[alternative Prüfungsformate] Netflix-Serie

alternative Prüfungsformate, digital, Geschichte, Methode, Methodik, Neuzeit

Die Idee zu diesem Unterrichtsprojekt stammt von Stefan Fassnacht, welche er auf der mobile Schule digital im November vorgestellt hat. Ab Januar 2023 gibt es hierzu auch wieder Fortbildungen.

Netflix, Amazon Prime und wie sie alle heißen. Fast jeder von uns nutzt Streaming-Dienste als Ersatz oder Ergänzung zum Programm der alltäglichen Fernsehprogramme. Meine Mädels sind beispielsweise große Fans von Gossip Girl und Haus des Geldes, zwei Serien, welche zum Beispiel auch beim Anbieter Netflix zu finden sind. Somit sind sie mit dieser Art von Anwendung bereits vertraut und ich kann an ihre Lebenswelt problemlos im Unterricht anknüpfen. Die Aufgabe der Mädchen war es nun, mit Hilfe eines Templates, ihre eigene Netzflix-Serie zu konzipieren.

Die Rahmebedingungen

Ende Dezember hatte ich mit meinen 10.Klassen den Kalten Krieg abgeschlossen. Die anschließende deutsch-deutsche-Problematik empfinde ich als sehr komplex, sodass ich mich entschlossen habe, mit der Mauer zu beginnen. Hierbei waren mir diverse Themen wichtig, welche auch für den weiteren Unterrichtsverlauf von Bedeutung sind. Entschieden habe ich mich letztendlich für sieben Schwerpunktthemen:

  • Bau der Mauer
  • Bahnhof Friedrichstraße und der Kontakt zwischen Ost- und Westberlin
  • Mauerflüchtlinge
  • Mauertote
  • Grenzanlage und Grenztruppen
  • Migration DDR-BRD
  • Mauerfall

Zu diesen Themen habe ich eine TaskCard (hier einsehbar) mit Leitfragen und Quellen sowie Darstellungen für jede Gruppe bereitgestellt. Zudem habe ich jeder Gruppe ein Template mit Google Slides für die Serie zur Verfügung gestellt, auf welchem sie kollaborativ arbeiten konnten. Das Template, welches dem typischen Aufbau von Netflix nachempfunden ist, stellt hierbei den Rohbau für die Serie dar und macht das Projekt realer. Eine Kollegin, die am Ende der Stunde kurz rein kam, dachte auf den ersten Blick bei der Präsentation meiner Mädels tatsächlich, dass wir gerade eine echte Netflix-Serie behandeln.

Die Erarbeitung

Die Aufgabe der Schülerinnen war es nun mit den vorgegebenen Materialien, welche sie jederzeit ergänzen durften, eine Netflix-Serie zu erstellen. Die Mädels sollten eine Titelseite sowie eine Seite mit vier Folgen erstellen sowie diese bebildern und einen Text dazu schreiben. Gedreht wurde keine Serie, sondern nur theoretisch angelegt. Hierbei war mir wichtig, dass es keine Dokumentation, sondern eine Serie wird, da sie sich hierbei intensiv mit dem Stoff auseinandersetzen mussten. Zudem war es Bestandteil der Aufgabe, eine historische Quelle in die Serie einzubauen und diese bei der anschließenden Präsentation der Serie kurz zu erläutern. Im Vorfeld hatte ich zudem einen detaillierten Erwartungshorizont sowohl analog als auch in mebis als Rubrik hinterlegt. Mit Hilfe der Vorlage konnten die Gruppen ausführlich sehen, was sie für welche Anzahl von Punkten leisten mussten und sich immer wieder selbst in Hinblick auf die verschiedenen Rubriken evaluieren. Mit ihrer Note erhalten sie auch ein Feedback mit Hilfe der Rubrik via mebis.

Nachdem ich den Mädels das Projekt vorgestellt hatte, haben diese etwa 3-4 Wochen mit jeweils zwei Unterrichtsstunden in der Woche intensiv an dem Projekt gearbeitet. Hierbei stand ich ihnen jederzeit für Rückfragen zur Verfügung, habe sie aber ansonsten selbstständig arbeiten lassen. Die finale Arbeit wurde abschließend via mebis abgegeben.

Die Präsentation

Nach der Abgabe hat jede Gruppe ihr finales Werk präsentiert und ihre Quelle der Klasse erläutert. Es war toll zu sehen, wie begeistert die Mädels von den einzelnen Arbeiten waren und wie sie die Präsentationen ihrer Mitschülerinnen wertgeschätzt haben.

Die Sicherung

Im Anschluss an die Präsentationen fand die Sicherung des Projektes statt. Gemeinsam habe ich mit der Klasse die einzelnen Felder erarbeitet, wobei erst die an der Präsentation beteiligten Schülerinnen ihr gelerntes Wissen wiedergeben sollten und anschließend die Expertinnen auf dem jeweiligen Thema ergänzt haben.

Schülerinnen-Fazit

Als Rückmeldung haben mir die Mädels mit auf den Weg gegeben, dass ihnen insbesondere die freie und eigenständige Arbeit in Gruppen sehr gut gefallen hat. Sie empfanden die selbstständige Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff als sehr spannend und bereichernd. Zudem hat ihnen die kreative Arbeit Freude bereitet und sie empfanden das Projekt als „sehr cool“. Auch die Art der Präsentation hat ihnen sehr gefallen, insbesondere die moderne Interpretation der sonst eher klassischen Referate.

