Argumentationswippe: Digital und visuell Argumentieren

Apps/Programme, digital, Geschichte, kritischer Umgang, Neuzeit

Wie bereits in meinem letzten Beitrag (hier) angesprochen, haben meine Mädels selbstständig im Unterricht eine Lernlandkarte mit der Fragestellung „Keine Chance für die Demokratie“ bearbeitet. Zum Abschluss der Sequenz stand die Diskussion der Forschungsfrage im Raum.

Die Argumentationswippe

Im neuen Schulbuch von C.C.Buchner sah ich zufällig als Abschluss der Reihe eine Waage, auf welcher die verschiedenen Stationen der Weimarer Republik aufgelistet waren. Mir kam der Gedanke, das selbst mit den Mädels zu machen und die Lösung zu diskutieren, empfand ein Arbeiten mit Karten und Magneten an der Tafel allerdings als wenig anschaulich. Im #twlz habe ich von Katha Mowitz den Tipp zur Argumentationswippe bekommen und die Anwendung auch gleich getestet.

Das Tool kann kostenlos und ohne Anmeldung am PC oder Tablet genutzt werden. Für die Verwendung am Tablet ist es nützlich zu wissen, dass man die Argumente mit Hilfe des kleinen Pfeils auf der rechten Seite der Karte ziehen kann. Am PC ist es dagegen problemlos mit Drag and Drop möglich. Für den Einsatz in der Schule habe ich die Argumente für die Waage bereits vorbereitet und sie exportiert. Via TaskCards konnte die Mädels die Datei mit den Argumenten hochladen und die Waage beladen. Bei manchen Geräten hat der Import nicht ganz funktioniert und sie haben selbst Argumente gebildet. Die Waage galt es in Partnerarbeit zu beladen und anschließend das Ergebnis zur Diskussion auf der Klassen-TaskCard hochzuladen.

Durchführung

Die Mädels haben nun in ihrer Kleingruppe – wahlweise nur rechts und links, aber auch differenziert – Argumente bzw. Ereignisse auf die Seiten der Waage gelegt, welche dafür gesorgt haben, dass die Demokratie eine Chance hatte und welche der jungen Weimarer Republik eher geschadet haben. Bei Differenzierung kamen die stärksten Argumente jeweils an den Rand der Wippe und wurden zur Mitte hin schwächer.

Anschließend wurde ein Screenshot der Waage angefertigt und die Ergebnisse zur gemeinsamen Diskussion auf die TaskCard hochgeladen, um die Fragestellung abschließend zu beantworten und die Sequenz abzuschließen.

Update

In der Parallelklasse habe ich die Wippe im Unterrichtsgespräch getestet und hierbei kam eine schöne Diskussion zu Stande, bei welcher die Mädels eigenständig Argumente überlegt haben.

Fazit

Mir gefällt das Tool zum Sammeln und Gewichten von Argumenten sehr und es bietet eine gute Grundlage als auch Hilfestellung zur Durchführung von Diskussionen.

Assassin’s Creed III im Geschichtsunterricht

Allgemein, Computerspiel, digital, Geschichte, Jugendmedien, kritischer Umgang, Neuzeit

Wenn man SchülerInnen heutzutage fragt, wo sie etwas über Geschichte „lernen“, dann nennen sie wohlmöglich noch den Geschichtsunterricht, aber in der Vermittlung von der Geschichte nimmt er tatsächlich nur einen relativ kleinen Raum ein. Geschichtsdarstellungen im Alltag sind für SchülerInnen wesentlich präsenter, da es heute kaum ein Medium gibt, bei welchem nicht mit historischen Darstellungen gearbeitet wird. Filme, Bücher und auch Videospiele sind die normalen Freizeitbeschäftigungen der heutigen SchülerInnen und prägen dabei auch das Geschichtsbild mit. Insofern sollte es auch die Aufgabe eines modernen Geschichtsunterrichts sein, sich dieser Lebenswelt in gewisser Weise anzunehmen und sich mit den Geschichtsdarstellungen in diesen populären Medien auseinanderzusetzen.

