Master or Die: Ein Versuch zur Plakatinterpretation

Bildquelle, Geschichte, Methode, Methodik

Immer wieder stelle ich fest, dass die Interpretation von historischen Quellen eine große Herausforderung im Geschichtsunterricht darstellt. Während einer Tafelrunde erfuhr ich von der Methode „Mater or Die“, von Björn Nölte.

Die Methode

Mittlerweile gibt es zwei Versionen von „Master or Die“ (hier), wobei ich mich auf die erste beziehe und meine Überlegungen auf die aufgebaut habe. Oftmals ist es im Schulalltag, dass der Lernprozess mit der Leistungsabfrage endet und die Schüler*innen sich nicht mehr mit dem Lerngegenstand aktiv befassen, sondern gleich zum nächsten Thema übergehen. Somit endet der Lernprozess vorzeitig und wird mit der Leistungserhebung abgeschlossen. Bei diesem Ablauf wird somit die Reflexion der eigenen Fehler und eine Verbesserung dieser komplett ausgeschlossen. Während meiner eigenen Schullaufbahn musste ich zwar die Fehler in meinem Aufsatz oder ähnlichen Erhebungen nochmals verbessern, aber so wirklich Gedanken habe ich mir darüber nicht gemacht. Es wurde zwar kontrolliert, aber mehr als ein Hacken war dies nicht. Dies ist Schade, denn somit geht ein wichtiger Teil des Lernprozesses verloren. Hier setzt die Methode „Master or Die“ an. Nicht die Leistungsabfrage als endgültiges Medium bestimmt die Note, sondern die Schüler*innen haben die Möglichkeit ihre Fehler und somit auch ihre Note zu verbessern, wenn sie dies möchten. Der Vorgang kann, so die Theorie, belieb oft wiederholt werden. Somit findet eine Auseinandersetzung und Reflektion der eigenen Fehler statt, welche zu einem vertieften und nachhaltigerem Verständnis des Unterrichtsgegenstands führt. Zudem findet die Leistungserhebung nicht punktuell an einem Tag statt, sondern erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Schüler*innen werden somit nicht an Tagen geprüft, wo es ihnen nicht gut geht, sie Probleme oder einfach einen schlechten Tag haben. Dies kann unterrichtsbegleitend geschehen, wie es Steffen Siegert sehr ausführlich in einem Blogbeitrag (hier) schildert oder, so meine Auffassung, auch im Unterricht. Bei mir war es letztendlich eine Mischung aus beidem.

Die Durchführung

Die Interpretation im Geschichtsunterricht ist der Olymp der Methodik, die unser Fach zu bieten hat und somit sehr anspruchsvoll. Während die Beschreibung und Analyse in der Regel noch gut funktioniert, ist die korrekte und vor allem plausible Deutung oftmals eine große Herausforderung. Neben dem fachlichen Inhalt war es mir ebenso wichtig, dass die Schülerinnen die Methode verstanden haben und anwenden können. Das anfertigen einer gute Interpretation ist ein Lernprozess und somit ideal für „Master or Die“. Konkret ging es um die Plakatinterpretation. Um die Mädels an die Methodik heranzuführen, habe ich ihnen das Plakat, ein Wahlplakat aus der Weimarer Republik, sowie zwei Abgabetermine vorgegeben. Des Weiteren sind wir nochmals nach einer gemeinsamen Übung, die einzelnen Schritte der Plakatinterpretation mit dem Schwerpunkt „Wahlplakat“ durchgegangen. Anschließend startete der Erarbeitungsprozess. Wer es zum ersten Termin abgab, bekam die Chance eine zweite korrigierte Version zum zweiten Termin abzugeben. Eine Pflichtabgabe bestand lediglich für den zweiten Termin. Etwa 90% der Mädels haben aber bereits beim ersten Termin eine Abgabe getätigt. Alle haben diese anschließend nochmals abgegeben und sich verbessert. Manche hatten sich davor aber zweimal überlegt, ob sie es wirklich noch einmal verbessern wollen oder sich mit der ersten Note zufrieden geben. Während der Unterricht, parallel dazu wurde eine Einheit mit selbstständigem Lernen durchgeführt, durften die Mädchen so oft und so viele Fragen zu ihrer Interpretation stellen, wie sie mochten. Einige haben hier ihre Interpretationen angefertigt, andere in Heimarbeit, um anschließend im Unterricht Fragen zu stellen. Googlen bzw. Recherchieren war jederzeit erlaubt, wurde aber erstaunlich selten gemacht. Die Abgaben der Schülerinnen waren teilweise mit dem PC, aber auch teilweise zweimal per Hand geschrieben. Hier durften sie selbstständig ihre Präferenz wählen.

