es meist darum, ein ganz nach Muster durchgeplantes Programm abzuspulen, um damit seine „Lehrfähigkeit“ zu beweisen. Heutzutage soll dann am Besten auch noch ein wenig Digitalität dabei sein, um zu zeigen, dass man bereit für das digitale Lernen der heutigen Zeit ist.

Wir wollen dir heute daher einige Tools zeigen, welche du relativ einfach und unkompliziert für deinen Unterrichtsbesuch nutzen kannst. Wir stellen die Tools kurz vor und zeigen dir beispielhafte Einsatzmöglichkeiten für einzelne Phasen des Unterrichtsbesuchs. Alle Tools sind dabei entweder komplett oder in der (ausreichenden) Grundversion kostenlos und benötigen lediglich einen erstellten Accoutn zum Einloggen.

Learning Apps

Learning Apps ist eine Plattform, auf welcher relativ einfach eigene Apps erstellt werden können. Von Memory- bis Zuordnungs-Spielen sind alle möglichen Anwendungen dabei. Zudem ist die Plattform kostenlos, sodass man lediglich eine E-Mail-Adresse zum Anmelden braucht. Mit ein paar wenigen Klicks kann man hier also schnell einen Account erstellen und für den Unterrichtsbesuch passende Apps vorbereiten. Diese Apps können dann z.B. für den Einstieg genutzt werden, wenn mit Vokabeln Memory gespielt (super als Ritual!) oder bestimmte Begriffe aus den letzten Unterrichtsstunden gesucht werden sollen. Alternativ können Links via QR-Code auch als Differenzierung für leistungsstärkere Schüler zurückgehalten werden.

Neben dem eigenen Erstellen von Apps ist es auch möglich, die SchülerInnen selbst eigene Apps erstellen zu lassen. Dies wäre z.B. für eine Erarbeitungsphase interessant, in welcher die SchülerInnen Apps zu einem bestimmten Thema erstellen sollen. Dies ist in gut 15 Minuten möglich, sodass man mit Einleitung, diesem Arbeitsauftrag und dem Auswerten bereits eine gute 45-Minuten Stunde gefüllt hat.

Plickers

Einen digitalen Vokabeltest schreiben oder schnell eine Umfrage machen? Das klingt für viele Referendare interessant, aber leider muss man sich hierbei auf das Internet verlassen, was gerade in der Schule dann natürlich dann nicht klappt, wenn man es braucht. Plickers bietet daher die Möglichkeit, digitale Tests oder Umfragen durchzuführen, ohne dass die SchülerInnen eigenes WLAN brauchen. Denn hier werden Fragen durch Zettel beantwortet, welche die Lehrkraft zuhause vorbereiten kann und dann nur noch austeilen muss. So können schnell und technisch einfach Stimmbilder aus der ganzen Klasse eingefangen und dann später wieder aufgegriffen werden. Gerade für einen Unterrichtsbesuch ist es praktisch, z.B. zu Beginn einer Stunde eine Umfrage zu einem Thema zu machen (z.B. Bismarcks Außenpolitik – gelungen oder nicht?) und nach der Erarbeitungs- und Auswertungsphase eine weitere Umfrage zu machen und die Ergebnisse zu vergleichen. Alternativ kann auch eine zusätzliche Sicherung über eine kurze Abfrage nach der eigentlichen Sicherung erfolgen.

Kahoot

Wenn es um Quiz-Spiele in der Schule geht, gehört Kahoot sicherlich schon zu den bekanntesten Tools. Kurz gesagt: Hier können die SchülerInnen gemeinsam ein Quiz spielen, in welchem sie Fragen beantworten müssen und dafür Punkte bekommen. Das ganze ist sehr bunt und schülerorientiert gestaltet und zudem relativ leicht zugänglich. Auch für einen Unterrichtsbesuch kann man Kahoot gut nutzen, etwa um im Einstieg nochmal Inhalte der letzten Stunde zu wiederholen oder ggf. am Ende (auch als didaktische Reserve), um den Inhalt dieser Stunde noch einmal zu wiederholen.

Zeoob und TaskCards

„Lebensweltbezug“ ist eines dieser Wörter, welches man im Ref sicherlich pausenlos hört. Nahezu jede Stunde soll in irgendeiner Form die Lebenswelt der SchülerInnen aufgreifen. Um dies auch in einerm Unterrichtsbesuch zeigen zu können, bietet sich die Arbeit mit der Plattform Zeoob an. Bei dieser können SchülerInnen relativ einfach eigene Social Media-Produkte wie Instagram-Stories oder Twitter-Posts erstellen. Das sind natürlich tolle Lernprodukte, welche auch in Unterrichtsbesuch schnell erstellt und verglichen werden können. Gerade für die Interpretation von Texten kann der Arbeitsauftrag einfach lauten, Social Media-Posts zu dem gelesenen Text zu erstellen. Die erstellten Produkte werden dann z.B. auf einer TaskCard hochgelagen und können dann gemeinsam in der Sicherungsphase besprochen werden. Mit dieser Methode ist es also möglich, relativ kreative Unterrichtsbesuche zu zeigen.