Eine der populärsten Videospiel-Serien ist die Assassin’s Creed-Reihe, in welcher man in verschiedenen historischen Szenarien (Kreuzzüge, Französische Reovlution etc.) in die Haut von Assassinen schlüpft und in dieser Rolle die Templer, die Gegner der Assassinen darin hindern muss, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Mittlerweile gibt es bereits 12 Teile der Reihe und darüber hinaus wurde die Spieleserie auch schon verfilmt. Wenn SchülerInnen Videospiele spielen, ist es also nicht unwahrscheinlich, dass sie bereits einmal Assassin’s Creed gespielt haben.

Da es mit Assassin’s Creed III auch einen Teil gibt, welcher den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als Setting nimmt, bot es sich für mich an, diesen auch in Rahmen der Einheit zu selbigem Thema einmal anzuschauen. So setzt der Lehrplan in Niedersachsen voraus, sich auch mit der Rezeption der Amerikanischen Revolution zu beschäftigen und zu schauen, wie „wir“ heute mit dieser historischen Zeit umgehen. Insofern bot es sich geradezu an, sich hier einmal in die Welt der Videospiele zu begeben und zu schauen, wie Assassin’s Creed III diese historische Epoche umsetzt und wie es historische und fiktive Elemente kombiniert.

Assassin’s Creed III – Ein „geeignetes“ Spiel für den Geschichtsunterricht?

In Assassin’s Creed III spielt man, wie bereits in den Vorgängerspielen, den Charakter Desmond Miles, welcher mit Hilfe eines modernen Geräts namens Animus die Erinnerungen seiner Vorfahren nacherleben kann. Auch im dritten Teil macht er davon Gebrauch: Um einen geheimen Schlüssel zu finden, schlüpft er in die Haut des Charakters Connor, welcher als Sohn eines Briten und einer Mohawk als Kind miterlebt, wie sein Dorf von dem amerikanischen General Charles Lee niedergebrannt wird. Lee stellt sich als Templer heraus, welcher ebenfalls auf der Suche nach dem Schlüssel ist. Connor beschließt, Lee und die Templer aufhalten zu wollen, woraufhin er eine Ausbildung bei dem Assassinen Achilles Davenport beginnt. Im weiteren Verlauf der Geschichte trifft er dann nicht nur auf historische Personen wie George Washington, sondern erlebt auch historische Ereignisse wie die Boston Tea Party nach. Im Endeffekt gelingt es Connor am Ende, Lee, die Templer und auch seinen Vater, welcher ebenfalls für die Templer arbeitet, zu besiegen und so die Gefahr der Templer zu beseitigen. In dieser Folge gewinnen die Amerikaner dann auch den Unabhängigkeitskrieg.

Assassin’s Creed III spielt sehr viel mit der Vermischung von historischen und fiktiven Elementen: Im Fokus steht immer der übergeordnete Konflikt zwischen Templern und Assassinen, welcher sich aber zahlreicher historischer Elemente bedient. Historische Charaktere wie z.B. Charles Lee werden hier so umfunktioniert, dass sie als Schurke fungieren können. Auch historische Ereignisse werden so angepasst, dass Connor selbst aktiv daran beteilgt ist, dass die Boston Tea Party stattfinden kann. Insofern bietet das Spiel genügend Möglichkeiten, es von den SchülerInnen dekonstruieren zu lassen: Wie und mit welchem Zweck wird Geschichte hier dargestellt? Und welche Besonderheiten werden beim Medium „Videospiel“ deutlich?

Aufbau der Kurzeinheit

Als Einstieg in die kurze Einheit dient der offizielle deutsche Trailer.