Mein Fazit

Persönlich bin ich sehr stolz auf meine Mädels und die Ergebnisse, die sie präsentiert haben! Sie haben wunderbar zusammengearbeitet, gemeinsam die Vergangenheit entdeckt und Begeisterung für ihr Thema entwickelt und es selbstständig sowie nachhaltig erarbeitet. Teilweise saßen sie schon an ihrer Arbeit beisammen, obwohl ich noch nicht einmal anwesend im Klassenzimmer war. Die entstandenen Noten sind auch allesamt positiv ausgefallen.

Material

Bildquellen

Fake News enttarnen mit Napleon

Geschichte, Neuzeit

Fake News sind nicht erst seit Corona ein Thema, doch seit dieser Zeit sind sie präsenter in den Medien. Auch in unserer Geschichte verstecken sich die ein oder anderen Mythen, welche es zu enttarnen gilt. Besondern um Napoleon hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er ein kleiner Mann gewesen sein soll.

Myth vs. Reality

Zufällig entdeckte ich beim Recherchieren die Serie „Myth vs. Reality“. Auf dem nicht mehr existierenden Twitter-Account wurden verschiedenen Mythen entlarvt und in einer Grafik mit der jeweiligen Realität gegenübergestellt.

Als Aufhänger des Arbeitsblattes habe ich die entsprechende Grafik zu Napoleon genutzt, um anschließend die Herkunft des Mythos mit Hilfe eines Darstellungstextes zu klären. Anschließend habe ich einen Gegenwartsbezug zu heute geschaffen.

Im Mittelpunkt stand dabei das Aufdecken von Fake News und der Schutz vor diesen. Hierbei sollten die Schülerinnen eigene Beispiele finden und ein eigenes Beispiels als Myth vs. Reality darstellen. Anschließend haben wir gemeinsam darüber gesprochen, wie man sich vor Fake News schützen und was man gegen diese tun kann.

Fazit

Wir haben für die Einheit etwa 45 Minuteervon n gebraucht und viel über die aktuellen Mythen gesprochen und was man gegen diese unternehmen kann. Insbesondere zu Corona und die Impfung kamen viele Fake News. Gefreut hat mich zudem, dass sich auch viele Schülerinnen bei der Übung gemeldet haben, die ansonsten etwas zurückhaltendere sind.

Material

Das Material unterliegt folgender Lizenz: CC BY 4.0. Hiervon sind die Grafiken ausgenommen.

Weitere Myth. vs. Reality

[Projektvorstellung] Selbstdarstellung und Propaganda im Grand Siècle sowie im 21. Jahrhundert

digital, Geschichte, Methode, Methodik

Im heutigen Beitrag stelle ich euch das Projekt „Louis XIV – Le plus grand roi d’Instagram“ von Andy Willems vor. Im Rahmen einer AG erstellt der Lehrer Andy Willems gemeinsam mit seinen Schüler*innen ein Instagram-Profil @lesoleildeversailles zu König Ludwig XIV. in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Der Fokus liegt hierbei auf der Selbstdarstellung des Königs sowie ein Vergleich mit heutigen Inszenierungen von Personen auf Social Media.

Das Projekt

Instagram steht im Jahr 2021 an Platz 2 der einflussreichsten Social-Media-Netzwerke. Ausgerichtet auf das Teilen von Bildern und Videos mit Followern auf der ganzen Welt fokussieren sich junge Erwachsene auf die eigene Selbstdarstellung, um Zuspruch und Bestätigung über Likes und Kommentare zu erhalten. Blickt man jedoch auf die letzten Jahrhunderte zurück, lassen sich ähnliche mediale Selbstpräsentationen finden, auch wenn die Art und Weise sich unterscheidet. Ludwig XIV. legte größten Wert auf seine Außenwirkung sowohl am Hofe von Versailles als auch in ganz Frankreich und den anderen europäischen Staaten. Hierfür nutzte er u.a. Architektur, Kunst und Literatur mit dem Ziel einer glorreichen Inszenierung seiner selbst. Hieraus ergibt sich die Frage: Was wäre geschehen, hätten dem Sonnenkönig bereits Social-MediaNetzwerke zur Verfügung gestanden? Und wie hätte er ebendiese genutzt? (Text: Andy Willems)

Die Arbeitsgemeinschaft

Die Arbeitsgemeinschaft soll Anlass bieten, diese und weitere Fragen zu beleuchten und gleichzeitig die Parallele in Aspekten der Selbstdarstellung und Propaganda im Grand Siècle sowie im 21. Jahrhundert verdeutlichen, bei deren in beiden Fällen die Darstellung eines verfälschten Selbstbildes eine wichtige Rolle spielt. Hierbei soll in gemeinschaftlicher Arbeit ein reales historisches Instagram-Profil entstehen, bei dem im Idealfall wöchentlich neue Posts auf Basis der erarbeiteten Themen und Inhalte in Form von Bildern, Texten oder Videoclips veröffentlicht werden.

Die Arbeitsgemeinschaft soll sich insbesondere an historisch interessierte SuS der Klassenstufe 10, K1 und K2 richten. Französisch-Kenntnisse sind von Vorteil für eine authentische Quellenarbeit in französischer Sprache, sind jedoch nicht verpflichtend. (Text: Andy Willems)

Einige Fragen an Andy Willems…

Neben den Materialien zum Projekt durfte ich auch einige Fragen an Andy Willems stellen, um noch mehr spannende Fakten über Louis XIV – Le plus grand roi d’Instagram zu erhalten.

