[Lernlandkarte] Interaktive Bilder mit Genial.ly erstellen

digital, Geschichte, Methode, Methodik, Neuzeit

Das erste Thema im neuen Schuljahr bei meinen Großen ist die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Wir behandeln hier die großen Themen bis zur Gründung beider Deutschen Staaten 1949. Nachdem die Mädels bei der letzten Lernlandkarte bereits das selbstständige Lernen positiv hervorgehoben haben und ich kein Fan von Leerläufen im Unterricht bin, starten wir mit eben dieser Methode ins neue Schuljahr. Diesmal heißt das Tools allerdings nicht Moodle/mebis, sondern Genial.ly, da ich hier wesentlich mehr gestalterische Möglichkeiten habe und die Lernlandkarte wesentlich einfach und schneller zu gestalten ist.

Die Lernlandkarte

Die Lernlandkarte habe ich mit Canva erstellt und anschließend bei Genial.ly hochgeladen. Gewählt habe ich hierfür das interaktive Bild. Wer das Erstellen mit Canva umgehen möchte, kann sich auch bei Genial.ly einmal umschauen und hier eine kostenlose- oder auch kostenpflichtige Vorlage auswählen. Ich habe für meine Lernlandkarte komplett mit der kostenfreien Version gearbeitet.

Anschließend kann ich direkt meine Vorlage hochladen und das Tool passt die Leinwand automatisch an die Größe meines Bildes an.

Das Erstellen von Interaktionen

Anschließend lande ich im Editor und kann mit dem Erstellen meiner interaktiven Bildes beginnen. Auf der linken Seite wird die Navigation des Editors angezeigt und ich benötige für das Erstellen meines interaktiven Bildes hauptsächlich den Reiter „interactive elements“. Hier kann ich sowohl die Symbole für die Interaktionen auswählen als auch die Interaktionen selbst erstellen. Des Weiteren kann ich im Editor auch Texte und Bilder hochladen, wenn ich die Lernlandkarte nicht vorher erstellt habe.

Habe ich mich nun für mein erstes Symbol im Editor entschieden, klicke ich dieses an und ziehe es anschließend auf die gewünschte Position auf meiner Lernlandkarte. Mit einem erneuten Klick öffnet sich über dem Symbol ein Menü. Nun wird die Auswahl „Interactivity“ benötigt, um eine Interaktion zu erstellen.

Im nun geöffneten Fenster kann ich den sich hinter der Interaktion befindlichen Inhalt näher definieren.

Persönlich habe ich mich in allen Fällen für die Option „Window“ entschieden, denn hier öffnet sich ein Dokument, bei welchen ich jegliche Inhalte hochladen und einbetten kann und somit auch eine Aufgabenstellung mit mehreren Komponenten und Inhalten generieren kann.

Solltet ihr eine LearningApp etc. einbetten wollen, ist es wichtig, dass ihr vorher die Texteingabe auf html umstellt, den Code in das Textfeld kopiert und anschließend das Textfeld wieder zurück stellt.

Nachdem ich mit meiner ersten Interaktion durch bin, führe ich das Prozedere weiter durch bis ich alle für meine Lernlandkarte benötigten Interaktion verankert habe. Anschließend kann ich die Karte nun für meine Schüler*innen zugänglich machen.

Einsatz im Unterricht

In meinem Geschichtsunterricht erhalten die Mädels die Lernlandkarte via QR-Code auf ihrem Arbeitsheft, mit welchem sie selbstständig die Sequenz in ihrem eigenen Lerntempo erarbeiten und sichern werden. Anschließend werden wir diese noch gemeinsam besprechen. Veranschlagt sind hierfür insgesamt 7-8 Schulstunden. Im folgenden Video zeige ich euch noch einmal den konkreten Einsatz in der Praxis.

Blogpost als Tutorial?

Pixton – Comics gestalten im Unterricht

Comic, digital, Methode, Methodik

Dieser Artikel stammt von einer guten Freundin von mir, die freundlicherweise ihre Erfahrungen mit „Pixton“ im Englischunterricht mit uns teilt. Die kostenfreie Version ist für den Unterricht ausreichend, es kann aber auch die Vollversion sieben Tage lang getestet werden. Danke dir!