Dieser wird gemeinsam geschaut und danach zusammen besprochen: Was gibt es im Trailer zu sehen? Welche historischen Elemente lassen sich bereits erkennen? Und welche Elemente scheinen eher fiktiv zu sein? Im Optimalfall kennen SchülerInnen das Spiel bzw. die Serie und können den anderen hier auch eine kurze Einführung geben, was aber nicht zwingend notwendig ist. Auf Basis des Trailers können auch schon erste Vermutungen darüber angestellt werden, wie das Spiel historische Elemente nutzt und in die „eigene“ Geschichte einarbeitet. Durch den Trailer kamen meine SchülerInnen sehr schnell darauf, dass der Held auf der guten Seite kämpfte, welche mit Amerika verknüpft wurde. Im Umkehrschluss wurde vermutet, dass die Briten dann „die Bösen“ seien. Weiterhin gingen meine SchülerInnen dann davon aus, dass das Spiel eine sehr eigene Interpretation des Unabhängigkeitskrieges zeige und daher nicht so unbedingt „historisch korrekt“ sei. An dieser Stelle konnten wir auch kurz diskutieren, was sich die SchülerInnen unter „historischer Korrektheit“ vorstellten. Insofern gingen wir nach dem Trailer mit folgenden Fragen in die genauere Dekonstruktion des Spiels:

  • Welche Charaktere im Spiel sind historisch, welche sind fiktiv?
  • Welche Charaktere werden gut, welche böse dargestellt?
  • Stellt das Spiel die Amerikaner als gut, die Briten als böse dar?

Die folgenden Fragen wurden schließlich in Aufgaben umformuliert und auf Basis eines Darstellungstextes über das Spiel analysiert.

Der Darstellungstext selbst basiert auf der Nacherzählung der Handlung, wie sie bei Wikipedia beschrieben wird, etwas umgeschrieben und gekürzt, damit der Fokus auf dem Wesentlichen liegt. Er ermöglicht es den SchülerInnen, Antworten auf die gemeinsam formulierten Fragen zu finden, sodass das Spiel dann ausführlich dekonstruiert und besprochen werden kann. Zudem habe ich noch zwei QR-Codes eingebaut, welche den SchülerInnen die Darstellung zweier bedeutender Ereignisse des Unabhängigkeitskrieges im Spiel zeigen soll.

Die SchülerInnen als ExpertInnen: Einen Artikel für eine Gaming-Zeitschrift schreiben

Nach dem Sammeln der Ergebnisse und dem Besprechen der jeweiligen Punkte ginges darum, die Ergebnisse durch einen Transfer zu sichern. Hierfür hatte ich mir überlegt, die SchülerInnen einen Artikel für ein (fiktives) Videospielmagazin schrieben zu lassen, welches sich mit Assassin’s Creed III beschäftigt und dabei genau diese Fragen aufgreift: Wie „authentisch“ ist das Spiel? Vertritt es eine „anti-britische“ Haltung? Dazu entwarf ich schließlich ein eigenes Cover, auf welchem die eigentliche Aufgabe für die SchülerInnen dann auch gleich sichtbar werden sollte: Sie waren die jewieligen HistorikerInnen, welche hier ihre Expertenmeinung niederschreiben sollten.

Motiviert fingen meine SchülerInnen an, hier Kritiken zu schreiben, welche auf die auf dem Cover gezeigten Fragen eingingen. Sie wandten dabei nicht nur ihr gelerntes Wissen an, sondern formulierten die Antworten auch so, als wenn sie eine ernsthafte Kritik schreiben würden. Einige hinterließen am Ende sogar eine Bewertung aus „HistorikerInnen-Sicht“. Insgesamt entstanden so einige tolle Ergebnisse, von welchen ich euch zwei nicht vorenthalten möchte:

Fazit

Es hat den SchülerInnen sehr viel Spass gemacht, sich im Geschichtsunterricht einmal kritisch-analystisch mit einem ihnen bekannten Alltagsmedium auseinanderzusetzen. Da einige die Serie auch kannten, war die Motivation hier dementsprechen hoch, hier die eigene Expertise einbringen zu können. Am Ende kamen wir zu relativ differenzierten Urteilen, bei welchen zwischen dem Videospiel als Medium, welches in erster Linie unterhalten möchte, und dem Faktor „Authentizität“ gut abgewogen wurde. Videospiele haben nicht den Anspruch, historisch möglichst „nah“ an der Geschichte zu sein, sie wollen unterhalten. Aber trotzdem vermitteln sie dabei auch Geschichtsbilder, welche als „authentisch“ wahrgenommen werden können. Die generelle Diskussion über den Anspruch von „Authentizität“ in populären Darstellungen von Geschichte konnte ich dann gleich als Aufhänger für die nächste Stunde nutzen, um dieses Thema dann da diskutieren zu lassen. Aus diesem Grund freue ich mich schon sehr, auch in der nächsten Einheit einmal wieder in virtuelle historische Welten abzutauchen und diese mit den SchülerInnen zu analysieren.

