Reflexionsheftchen im Geschichtsunterricht

Geschichte, Wiederholung

Zu Beginn des Schuljahres habe ich in all meinen Geschichtsklassen kleine Reflexionsheftchen ausgeteilt. Jedes Heftchen hat ein eignes Thema zugewiesen bekommen, welches in diesem Schuljahr als Motto im Vordergrund steht. So beschäftigt sich die 8.Klasse mit verschiedenen Ländern, die 9.Klasse mit Geschichte in Computerspielen und die 10. Klasse mit Geschichte in Liedern und Podcasts.

Das Reflexionsheftchen

Das Heftchen ist so aufgebaut, dass sich auf dem Deckblatt das aktuelle Jahrgangsthema befindet und auf der Rückseite der QR-Code zur Klassenpinnwand sowie ein Feld für Name und Jahrgangsstufe. Gehalten ist das Heft in A5 und wird vorne in den Geschichtsordner eingeheftet.

Im inneren des Heftchens befinden sich kleine Einlageblätter zur aktuellen Sequenz. Jede Einheit nimmer hierbei eine Doppelseite ein. Diese erhalten die Schülerinnen zu Beginn einer jeden Sequenz und es gilt diese selbstständig auszufüllen und am Ende der Sequenz abzugeben.

Zielsetzung

Im Glossar des Heftchens sind die Grundbegriffe der aktuellen Sequenz verankert. Hierfür orientiere ich mich stets am Lehrplan und wähle diese entsprechend aus. Diese werden im Unterricht behandelt und sollen anschließend selbstständig von den Schülerinnen definiert werden. Hierdurch sollen sie sich nochmals mit diesen auseinandersetzen, diese wiederholen und durch das Wiederholen des Stoffes sich diese einprägen. Bei der anschließenden Zusammenfassung der Sequenz geht es um die Rekapitulation und Reflexion des Stoffes. Sie sollen sich nochmals bewusst machen, was sie eigentlich gelernt haben und für sich selbst diesen in einen eigenen Zusammenhang bringen. Die letzte Aufgabe ist eine eigene Reflexion, beispielsweise zu einem zur Sequenz passenden Bild, welches die Schülerinnen als Sticker zum Einkleben bekommen oder eine Szene aus einem Computerspiel, welches wir behandelt haben. Hierbei sollen die Schülerinnen das gelernte Wissen anwenden und zeigen, dass sie dieses selbstständig nutzen können.

Bereitstellung in mebis

Nach erfolgter Abgabe und Korrektur der Heftchen stelle ich die Grundbegriffe, das sind die Wörter aus dem Glossar, in unser Wikipedia auf mebis ein und erstelle zudem einige Übungen dazu mit H5P. Diese Wörter darf ich jederzeit im Unterricht bzw. in einer Ex abfragen und bewerten.

Fazit

Die Schülerinnen haben die Heftchen sehr gut angenommen, insbesondere die Korrektur dieser und die Bereitstellung der Begriffe mit kleinen Elementen zu Gamification auf mebis. Zudem ist es sehr praktisch, wenn sie sofort auf ihre Klassenpinnwand zugreifen können, ohne dass sie ständig den QR-Code brauchen.

[IDA DHM] Entdecke mit Konrad das Mittelalter

digital, Geschichte, Museum

Vor etwa einem Dreivierteljahr erreichte mich die Nachricht aus dem Deutschen Historischen Museum in Berlin (DHM) über die Planung eines interaktiven Lernportals und ob ich mir vorstellen könnte, an diesem mitzuwirken. Begeistert habe ich zugesagt und mir nie im Leben erträumt, dass so ein tolles Ergebnis damit entstehen wird. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Stefan Bresky als Leiter der Abteilung Bildung und Vermittlung sowie Daniel Sauer, Solveig Högemann, Robert Kluth und Andreas Hawner für die tolle Zusammenarbeit bedanken. Insbesondere Daniel Sauer hat viele Stunden an der Umsetzung und Konzeption des Portals sowie der Integration von H5P gearbeitet und so einige knifflige Rätsel gemeistert.

Das Lernportal

Aktuell wird die Daueraustellung des Deutschen Historischen Museums saniert und ist nicht mehr für Besucher*innen zugänglich. Um trotzdem den Besucher*innen die Möglichkeit eines Rundgangs zu bieten, wurden vor dem Abbau der Exponate aufwändige 360°Aufnahmen in den Räumlichkeiten des Museums gedreht, welche nun neben, passend zu den jeweiligen Exponaten der Dauerausstellung, spielerischen, informativen und interaktiven Elementen auf dem Lernportal des Museums zu finden sind. Ergänzt wird dieses Angebot durch Erklärvideos der Museumspädagog*innen, welcher viele spannende Einblicke in das Museum liefern.

Neben den Darstellungstexten finden sich auch eine ganze Reihe an H5P-Inhalten auf dem Portal. Diese Übungen schaffen nicht nur einen hohen Grad an Interaktivität, sondern geben den Nutzer*innen auch direktes Feedback, welches durch das Erlangen von Punkten zudem die Motivation fördert wie es bei vielen Elementen aus dem Gebiet „Gamification“ der Fall ist. Die erstellten und vom Museum bereitgestellten H5P Inhalte sowie die Abbildungen können unter den gegebenen Lizenzen auch heruntergeladen und in die eigene Schulplattform integriert werden. Dies gilt ebenso für die schulischen Materialien, welche auf H5P basieren.

Material für den Schulunterricht

Meine primäre Aufgabe bei diesem Projekt war und ist die Ausarbeitung des didaktischen Materials. Dies findet ihr ganz unten auf jeder Seite des Portals.

Das Material umfasst aktuell alle mittelalterlichen Themen des Portals und richtet sich sowohl an Schüler*innen der Sek.I als auch der Sek.II. Während das Material für die Oberstufe altersgerecht angepasst wurde, werden die Schüler*innen der Sek.I mit Hilfe einer Story durch die verschiedenen Bereiche des Mittelalters geführt. Konrad, ein Schüler aus Berlin, steht dabei als Protagonist im Mittelpunkt und führt gekonnt mit Charme und Witze durch die Ausstellung. Im Laufe des Jahres wird das Material um weitere thematische Schwerpunkte ergänzt werden.

Neben inhaltlichen Aspekten müssen die Schüler*innen auch immer wieder ihr gelerntes Wissen unter Beweis stellen und Aufgaben lösen. Neben der Überprüfung durch H5P stehen auch auf das Material abgestimmte Arbeitsblätter zur Verfügung, welche zur Sicherung im Unterricht herangezogen werden können.