Vorüberlegungen

Seit einigen Wochen begleitet Shakespeare’s Macbeth meine 11. Klasse (Oberstufe, da G8) und mich nun schon. Da wir uns immer Mittwochnachmittags mit Macbeth beschäftigen, versuche ich in diese zwei Stunden viel kreative Arbeit einfließen zu lassen. Meine Oberstufe arbeitet zwar gerne, aber dennoch finde ich, dass ich sie nicht zur trockenen Textarbeit im Nachmittagsunterricht zwingen muss. Nachdem die Schüler*innen im Rahmen der Lektürearbeit bereits eine Charakterpositionierung sehr schön auf DIN A3 Blättern sowie einige Szenen schauspielerisch dargestellt hatten, war ich auf der Suche nach einer weiteren kreativen Aktivität, welche zudem Material für eine kleine Zeitung zum Reihenabschluss liefern sollte. Hierfür machte ich mich auf die Suche nach einem möglichst DGSVO konformen Tool.

Die ersten Schritte

Tja, was soll ich sagen? Das ZPG ( zentrales Fortbildungsprogramm für Lehrer in Baden- Württemberg) empfiehlt Canva, oder Pixton als Tool, um Comics mit Schüler*innen zu erstellen. Nachdem Canva schon sehr lange auf meiner Wunschliste steht, ich bisher aber nicht die Zeit und Geduld hatte, mich reinzufuchsen, entscheide ich mich für Pixton. Auf der Startseite muss ich einen Account als Lehrkraft anlegen, dies geht entweder über Facebook, oder Google – adios DGSVO. Nun gut, es sind ja „nur meine Daten“ und ich entscheide mich, ein Konto einzurichten. Zunächst erstelle ich einen Klassenraum, den ich „The Shakespeare Club“ nenne.

Ich richte meine Klasse auf Pixton an, indem ich alle Schüler*innen in eine Tabelle anlege. Jeder Schüler*in bekommt dann einen individuellen Zugangscode für den Raum.
Anschließend werde ich gefragt, welche Funktionen für die Schüler gesperrt sein sollen- Ich überlege, ob Rollstuhlfahrer und blinde Menschen ausgeschlossen werden sollen und entscheide mich dagegen. Wieso soll ich diese Möglichkeit meinen Schüler*innen verwehren? Aber, ich finde es nicht schlecht, dass man als Lehrkraft Einschränkungen machen kann. Es mag ja Klassen geben, die noch mehr Flausen im Kopf haben, als meine Oberstufe 😊

Als ich mich daran mache, meinen Avatar zu gestalten, stelle ich mir bereits meine Oberstufe vor, wie alle begeistert ihre Avatare gestalten und ich grinse. Ja, das könnte Spaß machen. Ich kann unter sehr vielen Möglichkeiten für die Hautfarbe, Haarfarbe, Haarschnitt und Make-up wählen, ebenso kann ich zwischen unzähligen Outfits und Accessoires wählen- ach, ich könnte damit Stunden verbringen.

Klassenbild des Kurses bei Pixton

Die Aufgabe, die ich den Schüler*innen gebe, ist folgende: Gestaltet Akt 4 Szene 3 in 3 Comic-Bildern. Verwendet die zur Verfügung stehenden Gestaltungsmöglichkeiten so, dass man auch als Leser, der das Stück und die Szene nicht kennt, versteht, um was es geht. Die Schüler fangen mit Feuereifer an zu arbeiten und immer wieder hört man Gelächter. Am Ende der knapp 50min sind wir alle sehr stolz. Es sind tolle Comics entstanden, die Ergebnisse lade ich auf die schulinterne Plattform hoch, damit man alle Ergebnisse begutachten kann.

Beispiel aus dem Unterricht

Nun zwei Fragen, die man sich ja als Lehrer am Ende stellt: Was haben die Schüler*innen gelernt, wie ging es ihnen dabei? Die Schüler*innen haben gelernt, eine kurze Szene mit durchaus wichtigem Inhalt in den drei Comicszenen festzuhalten- sie mussten sich also auf das Wesentliche beschränken. So viel, wie an dem Nachmittag gelacht wurde, gehe ich mit der Gewissheit aus der Schule, dass die Schüler Spaß hatten und vielleicht auch noch in Jahren an die Comics denken.