KMS-B: Vielen Dank für die Möglichkeit dieses kleinen Interviews. Wir finden die Beschreibung des Projekts sehr spannend und sind auch von der Durchführung dieser begeistert. Wie haben denn die Schüler*innen auf diese AG reagiert und wie viele Schüler*innen nehmen aktuell an der AG teil?

Andy Willems: Da ein solches Projekt bisher relativ neu und unbekannt ist, habe ich viele neugierige und positive Rückmeldungen seitens der Schüler*innen sowie des Lehrerkollegiums erhalten. Umso mehr freut es mich natürlich, dass sich super engagierte Schülerinnen der Klassen 11 und 12 trotz der stressigen Vorbereitungen auf das Abitur für die Teilnahme an der AG entschieden haben. Selbstverständlich stehen die Türen auch für weitere Interessierte offen.

KMS-B: Das ist schön zu hören! Für die AG hast du Dich entschiedenen einen richtigen Account anzulegen und nicht auf eine datenschutzkonforme Alternativ wie beispielsweise zeeob.com zurückzugreifen. Was waren die Gründe hierfür?

Andy Willems: Diese Entscheidung galt es natürlich vorab genau abzuwägen. Ziel des Projektes ist es aber, in Zeiten von Homeschooling und schnelllebigem Social-Media eine Plattform zu bieten, die zum einen eine Referenz zum Bildungsplan aufweist und Kompetenzen fördert, zum anderen simultan den Austausch mit anderen Interessierten außerhalb der Schulgemeinschaft ermöglicht. Optimalerweise kann durch Kontakte mit Historiker*innen auch ein erster Schritt in die Hochschulbildung erfolgen.

KMS-B: Datenschutz ist ein großes Thema in der Schule und Instagram ist nicht gerade für seinen Datenschutz bekannt. Gab es hierzu einige Bedenken bezüglich des Datenschutzes von Seiten der Eltern etc.?

Andy Willems: Selbstverständlich steht Datenschutz an erster Stelle bei der Gestaltung des Projektes. Die AG entspricht aufgrund des Alters der Schüler*innen den Instagram-Richtlinien und der Zugang zum Profil erfolgt ausschließlich über die Lehrperson. Hierdurch fördert das Projekt Medienkompetenzen, indem keinerlei Privatinformationen der Schüler*innen veröffentlicht, sondern ausschließlich historische Fakten in einen Social-Media-Kontext eingearbeitet werden sowie die Quellenarbeit den wissenschaftlichen Standards entspricht. Außerdem kann eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Medium erfolgen und dieses kritisch hinterfragt werden.

KMS-B: Die Posts auf Instagram erscheinen in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch. Warum hast Du dich dafür entschieden, das Profil in drei verschiedenen Sprachen zu führen.

Andy Willems: Dies hat zwei Gründe: Zum einen ist es wichtig, das Profil in einen authentischen Lebensweltbezug zu stellen, um Motivation und (Schüler-)Interesse zu fördern. Das Ziel des Profils ist es, Posts aus der Sicht des französischen Königs Ludwig XIV. zu generieren, um die französische Geschichte ins 21. Jahrhundert zu transferieren. Englisch soll hierbei einen zusätzlichen internationalen Austausch ermöglichen. Zum anderen handelt es sich beim Fichte-Gymnasium Karlsruhe um ein bilinguales Gymnasium mit dem Schwerpunkt Französisch. In diesem Jahr feiert die Schule 25 Jahre bilingualer Zug und bietet neben dem deutschen Abitur auch das Abi-Bac. Wie könnte man dieses Jubiläum besser feiern als durch ein deutsch-französisches Projekt?  

KMS-B: Stimmt! An meiner Schule gibt es auch einen deutsch-französischen Tag. Selbstdarstellung und Inszenierung ist ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit. Jugendliche glauben oftmals, dass ihre Idole sich real auf Instagram präsentieren und werden durch diese Scheinwelt getäuscht. Was waren Deine Beweggründe, dieses Thema für die AG zu wählen und wie kam der historische Vergleich zustande?

Andy Willems: Selbstdarstellung ist kein Phänomen des 21. Jahrhunderts – nur die Art und Weise der Präsentation hat sich durch die neuen Medien verändert. Um diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, kann exemplarisch auf den Sonnenkönig zurückgegriffen werden. Aufgrund meines Geschichtsstudiums an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit Schwerpunkt „Ludwig XIV. und das Grand Siècle“ sowie zwei Auslandssemestern u.a. an der Pariser Universität La Sorbonne beschäftige ich mich schon länger mit dieser Epoche. Dies bietet Anlass, fächerübergreifend mit den Schüler*innen zu arbeiten und simultan den Bildungsplan beider Fächer zu vertiefen. Gleichzeitig ist dies eine Chance, die herausragenden Bildungschancen des bilingualen Unterrichts über die Schulgrenzen des Fichte-Gymnasiums bekannt zu machen und neue Kontakt zu knüpfen. ZDF TerraX und MrWissen2GoGeschichte folgen uns bereits.

KMS-B: Bei Projekten ist es oftmals ein Problem, dass diese mit dem Ende einer AG beendet sind. Soll das Profil auch darüberhinaus gepflegt werden oder im Rahmen dieser AG auch im nächsten Schuljahr fortgeführt werden?

Andy Willems: Aktuell ist das Projekt bis zum Abschluss des Schuljahres 2021/22 geplant, da die teilnehmenden Abiturient*innen zu diesem Zeitpunkt das Fichte Gymnasium verlassen und dies auch das Ende meines Referendariats markiert. Über eine mögliche Fortsetzung oder Erweiterung dieses Projekts auf beispielsweise andere historische Epochen soll abschließend mit den teilnehmenden engagierten Schülerinnen entschieden werden.