Feedback der Mädels

Die Mädels haben sich alle sehr positiv gegenüber der Lernlandkarte geäußert, auch wenn in meinen Augen bei manchen in Hinblick auf die Note noch Luft nach oben gewesen wäre. Insbesondere die zweite Chance für eine Verbesserung und somit die Möglichkeit für das Ausgleichen der eigenen Fehler empfanden sie als gewinnbringend.

Meine Feedback

Auch ich bin von der Methode absolut überzeugt und werde mich immer weiter an die Vorlagen von Björn Nölte und Steffen Siegert heranwagen. Für mich war dieses Vorgehen ein gelungener Einstieg und ich kenne jetzt die Stellschrauben, an denen ich noch arbeiten muss, um die Durchführung noch reibungsloser von Statten gehen zu lassen. Insbesondere den zeitlichen Aufwand der Vor- und Nachbereitung sowie der Durchführung im Unterricht hatte ich unterschätzt. In Zukunft dürfen die Mädchen auch selbstständig ihre Quelle aussuchen, denn ich bin immer dabei und zur Stelle, wenn es Fragen gibt. Aber sie dürfen auch alleine arbeiten und sich selbstständig der Herausforderung stellen. Somit werden neben dem historischen Wissen auch viele weitere, lebenswichtige Kompetenzen geschult.

Weitere Erfahrungsberichte

Memes im Unterricht? – Memes im Geschichtsunterricht dekonstruieren

Bildquelle, Geschichte, Jugendmedien

Das heutige Geschichtswissen der Schüler*Innen speist sich aus vielen verschiedenen Quellen: Bücher, Filme, Videospiele usw. Die meisten dieser Medien haben auch schon mehr oder wenig Einzug als Medium in den Geschichtsunterricht gefunden. Ein Medium, welches allerdings noch nicht im Fokus der Geschichtsdidaktik steht, aber nicht minder wichtig ist, sind Memes. Kurz zur Klärung: Memes sind Phänomene, welche sich in Form von Bildern oder Videos meistens sehr schnell über das Internet verbreiten. Zentrale Inhalte sind meistens politische, historische oder gesellschaftskritische Themen, die dabei humorvoll mit bekannten Zitaten, Personen oder Serien verknüpft werden. Vor allem in der Jugendkultur sind Memes sehr verbreitet und daher ist es in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung aus meiner Sicht daher Zeit, einmal zu überlegen, wie man auch Memes in den Geschichtsunterricht bringen kann. Denn als eine Art „moderne Karikatur“ bieten sie durch ihren humoristischen Zugang genug Chancen, sich kritisch mit dem dort vermittelten Geschichtsbild auseinanderzusetzen.

Methodik

Das folgende Beispiel konzentriert sich dabei auf den Geschichtsunterricht und dient dazu, bestehende Memes zu dekonstruieren. Inhaltlicher Fokus lag bei dieser Stunde auf der Amerikanischen Revolution. Zu diesem Bereich habe ich fünf Memes herausgesucht, die verschiedene Aspekte der Amerikanischen Revolution behandelten.

