Jugendsprache im Lateinunterricht

Latein, latine loqui

„Digga“, „saftig“, „Fühl ich“… die Liste an gebräuchlichen Jugendsprachwörtern ist relativ lang. Immer wieder kommen aus verschiedenen Quellen neue Wörter hinzu, welche vor allem Jugendliche gerne nutzen und somit ihre ganz eigene Sprache verwenden. Jugendsprache als Phänomen ist spätestens seit 2008 auch anerkannt, als man das erst mal das „Jugendwort des Jahres“ kürte: Es war „Gammelfleisch-Party“, eine scherzhaft-freche Bezeichnung für eine Ü30-Party. Jugendsprache und ihre Begriffe sind also durchaus relevante Begriffe, deren genauere Betrachtung sich gerade in den modernen Sprachen anbietet, da viele in ihrer Systematik doch auf Englisch oder bei uns eben auf Deutsch zurückgreifen oder sogar Mischformen (fly sein, wyld) darstellen.

Da das Verwenden der Jugendsprache jedoch kein Privileg für die modernen Sprachen sein sollte, habe ich mir überlegt, wie man das ganze in den Lateinunterricht bringen könnte. Entstanden ist dabei ein Arbeitsblatt, bei welchem die SchülerInnen für Begriffe der heutigen Jugendsprache passende lateinische Begriffe finden sollen. Was bei einigen Begriffe relativ einfach scheint, wird bei Begriffen wie „YOLO“ schon schwieriger. In einer zweiten Aufgabe können die SchülerInnen dann noch selbst überlegen, welche Begriffe fehlen und für diese eigene lateinische Übersetzungen finden.

Insgesamt hat die Arbeit mit dem AB den SchülerInnen nicht nur sehr viel Spass gemacht, sondern auch dafür gesorgt, dass ich auf dem Schulhof einige „Pingua“ oder „Itaaaaa“ gehört habe. Auch war es interessant, eine generelle Diskussion zum Thema „Sinn“ von Jugendsprache zu führen. Wenn ihr also eine kleine Aufgabe zum Schulstart oder zum restlichen Füllen einer Stunde braucht, bietet sich das kleine AB sehr gut an.

LateinLex: Digitale Unterstützung für die Übersetzung

digital, Grammatik, Latein

Hallo an alle! Wie ihr merkt, schreibt heute weder Björn noch Katha. Mein Name ist Dennis und ich habe mit Katha zusammen an derselben Uni Latein studiert, ich allerdings dazu Deutsch und nicht wie sie Geschichte. Gerade befinde ich mich im bayerischen Referendariat. Als ich vom Blog erfahren habe, den sie und Björn auf die Beine gestellt haben, war ich begeistert: Ich selbst habe nämlich ziemlich ähnliche Ansichten, was zeitgemäßen, digital gestützten Unterricht angeht. Umso mehr hat es mich deshalb gefreut, als die beiden mich gefragt haben, ob ich einen Gastbeitrag für den Blog schreiben möchte.

Ich stelle euch heute LateinLex vor, das ich schon einige Male selbst im Unterricht bei meiner ehemaligen achten und zehnten Klasse eingesetzt habe, um den Jugendlichen das Übersetzen zu vereinfachen. Aber lasst mich von vorne anfangen!

Was ist LateinLex?

LateinLex ist ein Webtool, das verschiedene Möglichkeiten bietet, um einen lateinischen Text digital aufzubereiten. Diesen kann man dann den Schüler:innen einfach per Kurzlink oder über einen vierstelligen Code zukommen lassen. Von der Vorentlastung im Unterricht bis hin zur Übersetzungshilfe bei der Hausaufgabe sind die didaktischen Möglichkeiten mit LateinLex vielfältig. Schön ist dabei, dass es nicht nur einen breiten Fundus an bereits digitalisieren Texten gibt, die sich aus der Perseus-Datenbank speisen. Nein, auch der Cornelsen Verlag arbeitet eng mit dem Webtool zusammen, sodass alle Texte der Adeamus-Bücher sowie die Texte des ersten Legamus! Plus-Bands digitalisiert vorliegen. In den Büchern wird sogar mit einem Code auf die entsprechenden LateinLex-Angebote verwiesen.

Daneben gibt es auch eine Wörterbuchfunktion, ein Tabellarium und verschiedene Vokabularien aus den genannten Lehrwerken, aber auch aus bekannten Wortkunden.

Die Erstellung von Arbeits- und Textblättern

Was ich euch heute etwas umfangreicher vorstellen möchte, ist die eigene Erstellung von digitalen Texten, die auch als analoges Arbeitsblatt exportiert werden können. Hierfür habe ich ein Textblatt aktualisiert, das ich tatsächlich für eine 10. Klasse erstellt habe.

Erstellt man ein neues Arbeitsblatt, gibt man verschiedene Metadaten wie Titel oder Kurztitel ein. Allerdings bietet LateinLex auch die Möglichkeit, die digitale Version des Blatts mit einem Passwort zu sichern. Zudem kann man ein Datum einstellen, ab dem die Musterlösung für Schüler*innen einsehbar ist, was besonders nützlich dafür ist, wenn man sie eigenständig übersetzen lassen möchte. Dass eine Musterlösung angezeigt wird, ist im Übrigen optional – bei der Erstellung des Arbeitsblatts können verschiedene Einstellungen und Vorlagen gewählt werden, je nach der persönlichen Präferenz der Lehrkraft.

Anschließend befindet man sich im Editor, der mich beim ersten Mal zugegeben ziemlich überfordert hat, als ich LateinLex ausprobiert habe.

Nach kurzem Herumspielen und Ausprobieren haben sich mir seine Funktionen aber recht schnell erschlossen. LateinLex funktioniert nach einem Baukastenprinzip: Man kann verschiedene Blöcke erstellen und sie für die eigenen Zwecke einsetzen:

Der wohl wichtigste Baustein dient der Ausweisung von lateinischen Texten. Diese können mit Hinweisen und einer Musterübersetzung versehen werden. Zudem gibt es ein Eingabefeld für die Übersetzung von Schüler*innen. Leider werden die Eingaben nicht gespeichert und können der Lehrkraft damit auf digitalem Wege zugeschickt werden: Vielmehr muss man dann das Arbeitsblatt theoretisch ausdrucken. Das liegt daran, dass LateinLex aus DSGVO-Gründen die Daten der Schüler*innen-Arbeitsblätter nicht auf einem Server, sondern lokal auf den eigenen Geräten der Jugendlichen speichert.