Argumentationswippe

Ein Fachleiter ist immer das glücklich, wenn man in seinem Unterrichtsbesuch den AFB III erreicht. Das gemeinsame Diskutieren und Argumentieren zeigt den Höhepunkt einer guten Unterrichtsstunde. Ein Tool, mit welchem man diesen AFB III sehr gut visualisieren kann, ist die Argumentationswippe. Hier können wie auf einer Wippe verschiedene Argumente eingetragen werden, welche die Wippe dann in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen. Gerade für Pro/Contra-Argumente kann so eine Abstufung entstehen, welche SchülerInnen für die eigene Argumentation nutzen können. Insofern bietet es sich an, dass die SchülerInnen ihre Argumente (Pro oder Contra) beim Bearbeiten eines Arbeitsauftrags direkt herausschreiben und auf die Seite eintragen. In der folgenden Diskussion können die Elemente dann verschoben werden und so entsteht am Ende ein visualisiertes Meinungsbild des Kurses.

[Kennenlernspiel] Meinungsforschung Sommerferien-Edition

Allgemein, Methode, Spiel

In einem früheren Blog-Artikel habe ich das Spiel Meinungsforschung vorgestellt, welches ich oftmals in Stunden „vor den Ferien“ mit meinen SchülerInnen spielen. Kurz gesagt geht es darum, dass man eine persönliche Frage in den Raum stellt (z.B. Was ist deine Lieblingssüßigkeit?), jeder Mitspieler diese Frage anonym beantwortet und am Ende geraten werden muss, zu welchem Mitspieler welche Aussage gehört. Hierbei gibt es für jede richtige Zuordnung einen Punkt und wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel. Genaueres findet ihr wie gesagt in dem oben verlinkten Artikel.

Für die anstehenden Stunden „nach den Ferien“, gerade mit der eigenen Klasse, möchte ich das Spielkonzept ein wenig angepasst dazu nutzen, um auf spielerische Weise das Mitteilungsbedürfnis nach den Sommerferien zu stillen und gemeinsam in das neue Schuljahr zu starten. Kurz gesagt habe ich eine Sommerferien-Edition des Spiels erstellt, in welcher die zentrale Frage lautet: Was hast du in den Sommerferien erlebt? Der Gedanke ist, dass jeder Schüler via QR-Code zu einem GoogleDoc kommt, auf welchem er anonym seine Antwort eintragen kann. Nachdem dort genauso viele Antworten wie Mitspieler sind, darf jeder Schüler für sich zuordnen, wer welche Aussage getätigt hat. Auch diese digitale Variante ist neu, natürlich lässt sich das Spiel auch ganz „klassisch“ via Einsammeln von Antworten auf Papier und an der Tafel aufschreiben spielen. Nachdem alle ihren Tipp abgegeben haben, wird aufgelöst und beim Auflösen erzählt dann jeder Schüler, warum er sich für diese Antwort entschieden hat. So kann jeder Schüler ein interessantes Ereignis aus seinen Ferien erzählen und man kommt direkt wieder in den Austausch miteinander.

Björns Woche im #twlz: Die erste „eigene“ Klassenfahrt

meine Woche im #twlz

Liebes digitales Kollegium,

letzte Woche war es soweit: Ich durfte zum ersten Mal als Lehrkraft auf Klassenfahrt fahren. Etwas spontan durfte ich für eine Kollegin einspringen und mit einer weiteren Kollegin und einer elften Klasse für drei Tage nach Bonn fahren. Mir kam das insofern entgegen, dass ich im nächsten Schuljahr mit meinem Seminarfach auch auf Klassenfahrt fahre und so schonmal ein wenig Erfahrung sammeln konnte. Quasi ein „Warrmschwimmen“. Welche Erfahrungen ich gemacht habe und was ich als Tipps für mich selbst mitnehme, möchte ich im heutigen Wochenrückblick gerne mit euch teilen. Natürlich würde ich mich auch sehr über eure Erfahrungen freuen: Was habt ihr bisher so auf Klassenfahrten erlebt und welche Tipps für Klassenfahrten könnt aus eigener Erfahrung weitergeben?

Reiseplanungen

Sowohl die An-, als auch die Abreise haben wir mit der Deutschen Bahn zurückgelegt. Was schon vor der eigentlichen Abreise abenteuerlich klingt, zeigte sich in der Umsetzung dann „relativ“ entspannt: tatsächlich haben wir alle möglichen Züge bekommen, einmal mussten wir einen Alternativzug nehmen, bevor wir an einer anderen Station in den regulären Zug umsteigen konnten. Hier war es sehr praktisch, dass wir feste Reservierungen hatten. Somit konnten wir den SchülerInnen gleich mitteilen, in welchem Waggon wir saßen und das ersparte uns viel Zeit für die eigentliche Platzsuche und auch für das „Zusammensammeln“ vor dem Aussteigen. Ein Tipp wäre an dieser Stelle daher auf jeden Fall Plätze zu reservieren, sofern das bei der Fahrt möglich ist. Zudem sollte auf jeden Fall eine Umstiegszeit von mindestens 15 Minuten eingeplant werden, da Züge sich gerne mal verspäten (ganz überraschend!) und das gemeinsame Wechseln des Zuges mit Koffern etc. oftmals zu einer kleinen Völkerwanderung wird.

Für Bonn selbst haben wir dann noch den Tipp bekommen, uns eine regionale Verkehrsapp zu holen, um damit immer eine Möglichkeit zu haben, einen Rückweg zu der Bushaltestelle an der Jugendherrberge zu finden. Das hat hier super geklappt, weshalb ich bei meinen nächsten Klassenfahrten definitiv auch empfehlen würde, sich geeignete Verkehrsapps bereits vor der Fahrt herunterzuladen, damit die SchülerInnen auch selbstorganisiert reisen können.