Diese Memes habe ich so ausgewählt, dass sie möglichst vielfältige Zugänge zu dem Thema Memes bieten. Einige sind eher „pro-britisch“, einige sind eher „pro-amerikanisch“, es werden verschiedene Ereignisse berücksichtigt und die Memes greifen auf verschiedene popkulturelle Serien oder Figuren zurück, sodass für jede SchülerIn etwas dabei ist, was er/sie kennen sollte. So vertritt z.B. das Pikachu-Meme unten rechts eine „pro-britische“ Perspektive in Bezug auf das Boston Massacre im Jahr 1770. Dieses Meme „rechtfertigt“ auf humorvolle Weise das britische Vorgehen, in welchem die Kolonialisten als Aggressoren dargestellt werden, während die Briten lediglich auf die fortlaufenden Beschimpfungen und Angriffe „reagieren“. Diese überraschte Reaktion Pikachus dient nun dazu, die amerikanische Perspektive des Boston Massacres zu kritisieren: Die Kolonialisten hätten doch damit rechnen müssen, dass ihre ständigen Angriffe und Beleidigungen irgendwann zu dieser Reaktion führen würden.

Nach diesem Beispiel analysierten die SchülerInnen dann dieses und die anderen vier Memes. Die Arbeitsaufträge sahen dabei folgendermaßen aus:

Beide Arbeitsaufträge konnten die SchülerInnen sehr gut erfüllen und so nicht nur den Inhalt hinter den Memes herausarbeiten, um ihr Wissen über die bisherigen Ereignisse des britisch-amerikanischen Konflikts zu wiederholen, sondern auch ihr kritisches Geschichtsbewusstsein stärken. So wurden nicht nur die unterschiedlichen Perspektiven herausgearbeitet und verglichen, sondern auch gleich darüber diskutiert, welche Memes denn nun „gelungener“ wären. So kritisierte eine Schülerin bei dem angesprochenen Pikachu-Meme, dass es ja bewusst nicht erwähne, dass es mehrere Schüsse gegeben hätte, die auf die Menschenmenge abgefeuert worden wären. Auch das Spongebob-Meme wurde dahingehend kritisiert, dass die Briten nach dem Scheitern des Stamp Acts ja nicht traurig „herumgesessen“ hätten, sondern gleich die nächsten Steuergesetze erlassen hätten. Hier hat sich gezeigt, dass die Memes eben nicht nur analysiert, sondern sich auch kritisch mit ihnen auseinandergesetzt wurde.

Fazit

Am Anfang war ich etwas skeptisch, Memes im Unterricht einzusetzen. Doch nach dem ersten Versuch bin ich ganz optimistisch, dass ich es in Zukunft defintiv noch einmal machen werde. Der Einsatz hat gezeigt, dass die SchülerInnen in der Lage waren, sich trotz ihrer „Nähe“ zu Memes als Teil ihrer Lebenswelt kritisch mit diesen auseinanderzusetzen und die dahinter befindliche Botschaft zu dekonstruieren. So haben sie am Ende gesehen, dass hinter diesen Memes am Ende doch mehr steckt, als einfach nur „lustig“ zu sein. Allerdings hat diese Einheit auch gezeigt, dass es gewisse Probleme gibt, an welche man stoßen kann: Wenn SchülerInnen ein bestimmtes Meme nicht kennen, fällt es ihnen auch schwierig, den „Witz“ und die damit verbundene Botschaft zu erkennen, was bei der Dekonstruktion schwer fällt. Zuvor habe ich erwähnt, dass die SchülerInnen es geschafft haben, eine kritische Distanz zu dem Medium „Memes“ aufzubauen. Da ich diesen Versuch in einer zwölften Klasse gemacht habe, ist es möglich, dass diese kritische Distanz bei jüngeren SchülerInnen fehlt. Hier freut man sich zwar auch, sich mit Memes auseinanderzusetzen, allerdings könnte hier aufgrund des Alters die Ernsthaftigkeit verloren gehen, welches es bei diesem Thema aber benötigt. Insofern gilt es, den Einsatz von Memes im Schulunterricht weiter zu erproben und Erfahrungen zu machen, um daraus eine Basis für spannende Unterrichtsstunden mit Lebensweltbezug für die SchülerInnen zu kreieren.

