Kathas Woche im #twlz: Über die Chancen & Notwendigkeiten von Lehrerfeedback

meine Woche im #twlz

Liebes digitales Kollegium,

„Man kann ja nicht direkt zu den Schülern gehen und fragen, was dem Unterricht fehlt, ohne dabei seine Autorität zu verlieren“ und „Wie kannst du dir das antun?“ sind nur einige Reaktion, wenn ich erzähle, dass ich mir regelmäßig Feedback von meinen Schülerinnen einhole. Vorab sei gesagt, dass ich dadurch bis jetzt weder meine Autorität verloren habe noch bin ich daran zugrunde gegangen. Eher das Gegenteil ist eingetragen und mein Unterricht hat sich durch das Feedback der Mädels stetig und positiv weiterentwickelt. Ich kann durch das Feedback individueller auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen und mit Methoden arbeiten, die ihnen Spaß gemacht haben. Zudem lerne ich die einzelnen Klassen durch das Feedback nochmals besser kennen, denn es lassen sich Schemata erkennen, welche bei vielen Mitgliedern der Klasse Anklang gefunden haben. So weiß ich nun mit Sicherheit, dass eine Klasse die Arbeit mit Medien und kollaborativ in Kleingruppen bevorzugt, während die Parallelklasse wesentlich lieber in größeren Gruppen und kreativ arbeitet. Einige dieser Dinge habe ich im Laufe des Schuljahrs bereits festgestellt, andere Dinge, die auch im Feedback genannt wurden, noch nicht. Für mich ist die Evaluation meines Unterrichts auch ein Akt der Wertschätzung und ein Zeichen an meine Schülerinnen, dass ich sie schätze und ihnen vertraue.

Auch bei Kritik und dem Ablehnen einiger meiner bevorzugten Methoden fällt mir kein Zacken aus der Krone. Konstruktives Feedback empfinde ich immer als Bereicherung und setze es mir als persönliches Ziel, die Dinge, die angesprochen wurden, bis zum nächsten Feedback zu verbessern und stetig an mir zu arbeiten. Das Leben ist ein kontinuierliches Lernen und dies gilt auch für meinen Unterricht. Ich habe das Bestreben aus meinem Unterricht das Optimum rauszuholen und um die Qualität dessen festzustellen, ist eine regelmäßige Evaluation notwendig. Und wen kann ich hierbei besser um Feedback bitten als meine eigenen Schülerinnen?

Meine Evaluation

Evaluieren tue ich meinen Unterricht immer anonym mit mebis und nutze hierbei sowohl geschlossene als auch offene Fragen. Als Vorlage nutze ich hierbei den Bogen von Magistra_Carina, welchen ich für mich persönlich etwas gekürzt habe. Mir ist persönlich wichtig, zu klären, ob die Schülerinnen mir folgen können und sich wertgeschätzt fühlen.

Mögliche Tools zur Evaluation
  • Kurzes Feedback/Eindrücke einholen z.B. mit einer Wortwolke: Mentimeter, Oncoo, Wooclap
  • Ausführliches Feedback mit mehreren Items: Lernplattform (moodle, mebis etc.), MS Forms, Edkimo (kostenpflichtig)

Wie steht ihr zum Lehrerfeedback im Unterricht? Lässt es mich gerne auf Twitter oder in den Kommentaren wissen!

Impression aus dem #twlz

Auch im Twitterlehrerzimmer wurde in der vergangenen Woche viel über Feedback diskutiert.

Methodisches Feedback

Ebenso wie im Beispiel gezeigt, sehe ich es auch für gewinnbringend an, einzelne Methode zu evaluieren.

Kurzes Feedback

Ich persönliche evaluiere immer über mebis und das sehr ausführlich. Hier nun eine etwas kürzere Methode.

Audio-Feedback

Ein gesprochenes Feedback ist wesentlich persönlicher als eine kurze Notiz und fördert zudem die Beziehungsarbeit.

Powerpoint Karaoke als Präsentationstraining

Methode, Methodik

Spontanität, Ausdrucksstärke, Souveränität und die Präsentation und Wiedergabe von Sachverhalten sind Kompetenzen, welche nicht nur in der Schule von Bedeutung sind, sondern auch im späteren Berufsleben. Umso wichtiger ist es, diese Kompetenzen neben dem fachlichen Inhalt zu schulen. Um die Präsentationsfähigkeit zu schulen, aber auch den Umgang mit unerwarteten Situationen sowie Spontanität, eignet sich die Methode der Powerpoint Karaoke. Zudem kann man mit den Präsentationen ebenso schöne Vertretungsstunden gestalten.

Was ist Powerpoint Karaoke?

Auch wenn die Bezeichnung der Methode anderes vermuten lässt, wird bei der Powerpoint Karaoke nicht gesungen. Lediglich die spontane Darbietung und der unbekannte Titel wurden übernommen. Bei der Powerpoint Karaoke geht es darum, eine Präsentation zu halten, welche zuvor unbekannt oder nur wenige Minuten zuvor gesehen wurde und dies in einer vorgegebenen Zeit. Hierbei geht es nicht darum, den Inhalt korrekt wiederzugeben, sondern spontan, kreativ und gleichzeitig souverän zu agieren, ohne sich anmerken zu lassen, dass man die Präsentation nicht kennt.

Durchführung im Unterricht

Für den Unterricht in einer 8.Klasse habe ich die Methode leicht abgewandelt und meine eigenen Rahmenbedingungen gesetzt.

  • Zeit pro Präsentation: 3-4 Minuten (kein vorzeitiger Abbruch)
  • Präsentation eines unbekannten Schaubildes
  • Einzel- oder Partnerpräsentation; niemand wird gezwungen zu präsentieren

Um in 45 Minuten jedem Mitglied der Klasse die Chance auf eine Präsentation zu geben, habe ich für die einzelnen Vorträge ein Zeitlimit von drei Minuten festgesetzt. Hierfür habe ich ihnen einen Timer gestellt und auf das Pult gelegt. Selbst habe ich mich zurückgenommen und in eine freie Bank gesetzt. War eine Präsentation nach der vorgegebenen Zeit allerdings noch nicht beendet, habe ich die Referierenden in Ruhe aussprechen lassen, damit sie ihre Präsentation beenden konnten. Ein abrupter Abbruch erschien mir angesichts des Alters und der Unbekanntheit der Methode doch zu hart.