Kommunikation

Kommunikation ist auf einer Klassenfahrt der wichtigste Punkt. Hierbei will ich aber gar nicht darauf hinaus, dass man „klare Regeln“ etc. festsetzen muss, da dies klar sein dürfte. Wir hatten z.B. feste Treffpunkte für Frühstück, Abendbrot und Zimmerkontrolle zur Nachtruhe, an die sich die SchülerInnen soweit auch gehalten haben. Was ich meine, sind erweiterte Kommunikationsmöglichkeiten, auf welche die SchülerInnen bei Fragen oder Nachrichten zurückgreifen können. Wir haben uns hier aus datenschutzrechtlichen Gründen für die Plattform Signal entschieden: Auf dieser haben wir eine Orga-Gruppe für die Klassenfahrt erstellt, in welche SchülerInnen bei Bedarf beitreten konnten. Hier waren wir quasi dauerhaft erreichbar bei Fragen oder Nachrichten. Ein Großteil der Klasse hat dieses Tool genutzt, was in einigen Situationen sehr hilfreich war: So konnten Gruppen Bescheid sagen, dass sie etwas später zu Abendbrot kommen, weil sie einen Bus verpasst hatten. Oder wir konnten auf die Frage, wann genau Nachtruhe war, relativ unkompliziert antworten.

Ein anderer Aspekt der Kommunikation betrifft dann das eigentliche Auftreten: Da eine Klassenfahrt immer auch von einer gewissen Lockerheit geprägt ist, fand ich es wichtig, bei der sicherlich bestehenden Distanz zu den SchülerInnen diese auch mal aufzubrechen. Damit meine ich konkret, auch mal Sachen zu zulassen, die man im Schulkontext wohl nicht direkt machen würde. So habe ich einen Teil der Klasse dabei gesehen, wie sie gerade eine Runde des beliebten Trinkspiels Flunkyball spielten. Nach einer kurzen Kontrolle (die Bierflaschen waren alkoholfreies Radler, also alles gut) fragten mich die SchülerInnen, ob ich denn nicht eine Runde mitspielen wollen würde. Ich überlegte kurz, da allerdings nicht wirklich was dagegen sprach, versuchte ich also auch mein Glück. Während das Werfen noch ganz gut lief, konnte ich trinktechnisch leider nicht so ganz mithalten. Spass gemacht hat es aber allemal und auch die SchülerInnen fanden es „cool“, einmal mit der Lehrkraft zusammen spielen zu können. Dasselbe zeigte sich auch bei Nachtwanderungen, Tischtennis-Runden oder einfach lockeren Gesprächen über Pokemon, Serien oder den Sinn des Lebens. Daher würde ich an dieser Stelle auch immer den Tipp geben, diese Ebene der Kommunikation auch mal zuzulassen, auch wenn man bedenken muss, dass dies bei älteren Klassen eventuellbesser funktioniert als bei jüngeren.

Zur Erinnerung: Die Foto-Challenge

Eine wichtige Frage bei Klassenfahrten ist natürlich: „Was machen wir eigentlich?“. Denn so entspannt eine Klassenfahrt auch sein soll, gehört es natürlich dazu, auch mal ein paar Sehenswürdigkeiten, Museen oder anderen Orten einen Besuch abzustatten. Auch das Erkunden des eigentlichen Orts gehört natürlich dazu. Um dies etwas interessanter zu gestalten, haben wir uns entschieden, eine kleine Foto-Challenge zu machen: Die SchülerInnen haben 10 Aufgaben bekommen, welche sie im Verlauf der Klassenfahrt erfüllen sollten: Fotos mit lokalen Sehenswürdigkeiten (wie z.B. dem Rhein) zu schießen, Fotos mit etwas rotem oder auch ein Foto mit einem Graffiti. Diese Fotos sollten die SchülerInnen dann auf einem eigens dafür erstellten Padlet hochladen, wodurch wir quasi ein Siegerteam küren konnten, welches die meisten Aufgaben erfüllt hat. Hierdurch haben wir nicht nur eine kleine Challenge zum Kennenlernen der Stadt gehabt, sondern auch gleich eine Sammlung an Erinnerungsfotos, die sich alle SchülerInnen noch für einen gewissen Zeitraum herunterladen können.

Gedanken aus dem #twlz

Alle Personen einsteigen: Der Wortarten-Express fährt ab. @fraudromedar hat ein tolle Übersicht über die verschiedenen Wortarten erstellt.

Endlich Ferien! Wer noch ein paar Grußideen für die Ferien braucht, sollte sich die folgende Übersicht von @TiedmannConsult einmal anschauen.

Fazit

Auch wenn so eine Klassenfahrt durch Aufsichtspflicht, Organisation etc. sicherlich stressig ist, empfand ich meine erste „eigene“ Klassenfahrt doch als rundum schöne Zeit. Zudem fühle ich mich durch diese Erfahrungen auch gut gerüstet für die nächste Klassenfahrt, welche dann länger und auch ins Ausland gehen wird. Aber vorher reise ich selber noch herum, denn es stehen endlich Ferien an. In diesem Sinne wünsche ich euch in meinem letzten Blogartikel vor der Sommerpause erholsame Ferien und viel Energie für das kommende Schuljahr.

Björns Woche im #twlz: weitere Spielideen für die „Stunde vor den Ferien“

meine Woche im #twlz

Liebes digitales Kollegium,

das Schuljahr neigt sich dem Ende zu. Nur noch wenige Wochen und dann stehen endlich die ersehnten Sommerferien vor der Tür. Da der Start in die Ferien je nach Bundesland unterschiedlich aussieht und es durch Klassenfahrten etc. durchaus vorkommen kann, dass die letzte Stunde vor den Ferien schneller als geplant kommt, dachte ich mir, dass es mal wieder Zeit für ein paar Spielideen für die typische „letzte Stunde vor den Ferien“ wird, damit man nicht dazu genötigt ist, irgendwelche langweiligen Dokus oder Serien zu gucken, sondern ein paar spaßige Momente mit seinen SchülerInnen haben kann.