Mir war es besonders wichtig, dass die Schüler*innen mit Spaß und Freude an das Erlernen der fachlichen Inhalte gehen und diese vielleicht auch einmal in ihrer Freizeit aufrufen. Aus diesem Grund setzt das Material auf ein hohes Maß an Interaktivität, welches durch H5P zugleich mit einem direkten Feedback sowie einem anschließenden Erfolgserlebnis verbunden wird. Zudem sollte neben dem schulischen Aspekt ebenso ein digitales Angebot für Familien geschaffen werden, welche vielleicht einmal an einem verregneten Wochenende gemeinsam mit ihren Kindern virtuell die Welt des Mittelalters erkunden möchten. Zudem habe ich auch bereits von verschiedenen erwachsenen Testperson gehört, dass ihnen die Anwendung ebenso viel Freude bereitet wie ihren Kindern.

Einführung in die Anwendung

Am 17.März findet zudem von 17-18Uhr eine Einführung in das Portal durch das DHM statt. Interessenten können sich hierfür gerne unter fuehrung@dhm.de für die digitale Fortbildung anmelden. Gerne stehe auch ich euch bei weiteren Fragen zur Verfügung und freue mich sehr über euer Feedback zum Lernportal.

Assassin’s Creed III im Geschichtsunterricht

Allgemein, Computerspiel, digital, Geschichte, Jugendmedien, kritischer Umgang, Neuzeit

Wenn man SchülerInnen heutzutage fragt, wo sie etwas über Geschichte „lernen“, dann nennen sie wohlmöglich noch den Geschichtsunterricht, aber in der Vermittlung von der Geschichte nimmt er tatsächlich nur einen relativ kleinen Raum ein. Geschichtsdarstellungen im Alltag sind für SchülerInnen wesentlich präsenter, da es heute kaum ein Medium gibt, bei welchem nicht mit historischen Darstellungen gearbeitet wird. Filme, Bücher und auch Videospiele sind die normalen Freizeitbeschäftigungen der heutigen SchülerInnen und prägen dabei auch das Geschichtsbild mit. Insofern sollte es auch die Aufgabe eines modernen Geschichtsunterrichts sein, sich dieser Lebenswelt in gewisser Weise anzunehmen und sich mit den Geschichtsdarstellungen in diesen populären Medien auseinanderzusetzen.

Eine der populärsten Videospiel-Serien ist die Assassin’s Creed-Reihe, in welcher man in verschiedenen historischen Szenarien (Kreuzzüge, Französische Reovlution etc.) in die Haut von Assassinen schlüpft und in dieser Rolle die Templer, die Gegner der Assassinen darin hindern muss, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Mittlerweile gibt es bereits 12 Teile der Reihe und darüber hinaus wurde die Spieleserie auch schon verfilmt. Wenn SchülerInnen Videospiele spielen, ist es also nicht unwahrscheinlich, dass sie bereits einmal Assassin’s Creed gespielt haben.

Da es mit Assassin’s Creed III auch einen Teil gibt, welcher den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als Setting nimmt, bot es sich für mich an, diesen auch in Rahmen der Einheit zu selbigem Thema einmal anzuschauen. So setzt der Lehrplan in Niedersachsen voraus, sich auch mit der Rezeption der Amerikanischen Revolution zu beschäftigen und zu schauen, wie „wir“ heute mit dieser historischen Zeit umgehen. Insofern bot es sich geradezu an, sich hier einmal in die Welt der Videospiele zu begeben und zu schauen, wie Assassin’s Creed III diese historische Epoche umsetzt und wie es historische und fiktive Elemente kombiniert.

Assassin’s Creed III – Ein „geeignetes“ Spiel für den Geschichtsunterricht?

In Assassin’s Creed III spielt man, wie bereits in den Vorgängerspielen, den Charakter Desmond Miles, welcher mit Hilfe eines modernen Geräts namens Animus die Erinnerungen seiner Vorfahren nacherleben kann. Auch im dritten Teil macht er davon Gebrauch: Um einen geheimen Schlüssel zu finden, schlüpft er in die Haut des Charakters Connor, welcher als Sohn eines Briten und einer Mohawk als Kind miterlebt, wie sein Dorf von dem amerikanischen General Charles Lee niedergebrannt wird. Lee stellt sich als Templer heraus, welcher ebenfalls auf der Suche nach dem Schlüssel ist. Connor beschließt, Lee und die Templer aufhalten zu wollen, woraufhin er eine Ausbildung bei dem Assassinen Achilles Davenport beginnt. Im weiteren Verlauf der Geschichte trifft er dann nicht nur auf historische Personen wie George Washington, sondern erlebt auch historische Ereignisse wie die Boston Tea Party nach. Im Endeffekt gelingt es Connor am Ende, Lee, die Templer und auch seinen Vater, welcher ebenfalls für die Templer arbeitet, zu besiegen und so die Gefahr der Templer zu beseitigen. In dieser Folge gewinnen die Amerikaner dann auch den Unabhängigkeitskrieg.

Assassin’s Creed III spielt sehr viel mit der Vermischung von historischen und fiktiven Elementen: Im Fokus steht immer der übergeordnete Konflikt zwischen Templern und Assassinen, welcher sich aber zahlreicher historischer Elemente bedient. Historische Charaktere wie z.B. Charles Lee werden hier so umfunktioniert, dass sie als Schurke fungieren können. Auch historische Ereignisse werden so angepasst, dass Connor selbst aktiv daran beteilgt ist, dass die Boston Tea Party stattfinden kann. Insofern bietet das Spiel genügend Möglichkeiten, es von den SchülerInnen dekonstruieren zu lassen: Wie und mit welchem Zweck wird Geschichte hier dargestellt? Und welche Besonderheiten werden beim Medium „Videospiel“ deutlich?

Aufbau der Kurzeinheit

Als Einstieg in die kurze Einheit dient der offizielle deutsche Trailer.

Dieser wird gemeinsam geschaut und danach zusammen besprochen: Was gibt es im Trailer zu sehen? Welche historischen Elemente lassen sich bereits erkennen? Und welche Elemente scheinen eher fiktiv zu sein? Im Optimalfall kennen SchülerInnen das Spiel bzw. die Serie und können den anderen hier auch eine kurze Einführung geben, was aber nicht zwingend notwendig ist. Auf Basis des Trailers können auch schon erste Vermutungen darüber angestellt werden, wie das Spiel historische Elemente nutzt und in die „eigene“ Geschichte einarbeitet. Durch den Trailer kamen meine SchülerInnen sehr schnell darauf, dass der Held auf der guten Seite kämpfte, welche mit Amerika verknüpft wurde. Im Umkehrschluss wurde vermutet, dass die Briten dann „die Bösen“ seien. Weiterhin gingen meine SchülerInnen dann davon aus, dass das Spiel eine sehr eigene Interpretation des Unabhängigkeitskrieges zeige und daher nicht so unbedingt „historisch korrekt“ sei. An dieser Stelle konnten wir auch kurz diskutieren, was sich die SchülerInnen unter „historischer Korrektheit“ vorstellten. Insofern gingen wir nach dem Trailer mit folgenden Fragen in die genauere Dekonstruktion des Spiels:

  • Welche Charaktere im Spiel sind historisch, welche sind fiktiv?
  • Welche Charaktere werden gut, welche böse dargestellt?
  • Stellt das Spiel die Amerikaner als gut, die Briten als böse dar?