Zudem habe ich mich aufgrund der Zeit und mangelnder Vorlage gegen die Vorstellung von Präsentation und für Schaubilder entschieden. Die Vorteile sind hierbei, dass alle wichtigen Informationen auf einen Blick zu erkennen und grafisch untermalt sind. Vorstellen durften die Mädels diese wahlweise in Einzel- und Partnerarbeit, wobei sie die Präsentation erst zu Gesicht bekamen als der Timer und somit ihre Zeit gestartet war. Sie mussten also absolut spontan handeln und hatten dabei keine Vorbereitungszeit. Die einzelnen Präsentationen hatte ich zuvor durchnummeriert und auf einem Stick mitgebracht. Die Schülerinnen habe dann wahllos eine Zahl zwischen 1-18 nenne dürfen und die jeweilige Präsentation erhalten. Alternativ kann man hier auch ein Glücksrad verwenden.

Fazit

Es war mein erster Durchgang mit dieser Methode und ich bereue es, sie nicht früher eingesetzt zu haben.

Die Mädels sind teilweise so auch sich herausgegangen und haben sich von einer anderen Seite gezeigt, wie ich es im normalen Geschichtsunterricht selten erlebt habe. Ich durfte viele neue Facetten an ihnen entdecken und war am Ende echt stolz auf sie. Sie haben gelernt, dass sie super spontan reagieren können und auch eine Lösung für ein Problem finden, wenn sie einmal nicht weiterwissen. Sie standen spontan an der Tafel und haben die einzelnen Präsentation gerockt, ohne Angst vor der Aufgabe zu haben. Sie sind in, passend zu den Präsentation, verschiedenen Rolle geschlüpft und haben diese imitiert. Besonders schön war, dass sie mit den Referierenden interagiert haben, wenn bei diesen eine kurze Pause entstanden war. Das haben sie absolut selbstständig ohne jegliche Anweisung meinerseits getan und damit auch gezeigt, wie sehr sie ihre Klassenkameradinnen bei kleinen Schwierigkeiten unterstützen und wie gut sie als Klasse zusammenhalten. Am Ende der Stunde haben sich auch noch einige Schülerinnen getraut, welche zuvor etwas skeptisch waren. Dies zeigt auch, wie hoch das Vertrauen ihrerseits in die Gemeinschaft ist und ich weißt, dass es manchen echt Überwindung gekostet hat. Am Ende der Stunde kam die Frage auf, ob wir so etwas wiedermachen. Ein schöneres Feedback kann man doch gar nicht bekommen. Insbesondere, wenn man strahlende und lachende Kinder vor sich hat 😊

Schaubilder

Fake News enttarnen mit Napleon

Geschichte, Neuzeit

Fake News sind nicht erst seit Corona ein Thema, doch seit dieser Zeit sind sie präsenter in den Medien. Auch in unserer Geschichte verstecken sich die ein oder anderen Mythen, welche es zu enttarnen gilt. Besondern um Napoleon hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er ein kleiner Mann gewesen sein soll.

Myth vs. Reality

Zufällig entdeckte ich beim Recherchieren die Serie „Myth vs. Reality“. Auf dem nicht mehr existierenden Twitter-Account wurden verschiedenen Mythen entlarvt und in einer Grafik mit der jeweiligen Realität gegenübergestellt.

Als Aufhänger des Arbeitsblattes habe ich die entsprechende Grafik zu Napoleon genutzt, um anschließend die Herkunft des Mythos mit Hilfe eines Darstellungstextes zu klären. Anschließend habe ich einen Gegenwartsbezug zu heute geschaffen.

Im Mittelpunkt stand dabei das Aufdecken von Fake News und der Schutz vor diesen. Hierbei sollten die Schülerinnen eigene Beispiele finden und ein eigenes Beispiels als Myth vs. Reality darstellen. Anschließend haben wir gemeinsam darüber gesprochen, wie man sich vor Fake News schützen und was man gegen diese tun kann.

Fazit

Wir haben für die Einheit etwa 45 Minuten gebraucht und viel über die aktuellen Mythen gesprochen und was man gegen diese unternehmen kann. Insbesondere zu Corona und die Impfung kamen viele Fake News. Gefreut hat mich zudem, dass sich auch viele Schülerinnen bei der Übung gemeldet haben, die ansonsten etwas zurückhaltendere sind.

Material

Das Material unterliegt folgender Lizenz: CC BY 4.0.

Weitere Myth. vs. Reality

Björns Woche im #twlz: Frohes Neues und neue Ideen zum Jahresstart!

meine Woche im #twlz

Liebes digitales Kollegium,

an dieser Stelle wünsche ich euch allen erstmal eine frohes neues Jahr mit viel Glück, Gesundheit und natürlich vielen schönen Unterrichtsstunden… inklusive wenig Korrekturstress. 😀 Ich habe die Weihnachtsferien gut genutzt, um ein wenig zu entspannen und den Akku für die kommenden Monate wieder aufzuladen, immerhin geht es bei uns in Niedersachsen jetzt fast 4 Monate komplett durch, bis die Osterferien wieder anfangen. Natürlich müssen auch die SchülerInnen wieder abgeholt werden, wenn sie nach 2 Wochen Weihnachten und Ferien Pause nicht wirklich an Akkusative und Imperialismus gedacht haben. Daher gab es einiges zu tun, was ich hier gerne mit euch teilen möchte.

Wiederholung digital: via deck.toys zur Einheit

Eines meiner Lieblingstools, wenn es um das Wiederholen von Unterrichtsinhalten geht, ist ohne Zweifel deck.toys. Mit den vielen kleinen Möglichkeiten können Übungen individuell gestaltet werden, sodass von Sortier- über Zuordnungs- bis hin zu Puzzleaufgaben eine sehr große Vielfalt dabei ist. In Bezug auf meine Wiederholung habe ich hier ein deck.toys zur Deutschen Einheit 1989/90 erstellt, bei welchen die SchülerInnen die wichtigsten Schritte einmal durchspielen sollten. Wie immer hat es ihnen sehr viel Spass gemacht und wir konnten direkt danach dazu übergehen, einmal zu schauen, inwiefern die Einheit auch wirklich eine gleichberechtigte Wiedervereinigung war. Wenn ihr das deck.toys einmal selbst spielen (oder für den Unterricht nutzen wollt), findet ihr den Link hier zur freien Verfügung.