Meinungsforschung

Meinungsforschung ist ein Spiel, welches sich eher für „kleine“ Gruppen sehr gut eignet. Im Prinzip geht es darum, dass man einschätzen muss, welche Person welche Antwort auf eine bestimmte Frage gegeben hat. Die Frage kann dabei relativ trivial sein: „Was ist dein Lieblingsgetränk?“ „Was ist dein Lieblingssport?“etc. Jeder Schüler beantwortet diese Frage verdeckt für sich (z.B. auf einem Zettel). Nach der Beantwortung sammelt die Lehrkraft die Zettel ein und mischt sie noch etwas durch. Danach werden die Zettel nach und nach geöffnet. Bei jedem Öffnen wird die Antwort laut vorgelesen und jede Schülerin muss einen Tipp abgeben, wer diese Antwort gesagt hat. Für jede richtig zugeordnete Antwort erhält man einen Punkt. Nachdem alle Antworten vorgelesen wurden, gewinnt die Person, welche die meisten Punkte hatte. Auf spielerische Weise lernt man sich innerhalb der Lerngruppe so noch besser kennen.

Make it Meme

Da das Erstellen und Dekonstruieren von Memes im Unterricht bereits sehr viel Spass gemacht hat, bin ich bei der Recherche auch auf das Spiel Make it Meme gestoßen. Der Sinn des Spiels ist relativ simpel: Alle TeilnehmerInnen bekommen ein zufälliges leeres Meme und müssen es so witzig wie möglich gestalten. Im Anschluss an das Erstellen werden die Memes dann bewertet und am Ende gewinnt der Mitspieler, der die meisten Punkte bekommen hat. Darüber hinaus bietet das Spiel noch weitere andere Spielmodi, welche manuell vom Spielleiter ausgewählt werden können. Das Spiel selber ist kostenlos und SchülerInnen können einfach via Einladungslink beitreten.

Among Us

Eine Idee für ältere Klassen: Among Us erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und ist weiterhin für verschiedene Geräte auch kostenlos verfügbar. Warum also nicht mal mit einer Lerngruppe ein wenig auf Impostor-Jagd gehen? Durch neue Einstellungen funktioniert das Spiel auch mit bis zu 15 Spielenden, sodass selbst große Lerngruppen ggf. mit zwei Leuten pro Gerät aktiv am Spiel teilnehmen können. Das Spiel selbst ist nach wie vor sehr intuitiv und wenn ihr generell noch ein wenig darüber nachlesen wollt, könnt ihr das hier in einem älteren Artikel machen.

Gedanken aus dem #twlz

Eine spannende Idee zum Thema Gamification von @eisenmed und @RonaldHild mit einem Spiel für den Geschichtsunterricht findet ihr unter folgendem Link:

Eine witzige Idee von @n85chu3l3r für die Stunden vor den Ferien: Bullshit-Bingo Sommerferien Edition. Wer also die nervigen Fragen seiner SchülerInnen etwas humorvoll sehen möchte, sollte einmal reinschauen.

Fazit

Ich hoffe, euch mit diesen Tipps ein paar neue Ideen für die letzten „letzten Stunden“ gegeben zu haben. Hier in Niedersachsen ist es zwar noch ein Monat, aber trotzdem kommen die Ferien immer näher. Daher wünsche ich euch eine möglichst stressfreie Zeit und diejenigen, welche in zwei Wochen schon in die Ferien gehen, einen guten Start. 😊

Üben und Wiederholen: deck.toys im Lateinunterricht

Apps/Programme, deck.toys, digital, Gamification, Latein, Methode

Kaum ein Unterrichtsfach wie Latein hat das große Problem, dass SchülerInnen gerne schnell vergessen, was man vor einer Woche gemacht hat. So schnell wie ein Abl.Abs. in den Kopf kommt, ist er bei den meisten auch schon wieder draußen. Gerade für Latein ist das natürlich schwierig, weil viele Elemente in gewisser Weise aufeinander aufbauen: Wer z.B. den Infinitiv nicht beherrscht, kann auch den AcI nicht beherrschen. Daher ist es wichtig, regelmäßig zentrale Elemente zu wiederholen, um diese halbwegs greifbar für neue grammatische Phänomene zu haben.

In meiner neunten Klasse stand ich vor der Situation, konjunktivische Nebensätze einzuführen. Ein zentrales Element hier sind die Zeitverhältnisse, welche durch die jeweiligen Konjunktiv-Formen angegeben werden. Diese Formen zeigen einem also an, ob es heißt „Julia sieht, dass das Haus brennt.“ oder „Julia sieht, dass das Haus gebrannt hat.“. Vorzeitigkeit und Gleichzeitigkeit (Nachzeitigkeit war hier in Nebensätzen noch nicht bekannt) sind zentrale Elemente des Lateinunterrichts und sollten hier bereits durch die bestehenden Infintivie bekannt sein. Doch weil ich bereits zuvor merkte, dass es da aktuell größere Mängel gab, wollte ich vor dem Einführen der neuen Grammatik noch einmal die Themen „Vorzeitigkeit und Gleichzeitigkeit“ inklusive der Infinitive wiederholen. Bei der Überlegung, wie mir dies nachvollziehbar, effektiv aber auch ein wenig spielerisch gelingen könnte, kam ich zu einem meiner Lieblingstools: deck.toys. Damit erstellte ich also ein Lernabenteuer zu den genannten Themen, welches ich euch gerne vorstellen möchte und welches ihr auch sofort selbst nutzen könnt.