Material

Musicals im Geschichtsunterricht

DDR, Erster Weltkrieg, Geschichte, kritischer Umgang, Methode, Methodik, Musical

Persönlich bin ich ein absoluter Fan von Musicals. Insbesondere „Elisabeth“ und „I am from Austria“ haben es mir angetan. Für den Unterricht sind beide nicht so geeignet, dafür eine ganze Reihe anderer Musicals.

Hamilton

Der Musical-Hit aus den USA beschreibt das Leben des Gründervaters und späteren Finanzminister Alexander Hamilton. Aufgrund von Corona sind bis jetzt nur einige Titel auf Deutsch erschienen, sodass man mit einer Übersetzung im Geschichtsunterricht arbeiten muss, da der Text sehr schnell bzw. der Rap nicht so gut verständlich ist. Bis jetzt ist nur ein kurzer Remix in Übersetzung veröffentlicht worden. Ich hab den Anfang dessen eingesetzt, um die Biografie Alexander Hamiltons zu erarbeiten und einen vergleich zwischen Musical und Realität zu schaffen.

Ein weiteren Clip von den Tony Awards habe ich mit deutschem Untertitel am Ende der Einheit zur Amerikanischen Revolution eingesetzt. Hierbei kann man nicht nur die Schlacht bei Yorktown und die Amerikanische Revolution selbst wiederholen, sondern auch die Laudatio von Michelle und Barack Obama analysieren. Zudem habe ich die Art von Geschichtsvermittlung als Musical mit meinen Mädels diskutiert. Zudem eignet sich der Clip hervorragend, um zur Französischen Revolution überzuleiten, da der General La Fayette sagt, dass er zurück nach Frankreich geht und dort sein Volk befreit. Anhand dieser Aussagen kann man eine Irritation schaffen und die Französische Revolution mit Bezug zur Amerikanischen Revolution einleiten.

In beiden Klassen habe ich den Auszug mehrmals angeschaut, weil meine Mädels so begeistert von der Darstellung der Künstler*innen waren und den Inhalt am Anfang gar nicht richtig wahrgenommen haben.

Die Gefährten

Im Ersten Weltkrieg spielen auch Tiere eine wichtige Rolle, wie es auch im Musical „Die Gefährten“ gezeigt wird. Hierbei geht es um die Erlebnisse eines Pferdes im Krieg. Der Ausschnitt aus dem Musical eignet sich nicht nur zur Wiederholung des Krieges, sondern auch als Hinführung zum Kriegsende. Auch die Äußerung, dass das Kaiserreich besiegt wurde, bietet Gesprächsanlass im Sinne der Multiperspektivität.

Anastasia

Das Musical „Anastasia“ schildert das Leben der Zarentochter Anastasia gemäß dem Disney-Film. Den folgenden Titel (bis 2:13min) habe ich genutzt, um die Russische Revolution einzuführen und die wichtigsten Merkmale dieser zu erarbeiten, bevor wir in eine detaillierte Quellenarbeit gegangen sind. Anschließend haben wir das Musical und das Leben der Zarentochter gegenübergestellt und überlegt, wie Disney auf seine Version des Lebens kam und welche Gefahren sich in dieser falschen Darstellung einer historischer Gegebenheit verbergen.

Hinterm Horizont

Das Musical mit Hits von Udo Lindenberg spiegelt das Leben des Künstlers wieder. Udo Lindenberg verliebte sich in ein Mädchen aus Osterberlin und beschreibt diese Liebe und die damit verbundenen Probleme in seinen Liedern. Der Titel „Mädchen aus Osterberlin“ beschreibt beispielsweise die Beziehung Udos aus Westberlin zu seinem Mädchen aus Osterberlin. Eine Liebe im geteilten Berlin, welche für viele Menschen Alltag war, genauso wie das Leben mit der Teilung und den damit verbundenen Problemen.