In meiner siebten Klasse habe ich mit meinen SchülerInnen gerade den Aufstieg Napoleons behandelt, sodass es nun zu Napoleon und seiner Herrschaft in Europa gehen sollte. Da ich gerne mal etwas Abwechslung in den Unterricht bringen wollte, habe ich entschieden, meine SchülerInnen Plakate zu Napoleon erstellen zu lassen. Doch anstatt diese einfach nur so vorzustellen, habe ich mich hier für die Methode des Gallery Walks entschieden: Zur Info: Hier werden alle Gemälde bzw. hier Plakate aufgehangen und die SchülerInnen können sich frei bewegen und sich wie in einem Museum die anderen Plakate angucken. So konnten die SchülerInnen alle Plakate begutachten und sich während des Rundgangs schon austauschen, was sie in welcher Form gelungen fanden und welche besonderen Informationen sie ggf. noch nicht kannten. Auch wenn es etwas wuselig war (es waren immerhin Siebtklässler!), hat es doch insgesamt gut funktioniert und auch von den SchülerInnen kam ein positives Feedbach, sodass es in Zukunft defintiv noch eine Rückkehr ins Museum geben wird. 🙂

Gedanken aus dem #twlz

Das Erstellen von MindMaps gehört zum Unterricht wie das Schnurren zur Katze. Seit ein paar Tagen gibt es mit TeamMapper ein neues Tool, mit welchem auch im Unterricht kollaborativ digitale MindMaps erstellt werden können. Das kostenlose Tool findet ihr in folgendem Tweet:

Wer eine Sammlung von sogenannten „Wordle-Rätseln“ für den Fremdsprachenunterricht sucht, sollte einmal die folgende Übersicht anschauen, auf welche @Profeesora im #twlz aufmerksam gemacht hat. Eventuell ist ja für jemanden etwas passendes dabei oder es kommen noch neue Tools hinzu, um das ganze auch in Latein einsetzen zu können. 😃

Auch wenn ich kein Naturwissenschaftler bin, fand ich es doch faszinierend, welche Möglichkeiten Augmented Reality heutzutage schon bietet. @teichrew zeigt dabei ein sehr anschauliches Beispiel für den Physikunterricht, eventuell ja eine spannende Idee für die Physik-KollegInnen hier.

Fazit

Ich hoffe, dass ich euch mit meinem Beitrag ein paar Ideen und Anregungen für den Start in das neue Schuljahr geben konnte. Denn neben dem normalen Unterricht stehen auch noch Zeugniskonferenzen an, die ebenfalls einiges an Zeit und hoffentlich nicht so viel an Nerven kosten werden. Deshalb ist es umso wichtiger, den gegenseitigen Austausch weiter anzukurbeln, um die vielen tollen Ideen im #twlz zu verbreiten und sich somit nicht nur Stress zu sparen, sondern gelungene Ideen weiterzuverbreiten. In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Start und freue mich schon auf das kommende Schuljahr im #twlz. 🥳

[H5P] Wordle für den Unterricht selbst generieren

Latein, Vokabeln, Wiederholung

Wordle – ein Trend, der aktuell durch Social Media geht. Hierbei müssen Wörter mit fünf Buchstaben erraten werden. Hat man einen Buchstaben richtig erraten, erscheint das entsprechende Feld grün. Hierfür hat man sechs Versuche. Ich habe mir heute Morgen die Frage gestellt, wie ich diesen Hype im Unterricht einsetzen kann, denn die Methode dahinter ist schon genial. Entstanden ist eine kleine Übung für Latein mit simplen Wörtern.

Erstellen eines Wordle

Erstellt habe ich mein Wordle mit der Lückentextfunktion der Anwendung H5P. Dies könnt ihr beispielsweise kostenlos über zumApps hosten. Zu Beginn überlegt ihr euch eine Vokabel, optimalerweise aus dem aktuellen Lernwortschatz oder zur Wiederholung, die die Schüler*innen erraten sollen. Anschließend gibt ihr diese als Wort ein. Bei H5P kann ich nun durch Sternchen und Leerzeichen die Buchstaben einzeln abtrennen und somit ein Wordle generieren.

Anschließend habe ich fünf weitere Textblöcke hinzugefügt und meinen bereits erstellten Lückentext kopiert.

Hinzufügen weiterer Textblöcke

Durchführung im Unterricht

Nachdem ich die Anwendung gespeichert habe, ist sie auch schon einsatzbereit für den Unterricht. Die Schüler*innen geben in der ersten Zeile ihren Tipp ein und lassen diesen korrigieren. Die korrekten Buchstaben werden nun automatisch grün und die falschen Buchstaben rot angezeigt.

Nun geht es weiter mit der zweiten Zeile. Die Schüler*innen können nun in die roten Felder ihren neuen Tipp abgeben und anschließend wieder durch die Anwendung überprüfen lassen.

Dieser Vorgang wird sooft wiederholt bis die Lösung gefunden wurde oder keine Versuche mehr übrig sind. Optional kann man nach der korrekten Lösung noch die Übersetzung der Vokabel abfragen.

Moodle & Mebis

Für alle die eine auf Moodle basierende Lernplattform nutzen, hat Florian Dagner eine grafisch etwas angepasster Alternative entwickelt.

Gerne könnt ihr auch das passende Tutorial hierzu ansehen.

[Tafelrunde] eduBreakout, Beziehungsarbeit & Schüleraktivierung

eduBreakout, Tafelrunde, teamwork

Vergangenen Dienstag fand die erste Tafelrunde im neuen Jahr statt. Wir haben uns sehr über das große Interesse und eure rege Teilnahme gefreut. An dieser Stelle möchten wir uns auch herzlich bei Team:werk für die Unterstützung und den eingebrachten Input bei der Tafelrunde bedanken.

Sektempfang

Begonnen hat der Abend, wie es sich für den Start ins neue Jahr gehört, mit einem Sektempfang. Hierbei werden den Teilnehmer*innen verschiedene Getränke aus einer Karte präsentiert, welche diese sich mit Hilfe der Kommentarfunktion bei Zoom virtuell bestellen können.

Diese Methode eignet sich sehr gut zum Einstieg in ein Meeting, um die Stimmung etwas zu lockern, alle Teilnehmer*innen Willkommen zu heißen und einen ersten Gesprächsimpuls zu initiieren.