Wenn ihr das Programm noch nicht kennt oder euer Wissen ein wenig auffrischen wollt, findet ihr hier nochmal einen ausführlichen Artikel zum Thema auf dem Blog.

Das deck.toys

Zu Übersicht hier einmal der grobe Aufbau meines deck.toys. Im Prinzip ist es ein linearer Pfad mit 4 Zwischenstationen. Daneben gibt es noch 3 weitere Bonuslevel, welche für den Pfad selbst nicht wichtig sind, aber den Zugang zu einem „geheimen“ Ende ermöglichen. Die Bonuslevel sind daher optional und eher als eine Art Differenzierung zu sehen. Insgesamt sieht die Oberfläche so aus:

Dabei bestehen die einzelnen Aufgaben auch genau aus dem, was darauf steht. Bei dem Infinitiv-Level geht es um… das Üben und Wiederholen von Infinitiven. Bei Übersetzungen sollen passende Übersetzungen einander zugeordnet werden und die beiden gleichzeitig/vorzeitig Übungen sollen einmal auf Deutsch und einmal auf Latein jeweils einem Bereich zugeordnet werden. Die jeweiligen Bonuslevel greifen das „angeschlossene“ Thema dann vertieft auf.

Wie gesagt gibt es hier in diesem deck.toys ein geheimes Ende, welches die SchülerInnen nur lösen können, wenn sie die drei Bonuslevel schaffen. In diesem Geheimlevel erhalten sie einen geheimen Code (optimus magister), welches sie mir nach der Stunde sagen sollten. Als Belohnung dafür gab es eine kleine Süßigkeit.

Insgesamt hat es den SchülerInnen sehr viel Spass gemacht, mit diesem deck.toys dieses Thema zu wiederholen. Selbst diejenigen, welche im Unterricht eher ruhig waren, waren hier sehr fokussiert, um möglichst viele Punkte zu erzielen. Sehr schön zu sehen war auch, dass sich einige ein wenig aufgeregt haben, wenn sie bei einem Spiel erstmal nicht weitergekommen sind. Wer kennt solche Situationen nicht vom eigenen Spielen? Insofern war das Feedback am Ende relativ positiv und beim Einführen des neuen Themas wrid sich zeigen, wie hilfreich der Einsatz von deck.toys dann wirklich war. Oder ob es wieder wie so oft im Unterricht heißt: „Haben wir das jemals gehabt?“ – „Ja, vor einer Woche.“. Ich hoffe es nicht. 😄

Das deck.toys könnt ihr unter dem folgenden Link (hier) oder QR-Code spielen und im eigenen Unterricht nutzen:

Tutorial zum Erstellen

Björns Woche im #twlz: Wie sinnvoll sind Erklärvideos auf YouTube & Co?

meine Woche im #twlz

Liebes digitales Kollegium,

wenn es um das digitale Lernen bei Schüler*Innen geht, sind Erklärvideos auf YouTube ganz vorne mit dabei. Wem um 20:00 am Vorabend einfällt, dass ja morgen eine Klausur ansteht, sucht auf YouTube schnell nach Videos von Plattformen wie Simpleclub, musstewissen oder Kurz gesagt. Immerhin versprechen diese Plattformen, dass man nach dem Video „alles weiß, was man wissen muss“ oder dass man nach dem Schauen dieses Video morgen auf jeden Fall eine gute Note schreiben werde. Daher verwundert es nicht, dass jene Videos auch bei meiner SchülerInnen sehr beliebt sind und natürlich auch geschaut werden. Doch so gut zusätzliche Bildung auch ist, bleibt natürlich die Frage bestehen, welchen praktischen Mehrwert haben solche Erklärvideos für den Unterricht wirklich? Und wie sieht es um die vorher genannten versprechen aus: Ist das Schauen solcher Videos der „einfache“ Weg zu 15 Punkten in Geschichte und co? Auch im #twlz wird immer mal wieder gerne über das Thema diskutiert, weshalb ich es spannend fand, diesen Fragen mal mit einer Schulklasse nachzugehen. Gemeinsam mit meiner elften Klasse in Geschichte haben wir uns diese Frage einmal gestellt und kritisch geschaut, inwiefern diese Videos zum Erringen einer guten Note für den Unterricht beitragen können.

Die Ausgangslage

Konkret bin ich in die Stunde mit der Frage gegangen, ob das Schauen solcher Erklärvideos hilft, eine gute Note in einer Oberstufenklausur in Geschichte zu bekommen. Als Materialien dienten hierfür ein Erklärvideo von Mr.Wissen2go zum Thema Entdeckung Amerikas und eine kleine Übersicht über eine Beispielklausur. Zu letzterem Punkt sei gesagt, dass wir in Geschichte in Niedersachsen für die Oberstufe relativ feste Vorgaben für das Stellen von Klausuren haben. Die Klausur orientiert sich dabei an je einer Aufgabe aus allen drei Anforderungsniveaus, hier einmal knapp zusammengefasst: Zusammenfassen (AFB I) / Erklären (AFB II) / Stellung beziehen (AFB III). In Bezug auf den AFB I ist damit auch immer eine Quellenkritik verbunden. Auf Basis dieser Grundlage erstellte ich eine Probeklausur, die als Vergleichskriterium für den „Nutzen“ des Schauens solcher Videos dienen sollte. Eine konkrete Quelle gab es hier aber nicht, da wir diese Frage „universell“ beantworten wollen. Diese Probeklausur sah dann so aus:

Mit diesen Aufgaben im Hinterkopf schauten wir uns also das oben genannte Video an. Zentrale Aufgabe war es zu bewerten, inwiefern das Schauen dieses Video dabei hilft, diese drei Klausuraufgaben zu beantworten. Sollte es wirklich reichen, mit dem Schauen eines gut 10-minütgen Videos einen einfachen Weg zu 15 Punkten gefunden zu haben?