Im Unterricht habe ich ausgewählte Lieder des Musicals und weitere zum Thema passende Titel in Gruppenarbeit analysieren und in ihren historischen Kontext setzen lassen. Anschließend haben wir gemeinsam die Verbreitung von historischen Ereignissen in der Musik diskutiert.

Fazit

Die gezeigten Beispiele habe ich in den Klassen 8-10 eingesetzt und bin jedes Mal auf Begeisterung gestoßen. Musicals sind etwas ganz besonders und vor allem die künstlerischen Darstellungen haben meine Mädels begeistert.

[Vorstellung] Nearpod

digital, Gamification, kritischer Umgang

Im heutigen Blogpost möchte ich euch die Anwendung Nearpod (Beispielanwendung) näher vorstellen und was sich dahinter verbirgt. Hinter der Anwendung, einer Mischung aus deck.toys und Wordwall, verbirgt sich ein tolles Tool, welches sich insbesondere für das Distanzlernen und Gamification im Unterricht eignet. In einem kurzen Video habe ich zudem versucht, diese kurz und prägnant in Aktion vorzustellen:

Die Anwendung

Wie so viele Anwendungen, die ich in der Vergangenheit bereits vorgestellt habe, ist auch der Umgang mit Nearpod kein Hexenwerk. Nachdem man sich kostenlos auf der Seite registriert hat, kann es auch schon losgehen mit dem Erstellen der ersten eigenen Lesson. Neben dem Erstellen von ganzen Einheiten habe ich zudem die Möglichkeit, interaktive Video zu erschaffen oder einzelne, spielerische Anwendungen zu generieren.

Das Erstellen von Aufgaben

Beim Erstellen des Inhalts für meine Lektion kann ich nun aus einem großen Pool an Aktivitäten wählen, welche von freie Aufgabenstellungen, über Umfrage & Quizze bis hin zu Mini-Games reichen. Insbesondere die Möglichkeit, Audio zu verwenden, empfinde ich als sehr gelungen sowie das Einbinden von kollaborativen Boards.

Das Erstellen der am Ende wunderbar aufbereiteten Anwendungen und Aufgabenstellungen ist absolut simple und besteht nur aus dem Ausfüllen von Lücken. Die Lehrkraft musst somit weder Kenntnisse der Informatik noch des Programmierens besitzen.

Toll ist bei der Anwendung zudem, dass ich bei den verschiedenen Folien einen Timer setzen kann und das Lösen der Tools somit von Anfang an in ihrer zeitlichen Dauer beschränke.

Der Einsatz im Unterricht

Für den Einsatz im Unterricht habe ich zwei Möglichkeiten. Auf der einen Seite kann ich die Anwendung live im Unterricht einsetzen und somit bestimmen, wann die SchülerInnen die einzelnen Folien sehen und mögliche Schwierigkeiten oder Fragen gleich beantworten. Auf der anderen Seite können diese die Lektion aber auch selbstständig oder als Heimarbeit bearbeiten. In beiden Fällen teilt die Lehrkraft entweder einen Code, welchen man auf der Website eingeben kann, oder einen Link zur Bearbeitung mit ihren SchülerInnen.

Die Anwendung live zu präsentieren hat hierbei den Vorteil, dass die Lehrkraft über ihren Bildschirm die Lösungen der SchülerInnen sieht und diese gegebenenfalls auch direkt mit der ganzen Klasse via Bildschirm teilen kann. Bei der zweiten Variante erhält die Lehrkraft ebenso die bearbeiteten Aufgaben, kann allerdings nicht so flexibel wie bei der ersten Option handeln.

Anwendungsbeispiele (links: Lehrkraft; rechts: SchülerInnen)

Mir persönlich gefällt die Option der Live-Präsentation besser. Insbesondere die spielerischen Elemente bieten eine tolle Möglichkeit zum Einstieg oder zur Wiederholung zu Beginn einer Stunde oder zum Abschluss einer Unterrichtseinheit. Auch die Funktion des Sehens der individuellen Anwendungen erachte ich als sehr gelungen, da man hierbei Schwächen der SchülerInnen erkennen und anschließend ansprechen kann, ohne dass sich jemand in seinem Können bloßgestellt fühlt.