[Bildinterpretation] Sexiest historian alive

Bildquelle, Geschichte, Methode, Methodik

Die Porträts der großen Herrscher des 16-18. Jahrhunderts haben so ihre Eigenarten und werden aus heutiger Perspektive auch nicht immer als optisch ansprechend wahrgenommen. Das haben auch schon meine Schülerinnen festgestellt. Aus diesem Grund habe ich zur Einübung der Bildinterpretation die Wahl, angelehnt zum „People“ Magazin, zum Sexiest Historian Alive ausgerufen. Das ganze ist selbstverständlich mit einem Augenzwinkern zu betrachten.

Die Methode

In der Klasse habe ich zehn Herrschaftsporträts mit Titel, Künstler und Erscheinungsjahr ausgegeben. In Partnerarbeit stellen die Schülerinnen nun die einzelnen Porträts vor, indem sie beschreiben, was sie auf diesem erkennen und sie anschließend analysieren. Die Deutung habe ich hierbei außen vor gelassen, da die Herrscher zum Teil nicht bekannt waren und sie diese nicht in ihren historischen Kontext einordnen können.

Am Ende wurde durch Abstimmung die schönste Darstellung eines Herrschers gekürt und auf den Titel des Magazins „Historia“ gepackt. Durch die Vorstellung der einzelnen Kandidaten musste sich jede Schülerin einmal in der Bildinterpretation üben. Somit konnte diese Methode, auch durch den spielerischen Hintergrund, nachhaltig gefestigt werden.

Material

Link zur Cover-Vorlage.

Einführung in die Geschichtswissenschaft

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Der korrekte Umgang mit Quellen und Darstellungen sowie von Geschichte als Konstrukt ist uns beiden sehr wichtig. SchülerInnen sollen lernen zwischen den Fachbegriffen zu unterscheiden und alles zu hinterfragen, was ihnen über die Vergangenheit erzählt und berichtet wird.

Einführung

Zu Beginn der Einheit lernen die SchülerInnen mit Hilfe eines Experiments den Konstruktcharakter von Geschichte kennen. Mithilfe einer analogen Form des Spiels „Gartic Phone“ stellen die SchülerInnen fest, dass zwischen einem historischen Ereignis und seiner Überlieferung oftmals Welten liegen. Hierbei schreiben die SchülerInnen einen (historischen) Satz über die erste Faltlinie und geben das Blatt an den Nachbarn weiter. Dieser zeichnet nun den eben geschriebenen Satz und faltet das Blatt an der ersten Faltlinie nach hinten um. Auch er gibt es nun an seinen Nachbarn weiter, welcher nun das Bild, ohne den Ursprungssatz zu kennen, wieder in Worten beschreibt. Bevor er das Blatt weiter gibt und die anfängliche Vorgehensweise wiederholt wird, faltet er das Blatt an der zweiten Linie nach hinten um.

Sobald das Blatt bearbeitet ist, wird es wieder aufgefaltet und der Anfangssatz mit dem Endprodukt verglichen. Hierbei stellen die SchülerInnen schnell fest, dass beide Elemente nicht identisch sind. Übertragen auf die Geschichtswissenschaft verdeutlicht diese Herangehensweise, dass auf dem Weg der Überlieferung wichtige historische Fakten verändert, hinzugefügt oder ganz weggefallen können. Die SchülerInnen sollen alles nicht alles als in Stein gemeißelte Wahrheit anerkennen, was ihnen über Vergangenheit erzählt wird.