Der große Vorteil des Text-Bauststeins ist, dass nahezu jedes Wort per Klick nachgeschlagen werden kann. Die Lehrkraft kann dabei einzelne Wörter als „nicht nachschlagbar“ markieren, etwa solche, die zum Grund- oder Lernwortschatz gehören. Wenn man möchte, ist es außerdem möglich, griechische Wörter einzugeben.

Besonders interessant sind die vielfältigen Möglichkeiten zur Binnendifferenzierung: Mit etwas Übung kann man die Texte in bis zu drei Versionen editieren, um schwächeren Lernenden Hilfestellungen zu geben. Zudem gibt es seit Kurzem die Möglichkeit, Schüler*innen Schritt für Schritt durch eine Übersetzung zu führen, indem man die einzelnen Satzglieder und -bestandteile erst nach und nach aufdeckt.

Eine weiterer Baustein ist die sogenannte „Vokabelchallenge“. Wörter, die in dieser vorkommen, können erst dann nachgeschlagen werden, wenn die Schüler*innen diese im Rahmen der „Challenge“ wiederholt haben. Dies ist im Grunde eine klassische Kartenabfrage, bei der die Jugendlichen eigenständig einschätzen müssen, ob sie die Bedeutung der Wörter wissen. Leider gibt es keine Möglichkeit, auf LateinLex darüber hinaus zu überprüfen, ob das Vokabular sitzt: Spitzfindige Lernende können theoretisch auch einfach jedes Wort als „gewusst“ abhaken und das Nachschlagen im Text so „freischalten“.

In den Editor ist es möglich, Tabellen mit grammatikalischen Reihen einzufügen. So können z. B. Stammformen eingeführt oder wiederholt werden, aber auch ganze Deklinationen und Tempusreihen. Schade ist hier wiederum, dass die Schüler*innen die Formen auf dem digitalen Arbeitsblatt nicht selbst eintragen, sondern sie mit einem einfachen Klick aufdecken können. (Auf dem analogen Blatt kann die Tabelle leer abgedruckt werden.)

Zuletzt herausheben möchte ich die Möglichkeit, interaktive Übungen einzubinden, die man als Lehrkraft frei für die eigenen Zwecke anpassen kann. LateinLex bietet dabei eigene, ganz basale Übungen an, z. B. Memory, Multiple-Choice-Fragen oder freie Textfelder. Zudem lassen sich seit neuestem auch H5P-Übungen einbinden.

Fazit

LateinLex ist ein digitales Tool, das den Lateinunterricht stark bereichern kann. Den wohl größten Nutzen bringen natürlich die vielfältigen Möglichkeit der Texterschließung und Übersetzung. Die Klassen, mit denen ich LateinLex (Bsp. hier) bisher ausprobiert habe, waren begeistert, insbesondere natürlich von der Möglichkeit, fast jedes Wort nachschlagen zu können. Und tatsächlich funktionierte die Übersetzung dadurch nicht nur schneller, sondern wurde insgesamt auch motivierter angefertigt. Durch die Möglichkeit, digitale Übungen direkt in die Arbeits- und Textblätter einzubinden, kann dieser Effekt noch verstärkt werden.

Nach einer kurzen Einarbeitung ist das Tool auch wirklich einfach zu handhaben. Wer Hilfe braucht, findet auf LateinLex diverse Tutorials und Lernvideos. Dadurch, dass jedes Arbeitsblatt auch analog als PDF oder sogar als Word-Datei exportiert werden kann, bieten sich die aufbereiteten Texte auch einfach als eine optisch schönere, analoge Version für den Unterricht an. Wenn ihr noch mehr über LateinLex wissen wollt, könnt ihr unter folgendem Link eine interaktive Präsentation finden:

Leider stört mich selbst an LateinLex, dass die Eingaben der Schüler*innen nicht direkt über das Tool an die Lehrkraft weitergeschickt werden – weder bei der Übersetzung noch bei Grammatikreihen. Damit man die Lösungen der Schüler*innen überprüfen kann, müssen diese ihr digitales Arbeitsblatt als PDF- oder Word-Datei exportieren, in der ihre Eingaben gespeichert sind, und diese Datei dann wiederum an die Lehrkraft schicken. Theoretisch kann man das allerdings mit H5P-Anwendungen (z. B. „Essay“) umgehen, was die Vorbereitung allerdings etwas komplizierter und zeitaufwendiger macht.

Neben LateinLex gibt es übrigens noch ein anderes, recht ähnliches Tool: Hermeneus. Um dieses wird es bei meinem nächsten Gastbeitrag gehen. Abschließend noch einmal ein großes Danke an Katha und Björn für die Möglichkeit, dass ich diesen hier schreiben durfte! 😊

Passt auf euch auf!

Dennis

Üben und Wiederholen: deck.toys im Lateinunterricht

Apps/Programme, deck.toys, digital, Gamification, Latein, Methode

Kaum ein Unterrichtsfach wie Latein hat das große Problem, dass SchülerInnen gerne schnell vergessen, was man vor einer Woche gemacht hat. So schnell wie ein Abl.Abs. in den Kopf kommt, ist er bei den meisten auch schon wieder draußen. Gerade für Latein ist das natürlich schwierig, weil viele Elemente in gewisser Weise aufeinander aufbauen: Wer z.B. den Infinitiv nicht beherrscht, kann auch den AcI nicht beherrschen. Daher ist es wichtig, regelmäßig zentrale Elemente zu wiederholen, um diese halbwegs greifbar für neue grammatische Phänomene zu haben.