„Yolocaust“ – Förderung von Geschichtsbewusstsein

2.Weltkrieg, Bildquelle, kritischer Umgang

Vermutlich jeder, der schon einmal in Berlin war, kennt das „Denkmal für die Ermordeten Juden Europas“ zwischen dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz. Jedes mal, wenn ich diesen Weg entlang laufe, sehe ich Menschen, die fröhlich lächelnd auf den Stehlen stehen und in die Kamera grinsen. Ich frage mich an dieser Stelle immer, welche Intentionen sich hinter solchen Aufnahmen verbergen und würde die jeweiligen Personen am liebsten zu ihren Beweggründen befragen und mit ihnen über die Aufnahmen sprechen, um ihre Sichtweise der Dinge zu erfahren. Für mich und mein Geschichtsbewusstsein ist es unvorstellbar, dort ein fröhliches Foto mit mir machen zu lassen.


Die Förderung und die Definition des eigenen Geschichtsbewusstsein ist ein wichtiger Prozess im heutigen Geschichtsunterricht. Insbesondere die Erinnerungskultur an die Zeit des Dritten Reiches erfordert einen sensiblen Umgang, um solche solche Situationen wie sie eben beschrieben worden sind, zu vermeiden.

Förderung des Geschichtsbewusstseins am Beispiel „Yolocaust“

Anfang 2017 veröffentlichte der deutsche Künstler Shahak Shapira auf einer Website zwölf bearbeitete Bilder, welche in Gedenkstätten des Holocaust aufgenommen worden waren. Hierfür bearbeitete er die Bilder so, dass die jeweiligen Personen in Fotografien aus der Zeit des Nationalsozialismus gezeigt wurden. Die Provokation hinter diesen Montagen war beabsichtig und sollte die abgebildeten Personen und deren Mitmenschen zum Nachdenken anregen. Alle Abgebildeten meldeten sich innerhalb kürzester Zeit und gaben teilweise einen Kommentar zu den Fotos ab.

Ich bin der Typ, der dich, wie ich gerade las, zu Yolocaust inspiriert hat. Ich bin der „Spring auf tot..“ – Ich kann es gar nicht schreiben, mir wird schon schlecht wenn ich es nur ansehe. Ich wollte niemanden beleidigen. Nun sehe ich meine eigenen Worte in den Nachrichten. 

Ich habe gesehen was meine Worte ausgelöst haben. Das ist verrückt und es ist nicht, was ich wollte. (…) Das Foto war als Witz für meine Freunde gedacht. Ich bin dafür bekannt, dass ich Witze unterhalb der Gürtellinie mache, dumme Witze, sarkastische Witze. Sie verstehen meinen Humor. Wenn Du mich kennen würdest, würdest Du das auch… Aber wenn es öffentlich geteilt wird und es Fremde erreicht, die keine Ahnung haben wer ich bin, dann sehen sie jemanden, der etwas, was anderen Menschen wichtig ist, respektlos behandelt. Das war nicht meine Intention. Und es tut mir leid. Wirklich. In diesem Sinne, würde ich gerne „entdouchet“ werden.

P.S. Oh, und wenn Du gegenüber BBC, Haaretz und all den anderen Blogs, Nachrichtenstationen, etc. erklären könntest, dass ich Mist gebaut habe, wäre es phantastisch. 😅 (Quelle: yolocaust.de)

Sowohl die Bilder als auch der abgegebene Kommentar eignen sich zur Förderung des Geschichtsbewusstseins im Unterricht. Denn sie sorgen für Irritation, provozieren und rufen sogleich eine Diskussion über ethische und moralische Grundsätze sowie den Umgang mit der Vergangenheit in der Klasse hervor. Im Anschluss an die Diskussion kann die Thematik mit verschiedenen zusätzlichen Materialien und Unterrichtsentwürfen vertieft werden.