Erarbeitung & Sicherung

Nach der Einführung in das Thema erfolgt auf einem gesonderten Arbeitsblatt die Erarbeitung der Begriff Quelle, Darstellung, Multiperspektivität und historische Narration. Dies sind Begriffe, welche die SchülerInnen kennen sowie korrekt und sicher anwenden sollen. Uns persönlich ist es sehr wichtig, dass diese den Unterschied zwischen einer Quelle und einer Darstellung kennen.

Material

Das Material unterliegt folgender Lizenz: CC BY 4.0.

Quellenangaben

Die Definition von Quelle und Darstellung auf dem Arbeitsblatt erfolgten nach https://www.friedrich-verlag.de/geschichte/untersuchen-urteilen/quelle-oder-darstellung-2557 [11.09.2021]

Juxtaposition zur Darstellung von temporären Verläufen

2.Weltkrieg, Apps/Programme, Bildquelle, digital, Geschichte

Die Anwendung „Image Juxtaposition“ von H5P (z.B. via ZUM-Apps) ermöglicht es dem Nutzer zeitliche Verläufe darzustellen. Insbesondere bei historischen Örtlichkeiten bietet sich diese Methode im Unterricht an.

Die SchülerInnen können hierbei entweder mit durch die Lehrkraft erstellten Bildern arbeiten oder diese selbst erstellen. Dies bietet sich beispielsweise in Kooperation mit dem Archiv des Heimatortes an, in welchem die SchülerInnen nach alten Aufnahmen der Heimat recherchieren können und diesen anschließend eigenen Fotografien aus der heutigen Zeit gegenüberstellen können.

Bilder mit Hashtags analysieren

Bildquelle, Geschichte, Methode, Methodik, Sachquelle

Nach der Vorstellung der Möglichkeit einer Inhaltsanalyse im gestrigen Blogpost erfolgt heute eine Variante der Analyse von Bildquellen mit der sogenannten Hashtag-Methode.

Die Methode

Für die Durchführung der Methode eignet sich jede Art von Bild-, aber auch ein Teil der Sachquellen. Als Beispiel habe ich die Analyse eines Portraits von Ludwig XIV gewählt.

Die Aufgabe der SchülerInnen besteht nun darin, das Gemälde mit Hashtags zu versehen, welche in Bezug zum dargestellten Bild stehen. Beispielsweise #Herrscherinsignien #aufrechteHaltung #Staatsräson. Das Ziel der Übung ist es hierbei, die einzelnen Aspekte und den Inhalt des Gemälde möglichst präzise zu erfassen.

Die Hashtags können an der Tafel, aber auch mit Tools wie Mentimeter etc. gesammelt und anschließend im Plenum ausgewertet und als Hilfestellung für eine detaillierte Analyse des Objektes im Unterricht herangezogen werden.

Analyse eines Herrscherporträts (Ludwig XIV.)

Bildquelle, digital, Geschichte, Neuzeit

Ludwig XIV. verkörpert wie kein anderer Monarch der Zeit den Absolutismus. Insbesondere seine Porträts bieten eine gute Rundlage zur Analyse von Herrscherdarstellungen im Unterricht. Für die Bearbeitung der vorliegenden Darstellung habe ich mit Hilfe von LearningApps ein kleines Quiz zur Interpretation des Gemäldes erstellt, welches neben der Vermittlung von Wissen auch die intrinsische Motivation der SchülerInnen anspricht. Neben der Erstellung der Anwendung durch die Lehrkraft ist es bei dieser Methode auch möglich, dass SchülerInnen selbst eine Analyse vornehmen und eine Anwendung für ihre Klassenkameraden erstellen. Dies fördert in doppelter Hinsicht die Kompetenz zur Analyse von Herrscherporträts.

Die Anwendung

Aufgabe der SchülerInnen ist es hierbei, vorgegebene Elemente der Analyse des Porträts den entsprechenden Nadeln im Bild zuzuordnen.

Startbild der Bildanalyse

Hierbei werden ihnen verschiedenen Auswahloptionen zur Verfügung gestellt, die am Ende durch die Anwendung selbst kontrolliert werden.