Die folgenden Fragen wurden schließlich in Aufgaben umformuliert und auf Basis eines Darstellungstextes über das Spiel analysiert.

Der Darstellungstext selbst basiert auf der Nacherzählung der Handlung, wie sie bei Wikipedia beschrieben wird, etwas umgeschrieben und gekürzt, damit der Fokus auf dem Wesentlichen liegt. Er ermöglicht es den SchülerInnen, Antworten auf die gemeinsam formulierten Fragen zu finden, sodass das Spiel dann ausführlich dekonstruiert und besprochen werden kann. Zudem habe ich noch zwei QR-Codes eingebaut, welche den SchülerInnen die Darstellung zweier bedeutender Ereignisse des Unabhängigkeitskrieges im Spiel zeigen soll.

Die SchülerInnen als ExpertInnen: Einen Artikel für eine Gaming-Zeitschrift schreiben

Nach dem Sammeln der Ergebnisse und dem Besprechen der jeweiligen Punkte ginges darum, die Ergebnisse durch einen Transfer zu sichern. Hierfür hatte ich mir überlegt, die SchülerInnen einen Artikel für ein (fiktives) Videospielmagazin schrieben zu lassen, welches sich mit Assassin’s Creed III beschäftigt und dabei genau diese Fragen aufgreift: Wie „authentisch“ ist das Spiel? Vertritt es eine „anti-britische“ Haltung? Dazu entwarf ich schließlich ein eigenes Cover, auf welchem die eigentliche Aufgabe für die SchülerInnen dann auch gleich sichtbar werden sollte: Sie waren die jewieligen HistorikerInnen, welche hier ihre Expertenmeinung niederschreiben sollten.

Motiviert fingen meine SchülerInnen an, hier Kritiken zu schreiben, welche auf die auf dem Cover gezeigten Fragen eingingen. Sie wandten dabei nicht nur ihr gelerntes Wissen an, sondern formulierten die Antworten auch so, als wenn sie eine ernsthafte Kritik schreiben würden. Einige hinterließen am Ende sogar eine Bewertung aus „HistorikerInnen-Sicht“. Insgesamt entstanden so einige tolle Ergebnisse, von welchen ich euch zwei nicht vorenthalten möchte:

Fazit

Es hat den SchülerInnen sehr viel Spass gemacht, sich im Geschichtsunterricht einmal kritisch-analystisch mit einem ihnen bekannten Alltagsmedium auseinanderzusetzen. Da einige die Serie auch kannten, war die Motivation hier dementsprechen hoch, hier die eigene Expertise einbringen zu können. Am Ende kamen wir zu relativ differenzierten Urteilen, bei welchen zwischen dem Videospiel als Medium, welches in erster Linie unterhalten möchte, und dem Faktor „Authentizität“ gut abgewogen wurde. Videospiele haben nicht den Anspruch, historisch möglichst „nah“ an der Geschichte zu sein, sie wollen unterhalten. Aber trotzdem vermitteln sie dabei auch Geschichtsbilder, welche als „authentisch“ wahrgenommen werden können. Die generelle Diskussion über den Anspruch von „Authentizität“ in populären Darstellungen von Geschichte konnte ich dann gleich als Aufhänger für die nächste Stunde nutzen, um dieses Thema dann da diskutieren zu lassen. Aus diesem Grund freue ich mich schon sehr, auch in der nächsten Einheit einmal wieder in virtuelle historische Welten abzutauchen und diese mit den SchülerInnen zu analysieren.

Material

Instagramposts im Latein- und Geschichtsunterricht

Apps/Programme, digital, Geschichte, Latein, Methode, Methodik

Mit meinen Schülerinnen arbeite ich gerne digital und setze digitale Tools im Unterricht ein. Neben den digitalen Kompetenzen erachte ich auch die Medienerziehung und den Umgang mit Social Media als eine wichtige Aufgabe, die es zu fördern gilt. Aus Gründen des Datenschutzes ist es nicht so einfach mit den gängigen Social Media-Plattformen wie Twitter, Snapchat & Co. im Unterricht zu arbeiten. Zwar ist ein Großteil der heutigen Schüler*innen auf den bereits genannten Plattformen angemeldet, allerdings dürfen sie ihre privaten Accounts nicht im Unterricht einsetzen. Abhilfe bietet hierbei die Plattform zeoob.com.

zeoob.com

Mit Hilfe der Anwendung ist es möglich, Social Media-Beiträge zu verfassen, ohne dass sich die Schüler*innen auf der jeweiligen Plattform anmelden müssen.

Möglichkeiten mit zeoob.com

Egal ob TikTok, Snapchat oder Instagram, die Anwendung bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Besonders beliebt ist bei meinen Schülerinnen Instagram, dessen Vorlage sie gerne einsetzen, wenn wir Social Media-Posts im Unterricht erstellen.

Einsatz im Geschichtsunterricht

Instagram setzte ich daher gerne ein, um einen historischen Aspekt darzustellen. Sei dies, aus heutiger Sicht oder aus zeithistorischer Perspektive. Erfahrungsgemäß tun sich die Schüler*innen, insbesondere die jüngeren Klassen, leichter, wenn sie einen historischen Aspekt aus heutiger Sicht darstellen sollen. In diesem Fall ist das Anforderungsniveau niedriger und sie müssen sich nicht in die Situation der Person hineinversetzen. Schwieriger wird die Aufgabenstellung, wenn der Post aus zeithistorischer Perspektive verfasst werden soll, wie im Beispiel zu sehen.

Die Schüler*innen müssen sich Gedanken über die Art der Artikulation der jeweiligen Person machen und ihren Charakter bestmöglich nachahmen. Hierfür ist eine hohe Transferleistung erforderlich, welche auch ein hohes zeithistorisches Verständnis voraussetzt. Die Schüler*innen lernen bei der Erstellung eines Instagramposts nicht nur ein hohes historisches Verständnis des jeweiligen Lerngegenstands, sondern auch den zeithistorischen Kontext genau zu untersuchen und zu verstehen. Die im Unterricht entstandenen Beiträge können anschließend auf einer digitalen Pinnwand gesammelt und gegenseitig kommentiert werden.