In meiner neunten Klasse stand ich vor der Situation, konjunktivische Nebensätze einzuführen. Ein zentrales Element hier sind die Zeitverhältnisse, welche durch die jeweiligen Konjunktiv-Formen angegeben werden. Diese Formen zeigen einem also an, ob es heißt „Julia sieht, dass das Haus brennt.“ oder „Julia sieht, dass das Haus gebrannt hat.“. Vorzeitigkeit und Gleichzeitigkeit (Nachzeitigkeit war hier in Nebensätzen noch nicht bekannt) sind zentrale Elemente des Lateinunterrichts und sollten hier bereits durch die bestehenden Infintivie bekannt sein. Doch weil ich bereits zuvor merkte, dass es da aktuell größere Mängel gab, wollte ich vor dem Einführen der neuen Grammatik noch einmal die Themen „Vorzeitigkeit und Gleichzeitigkeit“ inklusive der Infinitive wiederholen. Bei der Überlegung, wie mir dies nachvollziehbar, effektiv aber auch ein wenig spielerisch gelingen könnte, kam ich zu einem meiner Lieblingstools: deck.toys. Damit erstellte ich also ein Lernabenteuer zu den genannten Themen, welches ich euch gerne vorstellen möchte und welches ihr auch sofort selbst nutzen könnt.

Wenn ihr das Programm noch nicht kennt oder euer Wissen ein wenig auffrischen wollt, findet ihr hier nochmal einen ausführlichen Artikel zum Thema auf dem Blog.

Das deck.toys

Zu Übersicht hier einmal der grobe Aufbau meines deck.toys. Im Prinzip ist es ein linearer Pfad mit 4 Zwischenstationen. Daneben gibt es noch 3 weitere Bonuslevel, welche für den Pfad selbst nicht wichtig sind, aber den Zugang zu einem „geheimen“ Ende ermöglichen. Die Bonuslevel sind daher optional und eher als eine Art Differenzierung zu sehen. Insgesamt sieht die Oberfläche so aus:

Dabei bestehen die einzelnen Aufgaben auch genau aus dem, was darauf steht. Bei dem Infinitiv-Level geht es um… das Üben und Wiederholen von Infinitiven. Bei Übersetzungen sollen passende Übersetzungen einander zugeordnet werden und die beiden gleichzeitig/vorzeitig Übungen sollen einmal auf Deutsch und einmal auf Latein jeweils einem Bereich zugeordnet werden. Die jeweiligen Bonuslevel greifen das „angeschlossene“ Thema dann vertieft auf.

Wie gesagt gibt es hier in diesem deck.toys ein geheimes Ende, welches die SchülerInnen nur lösen können, wenn sie die drei Bonuslevel schaffen. In diesem Geheimlevel erhalten sie einen geheimen Code (optimus magister), welches sie mir nach der Stunde sagen sollten. Als Belohnung dafür gab es eine kleine Süßigkeit.

Insgesamt hat es den SchülerInnen sehr viel Spass gemacht, mit diesem deck.toys dieses Thema zu wiederholen. Selbst diejenigen, welche im Unterricht eher ruhig waren, waren hier sehr fokussiert, um möglichst viele Punkte zu erzielen. Sehr schön zu sehen war auch, dass sich einige ein wenig aufgeregt haben, wenn sie bei einem Spiel erstmal nicht weitergekommen sind. Wer kennt solche Situationen nicht vom eigenen Spielen? Insofern war das Feedback am Ende relativ positiv und beim Einführen des neuen Themas wrid sich zeigen, wie hilfreich der Einsatz von deck.toys dann wirklich war. Oder ob es wieder wie so oft im Unterricht heißt: „Haben wir das jemals gehabt?“ – „Ja, vor einer Woche.“. Ich hoffe es nicht. 😄

Das deck.toys könnt ihr unter dem folgenden Link (hier) oder QR-Code spielen und im eigenen Unterricht nutzen:

Tutorial zum Erstellen

Kurzwiederholung Aktiv – Passiv im Lateinunterricht

Latein, Wiederholung

Als ich in meiner neunten Klassen zuletzt meine Lateinarbeit geschrieben habe, gab es viele neue Themen: Nebensätze mit cum, die U-Deklination oder den nominalen Abl. Abs. Beim Korrigieren war ich dann ein wenig erstaunt, dass all diese Themen zwar gewisse Probleme bereiteten, aber längst nicht so viel, wie ich „befürchtet“ hatte. Stattdessen zeigte sich, dass ein anderes Thema viel größere Lücken bereitet hatte: Das Aktiv und das Passiv. In der Arbeit wurde munter vertauscht, ob denn nun die Römer siegten oder besiegt wurden. Oder ob Augustus schrie oder angeschrien wurde. Da mit dem Vertauschen von Aktiv und Passiv auch der Sinn maßgeblich beeinflusst wird, dachte ich mir, dass ich zumindest eine kurze Wiederholung zu diesem Thema machen wollte, um den SchülerInnen die Bedeutung von Aktiv und Passiv (nicht nur für Latein) aufzuzeigen. Hierzu habe ich eine kleine Übung erstellt, welche wir 5 Minuten als Einstieg bearbeitet haben und bei den SchülerInnen auch einen „Aha!“-Effekt bewirkt hat. Weil das ganze so erfolgreich, wollte ich diese kleine Vorlage gerne mit euch teilen.

Grundlage der Übung sind 4 kurze Sätze, die eigentlich auch relativ schnell übersetzt werden können. Dabei liegt der Fokus darauf, dass sich je 2 Sätze grundlegend ähneln, sich aber eben im Aktiv und Passiv des Prädikats unterscheiden. Und je nach Übersetzung ergibt sich auch eine ganz andere Bedeutung: So bereitet in Satz 1 Marcus das Essen zu, während er in Satz 2 selbst als Essen zubereitet wird. In Satz 3 isst er dann selbst, während er in Satz 4… gegessen wird. Durch diese sehr plakativen Beispiele wurde den SchülerInnen deutlich, warum es wichtig ist, zwischen Aktiv und Passiv zu unterscheiden. Einige hatten auch schon vor der gemeinsamen Übersetzung angefangen zu kichern, weil sie verstanden hatten, worauf ich hinaus wollte. Insofern wollte ich diesen gut funktionierenden Einstieg einmal mit euch teilen, falls ihr auch das Problem habt, dass eure SchülerInnen Probleme mit Aktiv und Passiv haben.