Beispiel aus der Durchführung des Tools

Die Erstellung der Anwendung

Wie bereits erwähnt wurde das Tool mit LearningApps konzipiert. Konkret ist hierfür die Anwendung „Zuordnung auf Bild“ notwendig. Mit Hilfe der vorgegebene Eingabemaske können verschiedenen Nadeln auf das Bild gesetzt werden und mit Text- oder Bildelementen sowie Audio- bzw. Videospuren versehen werden

Eingabemaske zur Erstellung des Tools

Nach der Speicherung des erstellten Tools kann dieses von SchülerInnen ohne vorherige Anmeldung durchgeführt werden. Für die Erstellung der Anwendung an sich ist eine kostenlose Registrierung auf der Website notwendig. Zudem ist eine Generierung von Schüler-Accounts möglich, sodass diese eigene Analysen für ihre Klassenkameraden erstellen können.

Verwendete Materialien

  • Ulrich Menzel: Ludwig XIV ➡️ hier
  • Hans Ebeling; Wolfgang Birkenfeld: Die Reise in die Vergangenheit ➡️ hier

Drei Ideen für den etwas anderen Umgang mit Porträts & Büsten

Bildquelle, Einführung, Geschichte, Methode, Methodik

Porträts und Büsten kann man zu genüge in allen Epochen der Geschichte betrachten. Die folgenden Beispiele zeigen hierbei auf, dass dies nicht immer nach Schema X geschehen muss.

Royalty Now

Der Instagram – Royalty Now (ohne Anmeldung zugänglich) porträtiert verschiedene Persönlichkeiten aller Epochen als Abbild unserer Zeit.

Egal ob die schöne Königin Nofretete, das Genie Beethoven oder der Imperator Caesar. Für jede Epoche lassen sich Beispiele auf dem Account finden, welche im Unterricht herangezogen werden können. Fragen Sie doch einmal Ihre SchülerInnen, wie sich sich Caesar in der heutigen zeit vorstellen und präsentieren ihnen anschließend das Bild von Royality Now.

UpCycling! Alte Meister >< Modern

Eine Perücke wie Ludwig XIV auf seinem imposanten Staatsporträt? Das MPZ zeigt, wie man dies ganz einfach im Klassenzimmer in die Tat umsetzen kann.

Diese Methode funktioniert nicht nur mit Perücken, sondern auch mit ganzen historischen Bildern, wie das folgende Beispiel zeigt.

SchülerInnen stellen hierbei ganz einfach aus verschiedensten Papieren und Materialien die Gemälde bekannter Persönlichkeiten nach. Dies sorgt neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Gemälde für viel Spaß und Abwechslung im Klassenzimmer. Erstellen Sie doch mit Ihrer Klasse eine Galerie von Bildern und küren die gelungenste Interpretation des historischen Künstlers.

Material

  • Wirkungsmöglichkeiten mit Perücke ➡️ hier
  • UpCycling! Alte Meister >< Modern ➡️ hier
  • Instagram – Account „Royalty Now“ ➡️ hier

„Yolocaust“ – Förderung von Geschichtsbewusstsein

2.Weltkrieg, Bildquelle, kritischer Umgang

Vermutlich jeder, der schon einmal in Berlin war, kennt das „Denkmal für die Ermordeten Juden Europas“ zwischen dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz. Jedes mal, wenn ich diesen Weg entlang laufe, sehe ich Menschen, die fröhlich lächelnd auf den Stehlen stehen und in die Kamera grinsen. Ich frage mich an dieser Stelle immer, welche Intentionen sich hinter solchen Aufnahmen verbergen und würde die jeweiligen Personen am liebsten zu ihren Beweggründen befragen und mit ihnen über die Aufnahmen sprechen, um ihre Sichtweise der Dinge zu erfahren. Für mich und mein Geschichtsbewusstsein ist es unvorstellbar, dort ein fröhliches Foto mit mir machen zu lassen.