Zusätzliches Material

  • Raphaela Walser: „Yolocaust“ oder: „Darf man das?“ Ein Beitrag zum reflektierten Umgang mit Geschichtskultur im Unterricht ➡️ „hier“ klicken.
  • Unterrichtsmaterialien zur Vorbereitung des Besuchs des Denkmals für die Ermordeten Juden Europas A – Basis ➡️ „hier“ klicken.
  • Über den Holocaust lernen. Theoretische Grundlagen und unterrichtspraktische Überlegungen ➡️ „hier“ klicken.
  • Bild zum Zitat ➡️ „hier“ klicken.

Einführung „Bild- und Filmpropaganda in der NS-Zeit“

Bildquelle, Einführung, kritischer Umgang

Die Propaganda zählt zu einem der wichtigsten Instrumente der NSDAP in der Weimarer Republik sowie im Dritten Reich. Hierbei bedient sich die Partei einer breiten Palette von Möglichkeiten, zu welcher auch die Vermittlung von Propaganda in Form von Bildern und Filmen gehört. Wichtig ist hierbei zu erkennen, dass diese Bilder gezielt ausgewählt, gestellt und bearbeitet wurden, um eine bestimmte Message anhand dieser transportieren zu können.

Was bedeutet der Begriff „Propaganda“ in der NS-Zeit?

Um der Klasse vor der Arbeit mit einer ausgewählten Quelle das Thema „Propaganda in der NS-Zeit“ nahe zu bringen oder es zu wiederholen, eignet sich beispielsweise ein kurzer Videoclip. Der YouTube-banal „Geschichte – simpleclub“ bereitet das Thema in einem anschaulichen Clip und in schülerorientierter Sprache kurz, aber präzise auf.

Bildpropaganda

Als Einstieg in das Thema der „Bildpropaganda“ eignet sich beispielsweise eine Fotografie von Adolf Hitler aus dem Jahre 1937.

Betrachtet man die unten aufgeführten Bildern nebeneinander, fällt sofort ein großer Unterschied ins Auge: Auf dem rechten Bild wurde der Propagandaminister Joseph Goebbels wegretuschiert. Unregelmäßigkeiten im Hintergrund des linken Bildes lassen auch ohne die Gegenüberstellung der Bilder eine Bearbeitung derer erkennen.

Adolf Hitler mit Leni Riefenstahl und Joseph Goebbels, 1937
image-762020-galleryV9-zzcm

Das Bild zeigt Adolf Hitler 1937 im Berliner Stadtteil Dahlem, umgeben von dem bereits erwähnten Joseph Goebbels sowie der Fotografin des Bildes Leni Riefenstahl und Familienmitgliedern. SchülerInnen werden bei der Gegenüberstellung der Bilder sofort erkennen, dass es sich hierbei um eine Bearbeitung des Bildes handelt, welche gezielt vorgenommen wurde. In einem weiteren Arbeitsschritt schließt sich nun die Überlegung an, warum und mit welchem Ziel diese Maßnahme getroffen wurde.

Filmpropaganda

Neben der Bildpropaganda ist auch nicht die Propaganda in Form von bewegten Quellen zu vernachlässigen. Ein guter Überleitungspunkt wäre hierbei die Fotografin Leni Riefenstahl, welche – wie auch andere Filmemacher – diverse Propagandafilme für Adolf Hitler gedreht hatte.

Unter dem Titel „Propaganda und ihre Wirkungsabsichten – zum Entstehungskontext des Filmmaterials aus dem Warschauer Ghetto“ bietet die bpb eine auf einen Film basierende Einheit vor, welche sowohl den Film als auch umfangreiches Arbeitsmaterial beinhaltet.

Die SchülerInnen setzen sich hierbei kritisch mit Filmmaterial aus dem Warschauer Ghetto von 1942 auseinander. Anhand des Filmes im Kontext mit dem zu bearbeitenden Material findet eine kritische Hinterfragen von Bildern in der NS-Zeit sowie eine Bewertung der Verbreitung und Einordnung dieser in das „System Propaganda“ der Nationalsozialisten statt. Neben diesen inhaltlichen Kompetenzen findet zudem eine Förderung von Urteils- und Medienkompetenz der SchülerInnen statt.