Material

Instagramposts im Latein- und Geschichtsunterricht

Apps/Programme, digital, Geschichte, Latein, Methode, Methodik

Mit meinen Schülerinnen arbeite ich gerne digital und setze digitale Tools im Unterricht ein. Neben den digitalen Kompetenzen erachte ich auch die Medienerziehung und den Umgang mit Social Media als eine wichtige Aufgabe, die es zu fördern gilt. Aus Gründen des Datenschutzes ist es nicht so einfach mit den gängigen Social Media-Plattformen wie Twitter, Snapchat & Co. im Unterricht zu arbeiten. Zwar ist ein Großteil der heutigen Schüler*innen auf den bereits genannten Plattformen angemeldet, allerdings dürfen sie ihre privaten Accounts nicht im Unterricht einsetzen. Abhilfe bietet hierbei die Plattform zeoob.com.

zeoob.com

Mit Hilfe der Anwendung ist es möglich, Social Media-Beiträge zu verfassen, ohne dass sich die Schüler*innen auf der jeweiligen Plattform anmelden müssen.

Möglichkeiten mit zeoob.com

Egal ob TikTok, Snapchat oder Instagram, die Anwendung bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Besonders beliebt ist bei meinen Schülerinnen Instagram, dessen Vorlage sie gerne einsetzen, wenn wir Social Media-Posts im Unterricht erstellen.

Einsatz im Geschichtsunterricht

Instagram setzte ich daher gerne ein, um einen historischen Aspekt darzustellen. Sei dies, aus heutiger Sicht oder aus zeithistorischer Perspektive. Erfahrungsgemäß tun sich die Schüler*innen, insbesondere die jüngeren Klassen, leichter, wenn sie einen historischen Aspekt aus heutiger Sicht darstellen sollen. In diesem Fall ist das Anforderungsniveau niedriger und sie müssen sich nicht in die Situation der Person hineinversetzen. Schwieriger wird die Aufgabenstellung, wenn der Post aus zeithistorischer Perspektive verfasst werden soll, wie im Beispiel zu sehen.

Die Schüler*innen müssen sich Gedanken über die Art der Artikulation der jeweiligen Person machen und ihren Charakter bestmöglich nachahmen. Hierfür ist eine hohe Transferleistung erforderlich, welche auch ein hohes zeithistorisches Verständnis voraussetzt. Die Schüler*innen lernen bei der Erstellung eines Instagramposts nicht nur ein hohes historisches Verständnis des jeweiligen Lerngegenstands, sondern auch den zeithistorischen Kontext genau zu untersuchen und zu verstehen. Die im Unterricht entstandenen Beiträge können anschließend auf einer digitalen Pinnwand gesammelt und gegenseitig kommentiert werden.

Einsatz im Lateinunterricht

Neben dem Geschichtsunterricht kann zeoob.com auch im Lateinunterricht eingesetzt werden. Hierbei bietet sich die Wiedergabe eines literarischen Inhalts mit Möglichkeit zu einem interpretatorischen Kommentar an, aber auch das Zusammenfassen eines Lektionstextes oder die Vorstellung eines Charakters oder Autors der lateinischen Welt.

Beim Erstellen des Posts wird von den Schüler*innen gefordert, die zentralen Inhalte knapp und prägnant zusammenzufassen. Hierfür ist es notwendig, dass sie den Text verstanden und in seinen Einzelheiten erfasst haben. Auch ein mögliches Streitgespräch in den Kommentaren, beispielsweise im Themenschwerpunkt „Philosophie“ ist möglich.

Thematisierung von Social Media und Fake News

Neben den fachlichen Inhalten bietet sich die Arbeit mit zeoob.com an, über Social Media und Fake News allgemein zu sprechen. Während der praktischen Anwendung sehen die Schüler*innen, wie leicht es ist, den Inhalt zu faken. Auch die Tatsache, dass die Welt von Instagram manchmal mehr Schein als Sein ist, sollte in meinen Augen thematisiert werden. Viele Jugendliche gehen viel zu leichtgläubig mit dem Thema um und glauben alles, was irgendwelche Stars und Influencer von sich geben.

Touchdown in Rom? – Eine Super Bowl-Übung für den Lateinunterricht

Arbeitsblätter, Grammatik, Latein, Methode

Am kommenden Sonntag ist es wieder soweit: Der 56. Super Bowl findet in Inglewood, Kalifornien statt. Wenn am 13.02. die Cincinnati Bengals im Finale der amerikanischen Football-Liga auf die Los Angeles Rams treffen, werden über eine Milliarde Menschen weltweit dieses Spektakel verfolgen. Auch in Deutschland findet der Sport immer mehr AnhängerInnen, weshalb es nicht verwunderlich ist, wenn man auch in den Schulen immer mal wieder Kleidung mit NFL-Logo oder einzelnen Teams sieht. Auch in meiner neuten Klasse sind einige Football-Fans: Als ich vor den Weihnachtsferien eine selbsterstellte Übung mit Bezug zu Weihnachten gemacht habe, kam von einigen die Anmerkung, ob ich nicht auch mal ein Arbeitsblatt zu anderen Themen wie z.B. der NFL machen könnte. Da ich selbst nicht der größte Football-Experte bin, habe ich die Anfrage erstmal mit einem kurzen Lächeln abgelehnt, aber dann überlegt, wie man das ganze dann doch umsetzen könnte. Nachdem ich mit ein paar FreundInnen, die sich mit dem Thema wesentlich besser auskannten, Rücksprache gehalten hatte, erstellte ich schließlich ein kleines Übungsblatt für den Lateinunterricht: In diesem finden sich drei kleine Übungen, die Aufgaben aus den Bereichen Wortschatz, Grammatik und Übersetzung beinhalten.

Aufbau der Übung

Als erste Aufgabe auf dem AB findet sich eine kleine Zuordnungsaufgabe: Hier sollen Fachbegriffe aus dem American Football mit lateinischen Vokabeln verbunden werden. Gleichzeitig soll auch erklärt werden, inwiefern diese Begriffe zusammenhängen: Audible -> audire: ein Audible ist eine Ansage, welche gehört wird. Daher der Bezug zu audire: hören. Durch die kurzen Erklärungen der jeweiligen Begriffe ist es auch nicht-Football Fans möglich, diese Aufgaben zu bearbeiten.