Einsatz im Lateinunterricht

Neben dem Geschichtsunterricht kann zeoob.com auch im Lateinunterricht eingesetzt werden. Hierbei bietet sich die Wiedergabe eines literarischen Inhalts mit Möglichkeit zu einem interpretatorischen Kommentar an, aber auch das Zusammenfassen eines Lektionstextes oder die Vorstellung eines Charakters oder Autors der lateinischen Welt.

Beim Erstellen des Posts wird von den Schüler*innen gefordert, die zentralen Inhalte knapp und prägnant zusammenzufassen. Hierfür ist es notwendig, dass sie den Text verstanden und in seinen Einzelheiten erfasst haben. Auch ein mögliches Streitgespräch in den Kommentaren, beispielsweise im Themenschwerpunkt „Philosophie“ ist möglich.

Thematisierung von Social Media und Fake News

Neben den fachlichen Inhalten bietet sich die Arbeit mit zeoob.com an, über Social Media und Fake News allgemein zu sprechen. Während der praktischen Anwendung sehen die Schüler*innen, wie leicht es ist, den Inhalt zu faken. Auch die Tatsache, dass die Welt von Instagram manchmal mehr Schein als Sein ist, sollte in meinen Augen thematisiert werden. Viele Jugendliche gehen viel zu leichtgläubig mit dem Thema um und glauben alles, was irgendwelche Stars und Influencer von sich geben.

Die mebis-Lernlandkarte im Praxistest

digital, Geschichte, mebis, Methode, Neuzeit

Die härtesten Kritikerinnen der Welt, meine Mädels haben wieder zugeschlagen. Diesmal durften sie die Lernlandkarte von mebis testen, welche erst seit kurzem auf der Lernplattform verfügbar ist. für Lehrkräfte, welche nicht auf dieses Tool zurückgreifen können, stellt deck.toys eine mögliche Alternative dar. Insgesamt musste sie vier Aufgaben mit Hilfe von Materialien bewältigen und sich den Wiener Kongress selbstständig erarbeiten. Als digitale Endgeräte dienten für diese Arbeit die schulischen iPads.

Was ist eine Lernlandkarte

Die Lernlandkarte ist ein digitales Tool der Lernplattform mebis, bei welchem es möglich ist, die Reihenfolge der zu bearbeitenden Aufgaben gezielt festzulegen. Hierfür werden einzelne Punkte auf die Lernlandkarte, einem selbstgewählten Hintergrund, gesetzt, welche durch einen Pfad miteinander verbunden werden. Umrahmt werden die verschiedenen Aktivitäten durch einen Start- und Zielpunkt.

Beispiel für eine Lernlandkarte

Zu Beginn starten die Schüler*innen beim ersten Punkt auf der Lernlandkarte und arbeiten sich Schritt für Schritt durch die verschiedenen Stationen. Die einzelnen Stationen können hierbei alle Aktivitäten sein, welche bei der Lernplattform zur Verfügung stehen. Ich habe überwiegend H5P und das Feedback genutzt.

Das Erstellen der Lernlandkarte

Vor dem Erstellen der eigentlichen Lernlandkarte habe ich einen neuen Kurs in mebis angelegt, da das Modul nicht mit meinem Kachel-Format kompatibel ist. Anschließend habe ich die Aktivität angelegt. Als Hintergrund für meine Lernlandkarte habe ich ein Design mit Canva erstellt, welches ich anschließend bei mebis hochgeladen habe. Somit hatte ich bereits einen Fahrplan erstellt, für welchen ich nun die einzelnen Übungen konzipiert habe. Es ist zu empfehlen, sich erst einen Fahrplan zu machen, bevor man mit dem Generieren der einzelnen Übungen und Inhalte beginnt, da es sonst schnell unübersichtlich und chaotisch werden kann. In der Lernlandkarte kam man jegliche Elemente verbauen, welche die Plattform zur Verfügung stellt. Ich habe vor allem H5P und ein Feedback-Item genutzt.

Nach dem Erstellen der einzelnen Aktivitäten für die Lernlandkarte (sie selbst nicht) ist es wichtig, diese auszublenden, damit diese nicht im Kurs erscheinen und für Verwirrung Sorgen können. Hierbei ist zu beachten, dass die Aktivität auf „verfügbar“ gestellt ist. Dies geschieht über die drei Punkte rechts neben der Aktivität.

Einstellungen der einzelnen Items

Nun geht es daran, die Lernlandkarte zu befühlen. Dies geschieht direkt auf der Vorlage über kurze Klick-Befehle, welche hinter dem Button „Hilfe für Lernlandkarte“ detailliert beschrieben werden. Nach dem Auswählen eines Start- und Zielpunktes, den Erstellen der Pfade sowie dem Speichern der Aktivität, ist diese bereit für den Einsatz im Unterricht.

Der Praxistest

Eingesetzt habe ich die Lernlandkarte in zwei 8.Klassen zum Thema „Wiener Kongress“. Die Mädels haben mit Hilfe der Karte sich das Thema erarbeitet und anschließend gesichert. Die Aufgaben wurden hierbei mit der Lernlandkarte entlastet und anschließend anschließend die Lösungen übertragen bzw. falsche Behauptungen korrigiert. Neben den Aufgaben der Lernlandkarte mussten sie zudem noch ein Schaubild zeichnen sowie ein Fazit über den Wiener Kongress ziehen. Die Durchführung der Lernlandkarte inklusive der Sicherung und den zwei extra Aufgaben hat etwa 45 Minuten in Anspruch genommen. Etwa eine weitere Schulstunde für die anschließende Präsentation mit einigen Verständnisfragen meinerseits. Insgesamt haben wir also eine Doppelstunde für diese Einheit gebraucht. Die Lernlandkarte ließ sich hierbei problemlos bedienen und alle Aufgaben konnten flüssig abgearbeitet werden.

Das Urteil der Jury

Als Feedback haben meine Mädels zurückgemeldet, dass die Arbeit ihnen Spaß gemacht hat und amüsant war. Zudem haben ihnen die H5P-Übungen zugesagt, insbesondere diejenigen, bei welchen es ums Rätseln ging. Auch hatten sie das Gefühl bei dieser Art der Aufgabenstellung besser Lernen zu können. Für einige war es auch die bisher schönste Arbeit am iPad.

Fazit

Mir hat die Arbeit mit der Lernlandkarte ebenso viel Freude bereitet, insbesondere die kreative Arbeit hinter der Anwendung. Leider muss ich an dieser Stelle auch sagen, dass das Erstellen ziemlich lange gedauert hat und ich einen Vormittag an der Einheit saß. Trotzdem werde ich Lernlandkarten auch weiterhin im Unterricht einsetzen, da mit der Erfahrung sich der zeitliche Aufwand hoffentlich etwas reduziert. Zudem bekommen insbesondere schüchterne Schülerinnen durch die H5P-Aufgaben mit angezeigter Lösung Selbstvertrauen und trauen sich, ihre Lösung vor der Klasse zu präsentieren. Das hat mich bei der Durchführung besonders gefreut als jemand aus dieser Gruppe von sich aus angeboten hat, ihr Ergebnis an der Dokumentenkamera zu präsentieren.