KMS-B: Es würde mich sehr freuen, weiter von euch zu hören 🙂 Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Freude mit der AG!

Update von Andy Willems zum Ende des Projektes:

1. seit Januar konnten wir unsere Followerzahl  mehr als verdoppeln auf aktuell 290; unter anderem folgen uns die Bildungsaccounts MrWissen2GoGeschichte sowie ZDF TerraX (beide haben uns bereits rückgemeldet, dass sie den Account  stetig verfolgen und begeistert sind von der Arbeit)

2. ein Beitrag im Newsletter des Centre Culturel Français Karlsruhe

3. eine Empfehlung des Deutschen Historischen Instituts Paris über ihren offiziellen Twitteraccount

4. ein Artikel auf der Schulhomepage (https://www.fichte-gymnasium.de/index.php/lernen-am-fichte-de/faecher/sprachen-und-literatur/franzoesisch/berichte/714-le-roi-soleil-a-karlsruhe

4. dein Blog-Post von Januar 2022

5. ein ganzseitiger Artikel in der deutschlandweiten Fachzeitschrift “Französisch Heute” von der Vereinigung der Französischlehrer*innen (Ausgabe 2/2022) (siehe Bild im Anhang)

Eine ganz besondere Ehre stellt hierbei der Artikel in der Fachzeitschrift dar, da ein solcher normalerweise nur durch Ehrenmitglieder des Verbands oder durch Sieg eines Wettbewerbs zustande kommt. Jedoch war die Begeisterung für das Projekt so groß, dass mir Anfang des Jahres ein solcher Artikel angeboten und nun im Juni tatsächlich veröffentlicht wurde.

Meine Schülerinnen haben mir die Rückmeldung gegeben, dass sie hellauf begeistert waren und „mehr lernten als in jeder Geschichtsstunde“. Sie konnten ihr neu erworbenes Wissen sogar in den Kommunikationsprüfungen im Fach Französisch anwenden. Das hat mich wiederum zum strahlen gebracht. 🙂

Problematisieren der Kriegsbegeisterung mit Valiant Hearts

Computerspiel, Erster Weltkrieg, Geschichte

Meine beiden 9.Klassen hat leider das Los getroffen, dass ich ein großer Fan von Computerspielen im Unterricht bin und es gerade für diese Jahrgangsstufe eine große Fülle an Möglichkeiten gibt. Um die Dramaturgie an dieser Stelle abzukürzen: Wir haben noch nie so viel gelacht im Unterricht wie in diesen Stunden. Dasselbe lässt sich auf die Beteiligung der Schülerinnen übertragen. Statt einer Stunde zur Halloween, wollten sie sogar lieber Unterricht machen als den eduBreakout, den ich ihnen vorbereitet habe. Im heutigen Blogpost möchte ich eine Szene aus Valiant Hearts näher vorstellen sowie dessen Einsatz im Unterricht thematisieren.

Der Einsatz des Spiels im Unterricht

Die vorgestellte Stunde bezieht sich auf die zweite Szene der Episode 1 „Dunkle Wolken“, welche am Bahnsteig 21 des Pariser Bahnhofs angesiedelt ist. Es geht darum, dass der Spieler*in die Musik zur Abfahrt des Zuges starten muss und die Kriegsbegeisterung vor Augen geführt bekam. Eine Vorstellung des Spiels und weitere Einsatzmöglichkeiten sind in diesem Blogartikel (hier) zu finden. Gespielt wurde das Spiel am iPad und mit Hilfe der Dokumentenkamera an die Tafel geworfen. Es stellte absolut kein Problem dar, dass nur eine Schülerin das Spiel gespielt hat, während die anderen zugesehen haben. Ihre Mitschülerinnen haben fleißig Tipps gegebene, sie angefeuert und mitgefiebert. An dieser Stelle kann ich mit gutem Gewissen die Angst vor dem Einsatz im Unterricht nehmen, wenn nur ein Gerät zur Verfügung steht.

Szene aus Valiant Hearts (Episode 1)

Ohne die kommende Szene groß zu kommentieren sind wir in das Spiel gestartet. Die Mädels haben selbstständig die Szene gespielt, ohne dass ich ihnen bei Problemen Hilfestellung gegeben habe. Am Ende der Szene habe ich sie um Rückmeldung zu dieser gebeten. Sofort wurde klar, dass die Schülerinnen sichtlich irritiert waren durch die heitere Stimmung am Bahnsteig, obwohl man doch in den Krieg zog. Das passte in ihren Augen absolut nicht zusammen. Selbstständig haben sie zudem die Frage aufgeworfen, ob dies überhaupt sein kann oder ob das Spiel an dieser Stelle von der Wirklichkeit abgewichen ist.

Quellenarbeit zur Auflösung der Irritation

Zur Klärung ihrer Fragen habe ich ihnen eine Bildquelle zum Augusterlebnis sowie zwei Textquellen aus dem Buch zur Verfügung gestellt.

Augusterlebnis

Die Textquellen aus unserem Schulbuch (Horizonte 9) beschreiben einmal die Kriegsbegeisterung aus deutscher und aus französischer Sicht. Somit konnte zudem die Mulitperspektivität neben der eigentlichen Fragestellung wiederholt werden. Mit Hilfe der drei Quellen haben meine Schülerinnen nun die historische Narration der gezeigten Szene herausgearbeitet und miteinander verglichen. Am Ende haben wir das Erarbeitete zudem in einem Aufschrieb gesichert.