Check-In: Jacke ablegen

Nachdem jede*r mit einem Getränk seiner Wahl versorgt war, ging es weiter zum offizielleren Teil des Abends, dem Check-In. Bei diesem Punkt ist es uns besonders wichtig, dass die Teilnehmer*innen einmal kurz innehalten, den Alltagsballast abschütteln und bewusst bei der Tafelrunde ankommen. Also Methode hatte sich Team:werk hierbei für das „Ablegen der Jacke“ entschieden. Hierbei werden den Teilnehmer*innen einige reflektierende Frage gestellt, bei welchen sie einmal in sich gehen und für sich selbst die Fragen beantworten sollen. Das können Fragen sein, welche sich auf Aktivitäten im Alltag beziehen oder Erinnerungen an vergangene Ereignisse hervorrufen. Am Dienstag waren es zum Beispiel

  • Was war Dein schönstes Erlebnis über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr?
  • Auf was bist Du besonders stolz, wenn Du auf 2021 und Deine Arbeit zurückblickst? •
  • Was hast Du heute getan kurz bevor Du  zu unserer Tafelrunde „aufgebrochen“ bist?-

Die bei sich gegebenen Antworten müssen auch anschließend nicht kommuniziert werden, sondern dienen primär dazu, in sich zu gehen und sich im hier und jetzt bewusst zu werden. Als Methode eignete sich dieses Prinzip nicht nur für digitale Meetings oder dem Distanzlernen, sondern ebenso für das Klassenzimmer.

BreakoutSessions

Nach dem gelungenen Check-In ging es sogleich in die einzelnen Räume. Gesprochen wurde in dieser Tafelrunde über den eduBreakout sowie Beziehungsarbeit und Schüleraktivierung. Wir hatten uns somit für ein Thema aus der direkten Praxis entschieden und ein weiteres Thema, welches auch die Metaebene mit einbezog. Im folgenden nun ein kurzer Abriss der einzelnen Gespräche, während die Protokolle den Materialien zu entnehmen sind.

eduBreakout

Im Konferenzraum 1 wurde, untermalt mit vielen Beispielen aus der Praxis, der eduBreakout besprochen. Hierbei ging es sowohl um die persönlichen Erfahrungen, Best-Practice-Beispielen und die Diskussion um Probleme bei der Durchführung sowie die Erörterung möglicher Problemstellungen.

Beziehungsarbeit & Schüleraktivierung

Die Teilnehmer*innen in Konferenzraum 2 sahen sich dagegen mit der Frage konfrontiert, was macht man, wenn die Beziehung zu den Schüler*innen nicht gut ist oder wenn man, an einem Beispiel aus dem Distanzlernen, vor lauter schwarzen Bildschirmen sitzt. Auch in dieser Konferenz wurden Problemstellungen sowie verschiedene Lösungsansätze diskutiert und Erfahrungen aus der eigenen Praxis geteilt.

Moodmeter

Nachdem eifrig in den Konferenzräumen diskutiert und erörtert wurde, sind alle Teilnehmer*innen der Tafelrunde wieder in den Hauptraum zurückgekommen. Der Abend wurde nun mit einem Mood Meter beschlossen. Dieses Stimmungsbarometer, welches auf die eigene Selbsteinschätzung basiert, eignet sich sehr gut zur Reflexion der eigenen Gefühls- und Stimmungslage. Die Teilnehmer*innen konnten durch diese Methode noch einmal gezielt reflektieren, wie es ihnen nach der Tafelrunde ging und es bei sich auch mit ihrer Gefühlslage vor der Tafelrunde vergleichen. Bei der Durchführung in der Tafelrunde haben uns die vielen positiven Reaktionen der Teilnehmenden sehr erfreut.

Diese Methode lässt sich zudem sehr gut in den Unterricht, analog oder digital, integrieren. Hierdurch wird, passend zum Thema des Abends, die Beziehung zu den Schüler*innen gestärkt. Die Lehrkraft zeigt Interesse an den Gefühlen der Schüler*innen und baut damit Nähe und letztendlich eine Beziehung zur eigenen Klasse auf. An dieser Stelle ist auch zu empfehlen, dass die Lehrkraft selbst an dieser Methode teilnimmt und anschließend auch über ihre eigene Gefühlslage spricht und nicht nur die Klasse agieren lässt.

Ausblick

Die nächste Tafelrunde findet am 01.02.22 statt und setzt sich mit den Themen „zeitgemäße Prüfungsformate“ und „Etablieren und Durchführen von Mikrofortbildungen in der Schule“ auseinander. Wir würden uns sehr über eure Teilnahme freuen! Wer keine News mehr verpassen möchte, kann sich gerne hier virtuell der Community der Tafelrunde anschließen und sich mit News von uns versorgen lassen.

Materialien

Deklinieren und Konjugieren mit der Liniennetz-Methode

Grammatik, Latein, Methodik, Wiederholung

Als ich im August vom Land ins Umland von Hannover gezogen bin, war eine der größeren Neuerungen für mich, dass ich nun nicht nur mit Auto oder Fahrrad, sondern auch mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren konnte. Bisher hatte ich noch in keiner Stadt gelebt, die ein solches System gehabt hat, weshalb ich es ganz faszinierend fand, dies als normales System hier nutzen zu können. Auch die SchülerInnen in Hannover nutzen dieses System, um damit zur Schule zu fahren, weshalb ich auch schonmal einige Schüler auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn getroffen habe. In einem Gespräch mit einem Schüler aus meinem Lateinkurs meinte ich mal aus Spass, dass es ganz schön kompliziert sei, sich hier zurecht zu finden (tatsächlich muss ich zweimal umsteigen), woraufhin er nur meinte, dass es doch wesentlich leichter als Latein sei. In diesem Moment kam mir der Gedanke, ob man nicht beides irgendwie verknäpfen könnte: Das den SchülerInnen vertraute Fahren mit der Straßenbahn, womit auch immer das Finden der „besten“ Route gemeint ist, und der Lateinunterricht. Schnell kam mir die Idee, dass es bereits Übungen gibt, in welcher „Konjugations- oder Deklinationsketten“ gebildet werden müssen. Wäre es nicht praktisch, genau dieses Prinzip auf ein Straßenbahnnetz zu übertragen? Mit diesem Hintergrundgedanken machte ich mich an die Arbeit und entwarf die folgende Übung. Das Netz wurde hierbei mit dem kostenlosen Tool Metro Map Maker erstellt.