Die Besprechung

Wir schauten also das Video und bevor wir uns inhaltlich damit auseinandersetzten wurde erst einmal die Professionalität des Videos gelobt. Der Inhalt wurde klar und verständlich vorgetragen und es sei relativ leicht gewesen, ihn zu verstehen. Dann gingen wir zum inhaltlichen über. Bezüglich Aufgabe 1 stellten die SchülerInnen fest, dass das Video hierbei relativ wenig weiterhelfe. Da es im Video keine spezifische Quellenkritik oder Inhaltsangabe gebe, könne auch kein Mehrwert daraus gewonnen werden. Zwar würden an einigen Stellen Aspekte der Quellenkritik auftauchen, aber grundsätzlich würden Quellen und deren Inhalte eher eine kleine Rolle spielen. Hier wurde angemerkt, dass es in dieser Hinsicht auch nicht der Anspruch des Videos sei, was richtig ist, aber auch zeige, dass es eben für diese Art von Aufgabenstellung weniger geeignet sei. Als Fazit wurde deshalb formuliert, dass es durch das Schauen dieses Videos wenn überhaupt einen sehr geringen Nutzen für Aufgaben aus dem AFB 1 gebe. Weder stehe eine Quelle im Vordergrund, noch werde sich kritisch mit dieser auseinandergesetzt.

Ein wenig anders sah es dann im AFB 2 aus: Hier waren sich die SchülerInnen einig, dass die im Video gezeigten Informationen sehr gut erklärt wurden. Die im Unterricht erarbeiteten Informationen zum Handel im 15. Jahrhundert und zu den damals existierenden Handelswegen wurden ausführlich vorgestellt und in einen klaren Bezug zueinander gesetzt. Gelobt wurde auch die Veranschaulichung via Karten etc., durch welche man die Worte auch visuell nachvollziehen konnte. Am Ende kamen wir zu dem Schluss, dass gerade für diesen AFB 2 das Lernen mit solchen Erklärvideos sehr sinnvoll sein kann. Zwar wurde hier auch erwähnt, dass dieses Video spezifisch auf die Frage zugeschnitten war, aber da es mittlerweile zu fast jedem Thema (teilweise mehrere) Erklärvideos gibt, sollte es möglich sein, damit ergänzend zum jeweiligen Unterrichtsstoff zu lernen.

Beim AFB 3 gingen die Meinungen dann ein wenig auseinander: Ein Teil der Lerngruppe sagte, dass man durch das Schauen solcher Videos eine gute Basis gewinne, auf welcher man dann argumentieren könne. Die Fakten zum Bewerten der hier gestellten Frage würden dafür eine gute Grundlage bieten. Auf der anderen Seite wurde dann aber angemerkt, dass das Video selbst gut erklärt, aber wenig „eigene“ Position bezieht. Hier oder auch in anderen Videos werden streitbare Punkte durchaus angesprochen, aber es wird nur gesagt, dass es diese Positionen gibt. Niemals bezieht der Sprecher selbst Partei oder bezieht insofern Stellung, dass er selbst auf Basis der erklärten Punkte für eine Position eintritt. Teilweise wird gesagt, dass die ZuschauerInnen ihre Meinung in die Kommentare schreiben und dort diskutieren sollen, was aber nicht wirklich funktioniert, wenn man sich die Kommentare anschaut:

Das Ergebnis

Am Ende kamen wir also zu einem gemischten Fazit: Während das angeschaute Erklärvideo vor allem in Bezug auf den AFB 2 sinnvoll war, bot es doch wenig Inhalt, um für die Anforderungsbereiche 1 und 3 „gerüstet“ zu sein. Das Video bot eine tolle und ausführliche Erklärung, ohne dabei aber für die Geschichtswissenschaft zentrale Aspekte wie Quellenkritik oder Argumentation zu gebrauchen. Es wird versucht, ein Anspruch von Objektivität an Geschichte zu stellen, indem es auf das gute erklären von Hintergründen reduziert wird. Das wird den Ansprüchen und er Oberstufe aber nur in Teilen gerecht. Allerdings (und da war sich auch ein Großteil einig) ist dies in auch gar nicht so sehr der Anspruch eines „Erklär“videos. Wenn das Video dies gut macht, habe es seine Aufgabe doch erfüllt. Schwierig wird es nur, wenn jenes Video dann alleine durch das Schauen nur gute Noten verspreche. Deshalb lautete für die sehr produktive Diskussion das Fazit, dass solche Videos eine tolle Ergänzung zur Vorbereitung für eine Klausur (oder auch zum normalen Unterricht) wären, man sich aber eben nicht alleine darauf verlassen dürfe.

Gedanken aus dem #twlz

Ein interessantes Tool zum digitalen Brainstormen stellt das kitsTeam vor:

Einen ausführlichen Einblick in das Thema „Erstellen von Erklärvideos“ im Biounterricht liefert @Ankikow.