Fazit

Die Szene aus dem Spiel eignete sich sehr gut als Einstieg für das Thema „Kriegsbegeisterung“. Durch die aktive Beteiligung am Geschehen findet eine Aktivierung der Schüler*innen statt und sie stellen selbstständig Fragen zum gezeigten Inhalt.

[StoryBoardThat] Inhaltserarbeitung mit Comics

Comic, Geschichte, Neuzeit

Mit meiner 8.Klasse behandle ich aktuell das Thema „Französische Revolution“. Nach der Klärung der Menschen- und Bürgerrechte sowie der Verfassung von 1791 standen nun weitere Änderungen (Republik, Schreckensherrschaft etc.) der Revolution für Frankreich auf dem Lehrplan. Für die Erarbeitung dieser Einheit habe ich mich zur Erstellung von Comics entschieden.

StoryBoardThat

Hierbei habe ich mich bei der Umsetzung für die Anwendung StoryBoardThat entschieden. Mit Hilfe der eduVersion (kostenpflichtig) konnte ich für meine Schülerinnen Accounts erstellen, sodass diese sich nicht einzeln in der Anwendung anmelden mussten und ich am Ende die Ergebnisse auch angezeigt bekomme. Eine kostenlose Alternative, aber mit beschränkten Funktion, stellt die Pixton dar. Hier ist es bereits in der kostenlosen Version möglich, Accounts für die Klasse zu erstellen und diesen somit ein datenschutzkonformes LogIn zu ermöglichen.

Die Erarbeitung

Als Aufhänger der Sequenz habe ich den Schülerinnen ein kleines Comic erstellt, um sie auf der einen Seite zum Inhalt hinzuführen, aber auch zur Vorstellung der Anwendung. Zudem habe ich eine Anleitung speziell für StoryBoardThat geschrieben und ihnen mit den iPads ausgegeben.

Anschließend haben meine Schülerinnen ein Partnerarbeit einen der drei vorgegeben Darstellungstexte in Partnerarbeit in einem Comic dargestellt. Für die Erarbeitung und den anschließenden Upload auf TaskCards hatten sie etwa 60 Minuten Zeit. Anschließend sollten sie die Comics ihrer Mitschülerinnen bewerten und kommentieren.

Förderung von Kompetenzen

Durch die künstlerische Herangehensweise der Erarbeitung eines historischen Inhalts wurde nicht nur die Kreativität der Schülerinnen gefördert, sondern auch deren Methodenkompetenz. Zudem fand eine explizite und detailreiche Auseinandersetzung mit dem vorgegebenen Text statt, da ohne ein Verständnis dessen eine graphische Umsetzung nicht möglichen gewesen wäre. Die Ergebnisse meiner Schülerinnen haben mir hierbei gezeigt, dass sie diese Aufgabe problemlos bewältigen konnten und allesamt tolle Ergebnisse produziert haben.

Sicherung

Zur Sicherung der Einheit habe ich die drei besten Comics ausgewählt, auf ein Arbeitsblatt kopiert und ausgegeben. Anschließend haben wir diese nochmals genau besprechen und den historischen Inhalt festgehalten.

Fazit

Zu Beginn dieser praktischen Einheit war ich etwas unsicher, ob dies mit einer 8.Klasse machbar wäre. Meine Mädels haben mich aber vom kompletten Gegenteil überzeugt, haben während der Erarbeitung in Ruhe ihre Aufgabe erledigt und auch sich selbst fair bewertet und kommentiert. Ihre Comics sind allesamt gut überlegt, detailreich und mit viel Liebe gestaltet worden. Als Feedback haben sie mir zudem mit auf den Weg gegeben, dass wir so etwas gerne wieder einmal machen können.

Material

Das Material unterliegt folgender Lizenz: CC BY 4.0.

[ZUMpad; mebis] Kollaborative Gruppenarbeit im Geschichtsunterricht

Apps/Programme, digital, Geschichte, Gruppenarbeit, mebis

Gruppenarbeiten sind aktuell im Unterricht mit ansteigenden Coronazahlen etwas problematisch. Als Lehrkräfte sind wir angehalten, die Sitzpläne der Klassen nicht durcheinanderzubringen, um eine rasche Verfolgung von Kontakten im Falle eines positiven Tests in der Klasse garantieren zu können. Somit bleibt quasi nur noch die Partner- oder Einzelarbeit übrig. Letzteres ist bei unseren SchülerInnen ja generell immer hoch im Kurs – nicht. Somit habe ich mich bei der Erarbeitung zu den Gründen der Entstehung des „Kalten Kriegs“ für eine Mischung aus Gruppen- und Partnerarbeit entschieden. Als Materialgrundlage habe ich eine Gruppenarbeit von eduki genommen sowie die Aufgabenstellung entfernt und eine Karikatur hinzugefügt. Selbstverständlich könnt ihr bei dieser Einheit auch auf die Texte in eurem Buch etc. zurückgreifen.

Die Erarbeitung

Die Gruppenarbeit bestand aus vier Gruppen, welche ich per Zufallsprinzip eingeteilt hatte. Hier könnt ihr einfach alle vier Blätter im Klassensatz als einen Stapel kopieren und erhaltet so beim Ausgeben eine zufällige Gruppeneinteilung. Die Schülerinnen haben nun in Einzelarbeit die Aufgaben bearbeitet und diese anschließend ihrer Sitznachbarin vorgestellt. Bei diesem Schritt wurde das erarbeitete Wissen im Dialog angewandt, Nachfragen wurden gestellt und somit das eben Gelernte nochmals beleuchtet und gefestigt. Anschließend ging es in die Gruppenarbeitsphase. Diese habe ich vom analogen in den digitalen Raum verlegt, um ein Durchmischen der Klasse zu verhindern. Mit Hilfe eines digitalen Dokuments (ZUMpad) haben die Schülerinnen nun nach der Präsentation ihrer Ergebnisse an die Partnerin selbstständig und kollaborativ die Gruppenarbeit vom Platz aus mit dem Handy oder Tablet erledigt.