Ablauf

Diese Übung ist so aufgebaut, dass es quasi zwei Straßenbahnnetze gibt. Eine für Substantiv-City, eine für Verb-Stadt. Beide Städte haben ein Netz aus verschiedenen Linien, die einige Knotenbahnhöfe haben. Jeder Bahnhof entspricht dabei einer bestimmten Form, die gebildet werden soll. Dabei wird immer ein Startbahnhof ausgewählt, wo der Zug losfährt. Der Zug stellt hierbei die Vokabel dar, welche dekliniert bzw. konjugiert werden soll. Die Lehrkraft kann die Vokabel dabei in das auf dem Zug vorgefertigte Feld schreiben. Wie im bebilderten Beispiel wäre „puer“ hier die Vokabel, die bei Start am „Nom. Sgl.“ Bahnhof (ganz links) dementsprechend auch nicht abgeändert werden muss. Erst, wenn der Zug weiterfährt, passt sich die Vokabel der jeweils nächsten Station an. Fährt der Zug z.B. nach Osten zum „Gen. Sgl.“ Bahnhof, dann muss auch „puer“ entsprechend dekliniert werden („pueri“). Fährt er von dort weiter nach Osten, muss „pueri“ in den Gen. Pl. umgewandelt werden („puerorum“), fährt er jedoch weiter nach Süden, dann wird aus „pueri“ ein „puerum“, denn hier ist ein „Akk. Sgl.“ Bahnhof.

Ein Beispiel aus dem Unterricht: So sieht die praktische Anwendung dieser Übung aus. Der Zug selbst steht am Ausgangsbahnhof und fährt von dort die Stationen auf dem Weg zum Ziel ab.

Sinn dieses Netzes ist es jetzt, dass man den SchülerInnen einen Start- und Endbahnhof gibt. Die Aufgabe der SchülerInnen ist es hierbei, den Zug von Punkt A nach Punkt B fahren zu lassen, wobei sie die entsprechenden Formen der jeweiligen Vokabel bilden müssen. Die Besonderheit hierbei ist, dass sie sich dabei ihren Weg selbst wählen können. Es gibt keine feste Vorgabe, auf welchem Weg man zum Ziel kommen kann. Hier können die SchülerInnen je nach eigener Stärke schauen, welche Formen sie besser bilden können. Wenn sie an einer Form nicht weiterkommen, können sie selber schauen, ob es nicht noch einen anderen Weg zum Ziel gibt. Auch können so unterschiedliche Wege erstellt und verglichen werden, was die SchülerInnen zusätzlich motiviert (Habt ihr noch weitere Lösungswege gefunden?). Die Aufgabenstellung kann hierbei so aussehen, dass die Lehrkraft den SchülerInnen Start- und Zielbahnhöfe sowie die passende Vokabel vorgibt. Leistungsstarke SchülerInnen können binnendifferenziert die Aufgabe bekommen, sich nach Beendigung der von der Lehrkraft gestellten Aufgaben selbst eigene kurze Aufgaben auszudenken und sich gegenseitig zu stellen.

Neben den eigentlichen Zügen gibt es auch noch Waggons, welche an den Zug angehangen werden können. Diese haben je nach Art der Vokabel unterschiedliche Bedeutungen: Bei Substantiv-Zügen können Adjektiv-Waggons angehangen werden. Hier müssen diese dann als zusätzliche Herausforderung ebenfalls mitdekliniert werden. Fährt „felix puer“ wie im Beispiel oben wieder nach Osten zum „Gen. Sgl.“ Bahnhof, dann wird aus ihm „felicis pueri“. Fährt er jedoch in den Süden zum „Nom. Pl.“ Bahnhof, dann wird er zu „felices pueri“ etc. Bei den Verb-Zügen können diese Waggons als weitere Kriterien dienen, welche in dem normalen Straßenbahnnetz nicht gegeben sind: So kann der Modus (Ind. / Konj.) oder das Genus Verbi (Aktiv / Passiv) als Waggon angehangen werden. In Verb-Stadt besteht zudem die Besonderheit, dass nicht immer alle Bahnhöfe angefahren werden können. Fährt ein Zug mit einem „Konjunktiv“-Waggon, kann er z.B. nicht in einen „Futur“-Bahnhof einfahren, da es kein „Konjunktiv Futur“ gibt. Somit lernen die SchülerInnen hier gleich einige Besonderheiten der lateinischen Sprache kennen.

Feedback der SchülerInnen

Waren meine SchülerInnen anfangs noch etwas skeptisch, hat sich die Straßenbahn-Übung mittlerweile zu einer ritualisierten Übungsform in meinem Unterricht entwickelt. Die SchülerInnen wissen genau, wie der Ablauf funktioniert und fangen schnell an, selbstständig ihre Routen zu planen. Weiterhin fangen auch die leistungsstärkeren SchülerInnen selbstständig an, sich mit anderen zusammenzusetzen und sich gegenseitig eigene Aufgaben zu erstellen. Durch immer neue Vokabeln sowie Adjektiv- und Kriterien-Waggons erhält die Übung auch immer neue Anreize, sodass man nicht nur alte Sachen wiederholt.

Aufbau

Die beiden Straßenbahnnetze sind als Bild-Datei auf meinem Laptop gespeichert und werden einfach geöffnet und via Bildschirmübertragung auf das Smartboard projiziert. Die Züge (und ggf. die Waggons) sind nach Vorlage laminiert und ausgeschnitten. Sie werden durch einen Magneten auf der Rückseite festgehalten und können so schnell von Station zu Station verschoben werden. Die SchülerInnen brauchen selbst kein Material, da die projizierte Fläche alle notwendigen Informationen erhält. Auch bei den eigenen Aufgaben reichen die Informationen vom Smartboard.

Material

Das gesammelte Material findet ihr hier:

Kathas Woche im #twlz: Ein Feuerwerk an Inspiration zum Jahresstart!

meine Woche im #twlz

Liebes digitales Kollegium,

nach zwei tollen Gastbeiträgen am Wochenende melden wir bzw. ich uns mit dem ersten Wochenrückblick im Jahr 2022 wieder zurück. Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr und zurück in die Schule gestartet und konntet euch in den Ferien entspannt erholen sowie Krafttanken für das, was uns dieses Jahr alles erwartet.

Neben Vorbereitungen für den Unterricht – Korrekturen hatte ich tatsächlich nicht – habe ich die Zeit auch für das Ausleben meines liebsten Hobbys, Sport genutzt. Gemeinsam sind wir im Twitterlehrerzimmer unter dem Verein #twlz und dem Hashtag #twlzrun22 für einen guten Zweck an den Start gegangen und haben fleißig Geld gesammelt für die Kindernothilfe.