Fazit

Erklärvideos werden für einige Zeit zur Lebenswelt der SchülerInnen dazugehören, weshalb es wichtig ist, sich auch im Unterricht damit auseinanderzusetzen. So kann man sowohl die Stärken, als auch die Schwächen dieser Videos transparent aufzeigen, damit die SchülerInnen diese nicht einfach nur schauen, sondern auch verstehen. Das hat jedenfalls die Diskussion mit meiner elften Klasse ergeben. An dieser Stelle würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn ihre eure bisherigen Erfahrungen mit Erklärvideos teilt und einmal erzählt, wie ihr diese im Unterricht nutzt? Bzw. habt ihr schonmal gefragt, ob eure SchülerInnen diese nutzen, um dann „einfach eine 1 zu schreiben“? Ich bin gespannt auf die weitere Diskussion zu dem Thema und wünsche euch an dieser Stelle einen schönen Start in den Juni. 😊

[alternative Prüfungsformate] Steam-Game

alternative Prüfungsformate, Computerspiel, digital, Geschichte, Jugendmedien, Spiel

Die folgende Idee basiert auf der Idee „Netflix-Serie“ als alternatives Prüfungsformat von Stefan Fassnacht. Mehr Infos dazu findet ihr auf dem dazugehörigen Blogbeitrag.

Egal, ob SchülerIn oder Lehrkraft: Wer heutzutage im Medium Videospiele unterwegs ist, kommt um die Plattform Steam nicht herum: Nahezu alle bekannten Spieleserien wie FIFA, DotA 2, Civilization oder PUBG werden alle über diese Plattform gespielt. Da ich innerhalb des eigenen Unterrichts mit meinem Privatlaptop arbeite, ist den SchülerInnen schnell aufgefallen, dass auch ich Steam nutze, wenn mal gezockt wird. Sofort kamen die üblichen Fragen: Was spielen sie denn? Was ist ihr Lieblingsspiel? Haben sie schon von Spiel X gehört? Es zeigte sich, dass die SchülerInnen sehr mit dieser Plattform vertraut sind, weshalb ich mir überlegte, ob man das nicht auch für den Unterricht nutzen könnte. Angelehnt an den oben bereits erwähnten Entwurf, eine eigene Netflix-Serie zu erstellen, bastelte ich ein editierbares Template (Material ist am Ende des Beitrags verfügbar), mit welchern die SchülerInnen ein eigenes Steam-Spiel entwickeln und vorstellen sollten.

Beispiel zur Veranschaulichung im Unterricht

Die Rahmenbedingungen

Getestet habe ich diese Vorlage in meiner zwölften Klasse. In dieser haben wir das Thema „Völkerwanderung“ behandelt und die Aufgabe war, innerhalb dieses Kontextes ein eigenes Spiel zu entwickeln. Ich habe hier bewusst keine inhaltlichen Grenzen gesetzt, um den SchülerInnen hier die Möglichkeit zu geben, das ganze auch kreativ umzusetzen. Sie konnten sich also (wie es in dem Template möglich ist) aussuchen, welcher Inhalt (innerhalb der Einheit) in welchem Genre umgesetzt werden soll. Als Bewertungskriterien habe ich folgende zwei Schwerpunkte gewählt und diese den SchülerInnen so auch transparent klar gemacht:

  • Inwiefern wird ein historischer Inhalt aufgegriffen? => Umsetzung des historischen Stoffes
  • Wie wurde dieser Inhalt mit der Gattung „Videospiel“ verknüpft? => Kreativität in der Umsetzung

Als Zeitrahmen bekamen die SchülerInnen hier insgesamt 4 Stunden, sodass in der fünften Stunde die Spiele dann vorgestellt und diskutiert werden konnten. Die SchülerInnen gingen motiviert ans Werk und überlegten sich relativ schnell verschiedene Ideen, ein Spiel innerhalb des Rahmens der „Völkerwanderung“ zu entwickeln.

Die Ergebnisse

Dementsprechend gespannt war ich also auf die Ergebnisse der SchülerInnen. Voller Freude präsentierten sie in Stunde 5 schließlich ihre Ergebnisse, welche sehr bunt gemischt waren: Eine Gruppe hatte sich ein Aufbau-Strategiespiel ausgedacht, in welchem sich die vertriebenen Ostgoten innerhalb der oströmischen Gebiete niederließen. Hier sollte man versuchen, eine neue Heimat zu errichten und dabei sowohl gotische als auch römische Häuser und Strukturen bauen können. Eine andere Gruppe entwickelte ein Rollenspiel, welches innerhalb des untergehenden Ostgotenreiches spielte. Hier spielte man ein Mitglied von Theoderichs Dynastie, welches nach dessen Tod in die Wirrungen um seine Nachfolge eingriff und selbst versuchte, den Thron für sich zu beanspruchen. Dabei konnte man typischen Rollenspiel-mäßig auswählen, ob der Charakter eher durch Kraft oder durch Intelligenz stärker wird. Ein weiteres Spiel war ein „klassisches“ Strategiespiel, in welchem man sich ein damaliges „Land“ aussuchte und versuchte, seine Macht zu vergrößern. Hierbei setzte die Gruppe die historischen Umstände durch Boni um, wenn z.B. die Ostgoten unter Theoderich stärker in der Außendiplomatie waren, während die Merowinger unter Chlodwig stärkere Soldaten hatten.

Insgesamt war sich sehr zufrieden mit den Ergebnisse und auch die SchülerInnen gaben größtenteils positives Feedback an die anderen Gruppen. Im Anschluss an die Präsentationen haben wir dann noch ein wenig darüber diskutiert, wie „authentisch“ Videospiele mit historischen Inhalten sein können. Hier war es ganz spannend zu hören, dass auch die SchülerInnen anfangs noch versuchten, sehr „nah“ an der Geschichte zu sein, während es in den weiteren Planungen doch eher darum ging, die Gattung „Videospiel“ gut umzusetzen.