Das ZUMpad bietet hierbei die Möglichkeit einzelne Passagen wieder herzustellen, sollten diese bei der Erarbeitung unabsichtlich gelöscht worden sein. Zudem kann das Ergebnis nach der Fertigstellung in diversen Formaten heruntergeladen werden. Auch können den einzelnen Autor*innen Namen gegeben werden, worauf ich aber verzichtet habe.

Die Sicherung

Nach dem Ende der Gruppenarbeit habe ich die einzelnen Gruppe in ein Word-Dokument übertragen, welches wir anschließend im Unterricht nochmals besprochen haben. Unbekannte und schwierige Begriffe haben wir hierbei sofort in unser Glossar bei mebis aufgenommen. Zu diesen Begriffen habe ich mit Hilfe der Funktion „Kurzlink“ einzelne QR-Codes erstellt.

Diese haben ich anschließend auf das Dokument mit der Sicherung der Arbeit gesetzt, um so eine Hilfestellung und Differenzierung beim Lernen zu gewährleisten.

Fazit

Sowohl die Schülerinnen als auch ich waren mit der Durchführung dieser Gruppenarbeit sehr zufrieden. Als Rückmeldung gaben Sie mir das Feedback, dass wir so etwas durchaus öfters machen können und sie es besonders toll fanden, dass so auch schwächere oder schüchterne Schülerinnen etwas beitragen können, die sich ansonsten nicht immer trauen, sich zu melden.

Memes im Unterricht? [Teil 2] – Memes im Geschichtsunterricht erstellen

Apps/Programme, Geschichte, Jugendmedien, Methode

Letzten Sonntag hatte ich einen Artikel über den Gebrauch von Memes im Geschichtsunterricht erstellt. In diesem ging es primär darum, bereits existierende Memes mit historischem Bezug in den Unterricht mitzubringen und diese dann von den SchülerInnen analysieren und dekonstruieren zu lassen. In der Diskussion fiel dann auch ein Kommentar von Verena Plomer, in welcher sie darüber berichtete, dass sich Memes nicht nur zur Analyse, sondern auch zum selbst erstellen im Unterricht anbieten würden:

Ich fand diesen Tweet sehr schön, weil ich die Erfahrungen dazu teilen kann. Bisher habe ich die SchülerInnen noch nicht direkt eigene Memes erstellen lassen, aber es sind in einem anderen Kontext welche entstanden: Die SchülerInnen sollten „Social Media-Produkte“ zur amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung erstellen, wobei ich nicht vorgegeben hatte, was genau darunter zu verstehen ist. Neben Tweets, Stories etc. erstellen hierbei auch einige SchülerInnen historische Memes, welche sie auf dem Padlet, mit welchem wir gearbeitet haben, gepostet haben. Einige Ergebnisse dieser Arbeit sehr ihr hier:

In der Nachbesprechung zeigte sich, dass die SchülerInnen vor allem diese Memes als gelungen empfunden haben. Zum einen wäre hier der Bezug zum Unterrichtsthema klar erkennbar gewesen, zum anderen wäre auch die „Botschaft“ hinter den Memes sehr gut eingefangen gewesen. Durch dieses positive Feedback und den tollen Twitter-Post von Verena Plomer werde ich in den nächsten Stunden definitiv einmal den Arbeitsauftrag geben, Memes zu dem bisherigen Unterrichtsstoff zu erstellen. Dies möchte ich an dieser Stelle aber nicht nur weiterempfehlen, sondern auch einige Tools und Programme vorstellen, mit welchen die SchülerInnen ohne große Probleme selbst Memes erstellen können, sodass auch ihr mal Memes erstellen lassen könnt.

Meme-Generator

Eine große Auswahl der bekanntesten Memes findet ihr auf der kostenlosen Seite Meme-Generator. Hier können die jeweiligen Memes direkt ausgewählt und mit einem passenden Text versehen werden. Das dort erstellte Meme kann dann direkt heruntergeladen und z.B. auf einem Padlet gepostet werden. Ebenfalls ist es hier möglich, eine eigene Vorlage hochzuladen, sofern SchülerInnen hier kreative Ideen haben.

Memeton

Memeton funktioniert ähnlich wie der Meme-Generator, bietet aber viele „klassische“ Memes an. Zudem gibt es hier eine Aufteilung der jeweiligen Memes in Unterkategorien, in welchen bestimmte Memes schneller gefunden werden können. Insofern eine gute Alternative zum Meme-Generator.

Canva

Auch Canva bietet neben vielen anderen Bild-Funktionen die Möglichkeit, eigene Memes zu erstellen an. Zwar wird hier ein kostenloser Account benötigt, aber dafür sind die Möglichkeiten, welche man bei Canva hat, wesentlich größer. Wer also mehr kreative Möglichkeiten haben oder bereitstellen möchte, macht hier jedenfalls nichts falsch.

Differenzierung im Geschichtsunterricht

differenzierung, Geschichte

Ein Punkt, wo mein Unterricht leider noch weit vom Optimum entfernt ist, ist die Differenzierung. Im heutigen Blogpost möchte ich euch schildern, wie ich aktuell versuche, Differenzierung in den Unterricht zu integrieren. Gerne freue ich mich auf eure Methoden in den Kommentaren.