Zudem habe ich zwei meiner liebsten Tools wieder für mich wiederentdeckt und für die Wiederholung der Quellenarbeit eingesetzt. Mit Wordwall und LearningSnacks werden meine Mädels nun spielerisch die Unterscheidung zwischen Quelle und Darstellung wiederholen. Die Anwendung LearningSnacks haben sie bereits nach den letzten Ferien kennengelernt und waren echt begeistert. Wordwall habe ich dagegen früher vermehrt im Lateinunterricht eingesetzt und bin gespannt, wie sie dieses Tool finden werden.

Impression aus dem #twlz

Auch wenn der Blog offiziell in der Pause war, war ich trotzdem nicht inaktiv auf Twitter und habe viele spannende Ideen und tolle Inspirationen entdeckt.

Mediumcurriculum

Aktuell arbeite ich als Fachschaft das Mediencurriculum für das Fach Geschichte aus. Umso mehr habe ich mich gefreut, auch Ideen von anderen Schulen zu erhalten, insbesondere in Bezug auf das iPad.

Kreative Aufgaben zur Lektürearbeit

Über diese Inspiration von Anna zur Lektürearbeit habe ich mich sehr gefreut, da ich mir so etwas in der Art auch in Geschichte oder Latein vorstellen kann.

Bewertung von Podcasts

Ein Punkt auf meiner to-do-Liste für den Unterricht sind definitiv Podcasts. Somit kam diese tolle Bewertungsgrundlage gerade zur rechten Zeit und hat mich dazu inspiriert, Teamarbeit in zukünftige Bewertungen einfließen zu lassen.

Toolsammlung

Zum Jahresabschluss hatte Regina Schulz ihre meistgenutzten Tools für uns einmal zusammengestellt und somit ein tolles BestOff erstellt.

Feedback

Einen interessanten Gedanken zum Feedback im Unterricht gab mit Herr L mit in die Ferien. Aktuell bin ich zwecks Umsetzung noch unschlüssig, aber vielleicht habt ihr schon eine Idee.

[Team:werk vs. digitive] Zusammenarbeit im digitalen Raum

Methode, Methodik, teamwork

Im neuen Jahr starten wir gemeinsam mit Anna Lisa Tuczek von Team:werk eine Kolumne, welche jeden Sonntag vor der Tafelrunde hier auf dem Blog erscheinen wird. Hierbei möchten wir euch gemeinsam Teamwork unter Lehrkräften näher bringen und euch mit vielen spannenden Tipps, Input und Anregungen versorgen, wie ihr Teamwork an eurer Schule und in ihrem Lehreralltag integrieren könnt. Zudem werden wir, Katharina und Björn, euch erzählen, wie wir als Team zusammenarbeiten und euch für eure Teamarbeit viele praktische Tipps an die Hand geben.

In der ersten Kolumne wird Anna Lisa die Frage klären, was sich hinter Team:werk verbirgt und euch verschiedene Meetingformen für den Schulalltag und eure Zusammenarbeit vorstellen.

Zum Start ins neue Jahr möchten wir, das Sozialunternehmen Team:werk, die allgemeine Aufbruchsstimmung nutzen und für unser Herzensthema motivieren, das wir mit digitive teilen: Zusammenarbeit unter Lehrkräften fördern. Wir stellen euch unsere Vision vor, präsentieren einige Beispiele für digitale Kommunikation in Unternehmen und machen Vorschläge, wie diese in die Schule übersetzt werden können.

Von der Idee

Lehrkräfte sind Führungskräfte im Klassenzimmer und der zentrale Hebel für Innovationen in unserer Gesellschaft. Sie begleiten Klassen, die letztendlich große Teams sind und lernen müssen, als solche zu agieren. Das fällt oft nicht leicht, wenn eine Kultur des Lernens und Teilens nicht auch im Kollegium existiert. Denn gelebt werden muss diese mindestens von der Lehrkraft selbst, wenn sie Einzug ins Klassenzimmer erhalten soll. Um nun die Führungskräfte unseres Bildungssystems in diesem Bereich weiterzubilden, gründete sich Team:werk. Getrieben von der Vision, Lehrkräftebildung innovativ zu denken und Weiterbildung neu zu gestalten, fassten Andrea Seitz und Anna Ginkel 2020 den Entschluss, mit ihrem Sozialunternehmen wirkungsorientiert Lehrkräfte zu schulen.

Foto: Ronja Ziemann

Digitalität als Chance nutzen

Während der Pandemie wurden Online-Konferenzen und die nun im virtuellen Raum vorwiegend stattfindende Arbeit zum Mittel der Wahl, welches vielerorts allerdings mehr notgedrungen als begeistert eingesetzt wurde. Gerade im Bildungsbereich, wo viele Prozesse auf analoge Weise gestaltet worden waren, wurde die nun im Eilzug stattfindende Digitalisierung oftmals als Hindernis statt als Vorteil gesehen. Dabei zeigen bereits zahlreiche Unternehmens- und Unterrichtskonzepte in anderen Ländern, was eine digitale Welt des Lernens und Lehrens bieten kann und warum es sich lohnt, hier einen Blick hineinzuwerfen.

Schule und das dahinterstehende Bildungssystem zielen u.a. darauf ab, Lernende auf ihre weitere Berufslaufbahn vorzubereiten. Diese wird in nahezu sämtlichen Bereichen fortwährend flexibilisiert und digitalisiert. Ohne entsprechenden Zugang auf lerntheoretischer und praktischer Ebene fehlt Schüler:innen der notwendige Einblick und das hinreichende Verständnis in Bezug auf sich etablierende Technologien und neue Arbeitsprozesse. Hier ist wichtig zu beachten, dass nicht nur Tätigkeiten als solche zunehmend von Digitalität bestimmt werden, sondern auch, dass Teams im virtuellen Raum kooperieren und funktionieren müssen. Das meint sowohl Aspekte wie Effizienz und Produktivität, aber auch weiche Faktoren, in welchen es vermehrt darum geht, auf zwischenmenschlicher Ebene gut miteinander arbeiten zu können. Wenn nun noch einmal in Betracht gezogen wird, dass Schule genau darauf vorbereiten muss, sind ganz andere Ansätze vonnöten als noch vor einigen Jahrzehnten.