Musicals im Geschichtsunterricht

DDR, Erster Weltkrieg, Geschichte, kritischer Umgang, Methode, Methodik, Musical

Persönlich bin ich ein absoluter Fan von Musicals. Insbesondere „Elisabeth“ und „I am from Austria“ haben es mir angetan. Für den Unterricht sind beide nicht so geeignet, dafür eine ganze Reihe anderer Musicals.

Hamilton

Der Musical-Hit aus den USA beschreibt das Leben des Gründervaters und späteren Finanzminister Alexander Hamilton. Aufgrund von Corona sind bis jetzt nur einige Titel auf Deutsch erschienen, sodass man mit einer Übersetzung im Geschichtsunterricht arbeiten muss, da der Text sehr schnell bzw. der Rap nicht so gut verständlich ist. Bis jetzt ist nur ein kurzer Remix in Übersetzung veröffentlicht worden. Ich hab den Anfang dessen eingesetzt, um die Biografie Alexander Hamiltons zu erarbeiten und einen vergleich zwischen Musical und Realität zu schaffen.

Ein weiteren Clip von den Tony Awards habe ich mit deutschem Untertitel am Ende der Einheit zur Amerikanischen Revolution eingesetzt. Hierbei kann man nicht nur die Schlacht bei Yorktown und die Amerikanische Revolution selbst wiederholen, sondern auch die Laudatio von Michelle und Barack Obama analysieren. Zudem habe ich die Art von Geschichtsvermittlung als Musical mit meinen Mädels diskutiert. Zudem eignet sich der Clip hervorragend, um zur Französischen Revolution überzuleiten, da der General La Fayette sagt, dass er zurück nach Frankreich geht und dort sein Volk befreit. Anhand dieser Aussagen kann man eine Irritation schaffen und die Französische Revolution mit Bezug zur Amerikanischen Revolution einleiten.

In beiden Klassen habe ich den Auszug mehrmals angeschaut, weil meine Mädels so begeistert von der Darstellung der Künstler*innen waren und den Inhalt am Anfang gar nicht richtig wahrgenommen haben.

Die Gefährten

Im Ersten Weltkrieg spielen auch Tiere eine wichtige Rolle, wie es auch im Musical „Die Gefährten“ gezeigt wird. Hierbei geht es um die Erlebnisse eines Pferdes im Krieg. Der Ausschnitt aus dem Musical eignet sich nicht nur zur Wiederholung des Krieges, sondern auch als Hinführung zum Kriegsende. Auch die Äußerung, dass das Kaiserreich besiegt wurde, bietet Gesprächsanlass im Sinne der Multiperspektivität.

Anastasia

Das Musical „Anastasia“ schildert das Leben der Zarentochter Anastasia gemäß dem Disney-Film. Den folgenden Titel (bis 2:13min) habe ich genutzt, um die Russische Revolution einzuführen und die wichtigsten Merkmale dieser zu erarbeiten, bevor wir in eine detaillierte Quellenarbeit gegangen sind. Anschließend haben wir das Musical und das Leben der Zarentochter gegenübergestellt und überlegt, wie Disney auf seine Version des Lebens kam und welche Gefahren sich in dieser falschen Darstellung einer historischer Gegebenheit verbergen.

Hinterm Horizont

Das Musical mit Hits von Udo Lindenberg spiegelt das Leben des Künstlers wieder. Udo Lindenberg verliebte sich in ein Mädchen aus Osterberlin und beschreibt diese Liebe und die damit verbundenen Probleme in seinen Liedern. Der Titel „Mädchen aus Osterberlin“ beschreibt beispielsweise die Beziehung Udos aus Westberlin zu seinem Mädchen aus Osterberlin. Eine Liebe im geteilten Berlin, welche für viele Menschen Alltag war, genauso wie das Leben mit der Teilung und den damit verbundenen Problemen.

Im Unterricht habe ich ausgewählte Lieder des Musicals und weitere zum Thema passende Titel in Gruppenarbeit analysieren und in ihren historischen Kontext setzen lassen. Anschließend haben wir gemeinsam die Verbreitung von historischen Ereignissen in der Musik diskutiert.

Fazit

Die gezeigten Beispiele habe ich in den Klassen 8-10 eingesetzt und bin jedes Mal auf Begeisterung gestoßen. Musicals sind etwas ganz besonders und vor allem die künstlerischen Darstellungen haben meine Mädels begeistert.

[alternative Prüfungsformate] Netflix-Serie

alternative Prüfungsformate, digital, Geschichte, Methode, Methodik, Neuzeit

Die Idee zu diesem Unterrichtsprojekt stammt von Stefan Fassnacht, welche er auf der mobile Schule digital im November vorgestellt hat. Ab Januar 2023 gibt es hierzu auch wieder Fortbildungen.

Netflix, Amazon Prime und wie sie alle heißen. Fast jeder von uns nutzt Streaming-Dienste als Ersatz oder Ergänzung zum Programm der alltäglichen Fernsehprogramme. Meine Mädels sind beispielsweise große Fans von Gossip Girl und Haus des Geldes, zwei Serien, welche zum Beispiel auch beim Anbieter Netflix zu finden sind. Somit sind sie mit dieser Art von Anwendung bereits vertraut und ich kann an ihre Lebenswelt problemlos im Unterricht anknüpfen. Die Aufgabe der Mädchen war es nun, mit Hilfe eines Templates, ihre eigene Netzflix-Serie zu konzipieren.

Die Rahmebedingungen

Ende Dezember hatte ich mit meinen 10.Klassen den Kalten Krieg abgeschlossen. Die anschließende deutsch-deutsche-Problematik empfinde ich als sehr komplex, sodass ich mich entschlossen habe, mit der Mauer zu beginnen. Hierbei waren mir diverse Themen wichtig, welche auch für den weiteren Unterrichtsverlauf von Bedeutung sind. Entschieden habe ich mich letztendlich für sieben Schwerpunktthemen:

  • Bau der Mauer
  • Bahnhof Friedrichstraße und der Kontakt zwischen Ost- und Westberlin
  • Mauerflüchtlinge
  • Mauertote
  • Grenzanlage und Grenztruppen
  • Migration DDR-BRD
  • Mauerfall

Zu diesen Themen habe ich eine TaskCard (hier einsehbar) mit Leitfragen und Quellen sowie Darstellungen für jede Gruppe bereitgestellt. Zudem habe ich jeder Gruppe ein Template mit Google Slides für die Serie zur Verfügung gestellt, auf welchem sie kollaborativ arbeiten konnten. Das Template, welches dem typischen Aufbau von Netflix nachempfunden ist, stellt hierbei den Rohbau für die Serie dar und macht das Projekt realer. Eine Kollegin, die am Ende der Stunde kurz rein kam, dachte auf den ersten Blick bei der Präsentation meiner Mädels tatsächlich, dass wir gerade eine echte Netflix-Serie behandeln.