Warum Differenzierung?

Eine Schulklasse besteht in der Regel aus 20-30 SchülerInnen, welche nicht nur in ihrem Charakter gänzlich unterschiedlich sind, sondern auch in ihrem Können. Die Aufgabe der Lehrkräfte besteht nur darin, die heterogene Lerngruppe bestmöglich zu fördern, ohne dass jemand auf der Strecke bleibt oder sich langweilt. Insbesondere schwächere SchülerInnen fallen hierbei schnell ab und verpassen den Anschluss, weil sie sich nicht trauen, ihre Probleme offen anzusprechen. Aus diesem Grund ist es wichtig den Stoff (unsichtbar) zu differenzieren, um allen Mitgliedern der heterogenen Lerngruppe gerecht werden zu können und sie gemäß ihres aktuellen Lern- und Leistungsstandes fördern zu können.

Meine Methoden

Erklärung von Begriffen

Im Geschichtsunterricht begegnen SchülerInnen täglich jede Menge schwieriger Wörter und Fachbegriffe. Diese versuche ich aktiv im Unterricht zu klären oder fordere diese bereits in der Aufgabenstellung auf, diese nachzuschlagen.

Grundbegriffe und unbekannte Wörter kommen anschließend in unser Glossar, auf welches die SchülerInnen Zugriff haben und dieses eigenständig ergänzen können. Hierbei orientiere ich mich an den Begriffen des Lehrplans (Grundbegriffe) und übernehme zudem selbstformulierte Definitionen der SchülerInnen. Da wir aktiv mit mebis arbeiten, findet sich hier auch unser Glossar.

Hilfestellungen bei der Interpretation von Quellen

Und wie interpretiert man eine Quelle? Um diesen oder ähnlichen Fragen vorzugreifen, haben meine Schülerinnen zu jeder Quellengattung einen Leitfaden bekommen, den sie selbstständig zum „Spicken“ einsetzen können, ohne sich eventuell Schämen zu müssen, weil sie sich nicht mehr an die Vorgehensweise erinnern oder sich aus dem selben Grund nicht trauen, sich zu melden.

leichte und originale Quelle

Eine weitere Methode zur Differenzierung ist das doppelte Abdrucken von Quellen: Einmal im Original und einmal in einer leichteren Version oder mit Hilfestellungen, wie einem kurzen Lexikon. Hier können die SchülerInnen je nach ihrem Bedürfnis den Quellentext auswählen und gelangen am Ende zum selben Ergebnis wie die andere Gruppe. Hierbei müssen sie nicht offenlegen, für welchen Text sie sich entschieden haben.

digitale Hilfestellungen bei der Quellenarbeit

Auch diese Methode ist bei der Arbeit mit Quellen anzusiedeln. Durch Hotspots oder ein kleines Spiel können hierbei Tipps für die Interpretation von Quellen gegeben werden.

deck.toys

Bei dem Tool deck.toys können zwischen einem Start- und Endpunkt verschiedene Pfade definiert werden, sodass hierbei auch zwischen einem leichteren und normalen Pfad differenziert werden kann.

Lernstandserhebung

Eine weitere Methode, welche sich in ausführlicher Art super in mebis und in Kurzform sehr gut als Wortwolke mit Mentimeter umsetzen lässt, ist die Lernstandserhebung. Hierbei kann für die anderen Teilnehmenden anonym erhoben werden, wer etwas nicht verstanden hat, ohne dass sich jemand „outen“ muss. Bei mebis besteht zusätzlich die Möglichkeit das Ergebnis der Umfrage als Lehrkraft einzusehen und nochmals individuell zu fördern.

Memes im Unterricht? – Memes im Geschichtsunterricht dekonstruieren

Bildquelle, Geschichte, Jugendmedien

Das heutige Geschichtswissen der Schüler*Innen speist sich aus vielen verschiedenen Quellen: Bücher, Filme, Videospiele usw. Die meisten dieser Medien haben auch schon mehr oder wenig Einzug als Medium in den Geschichtsunterricht gefunden. Ein Medium, welches allerdings noch nicht im Fokus der Geschichtsdidaktik steht, aber nicht minder wichtig ist, sind Memes. Kurz zur Klärung: Memes sind Phänomene, welche sich in Form von Bildern oder Videos meistens sehr schnell über das Internet verbreiten. Zentrale Inhalte sind meistens politische, historische oder gesellschaftskritische Themen, die dabei humorvoll mit bekannten Zitaten, Personen oder Serien verknüpft werden. Vor allem in der Jugendkultur sind Memes sehr verbreitet und daher ist es in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung aus meiner Sicht daher Zeit, einmal zu überlegen, wie man auch Memes in den Geschichtsunterricht bringen kann. Denn als eine Art „moderne Karikatur“ bieten sie durch ihren humoristischen Zugang genug Chancen, sich kritisch mit dem dort vermittelten Geschichtsbild auseinanderzusetzen.

Methodik

Das folgende Beispiel konzentriert sich dabei auf den Geschichtsunterricht und dient dazu, bestehende Memes zu dekonstruieren. Inhaltlicher Fokus lag bei dieser Stunde auf der Amerikanischen Revolution. Zu diesem Bereich habe ich fünf Memes herausgesucht, die verschiedene Aspekte der Amerikanischen Revolution behandelten.