Das Material kann kostenlos als ODT oder PDF hier heruntergeladen werden.

Gegenwartsbezug

Aufgrund der vielfältigen Nutzung von Propaganda in der heutigen Zeit, bietet sich dieses Thema gut zur Herstellung eines Gegenwartsbezuges an. Eine offene Frage, eventuell auch in Kooperation mit dem Fach Sozialkunde, nach der Beurteilung und Analyse von Propaganda in der heutigen Zeit, bietet sich als Grundstein für eine umfangreiche Diskussion im Plenum der Klasse an.

Weiterführende Materialen

Quellenangabe

5-Shots-Regel – «Bilder, die lügen»

Bildquelle, Geschichte, kritischer Umgang, Methode, Methodik

Der Name „Phan Thị Kim Phúc“ ist vermutlichen den wenigsten Menschen ein Begriff, obwohl die meisten von uns diese Person kennen. Bekannt wurde die Vietnamesin unter anderem als „Napalm-Mädchen„: Sie ist das kleine, nackte Mädchen, welches nach dem Angriff auf Napalm im Vietnamkrieg auf die Journalisten und Fotografin zuläuft. Oftmals wird das Foto allerdings in einer zugeschnittenen Version publiziert und verfälscht somit sowohl das eigentliche Foto als auch die Geschichte, die hinter diesem steht.

Mit Hilfe der „5-Shots-Regel“ und dem Material «Bilder, die lügen» des Museums für Kommunikation soll den SchülerInnen ein Bewusstsein für die kritische Auseinandersetzung mit Fotografien vermittelt werden.

Die „5-Shots-Regel“

Die „5-Shots-Regel“ stammt aus der Filmtechnik und bezeichnet verschiedene Möglichkeiten eine Szene fotografisch darzustellen. Anhand einer praktischen Übung, in welcher die SchülerInnen in Kleingruppen ein Standbild entwerfen und aus verschiedenen Perspektiven abfotografieren, soll eine kritische Auseinandersetzung und Reflexion mit Fotos stattfinden. Die Bildausschnitte sollen von den SchülerInnen so ausgewählt werden, dass die Message des eigentlichen Standbildes durch das Foto verfälscht wird. Im anschließenden Plenum werden die Fotos mit der Klasse besprochen und sowohl der gewählte Ausschnitt als auch ein Bild des kompletten Standbildes gezeigt. Die SchülerInnen lernen anhand dieser Übung, dass sich je nach Perspektive und Bildausschnitt die Message, die ein Bild dem Betrachter vermittelt, verändert.

Arbeitsmaterial «Bilder, die lügen»

Zur Unterstützung dieser Einheit kann das Material zur Ausstellung «Bilder, die lügen» herangezogen werden, welches zeigt, wie die Veränderung eines Bildausschnittes und das Bearbeiten von Bildern den Betrachter dessen in die Irre führen kann.

Beispiel aus dem Unterrichtsmaterial über https://www.mfk.ch/fileadmin/user_upload/zzz_Dateiliste_alte_Seite/pdfs/Bildung_Vermittlung/Materialien/Ausstellungen/Bdl/Bdl_didakt_Materialien.pdf [16.05.2020]

Das Museum für Kommunikation entwickelte im Jahre 2007 im Rahmen seiner Ausstellung «Bilder, die lügen» eine Handreichung für den Unterricht, welche anhand vieler verschiedener Beispiele aus Geschichte, Politik oder auch der Klatschpresse aufzeigt, inwiefern Bilder manipuliert werden. Untermauert werden diese Bilder durch geeignete Fragestellungen, welche das gebotene Bildmaterial kritisch hinterfragen und dem SchülerIn helfen, einen kritischen Umgang mit Bildern einzuüben.

Das Material ist kostenlos über die Website des Museums verfügbar und kann über den im nächsten Abschnitt eingefügten Link abgerufen werden.

Anwendungsmaterial „5-Shots-Regel“