In der zweiten Aufgabe werden noch einmal die O- und U-Deklination wiederholt. Hierbei sollen „Field Goals“ erzielt werden: Die Bälle mit den jeweiligen Deklinationen müssen in das richtige Tor geschossen werden. Hier habe ich mich für die O- und U-Deklination entschieden, da die Unterscheidung dieser den SchülerInnen am meisten Probleme bereitet.

Die dritte Aufgabe schließt die Übung dann ab und lässt die SchülerInnen drei kurze Sätze zum Quarterback übersetzen. Um den Sinn des Spiels zu treffen, mussten einige Vokabeln hier von der Bedeutung etwas „angepasst“ werden, aber mit diesen Hilfsmitteln ist es möglich, auch ohne Vorwissen die folgenden Sätze gut zu übersetzen. Der Quattorposticus stammt eher aus dem Neulatein, aber wer weiß schon, ob nicht auch schon Cicero oder Tacitus große Football-Fans waren? 😃

Wenn ihr diese Übung auch einmal in eurem Latein-Unterricht nutzen wollt, könnt ihr sie unter dem folgenden Link herunterladen. Ich wünsche euch und euren Klassen viel Spass dabei und freue mich gerne über Feedback und Rückmeldungen. 🙂🏈

Material

Anmerkung: Einen großen Teil der Informationen bezüglich Football habe ich aus dem NFL-Lexikon von http://www.ran.de. Wer sich also noch mehr über Football informieren möchte, sollte dort einmal vorbeischauen.

[Methodensammlung] Wordle für den Unterricht selbst erstellen

Latein, Vokabeln, Wiederholung

Wordle – ein Trend, der aktuell durch Social Media geht. Hierbei müssen Wörter mit fünf Buchstaben erraten werden. Hat man einen Buchstaben richtig erraten, erscheint das entsprechende Feld grün. Hierfür hat man sechs Versuche. Ich habe mir heute Morgen die Frage gestellt, wie ich diesen Hype im Unterricht einsetzen kann, denn die Methode dahinter ist schon genial. Entstanden ist eine kleine Übung für Latein mit simplen Wörtern. Wer gerne auf vorgefertigte Wordle für den Lateinunterricht zurückgreifen möchte, wird bei Arepo und latin dictionary fündig.

Erstellen eines Wordle mit H5P

Erstellt habe ich mein Wordle mit der Lückentextfunktion der Anwendung H5P. Dies könnt ihr beispielsweise kostenlos über zumApps hosten. Zu Beginn überlegt ihr euch eine Vokabel, optimalerweise aus dem aktuellen Lernwortschatz oder zur Wiederholung, die die Schüler*innen erraten sollen. Anschließend gibt ihr diese als Wort ein. Bei H5P kann ich nun durch Sternchen und Leerzeichen die Buchstaben einzeln abtrennen und somit ein Wordle generieren.

Anschließend habe ich fünf weitere Textblöcke hinzugefügt und meinen bereits erstellten Lückentext kopiert.

Hinzufügen weiterer Textblöcke

Nachdem ich die Anwendung gespeichert habe, ist sie auch schon einsatzbereit für den Unterricht. Die Schüler*innen geben in der ersten Zeile ihren Tipp ein und lassen diesen korrigieren. Die korrekten Buchstaben werden nun automatisch grün und die falschen Buchstaben rot angezeigt.

Nun geht es weiter mit der zweiten Zeile. Die Schüler*innen können nun in die roten Felder ihren neuen Tipp abgeben und anschließend wieder durch die Anwendung überprüfen lassen.

Dieser Vorgang wird sooft wiederholt bis die Lösung gefunden wurde oder keine Versuche mehr übrig sind. Optional kann man nach der korrekten Lösung noch die Übersetzung der Vokabel abfragen.

Moodle & Mebis

Für alle die eine auf Moodle basierende Lernplattform nutzen, hat Florian Dagner eine grafisch etwas angepasster Alternative entwickelt.

Gerne könnt ihr auch das passende Tutorial hierzu ansehen.

MyWordle

Die Website MyWordle bietet die Möglichkeit für ausgewählte Sprachen eigene Rätsle zu erstellen. Hierfür ist es lediglich notwendig, die entsprechende Sprache auszuwählen sowie das gesuchte Wort einzugeben.

Slides Mania

Die für allerlei Templates bekannte Website, bietet nun auch eine Vorlage für Wordle auf Basis von Excel bzw. Google Sheets an.

Beispiel

Deklinieren und Konjugieren mit der Liniennetz-Methode

Grammatik, Latein, Methodik, Wiederholung

Als ich im August vom Land ins Umland von Hannover gezogen bin, war eine der größeren Neuerungen für mich, dass ich nun nicht nur mit Auto oder Fahrrad, sondern auch mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren konnte. Bisher hatte ich noch in keiner Stadt gelebt, die ein solches System gehabt hat, weshalb ich es ganz faszinierend fand, dies als normales System hier nutzen zu können. Auch die SchülerInnen in Hannover nutzen dieses System, um damit zur Schule zu fahren, weshalb ich auch schonmal einige Schüler auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn getroffen habe. In einem Gespräch mit einem Schüler aus meinem Lateinkurs meinte ich mal aus Spass, dass es ganz schön kompliziert sei, sich hier zurecht zu finden (tatsächlich muss ich zweimal umsteigen), woraufhin er nur meinte, dass es doch wesentlich leichter als Latein sei. In diesem Moment kam mir der Gedanke, ob man nicht beides irgendwie verknäpfen könnte: Das den SchülerInnen vertraute Fahren mit der Straßenbahn, womit auch immer das Finden der „besten“ Route gemeint ist, und der Lateinunterricht. Schnell kam mir die Idee, dass es bereits Übungen gibt, in welcher „Konjugations- oder Deklinationsketten“ gebildet werden müssen. Wäre es nicht praktisch, genau dieses Prinzip auf ein Straßenbahnnetz zu übertragen? Mit diesem Hintergrundgedanken machte ich mich an die Arbeit und entwarf die folgende Übung. Das Netz wurde hierbei mit dem kostenlosen Tool Metro Map Maker erstellt.