Teambuilding digital

Ein Zusammengehörigkeitsgefühl online zu schaffen, wirkte auf viele Lehrkräfte zunächst so, als müsste das Rad neu erfunden werden. Wo vorher noch der Klassenraum war und die Tischordnung einen Großteil der Dynamik bestimmte, fanden sich nun Kacheln in einer virtuellen Konferenz. Und wo ein Lehrkräftezimmer zum Austausch untereinander zur Verfügung stand, befindet sich nun ein Termin im Kalender, zu welchem man zwar zusammenkam, eine gute Kommunikationskultur aber häufig schwer zu etablieren war. Dabei kann Teambuilding auch digital stattfinden und neue Chancen eröffnen, trotz räumlicher Distanz eng miteinander zu arbeiten. Der Weg dahin blieb nur oft verborgen. Um diesen zu entdecken, darf offline Kollaboration nicht einfach in den digitalen Raum gepresst, sondern muss verstanden und übersetzt werden.

Wie neue Wege entstehen: indem man sie geht

Wie kommt man nun also zu einer offenen Kommunikationskultur, die Zusammenarbeit unter Lehrkräften fördert und in welcher Digitalität nicht als notwendiges Übel gesehen wird? Für einen ersten Schritt kann es hier sinnvoll sein, in einen Bereich zu schauen, in dem das, was zunächst unmöglich scheint, bereits funktioniert: Die freie Wirtschaft, in der große und kleine Unternehmen agil und flexibel über Grenzen hinweg arbeiten. Dies gelingt ihnen anhand verschiedenster Methoden, die dazu führen, dass Austauschmöglichkeiten und Variationen der Zusammenarbeit entstehen, um das ganze Unternehmen dem eigentlichen Ziel, beispielsweise der Launch eines neuen Produkts, näher zu bringen. Ein konkretes Beispiel hierfür sind die verschiedenen Meetingformen sein, die eine Firma für sich etabliert und als Team für gut befunden hat:

  • Ein tägliches 15-minütiges Stand-Up, bei dem Mitarbeitende reihum zusammentragen, was sie am Vortag erreicht haben, welche Aufgaben sie an diesem Tag angreifen möchten und wo sie dafür Hilfe benötigen.
  • Ein regelmäßig stattfindendes Weekly oder Monthly kann dazu beitragen, dass in bestimmten Zeitabständen besprochen und reflektiert wird, wo man sich gerade in einem Prozess befindet und welche kurz- oder langfristigen Ziele man als Einzelperson und als Team verfolgen will. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, die nächsten Schritte konkret festzulegen, aber auch die bisher unternommenen Schritte zu beleuchten und zu hinterfragen.
  • Auch kleinere Zusammenkünfte spielen eine tragende Rolle: Das One-on-one-Meeting bietet die Möglichkeit, sich gemeinsam auf einen Kaffee in einem Online-Raum zu treffen und informell auszutauschen. Sicherlich kann es hierbei auch um berufliche Aspekte gehen. Dann ist es wichtig, gemeinsam darüber nachzudenken, welche Informationen auf welchem Weg zurück an das gesamte Team zurückgespielt werden sollten.
Foto: Ronja Ziemann

Zurück in die Schule – aber wie?

Sicherlich sind nicht immer alle Methoden, die aus dem Unternehmensbereich kommen, für das Bildungswesen geeignet oder umsetzbar. Terminkalender sind häufig voll und nicht immer besteht die Möglichkeit, sich auf einen Plausch zu treffen und sich dabei Gedanken um die Rückkoppelung von wichtigen Aspekten zu machen. Sich jedoch über verschiedene Möglichkeiten der digitalen Kommunikation bewusst zu werden und einige im eigenen Kollegium anzustoßen, kann eine große Hebelwirkung besitzen. Auch wenn man sich selbst nicht als technikaffinste Person sieht, ist eine offene Haltung und ein wenig Neugierde gegenüber innovativen Methoden und Technologien etwas, das Schüler:innen brauchen, wenn sie selbst auf eine Arbeitswelt von morgen vorbereitet werden wollen. Und wenn Lehrkräfte diese Kultur des Lernens und Teilens nicht vorleben – wer dann?

[Projektvorstellung] Selbstdarstellung und Propaganda im Grand Siècle sowie im 21. Jahrhundert

digital, Geschichte, Methode, Methodik

Im heutigen Beitrag stelle ich euch das Projekt „Louis XIV – Le plus grand roi d’Instagram“ von Andy Willems vor. Im Rahmen einer AG erstellt der Lehrer Andy Willems gemeinsam mit seinen Schüler*innen ein Instagram-Profil @lesoleildeversailles zu König Ludwig XIV. in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Der Fokus liegt hierbei auf der Selbstdarstellung des Königs sowie ein Vergleich mit heutigen Inszenierungen von Personen auf Social Media.

Das Projekt

Instagram steht im Jahr 2021 an Platz 2 der einflussreichsten Social-Media-Netzwerke. Ausgerichtet auf das Teilen von Bildern und Videos mit Followern auf der ganzen Welt fokussieren sich junge Erwachsene auf die eigene Selbstdarstellung, um Zuspruch und Bestätigung über Likes und Kommentare zu erhalten. Blickt man jedoch auf die letzten Jahrhunderte zurück, lassen sich ähnliche mediale Selbstpräsentationen finden, auch wenn die Art und Weise sich unterscheidet. Ludwig XIV. legte größten Wert auf seine Außenwirkung sowohl am Hofe von Versailles als auch in ganz Frankreich und den anderen europäischen Staaten. Hierfür nutzte er u.a. Architektur, Kunst und Literatur mit dem Ziel einer glorreichen Inszenierung seiner selbst. Hieraus ergibt sich die Frage: Was wäre geschehen, hätten dem Sonnenkönig bereits Social-MediaNetzwerke zur Verfügung gestanden? Und wie hätte er ebendiese genutzt? (Text: Andy Willems)

Die Arbeitsgemeinschaft

Die Arbeitsgemeinschaft soll Anlass bieten, diese und weitere Fragen zu beleuchten und gleichzeitig die Parallele in Aspekten der Selbstdarstellung und Propaganda im Grand Siècle sowie im 21. Jahrhundert verdeutlichen, bei deren in beiden Fällen die Darstellung eines verfälschten Selbstbildes eine wichtige Rolle spielt. Hierbei soll in gemeinschaftlicher Arbeit ein reales historisches Instagram-Profil entstehen, bei dem im Idealfall wöchentlich neue Posts auf Basis der erarbeiteten Themen und Inhalte in Form von Bildern, Texten oder Videoclips veröffentlicht werden.