Die Förderung und die Definition des eigenen Geschichtsbewusstsein ist ein wichtiger Prozess im heutigen Geschichtsunterricht. Insbesondere die Erinnerungskultur an die Zeit des Dritten Reiches erfordert einen sensiblen Umgang, um solche solche Situationen wie sie eben beschrieben worden sind, zu vermeiden.

Förderung des Geschichtsbewusstseins am Beispiel „Yolocaust“

Anfang 2017 veröffentlichte der deutsche Künstler Shahak Shapira auf einer Website zwölf bearbeitete Bilder, welche in Gedenkstätten des Holocaust aufgenommen worden waren. Hierfür bearbeitete er die Bilder so, dass die jeweiligen Personen in Fotografien aus der Zeit des Nationalsozialismus gezeigt wurden. Die Provokation hinter diesen Montagen war beabsichtig und sollte die abgebildeten Personen und deren Mitmenschen zum Nachdenken anregen. Alle Abgebildeten meldeten sich innerhalb kürzester Zeit und gaben teilweise einen Kommentar zu den Fotos ab.

Ich bin der Typ, der dich, wie ich gerade las, zu Yolocaust inspiriert hat. Ich bin der „Spring auf tot..“ – Ich kann es gar nicht schreiben, mir wird schon schlecht wenn ich es nur ansehe. Ich wollte niemanden beleidigen. Nun sehe ich meine eigenen Worte in den Nachrichten. 

Ich habe gesehen was meine Worte ausgelöst haben. Das ist verrückt und es ist nicht, was ich wollte. (…) Das Foto war als Witz für meine Freunde gedacht. Ich bin dafür bekannt, dass ich Witze unterhalb der Gürtellinie mache, dumme Witze, sarkastische Witze. Sie verstehen meinen Humor. Wenn Du mich kennen würdest, würdest Du das auch… Aber wenn es öffentlich geteilt wird und es Fremde erreicht, die keine Ahnung haben wer ich bin, dann sehen sie jemanden, der etwas, was anderen Menschen wichtig ist, respektlos behandelt. Das war nicht meine Intention. Und es tut mir leid. Wirklich. In diesem Sinne, würde ich gerne „entdouchet“ werden.

P.S. Oh, und wenn Du gegenüber BBC, Haaretz und all den anderen Blogs, Nachrichtenstationen, etc. erklären könntest, dass ich Mist gebaut habe, wäre es phantastisch. 😅 (Quelle: yolocaust.de)

Sowohl die Bilder als auch der abgegebene Kommentar eignen sich zur Förderung des Geschichtsbewusstseins im Unterricht. Denn sie sorgen für Irritation, provozieren und rufen sogleich eine Diskussion über ethische und moralische Grundsätze sowie den Umgang mit der Vergangenheit in der Klasse hervor. Im Anschluss an die Diskussion kann die Thematik mit verschiedenen zusätzlichen Materialien und Unterrichtsentwürfen vertieft werden.

Zusätzliches Material

  • Raphaela Walser: „Yolocaust“ oder: „Darf man das?“ Ein Beitrag zum reflektierten Umgang mit Geschichtskultur im Unterricht ➡️ „hier“ klicken.
  • Unterrichtsmaterialien zur Vorbereitung des Besuchs des Denkmals für die Ermordeten Juden Europas A – Basis ➡️ „hier“ klicken.
  • Über den Holocaust lernen. Theoretische Grundlagen und unterrichtspraktische Überlegungen ➡️ „hier“ klicken.
  • Bild zum Zitat ➡️ „hier“ klicken.