Ablauf

Diese Übung ist so aufgebaut, dass es quasi zwei Straßenbahnnetze gibt. Eine für Substantiv-City, eine für Verb-Stadt. Beide Städte haben ein Netz aus verschiedenen Linien, die einige Knotenbahnhöfe haben. Jeder Bahnhof entspricht dabei einer bestimmten Form, die gebildet werden soll. Dabei wird immer ein Startbahnhof ausgewählt, wo der Zug losfährt. Der Zug stellt hierbei die Vokabel dar, welche dekliniert bzw. konjugiert werden soll. Die Lehrkraft kann die Vokabel dabei in das auf dem Zug vorgefertigte Feld schreiben. Wie im bebilderten Beispiel wäre „puer“ hier die Vokabel, die bei Start am „Nom. Sgl.“ Bahnhof (ganz links) dementsprechend auch nicht abgeändert werden muss. Erst, wenn der Zug weiterfährt, passt sich die Vokabel der jeweils nächsten Station an. Fährt der Zug z.B. nach Osten zum „Gen. Sgl.“ Bahnhof, dann muss auch „puer“ entsprechend dekliniert werden („pueri“). Fährt er von dort weiter nach Osten, muss „pueri“ in den Gen. Pl. umgewandelt werden („puerorum“), fährt er jedoch weiter nach Süden, dann wird aus „pueri“ ein „puerum“, denn hier ist ein „Akk. Sgl.“ Bahnhof.

Ein Beispiel aus dem Unterricht: So sieht die praktische Anwendung dieser Übung aus. Der Zug selbst steht am Ausgangsbahnhof und fährt von dort die Stationen auf dem Weg zum Ziel ab.

Sinn dieses Netzes ist es jetzt, dass man den SchülerInnen einen Start- und Endbahnhof gibt. Die Aufgabe der SchülerInnen ist es hierbei, den Zug von Punkt A nach Punkt B fahren zu lassen, wobei sie die entsprechenden Formen der jeweiligen Vokabel bilden müssen. Die Besonderheit hierbei ist, dass sie sich dabei ihren Weg selbst wählen können. Es gibt keine feste Vorgabe, auf welchem Weg man zum Ziel kommen kann. Hier können die SchülerInnen je nach eigener Stärke schauen, welche Formen sie besser bilden können. Wenn sie an einer Form nicht weiterkommen, können sie selber schauen, ob es nicht noch einen anderen Weg zum Ziel gibt. Auch können so unterschiedliche Wege erstellt und verglichen werden, was die SchülerInnen zusätzlich motiviert (Habt ihr noch weitere Lösungswege gefunden?). Die Aufgabenstellung kann hierbei so aussehen, dass die Lehrkraft den SchülerInnen Start- und Zielbahnhöfe sowie die passende Vokabel vorgibt. Leistungsstarke SchülerInnen können binnendifferenziert die Aufgabe bekommen, sich nach Beendigung der von der Lehrkraft gestellten Aufgaben selbst eigene kurze Aufgaben auszudenken und sich gegenseitig zu stellen.

Neben den eigentlichen Zügen gibt es auch noch Waggons, welche an den Zug angehangen werden können. Diese haben je nach Art der Vokabel unterschiedliche Bedeutungen: Bei Substantiv-Zügen können Adjektiv-Waggons angehangen werden. Hier müssen diese dann als zusätzliche Herausforderung ebenfalls mitdekliniert werden. Fährt „felix puer“ wie im Beispiel oben wieder nach Osten zum „Gen. Sgl.“ Bahnhof, dann wird aus ihm „felicis pueri“. Fährt er jedoch in den Süden zum „Nom. Pl.“ Bahnhof, dann wird er zu „felices pueri“ etc. Bei den Verb-Zügen können diese Waggons als weitere Kriterien dienen, welche in dem normalen Straßenbahnnetz nicht gegeben sind: So kann der Modus (Ind. / Konj.) oder das Genus Verbi (Aktiv / Passiv) als Waggon angehangen werden. In Verb-Stadt besteht zudem die Besonderheit, dass nicht immer alle Bahnhöfe angefahren werden können. Fährt ein Zug mit einem „Konjunktiv“-Waggon, kann er z.B. nicht in einen „Futur“-Bahnhof einfahren, da es kein „Konjunktiv Futur“ gibt. Somit lernen die SchülerInnen hier gleich einige Besonderheiten der lateinischen Sprache kennen.

Feedback der SchülerInnen

Waren meine SchülerInnen anfangs noch etwas skeptisch, hat sich die Straßenbahn-Übung mittlerweile zu einer ritualisierten Übungsform in meinem Unterricht entwickelt. Die SchülerInnen wissen genau, wie der Ablauf funktioniert und fangen schnell an, selbstständig ihre Routen zu planen. Weiterhin fangen auch die leistungsstärkeren SchülerInnen selbstständig an, sich mit anderen zusammenzusetzen und sich gegenseitig eigene Aufgaben zu erstellen. Durch immer neue Vokabeln sowie Adjektiv- und Kriterien-Waggons erhält die Übung auch immer neue Anreize, sodass man nicht nur alte Sachen wiederholt.

Aufbau

Die beiden Straßenbahnnetze sind als Bild-Datei auf meinem Laptop gespeichert und werden einfach geöffnet und via Bildschirmübertragung auf das Smartboard projiziert. Die Züge (und ggf. die Waggons) sind nach Vorlage laminiert und ausgeschnitten. Sie werden durch einen Magneten auf der Rückseite festgehalten und können so schnell von Station zu Station verschoben werden. Die SchülerInnen brauchen selbst kein Material, da die projizierte Fläche alle notwendigen Informationen erhält. Auch bei den eigenen Aufgaben reichen die Informationen vom Smartboard.