Die Erarbeitung

Die Aufgabe der Schülerinnen war es nun mit den vorgegebenen Materialien, welche sie jederzeit ergänzen durften, eine Netflix-Serie zu erstellen. Die Mädels sollten eine Titelseite sowie eine Seite mit vier Folgen erstellen sowie diese bebildern und einen Text dazu schreiben. Gedreht wurde keine Serie, sondern nur theoretisch angelegt. Hierbei war mir wichtig, dass es keine Dokumentation, sondern eine Serie wird, da sie sich hierbei intensiv mit dem Stoff auseinandersetzen mussten. Zudem war es Bestandteil der Aufgabe, eine historische Quelle in die Serie einzubauen und diese bei der anschließenden Präsentation der Serie kurz zu erläutern. Im Vorfeld hatte ich zudem einen detaillierten Erwartungshorizont sowohl analog als auch in mebis als Rubrik hinterlegt. Mit Hilfe der Vorlage konnten die Gruppen ausführlich sehen, was sie für welche Anzahl von Punkten leisten mussten und sich immer wieder selbst in Hinblick auf die verschiedenen Rubriken evaluieren. Mit ihrer Note erhalten sie auch ein Feedback mit Hilfe der Rubrik via mebis.

Nachdem ich den Mädels das Projekt vorgestellt hatte, haben diese etwa 3-4 Wochen mit jeweils zwei Unterrichtsstunden in der Woche intensiv an dem Projekt gearbeitet. Hierbei stand ich ihnen jederzeit für Rückfragen zur Verfügung, habe sie aber ansonsten selbstständig arbeiten lassen. Die finale Arbeit wurde abschließend via mebis abgegeben.

Die Präsentation

Nach der Abgabe hat jede Gruppe ihr finales Werk präsentiert und ihre Quelle der Klasse erläutert. Es war toll zu sehen, wie begeistert die Mädels von den einzelnen Arbeiten waren und wie sie die Präsentationen ihrer Mitschülerinnen wertgeschätzt haben.

Die Sicherung

Im Anschluss an die Präsentationen fand die Sicherung des Projektes statt. Gemeinsam habe ich mit der Klasse die einzelnen Felder erarbeitet, wobei erst die an der Präsentation beteiligten Schülerinnen ihr gelerntes Wissen wiedergeben sollten und anschließend die Expertinnen auf dem jeweiligen Thema ergänzt haben.

Schülerinnen-Fazit

Als Rückmeldung haben mir die Mädels mit auf den Weg gegeben, dass ihnen insbesondere die freie und eigenständige Arbeit in Gruppen sehr gut gefallen hat. Sie empfanden die selbstständige Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff als sehr spannend und bereichernd. Zudem hat ihnen die kreative Arbeit Freude bereitet und sie empfanden das Projekt als „sehr cool“. Auch die Art der Präsentation hat ihnen sehr gefallen, insbesondere die moderne Interpretation der sonst eher klassischen Referate.

Mein Fazit

Persönlich bin ich sehr stolz auf meine Mädels und die Ergebnisse, die sie präsentiert haben! Sie haben wunderbar zusammengearbeitet, gemeinsam die Vergangenheit entdeckt und Begeisterung für ihr Thema entwickelt und es selbstständig sowie nachhaltig erarbeitet. Teilweise saßen sie schon an ihrer Arbeit beisammen, obwohl ich noch nicht einmal anwesend im Klassenzimmer war. Die entstandenen Noten sind auch allesamt positiv ausgefallen.

Material

Bildquellen

Fake News enttarnen mit Napleon

Geschichte, Neuzeit

Fake News sind nicht erst seit Corona ein Thema, doch seit dieser Zeit sind sie präsenter in den Medien. Auch in unserer Geschichte verstecken sich die ein oder anderen Mythen, welche es zu enttarnen gilt. Besondern um Napoleon hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er ein kleiner Mann gewesen sein soll.

Myth vs. Reality

Zufällig entdeckte ich beim Recherchieren die Serie „Myth vs. Reality“. Auf dem nicht mehr existierenden Twitter-Account wurden verschiedenen Mythen entlarvt und in einer Grafik mit der jeweiligen Realität gegenübergestellt.

Als Aufhänger des Arbeitsblattes habe ich die entsprechende Grafik zu Napoleon genutzt, um anschließend die Herkunft des Mythos mit Hilfe eines Darstellungstextes zu klären. Anschließend habe ich einen Gegenwartsbezug zu heute geschaffen.

Im Mittelpunkt stand dabei das Aufdecken von Fake News und der Schutz vor diesen. Hierbei sollten die Schülerinnen eigene Beispiele finden und ein eigenes Beispiels als Myth vs. Reality darstellen. Anschließend haben wir gemeinsam darüber gesprochen, wie man sich vor Fake News schützen und was man gegen diese tun kann.

Fazit

Wir haben für die Einheit etwa 45 Minuteervon n gebraucht und viel über die aktuellen Mythen gesprochen und was man gegen diese unternehmen kann. Insbesondere zu Corona und die Impfung kamen viele Fake News. Gefreut hat mich zudem, dass sich auch viele Schülerinnen bei der Übung gemeldet haben, die ansonsten etwas zurückhaltendere sind.

Material

Das Material unterliegt folgender Lizenz: CC BY 4.0. Hiervon sind die Grafiken ausgenommen.

Weitere Myth. vs. Reality

[Projektvorstellung] Selbstdarstellung und Propaganda im Grand Siècle sowie im 21. Jahrhundert

digital, Geschichte, Methode, Methodik

Im heutigen Beitrag stelle ich euch das Projekt „Louis XIV – Le plus grand roi d’Instagram“ von Andy Willems vor. Im Rahmen einer AG erstellt der Lehrer Andy Willems gemeinsam mit seinen Schüler*innen ein Instagram-Profil @lesoleildeversailles zu König Ludwig XIV. in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Der Fokus liegt hierbei auf der Selbstdarstellung des Königs sowie ein Vergleich mit heutigen Inszenierungen von Personen auf Social Media.