Die Arbeitsgemeinschaft soll sich insbesondere an historisch interessierte SuS der Klassenstufe 10, K1 und K2 richten. Französisch-Kenntnisse sind von Vorteil für eine authentische Quellenarbeit in französischer Sprache, sind jedoch nicht verpflichtend. (Text: Andy Willems)

Einige Fragen an Andy Willems…

Neben den Materialien zum Projekt durfte ich auch einige Fragen an Andy Willems stellen, um noch mehr spannende Fakten über Louis XIV – Le plus grand roi d’Instagram zu erhalten.

KMS-B: Vielen Dank für die Möglichkeit dieses kleinen Interviews. Wir finden die Beschreibung des Projekts sehr spannend und sind auch von der Durchführung dieser begeistert. Wie haben denn die Schüler*innen auf diese AG reagiert und wie viele Schüler*innen nehmen aktuell an der AG teil?

Andy Willems: Da ein solches Projekt bisher relativ neu und unbekannt ist, habe ich viele neugierige und positive Rückmeldungen seitens der Schüler*innen sowie des Lehrerkollegiums erhalten. Umso mehr freut es mich natürlich, dass sich super engagierte Schülerinnen der Klassen 11 und 12 trotz der stressigen Vorbereitungen auf das Abitur für die Teilnahme an der AG entschieden haben. Selbstverständlich stehen die Türen auch für weitere Interessierte offen.

KMS-B: Das ist schön zu hören! Für die AG hast du Dich entschiedenen einen richtigen Account anzulegen und nicht auf eine datenschutzkonforme Alternativ wie beispielsweise zeeob.com zurückzugreifen. Was waren die Gründe hierfür?

Andy Willems: Diese Entscheidung galt es natürlich vorab genau abzuwägen. Ziel des Projektes ist es aber, in Zeiten von Homeschooling und schnelllebigem Social-Media eine Plattform zu bieten, die zum einen eine Referenz zum Bildungsplan aufweist und Kompetenzen fördert, zum anderen simultan den Austausch mit anderen Interessierten außerhalb der Schulgemeinschaft ermöglicht. Optimalerweise kann durch Kontakte mit Historiker*innen auch ein erster Schritt in die Hochschulbildung erfolgen.

KMS-B: Datenschutz ist ein großes Thema in der Schule und Instagram ist nicht gerade für seinen Datenschutz bekannt. Gab es hierzu einige Bedenken bezüglich des Datenschutzes von Seiten der Eltern etc.?

Andy Willems: Selbstverständlich steht Datenschutz an erster Stelle bei der Gestaltung des Projektes. Die AG entspricht aufgrund des Alters der Schüler*innen den Instagram-Richtlinien und der Zugang zum Profil erfolgt ausschließlich über die Lehrperson. Hierdurch fördert das Projekt Medienkompetenzen, indem keinerlei Privatinformationen der Schüler*innen veröffentlicht, sondern ausschließlich historische Fakten in einen Social-Media-Kontext eingearbeitet werden sowie die Quellenarbeit den wissenschaftlichen Standards entspricht. Außerdem kann eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Medium erfolgen und dieses kritisch hinterfragt werden.

KMS-B: Die Posts auf Instagram erscheinen in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch. Warum hast Du dich dafür entschieden, das Profil in drei verschiedenen Sprachen zu führen.

Andy Willems: Dies hat zwei Gründe: Zum einen ist es wichtig, das Profil in einen authentischen Lebensweltbezug zu stellen, um Motivation und (Schüler-)Interesse zu fördern. Das Ziel des Profils ist es, Posts aus der Sicht des französischen Königs Ludwig XIV. zu generieren, um die französische Geschichte ins 21. Jahrhundert zu transferieren. Englisch soll hierbei einen zusätzlichen internationalen Austausch ermöglichen. Zum anderen handelt es sich beim Fichte-Gymnasium Karlsruhe um ein bilinguales Gymnasium mit dem Schwerpunkt Französisch. In diesem Jahr feiert die Schule 25 Jahre bilingualer Zug und bietet neben dem deutschen Abitur auch das Abi-Bac. Wie könnte man dieses Jubiläum besser feiern als durch ein deutsch-französisches Projekt?  

KMS-B: Stimmt! An meiner Schule gibt es auch einen deutsch-französischen Tag. Selbstdarstellung und Inszenierung ist ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit. Jugendliche glauben oftmals, dass ihre Idole sich real auf Instagram präsentieren und werden durch diese Scheinwelt getäuscht. Was waren Deine Beweggründe, dieses Thema für die AG zu wählen und wie kam der historische Vergleich zustande?

Andy Willems: Selbstdarstellung ist kein Phänomen des 21. Jahrhunderts – nur die Art und Weise der Präsentation hat sich durch die neuen Medien verändert. Um diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, kann exemplarisch auf den Sonnenkönig zurückgegriffen werden. Aufgrund meines Geschichtsstudiums an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit Schwerpunkt „Ludwig XIV. und das Grand Siècle“ sowie zwei Auslandssemestern u.a. an der Pariser Universität La Sorbonne beschäftige ich mich schon länger mit dieser Epoche. Dies bietet Anlass, fächerübergreifend mit den Schüler*innen zu arbeiten und simultan den Bildungsplan beider Fächer zu vertiefen. Gleichzeitig ist dies eine Chance, die herausragenden Bildungschancen des bilingualen Unterrichts über die Schulgrenzen des Fichte-Gymnasiums bekannt zu machen und neue Kontakt zu knüpfen. ZDF TerraX und MrWissen2GoGeschichte folgen uns bereits.

KMS-B: Bei Projekten ist es oftmals ein Problem, dass diese mit dem Ende einer AG beendet sind. Soll das Profil auch darüberhinaus gepflegt werden oder im Rahmen dieser AG auch im nächsten Schuljahr fortgeführt werden?

Andy Willems: Aktuell ist das Projekt bis zum Abschluss des Schuljahres 2021/22 geplant, da die teilnehmenden Abiturient*innen zu diesem Zeitpunkt das Fichte Gymnasium verlassen und dies auch das Ende meines Referendariats markiert. Über eine mögliche Fortsetzung oder Erweiterung dieses Projekts auf beispielsweise andere historische Epochen soll abschließend mit den teilnehmenden engagierten Schülerinnen entschieden werden.

KMS-B: Es würde mich sehr freuen, weiter von euch zu hören 🙂 Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Freude mit der AG!