Diese Memes habe ich so ausgewählt, dass sie möglichst vielfältige Zugänge zu dem Thema Memes bieten. Einige sind eher „pro-britisch“, einige sind eher „pro-amerikanisch“, es werden verschiedene Ereignisse berücksichtigt und die Memes greifen auf verschiedene popkulturelle Serien oder Figuren zurück, sodass für jede SchülerIn etwas dabei ist, was er/sie kennen sollte. So vertritt z.B. das Pikachu-Meme unten rechts eine „pro-britische“ Perspektive in Bezug auf das Boston Massacre im Jahr 1770. Dieses Meme „rechtfertigt“ auf humorvolle Weise das britische Vorgehen, in welchem die Kolonialisten als Aggressoren dargestellt werden, während die Briten lediglich auf die fortlaufenden Beschimpfungen und Angriffe „reagieren“. Diese überraschte Reaktion Pikachus dient nun dazu, die amerikanische Perspektive des Boston Massacres zu kritisieren: Die Kolonialisten hätten doch damit rechnen müssen, dass ihre ständigen Angriffe und Beleidigungen irgendwann zu dieser Reaktion führen würden.

Nach diesem Beispiel analysierten die SchülerInnen dann dieses und die anderen vier Memes. Die Arbeitsaufträge sahen dabei folgendermaßen aus:

Beide Arbeitsaufträge konnten die SchülerInnen sehr gut erfüllen und so nicht nur den Inhalt hinter den Memes herausarbeiten, um ihr Wissen über die bisherigen Ereignisse des britisch-amerikanischen Konflikts zu wiederholen, sondern auch ihr kritisches Geschichtsbewusstsein stärken. So wurden nicht nur die unterschiedlichen Perspektiven herausgearbeitet und verglichen, sondern auch gleich darüber diskutiert, welche Memes denn nun „gelungener“ wären. So kritisierte eine Schülerin bei dem angesprochenen Pikachu-Meme, dass es ja bewusst nicht erwähne, dass es mehrere Schüsse gegeben hätte, die auf die Menschenmenge abgefeuert worden wären. Auch das Spongebob-Meme wurde dahingehend kritisiert, dass die Briten nach dem Scheitern des Stamp Acts ja nicht traurig „herumgesessen“ hätten, sondern gleich die nächsten Steuergesetze erlassen hätten. Hier hat sich gezeigt, dass die Memes eben nicht nur analysiert, sondern sich auch kritisch mit ihnen auseinandergesetzt wurde.

Fazit

Am Anfang war ich etwas skeptisch, Memes im Unterricht einzusetzen. Doch nach dem ersten Versuch bin ich ganz optimistisch, dass ich es in Zukunft defintiv noch einmal machen werde. Der Einsatz hat gezeigt, dass die SchülerInnen in der Lage waren, sich trotz ihrer „Nähe“ zu Memes als Teil ihrer Lebenswelt kritisch mit diesen auseinanderzusetzen und die dahinter befindliche Botschaft zu dekonstruieren. So haben sie am Ende gesehen, dass hinter diesen Memes am Ende doch mehr steckt, als einfach nur „lustig“ zu sein. Allerdings hat diese Einheit auch gezeigt, dass es gewisse Probleme gibt, an welche man stoßen kann: Wenn SchülerInnen ein bestimmtes Meme nicht kennen, fällt es ihnen auch schwierig, den „Witz“ und die damit verbundene Botschaft zu erkennen, was bei der Dekonstruktion schwer fällt. Zuvor habe ich erwähnt, dass die SchülerInnen es geschafft haben, eine kritische Distanz zu dem Medium „Memes“ aufzubauen. Da ich diesen Versuch in einer zwölften Klasse gemacht habe, ist es möglich, dass diese kritische Distanz bei jüngeren SchülerInnen fehlt. Hier freut man sich zwar auch, sich mit Memes auseinanderzusetzen, allerdings könnte hier aufgrund des Alters die Ernsthaftigkeit verloren gehen, welches es bei diesem Thema aber benötigt. Insofern gilt es, den Einsatz von Memes im Schulunterricht weiter zu erproben und Erfahrungen zu machen, um daraus eine Basis für spannende Unterrichtsstunden mit Lebensweltbezug für die SchülerInnen zu kreieren.

[Wiederholung] Der falsche Podcast

Geschichte, Methode, Methodik, Neuzeit, Podcast, Wiederholung

Vor zwei Wochen äußerten meine Mädels den Wunsch, dass sie gerne einmal einen Podcast im Unterricht hören würden. Diesem Wunsch kam ich tatsächlich nach, allerdings nicht, wie sie es vielleicht erwartet hätten. In die Episoden des Podcasts haben sich nämlich einige Fehler eingeschlichen, die es zu finden galt.

Eingesetzt habe ich die Aufnahmen, welche simple mit dem Recorder meines iPhones entstanden sind, zur Wiederholung bzw. zur Kontrolle des Verständnisses im Plenum. Die Mädels hatten viel Spaß beim Suchen der Fehler und haben sowohl die offensichtlichen als auch die schwierigeren Fehler gefunden. In Zukunft dürfen sie nun auch einmal selbst Podcasts aufnehmen und ihre Klassenkameradinnen testen.

Tipp zur Aufnahme

Es ist hilfreich, den Text zuvor mit all seinen Fehlern auszuformulieren und dann einzusprechen. Ansonsten verspricht man sich schnell und muss unnötig viele Wiederholungen machen.

Einsatz in anderen Fächern

Die Methode kann beliebig auf alle anderen Fächer übertragen und je nach Thema variiert werden. So können beispielsweise auch mathematische Formen abgewandelt werden und die Hauptstädter der europäischen Länder vertauscht werden.