Das Projekt

Instagram steht im Jahr 2021 an Platz 2 der einflussreichsten Social-Media-Netzwerke. Ausgerichtet auf das Teilen von Bildern und Videos mit Followern auf der ganzen Welt fokussieren sich junge Erwachsene auf die eigene Selbstdarstellung, um Zuspruch und Bestätigung über Likes und Kommentare zu erhalten. Blickt man jedoch auf die letzten Jahrhunderte zurück, lassen sich ähnliche mediale Selbstpräsentationen finden, auch wenn die Art und Weise sich unterscheidet. Ludwig XIV. legte größten Wert auf seine Außenwirkung sowohl am Hofe von Versailles als auch in ganz Frankreich und den anderen europäischen Staaten. Hierfür nutzte er u.a. Architektur, Kunst und Literatur mit dem Ziel einer glorreichen Inszenierung seiner selbst. Hieraus ergibt sich die Frage: Was wäre geschehen, hätten dem Sonnenkönig bereits Social-MediaNetzwerke zur Verfügung gestanden? Und wie hätte er ebendiese genutzt? (Text: Andy Willems)

Die Arbeitsgemeinschaft

Die Arbeitsgemeinschaft soll Anlass bieten, diese und weitere Fragen zu beleuchten und gleichzeitig die Parallele in Aspekten der Selbstdarstellung und Propaganda im Grand Siècle sowie im 21. Jahrhundert verdeutlichen, bei deren in beiden Fällen die Darstellung eines verfälschten Selbstbildes eine wichtige Rolle spielt. Hierbei soll in gemeinschaftlicher Arbeit ein reales historisches Instagram-Profil entstehen, bei dem im Idealfall wöchentlich neue Posts auf Basis der erarbeiteten Themen und Inhalte in Form von Bildern, Texten oder Videoclips veröffentlicht werden.

Die Arbeitsgemeinschaft soll sich insbesondere an historisch interessierte SuS der Klassenstufe 10, K1 und K2 richten. Französisch-Kenntnisse sind von Vorteil für eine authentische Quellenarbeit in französischer Sprache, sind jedoch nicht verpflichtend. (Text: Andy Willems)

Einige Fragen an Andy Willems…

Neben den Materialien zum Projekt durfte ich auch einige Fragen an Andy Willems stellen, um noch mehr spannende Fakten über Louis XIV – Le plus grand roi d’Instagram zu erhalten.

KMS-B: Vielen Dank für die Möglichkeit dieses kleinen Interviews. Wir finden die Beschreibung des Projekts sehr spannend und sind auch von der Durchführung dieser begeistert. Wie haben denn die Schüler*innen auf diese AG reagiert und wie viele Schüler*innen nehmen aktuell an der AG teil?

Andy Willems: Da ein solches Projekt bisher relativ neu und unbekannt ist, habe ich viele neugierige und positive Rückmeldungen seitens der Schüler*innen sowie des Lehrerkollegiums erhalten. Umso mehr freut es mich natürlich, dass sich super engagierte Schülerinnen der Klassen 11 und 12 trotz der stressigen Vorbereitungen auf das Abitur für die Teilnahme an der AG entschieden haben. Selbstverständlich stehen die Türen auch für weitere Interessierte offen.

KMS-B: Das ist schön zu hören! Für die AG hast du Dich entschiedenen einen richtigen Account anzulegen und nicht auf eine datenschutzkonforme Alternativ wie beispielsweise zeeob.com zurückzugreifen. Was waren die Gründe hierfür?

Andy Willems: Diese Entscheidung galt es natürlich vorab genau abzuwägen. Ziel des Projektes ist es aber, in Zeiten von Homeschooling und schnelllebigem Social-Media eine Plattform zu bieten, die zum einen eine Referenz zum Bildungsplan aufweist und Kompetenzen fördert, zum anderen simultan den Austausch mit anderen Interessierten außerhalb der Schulgemeinschaft ermöglicht. Optimalerweise kann durch Kontakte mit Historiker*innen auch ein erster Schritt in die Hochschulbildung erfolgen.

KMS-B: Datenschutz ist ein großes Thema in der Schule und Instagram ist nicht gerade für seinen Datenschutz bekannt. Gab es hierzu einige Bedenken bezüglich des Datenschutzes von Seiten der Eltern etc.?

Andy Willems: Selbstverständlich steht Datenschutz an erster Stelle bei der Gestaltung des Projektes. Die AG entspricht aufgrund des Alters der Schüler*innen den Instagram-Richtlinien und der Zugang zum Profil erfolgt ausschließlich über die Lehrperson. Hierdurch fördert das Projekt Medienkompetenzen, indem keinerlei Privatinformationen der Schüler*innen veröffentlicht, sondern ausschließlich historische Fakten in einen Social-Media-Kontext eingearbeitet werden sowie die Quellenarbeit den wissenschaftlichen Standards entspricht. Außerdem kann eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Medium erfolgen und dieses kritisch hinterfragt werden.

KMS-B: Die Posts auf Instagram erscheinen in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch. Warum hast Du dich dafür entschieden, das Profil in drei verschiedenen Sprachen zu führen.

Andy Willems: Dies hat zwei Gründe: Zum einen ist es wichtig, das Profil in einen authentischen Lebensweltbezug zu stellen, um Motivation und (Schüler-)Interesse zu fördern. Das Ziel des Profils ist es, Posts aus der Sicht des französischen Königs Ludwig XIV. zu generieren, um die französische Geschichte ins 21. Jahrhundert zu transferieren. Englisch soll hierbei einen zusätzlichen internationalen Austausch ermöglichen. Zum anderen handelt es sich beim Fichte-Gymnasium Karlsruhe um ein bilinguales Gymnasium mit dem Schwerpunkt Französisch. In diesem Jahr feiert die Schule 25 Jahre bilingualer Zug und bietet neben dem deutschen Abitur auch das Abi-Bac. Wie könnte man dieses Jubiläum besser feiern als durch ein deutsch-französisches Projekt?  

KMS-B: Stimmt! An meiner Schule gibt es auch einen deutsch-französischen Tag. Selbstdarstellung und Inszenierung ist ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit. Jugendliche glauben oftmals, dass ihre Idole sich real auf Instagram präsentieren und werden durch diese Scheinwelt getäuscht. Was waren Deine Beweggründe, dieses Thema für die AG zu wählen und wie kam der historische Vergleich zustande?

Andy Willems: Selbstdarstellung ist kein Phänomen des 21. Jahrhunderts – nur die Art und Weise der Präsentation hat sich durch die neuen Medien verändert. Um diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, kann exemplarisch auf den Sonnenkönig zurückgegriffen werden. Aufgrund meines Geschichtsstudiums an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit Schwerpunkt „Ludwig XIV. und das Grand Siècle“ sowie zwei Auslandssemestern u.a. an der Pariser Universität La Sorbonne beschäftige ich mich schon länger mit dieser Epoche. Dies bietet Anlass, fächerübergreifend mit den Schüler*innen zu arbeiten und simultan den Bildungsplan beider Fächer zu vertiefen. Gleichzeitig ist dies eine Chance, die herausragenden Bildungschancen des bilingualen Unterrichts über die Schulgrenzen des Fichte-Gymnasiums bekannt zu machen und neue Kontakt zu knüpfen. ZDF TerraX und MrWissen2GoGeschichte folgen uns bereits.