Material

Das gesammelte Material findet ihr hier:

Kreative Aufgabenstellungen bei der Interpretation

Computerspiel, digital, Latein, Methode, Methodik

Da sich das Schuljahr dem Ende zuneigt und die Ferien vor der Tür stehen, stellt sich oftmals die Frage: Was genau machen wir jetzt noch? Denn in den meisten Fächern wurden die meisten Arbeiten schon geschrieben, sodass es sich anbietet, ein wenig mehr kreative Freiarbeit zu machen. Dasselbe galt bei mir auch für den Lateinunterricht: Hier hatten wir noch einen Rest vom Lektionstext zu übersetzen, was ich aber nicht nach dem typischen „Na dann übersetzt mal…“-Muster machen wollte. Beim Planen habe ich überlegt, wie ich das ganze etwas kreativer gestaltet könnte: Eventuell den übersetzten Text in einem Zeitungsartikel zusammenfassen? Oder doch mal einen Comic zeichnen? Einige Schüler*Innen hatten gefragt, ob wir mal was mit Minecraft machen würden… eventuell könnten sie die Szene in Minecraft nachspielen? All diese Ideen schwirrten in meinem Kopf herum, allerdings konnte ich mich nicht wirklich entscheiden. Getreu dem Motto habe ich dann aus der Not eine Tugend gemacht… und einfach alle Möglichkeiten zur Verfügung gestellt. Inklusive des Hinweises, bei einer eigenen Idee kurz Rücksprache mit mir zu halten, um diese ggf. dann auch umsetzen zu können. So könnten die Schüler*Innen je nach eigenen Interessen „ihre“ Form der kreativen Textinterpretation aussuchen. Insgesamt sah der Arbeitsauftrag an sich dann so aus:

Gesagt, getan machten sich die Schüler*Innen in ihren Gruppen ans Werk und begannen, den Text individuell zu interpretieren. Kurz zur Info: In dem Textabschnitt geht es darum, dass ein römischer Offizier nach der Eroberung von Syrakus den berühmten Erfinder Archimedes gefangennehmen soll. Dieser ist jedoch vollkommen fokussiert auf seine geometrischen Formen und nimmt den Offizier gar nicht war. Als er diesen kurz daraufhin anbrüllt, erschlägt ihn der Offizier. Das ist soweit die grobe Hintergrundgeschichte, die die Schüler*innen umsetzen durften. Über drei Stunden hinweg arbeiteten sie dann konzentriert an ihren Produkten und insgesamt entstanden dabei folgende Ergebnisse:


2x Zeitungsartikel, 1x Nacherzählung, 1x Comic, 1x Theaterplakat, 2x Minecraft-Videos, 1x animiertes Video und ein Drehbuch.

Ein paar der Ergebnisse möchte ich euch dabei nicht vorenthalten, um euch einmal einen Einblick zu geben, wie gut diese Arbeit funktioniert hat:

Das Theaterplakat
Der Comic
Ein Ausschnitt aus dem Drehbuch
Bild aus dem animierten Video
Bild aus einem Minecraft-Video

Ich hoffe, dass ihr anhand der Bilder sehen könnt, wie begeistert ich von meinen Schüler*Innen war. In der Nachbesprechung wurde auch angemerkt, dass sie sowohl die Ergebnisse toll fanden als auch die Möglichkeit, einmal kreativ arbeiten zu dürfen. Die Schüler*Innen waren es nicht gewohnt, sich ihre Art der kreativen Textinterpretation aussuchen zu dürfen. Aber nicht die Schüler*Innen, sondern auch ich habe beim Herumgehen das ein oder andere Programm gefunden, welches ich dann gleich einmal selbst ausprobieren musste. Das beste Beispiel hier ist wohl die App StickNodes, mit welcher das oben genannte animierte Video entstanden ist.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich mich entschieden habe, hier keine kreative Art der Textinterpretation vorzugeben. Auch wenn es zeitlich ein wenig aufwendig war, rechtfertigen die Ergebnisse diese Methode gerade nach zwei Klausuren aus meiner Sicht auf jeden Fall. Das schöne ist, dass sich diese Methode dabei auch problemlos auf andere Sprache übertragen lässt. Abgesehen von der Textbasis lassen sich die oben genannten Arbeitsaufträge auch genau so in Englisch, Französisch oder anderen Sprachen anwenden. Wenn ihr also auch einmal solche tollen Ergebnisse von euren Schüler*Innen haben wollte, kann ich euch nur raten, es mal so oder ähnlich zu versuchen. Ich bin schon gespannt, was eure Schüler*Innen so erstellen!

[Classroom-Management] Kampf der Titanen

Computerspiel, Latein

Im August hatte ich meinen „Kampf der Titanen“ als Classroom-Management bereits einmal kurz vorgestellt und heute gibt es das komplette System als Abschied vor der kommenden Weihnachtspause von mir für euch.

Die Idee

Die Idee zum Projekt „Kampf der Titanen“ entstand eines Abends vor dem Fernseher beim Zippen durch Netflix. Als klassische Philologin und Historikerin fühlt man sich von antiken Filmen in der Regel besonders angezogen und so sah ihr mir den Film „Kampf der Titanen“ einmal an. Ich muss gestehen, besonders unterhaltsam fand ich den Film nicht, aber die Idee für den Unterricht auf der Basis dieses Films war geboren. Die Handlung des Films dreht sich um den Halbgott Perseus, welcher gegen Hades und für seinen Vater Zeus um die Weltherrschaft kämpft. Zum Zeitpunkt des Films stand ich vor der Aufgabe 10 Schüler*innen mit einem sehr heterogenen Lernstand optimal und individuell im Rahmen des Projekts „Brücken bauen“ zu fördern. Mir persönlich war es wichtig, in dieser Zeit das maximale aus jedem einzelnen Schüler*in herauszuholen und diese individuell zu fördern. Aus diesem Grund lag für mich die Anwendung eines Classroom-Managements auf der Hand, welches aber auch zugleich die Schüler*innen motivieren sollte. Mir gefiel die Rahmenhandlung des Films, dass verschiedene Parteien gegeneinander in einem Wettkampf angetreten sind. Aufgrund der großen Anzahl der Schüler*innen habe ich eine weitere Komponente hinzugefügt. So kämpften nicht nur Hades und Perseus gegeneinander, sondern es gab eine weitere, neutrale Komponente, die Menschen. Der Aufgabe war es, dass Gleichgewicht zwischen den beiden Parteien aufrecht zu erhalten.