Fazit

Persönlich bin ich sehr zufrieden mit den Ergebnisse und dieser ganzen Methodik. Daher möchte ich die Vorlage gerne mit euch teilen und bin schon gespannt, ob ihr ähnliche Erfahrungen machen werdet. Dieses Kurzprojekt hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, die Lebenswelt der SchülerInnen in einem sinnvollen Kontext in den Unterricht zu holen. Die SchülerInnen hatten nicht nur Spass und haben sich dabei mit den historischen Inhalt auseinander gesetzt, sondern auch einmal aktiv wahrgenommen, wie sehr Geschichte am Ende doch nur ein Konstrukt ist.

Material

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Tipps zum Erstellen von (Latein-)Klausuren

meine Woche im #twlz

Der Mai ist nicht nur der Monat, in welchem das Wetter normalerweise schön wird und der Frühling in seiner höchsten Blüte steht, sondern leider auch der Monat, in welchem zahlreiche Klausuren anstehen. Zwischen Oster- und Sommerferien steigt der Stresslevel hier oftmals sehr stark an, was auch daran liegt, dass man eben zahlreiche Klausuren erstellen und korrigieren muss. In den letzten Tagen wurde im #twlz viel darüber diskutiert, wie man selbst mit dem Erstellen von Klausuren umgeht und ob man selbst eine feste Vorlage nutzt. Auch ich habe mich an diesen Diskussionen beteiligt und es kam der Gedanke auf, die eigenen Routinen beim Erstellen von Klausuren einmal vorzustellen. Genau das möchte ich mit dem heutigen Artikel machen und einmal zeigen, wie meine Mustervorlage für eine Lateinklausur aussieht. Ich freue mich schon auf eure Anmerkungen und den weiteren Austausch zu dem Thema. Eventuell gibt es ja auch Vorlagen, welche ihr nutzt und gerne im #twlz teilen möchtet?

Der „Einstieg“ in eine Klausur beginnt bei mir immer mit einem Einführungstext, welcher die SchülerInnen in das Thema die Klausur einführt. Durch aufmerksames Lesen erkennen die SchülerInnen bereits den Kontext und haben somit keinen „Kaltstart“. Ebenfalls werden im Einführungstext ggf. schon Vokabelhilfen gegeben, wenn z.B. ein Name oder ein Ort auftaucht, der im lateinischen Text ebenfalls vorkommt: „Romulus und Remus gelten als Gründer Roms (Roma, ae f.)“. Ebenfalls finden sich auch die formellen Angaben wie Datum, Klasse oder auch die Nummer der Klausur. Auch dürfen die SchülerInnen gerne daran erinnert werden, ihren Namen oben links einzutragen. 😉

Standardmäßig gehört zu einer Lateinklausur natürlich auch ein Text, der übersetzt werden möchte. Diesen platziere ich immer im „Zentrum“ des Blattes in der folgenden Aufteilung: Der eigentliche Text ist in einer großen Schrift verfasst, mit einem Zeilenabstand von 1,5 um den SchülerInnen Platz für eigene Markierungen zu lassen. Er nimmt 2/3 des Platzes ein, die jeweiligen Vokabelhilfen dann 1/3. Die Vokabeln, welche ich hier angebe, markiere ich im lateinischen Fließtext dick, damit erkennbar ist, dass diese Vokabel als Hilfe angegeben ist.

Nach dem lateinischen Text erfolgt der eigentlich Aufgabenblock, der immer mit der Aufgabe der Übersetzung beginnt. Wichtig ist hier das „angemessen“, da ich eben nicht einfach möchte, dass die SchülerInnen 1:1 wörtlich übersetzen, ohne den Text zu verstehen. Standardmäßig bestimmte bei uns die Übersetzung 2/3 der Endnote, während die restlichen Aufgaben aus Grammatik und Kulturgeschichte 1/3 ausmachen. Dieser Teil ist bei mir oftmals so aufgeteilt, dass es zwei Grammatikaufgaben und eine Aufgabe zur Kulturgeschichte gibt. Die Grammatikaufgaben sind dabei so aufgebaut, dass sich direkt auf den Text beziehen und den SchülerInnen somit auch ein wenig Hilfestellung geben:

„Besimmte den Kasus eines Wortes in Zeile 2.“

„Markiere die Satzglieder des AcI in Zeile 5.“

„Unterstreiche die Relativpronomina im Text.“

Die Aufgabe zur Kulturgeschichte selbst greift dann den Hintergrund des Textes auf. Handelt der Text z.B. von Hannibal, dann kann die Aufgabe hier lauten, kurz zu erklären, warum er die Römer so gehasst hat oder inwiefern sein Zug über die Alpen so überraschend war. Diese Aufgabe schließt die Klausur ab und bildet so meistens eine Brücke zum eigentlichen Einstieg.

Das ist also meine Mustervorlage, um relativ „schnell“ eine eigene Klausur für den Lateinunterricht zu erstellen. Wenn ihr die gesamte Vorlage nutzen wollt, könnt ihr diese hier finden:

Fazit

Das Erstellen von Klausuren gehört sicherlich zu den eher „lästigeren“ Aufgaben einer Lehrkraft. Insofern finde ich es gut, dass wir uns in #twlz darüber austauschen und Ideen teilen. Ich bin gespannt, mit welchen „Routinen“ ihr Klausuren erstellt und welche kleinen Tipps und Hilfen ihr nutzt, um eure Klausuren zu erstellen.

Material