Einführung „Bild- und Filmpropaganda in der NS-Zeit“

Bildquelle, Einführung, kritischer Umgang

Die Propaganda zählt zu einem der wichtigsten Instrumente der NSDAP in der Weimarer Republik sowie im Dritten Reich. Hierbei bedient sich die Partei einer breiten Palette von Möglichkeiten, zu welcher auch die Vermittlung von Propaganda in Form von Bildern und Filmen gehört. Wichtig ist hierbei zu erkennen, dass diese Bilder gezielt ausgewählt, gestellt und bearbeitet wurden, um eine bestimmte Message anhand dieser transportieren zu können.

Was bedeutet der Begriff „Propaganda“ in der NS-Zeit?

Um der Klasse vor der Arbeit mit einer ausgewählten Quelle das Thema „Propaganda in der NS-Zeit“ nahe zu bringen oder es zu wiederholen, eignet sich beispielsweise ein kurzer Videoclip. Der YouTube-banal „Geschichte – simpleclub“ bereitet das Thema in einem anschaulichen Clip und in schülerorientierter Sprache kurz, aber präzise auf.

Bildpropaganda

Als Einstieg in das Thema der „Bildpropaganda“ eignet sich beispielsweise eine Fotografie von Adolf Hitler aus dem Jahre 1937.

Betrachtet man die unten aufgeführten Bildern nebeneinander, fällt sofort ein großer Unterschied ins Auge: Auf dem rechten Bild wurde der Propagandaminister Joseph Goebbels wegretuschiert. Unregelmäßigkeiten im Hintergrund des linken Bildes lassen auch ohne die Gegenüberstellung der Bilder eine Bearbeitung derer erkennen.

Adolf Hitler mit Leni Riefenstahl und Joseph Goebbels, 1937
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Das Bild zeigt Adolf Hitler 1937 im Berliner Stadtteil Dahlem, umgeben von dem bereits erwähnten Joseph Goebbels sowie der Fotografin des Bildes Leni Riefenstahl und Familienmitgliedern. SchülerInnen werden bei der Gegenüberstellung der Bilder sofort erkennen, dass es sich hierbei um eine Bearbeitung des Bildes handelt, welche gezielt vorgenommen wurde. In einem weiteren Arbeitsschritt schließt sich nun die Überlegung an, warum und mit welchem Ziel diese Maßnahme getroffen wurde.

Filmpropaganda

Neben der Bildpropaganda ist auch nicht die Propaganda in Form von bewegten Quellen zu vernachlässigen. Ein guter Überleitungspunkt wäre hierbei die Fotografin Leni Riefenstahl, welche – wie auch andere Filmemacher – diverse Propagandafilme für Adolf Hitler gedreht hatte.

Unter dem Titel „Propaganda und ihre Wirkungsabsichten – zum Entstehungskontext des Filmmaterials aus dem Warschauer Ghetto“ bietet die bpb eine auf einen Film basierende Einheit vor, welche sowohl den Film als auch umfangreiches Arbeitsmaterial beinhaltet.

Die SchülerInnen setzen sich hierbei kritisch mit Filmmaterial aus dem Warschauer Ghetto von 1942 auseinander. Anhand des Filmes im Kontext mit dem zu bearbeitenden Material findet eine kritische Hinterfragen von Bildern in der NS-Zeit sowie eine Bewertung der Verbreitung und Einordnung dieser in das „System Propaganda“ der Nationalsozialisten statt. Neben diesen inhaltlichen Kompetenzen findet zudem eine Förderung von Urteils- und Medienkompetenz der SchülerInnen statt.

Das Material kann kostenlos als ODT oder PDF hier heruntergeladen werden.

Gegenwartsbezug

Aufgrund der vielfältigen Nutzung von Propaganda in der heutigen Zeit, bietet sich dieses Thema gut zur Herstellung eines Gegenwartsbezuges an. Eine offene Frage, eventuell auch in Kooperation mit dem Fach Sozialkunde, nach der Beurteilung und Analyse von Propaganda in der heutigen Zeit, bietet sich als Grundstein für eine umfangreiche Diskussion im Plenum der Klasse an.

Weiterführende Materialen

Quellenangabe