KMS-B: Bei Projekten ist es oftmals ein Problem, dass diese mit dem Ende einer AG beendet sind. Soll das Profil auch darüberhinaus gepflegt werden oder im Rahmen dieser AG auch im nächsten Schuljahr fortgeführt werden?

Andy Willems: Aktuell ist das Projekt bis zum Abschluss des Schuljahres 2021/22 geplant, da die teilnehmenden Abiturient*innen zu diesem Zeitpunkt das Fichte Gymnasium verlassen und dies auch das Ende meines Referendariats markiert. Über eine mögliche Fortsetzung oder Erweiterung dieses Projekts auf beispielsweise andere historische Epochen soll abschließend mit den teilnehmenden engagierten Schülerinnen entschieden werden.

KMS-B: Es würde mich sehr freuen, weiter von euch zu hören 🙂 Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Freude mit der AG!

Update von Andy Willems zum Ende des Projektes:

1. seit Januar konnten wir unsere Followerzahl  mehr als verdoppeln auf aktuell 290; unter anderem folgen uns die Bildungsaccounts MrWissen2GoGeschichte sowie ZDF TerraX (beide haben uns bereits rückgemeldet, dass sie den Account  stetig verfolgen und begeistert sind von der Arbeit)

2. ein Beitrag im Newsletter des Centre Culturel Français Karlsruhe

3. eine Empfehlung des Deutschen Historischen Instituts Paris über ihren offiziellen Twitteraccount

4. ein Artikel auf der Schulhomepage (https://www.fichte-gymnasium.de/index.php/lernen-am-fichte-de/faecher/sprachen-und-literatur/franzoesisch/berichte/714-le-roi-soleil-a-karlsruhe

4. dein Blog-Post von Januar 2022

5. ein ganzseitiger Artikel in der deutschlandweiten Fachzeitschrift “Französisch Heute” von der Vereinigung der Französischlehrer*innen (Ausgabe 2/2022) (siehe Bild im Anhang)

Eine ganz besondere Ehre stellt hierbei der Artikel in der Fachzeitschrift dar, da ein solcher normalerweise nur durch Ehrenmitglieder des Verbands oder durch Sieg eines Wettbewerbs zustande kommt. Jedoch war die Begeisterung für das Projekt so groß, dass mir Anfang des Jahres ein solcher Artikel angeboten und nun im Juni tatsächlich veröffentlicht wurde.

Meine Schülerinnen haben mir die Rückmeldung gegeben, dass sie hellauf begeistert waren und „mehr lernten als in jeder Geschichtsstunde“. Sie konnten ihr neu erworbenes Wissen sogar in den Kommunikationsprüfungen im Fach Französisch anwenden. Das hat mich wiederum zum strahlen gebracht. 🙂

Problematisieren der Kriegsbegeisterung mit Valiant Hearts

Computerspiel, Erster Weltkrieg, Geschichte

Meine beiden 9.Klassen hat leider das Los getroffen, dass ich ein großer Fan von Computerspielen im Unterricht bin und es gerade für diese Jahrgangsstufe eine große Fülle an Möglichkeiten gibt. Um die Dramaturgie an dieser Stelle abzukürzen: Wir haben noch nie so viel gelacht im Unterricht wie in diesen Stunden. Dasselbe lässt sich auf die Beteiligung der Schülerinnen übertragen. Statt einer Stunde zur Halloween, wollten sie sogar lieber Unterricht machen als den eduBreakout, den ich ihnen vorbereitet habe. Im heutigen Blogpost möchte ich eine Szene aus Valiant Hearts näher vorstellen sowie dessen Einsatz im Unterricht thematisieren.

Der Einsatz des Spiels im Unterricht

Die vorgestellte Stunde bezieht sich auf die zweite Szene der Episode 1 „Dunkle Wolken“, welche am Bahnsteig 21 des Pariser Bahnhofs angesiedelt ist. Es geht darum, dass der Spieler*in die Musik zur Abfahrt des Zuges starten muss und die Kriegsbegeisterung vor Augen geführt bekam. Eine Vorstellung des Spiels und weitere Einsatzmöglichkeiten sind in diesem Blogartikel (hier) zu finden. Gespielt wurde das Spiel am iPad und mit Hilfe der Dokumentenkamera an die Tafel geworfen. Es stellte absolut kein Problem dar, dass nur eine Schülerin das Spiel gespielt hat, während die anderen zugesehen haben. Ihre Mitschülerinnen haben fleißig Tipps gegebene, sie angefeuert und mitgefiebert. An dieser Stelle kann ich mit gutem Gewissen die Angst vor dem Einsatz im Unterricht nehmen, wenn nur ein Gerät zur Verfügung steht.

Szene aus Valiant Hearts (Episode 1)

Ohne die kommende Szene groß zu kommentieren sind wir in das Spiel gestartet. Die Mädels haben selbstständig die Szene gespielt, ohne dass ich ihnen bei Problemen Hilfestellung gegeben habe. Am Ende der Szene habe ich sie um Rückmeldung zu dieser gebeten. Sofort wurde klar, dass die Schülerinnen sichtlich irritiert waren durch die heitere Stimmung am Bahnsteig, obwohl man doch in den Krieg zog. Das passte in ihren Augen absolut nicht zusammen. Selbstständig haben sie zudem die Frage aufgeworfen, ob dies überhaupt sein kann oder ob das Spiel an dieser Stelle von der Wirklichkeit abgewichen ist.

Quellenarbeit zur Auflösung der Irritation

Zur Klärung ihrer Fragen habe ich ihnen eine Bildquelle zum Augusterlebnis sowie zwei Textquellen aus dem Buch zur Verfügung gestellt.

Augusterlebnis

Die Textquellen aus unserem Schulbuch (Horizonte 9) beschreiben einmal die Kriegsbegeisterung aus deutscher und aus französischer Sicht. Somit konnte zudem die Mulitperspektivität neben der eigentlichen Fragestellung wiederholt werden. Mit Hilfe der drei Quellen haben meine Schülerinnen nun die historische Narration der gezeigten Szene herausgearbeitet und miteinander verglichen. Am Ende haben wir das Erarbeitete zudem in einem Aufschrieb gesichert.

Fazit

Die Szene aus dem Spiel eignete sich sehr gut als Einstieg für das Thema „Kriegsbegeisterung“. Durch die aktive Beteiligung am Geschehen findet eine Aktivierung der Schüler*innen statt und sie stellen selbstständig Fragen zum gezeigten Inhalt.