Der Aufbau des Spiels

Das Spiel besteht aus Fähigkeitskarten und Pandorakarten. Alle Karten habe ich selbst entworfen und anschließend zur besseren Handhabung einzeln in der Größe einer Kreditkarte ausgedruckt und laminiert.

die einzelnen Teams

Die einzelnen Karten sind angelehnt an mythologische Figuren und sollen somit eine Nähe zum Stoff herstellen, aber auch die Neugierde der Schüler*innen wecken. Während der Durchführung konnte ich beobachten, wie sie die Karten neugierig studierten und gegeben falls die einzelnen Personen und Charaktere nochmals gesondert recherchierten. Bei den Fähigkeitskarten gibt es drei Abstufungen. Die stärkste Karte hat 70 Fähigkeitspunkte und die schwächste gerade einmal 20 Punkte. Durch das Kombinieren der Fähigkeitskarten mit den Karten der Pandora, können deren Fähigkeiten verstärkt werden. Auch ist es möglich mit Hilfe der Pandorakarten den Gegner zu schwächen.

Jedes Team besitzt eigene Fähigkeitskarten, welche farblich gekennzeichnet und in ihrer Symbolik unterschiedlich sind, sich aber in ihrer Wertigkeit nicht von den anderen Teams unterscheiden. Hierbei soll ein Gefühl der Zugehörigkeit zum Team erzeugt werden, indem man Karten in den Farben seines Teams sich erarbeiten kann.

Die Regeln

Die Regeln wurden den Schüler*innen offen kommuniziert. Mir war es insbesondere wichtig, dass sie sich bei den einzelnen Aufgaben Mühe geben und nicht nur durchhetzen.

  • Pro Tag muss mindestens eine Aufgabe aus jeder Kategorie bearbeitet werden.
  • Täglich dürfen daneben so viele weitere Kategorie- und Pandoraaufgaben wie gewollt, bearbeitet werden.
  • Die Karten werden nach der Kontrolle der jeweiligen Aufgaben durch die Lehrkraft ausgegeben.
  • Qualität, vor Quantität.

Der Einstieg

Zu Beginn der zehnstündigen Einheit habe ich die Lerngruppe mit Hilfe des Hörbuchs „Griechische und römische Sagen“, welches von Rick Riordan verfasst wurde, und der passenden Erzählung zum Perseus-Mythos auf das Thema eingestimmt. Die Sage wurde durch den Autor in die heutige Zeit rezipiert und wurde von den Schüler*innen sehr gut angenommen. Insbesondere die zeitgemäßen Elemente kamen bei der Lerngruppe positiv an. Nach der kurzen Einführung, der Einteilung der Klasse in drei Gruppen und dem Erklären des Regelwerks ging es auch schon los.

Die Durchführung

Die Schüler*innen hatten nun sieben Schulstunden Zeit, Karten für ihr Team zu erarbeiten. Geplant war für die kommenden Stunde eine digitale Durchführung der einzelnen Aufgaben via TaskCards (hier). Im Vorfeld hatte ich auf die digitale Pinnwand bereits geeignete Übungen gepackt, welche die Schüler*innen selbstständig und in Auswahl ihrer eigenen Schwächen bearbeiten sollten. Auch die Wiederholung der Vokabeln war hierbei auf spielerische Art und Weise vorgesehen. Durch die Anwendungen LearningApps, Wordwall und deck.toys hätte ich spezifisches Feedback nach der Durchführung der einzelnen Übungen erhalten und hätte so jeden einzelnen Schüler*in nochmals individuell fördern können. Teilweise wurden die Blätter zusätzlich analog herausgegeben, um die Übersetzungen händisch korrigieren zu können.

Bevor die Schüler*innen nach dem Bearbeiten der einzelnen Übungen eine Fähigkeits- oder Pandorakarte erhalten haben, habe ich jedes Arbeitsblatt und jede Übersetzung korrigiert und anschließend mit ihnen besprochen. So konnte ich, während der Rest der Lerngruppe gearbeitet hatte, mit jedem einzelnen Schüler*in an seinen Schwachstellen arbeiten und diesen individuell, in seinem Tempo und nach seinen Bedürfnissen fördern. Hiermit hatte ich auch die Kontrolle, ob er es verstanden hat und ob weitere individuelle Übungen notwendig sind. Dieses Vorgehen hat dazu geführt, dass mir ein Großteil der Schüler*innen als Feedback mit auf den Weg gegeben hat, dass sie erstmals komplexe Themen wie das PC wirklich verstanden haben.

Der Kampf der Titanen

Am Ende der Woche wurde „der Kampf der Titanen“ nun durchgeführt. Mit Hilfe ihrer erarbeiteten Karten haben die Schüler*innen innerhalb ihrer zuvor eingeteilten Gruppe gegen die anderen zwei Teams gekämpft. Gewonnen hatte am Ende die Gruppe, welche besonders taktisch klug im Umgang mit ihren Karten agiert hatte.

Kampf der Titanen

Reflexion

Am Ende der Einheit habe ich meine Schüler*innen nochmals um eine kurze Reflexion gebeten. Als Feedback der Einheit hat die Lerngruppe mir mit auf den Weg gegeben, dass sie durch den Einsatz und Erwerb der Karten besonders motiviert waren, hart an sich zu arbeiten. Auch das Ausgeben von Karten an gegnerische Gruppen hat ihre Motivation positiv angeregt. Auch ich ging positiv gestärkt aus dieser Einheit heraus, denn ich konnte jedes einzelne Mitglied der Lerngruppe individuell fördern und das Maximum aus jedem Einzelnen herausholen. Für meine nächste Durchführung werde ich neben dem persönlichen Feedback dieses nochmals auditiv als QR-Code an die Schüler*innen mit spezifischen Erklärungen herausgeben, damit sie sich ihre individuellen Fördermaßnahmen jeder Zeit nochmals in ihren eigenen Lerntempo anhören und erarbeiten können.

Material

Kartenset: https://eduki.com/de/material/578162/classroom-management—goetter-der-antike-i-kampf-der-titanen