Fazit

Pixton ist eine gute, webbasierte Seite, auf der man mit seinen Schüler*innen recht schnell Comics gestalten lassen kann. Gut finde ich, dass die Seite einen Zugang für Lehrkräfte anbietet und der Lehrer*in dann Zugangscodes für seine Schüler erhält. Ebenso gut hat mir die schier endlose Auswahl an Avataren und der Gestaltung dieser gefallen. Allerdings ist hier auch der Knackpunkt. Wie sehr lasse ich meinen Schülern die künstlerische Freiheit, Charaktere aus der Geschichte zu nehmen, die großes Leid über die Welt gebracht haben? Ich empfehle Pixton definitiv weiter und werde es bei meiner 7. Klasse anwenden.
Pixton eignet sich, meiner Meinung nach, in der Klassenstufe 7-12 sehr gut und die intuitive Handhabung erleichtern beiden Seiten, Lehrer*innen, wie Schüler*innen, das Arbeiten.

[alternative Prüfungsformate] Master or Die: Ein Versuch zur Plakatinterpretation

alternative Prüfungsformate, Bildquelle, Geschichte, Methode, Methodik

Immer wieder stelle ich fest, dass die Interpretation von historischen Quellen eine große Herausforderung im Geschichtsunterricht darstellt. Während einer Tafelrunde erfuhr ich von der Methode „Mater or Die“, von Björn Nölte.

Die Methode

Mittlerweile gibt es zwei Versionen von „Master or Die“ (hier), wobei ich mich auf die erste beziehe und meine Überlegungen auf die aufgebaut habe. Oftmals ist es im Schulalltag, dass der Lernprozess mit der Leistungsabfrage endet und die Schüler*innen sich nicht mehr mit dem Lerngegenstand aktiv befassen, sondern gleich zum nächsten Thema übergehen. Somit endet der Lernprozess vorzeitig und wird mit der Leistungserhebung abgeschlossen. Bei diesem Ablauf wird somit die Reflexion der eigenen Fehler und eine Verbesserung dieser komplett ausgeschlossen. Während meiner eigenen Schullaufbahn musste ich zwar die Fehler in meinem Aufsatz oder ähnlichen Erhebungen nochmals verbessern, aber so wirklich Gedanken habe ich mir darüber nicht gemacht. Es wurde zwar kontrolliert, aber mehr als ein Hacken war dies nicht. Dies ist Schade, denn somit geht ein wichtiger Teil des Lernprozesses verloren. Hier setzt die Methode „Master or Die“ an. Nicht die Leistungsabfrage als endgültiges Medium bestimmt die Note, sondern die Schüler*innen haben die Möglichkeit ihre Fehler und somit auch ihre Note zu verbessern, wenn sie dies möchten. Der Vorgang kann, so die Theorie, belieb oft wiederholt werden. Somit findet eine Auseinandersetzung und Reflektion der eigenen Fehler statt, welche zu einem vertieften und nachhaltigerem Verständnis des Unterrichtsgegenstands führt. Zudem findet die Leistungserhebung nicht punktuell an einem Tag statt, sondern erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Schüler*innen werden somit nicht an Tagen geprüft, wo es ihnen nicht gut geht, sie Probleme oder einfach einen schlechten Tag haben. Dies kann unterrichtsbegleitend geschehen, wie es Steffen Siegert sehr ausführlich in einem Blogbeitrag (hier) schildert oder, so meine Auffassung, auch im Unterricht. Bei mir war es letztendlich eine Mischung aus beidem.

Die Durchführung

Die Interpretation im Geschichtsunterricht ist der Olymp der Methodik, die unser Fach zu bieten hat und somit sehr anspruchsvoll. Während die Beschreibung und Analyse in der Regel noch gut funktioniert, ist die korrekte und vor allem plausible Deutung oftmals eine große Herausforderung. Neben dem fachlichen Inhalt war es mir ebenso wichtig, dass die Schülerinnen die Methode verstanden haben und anwenden können. Das anfertigen einer gute Interpretation ist ein Lernprozess und somit ideal für „Master or Die“. Konkret ging es um die Plakatinterpretation. Um die Mädels an die Methodik heranzuführen, habe ich ihnen das Plakat, ein Wahlplakat aus der Weimarer Republik, sowie zwei Abgabetermine vorgegeben. Des Weiteren sind wir nochmals nach einer gemeinsamen Übung, die einzelnen Schritte der Plakatinterpretation mit dem Schwerpunkt „Wahlplakat“ durchgegangen. Anschließend startete der Erarbeitungsprozess. Wer es zum ersten Termin abgab, bekam die Chance eine zweite korrigierte Version zum zweiten Termin abzugeben. Eine Pflichtabgabe bestand lediglich für den zweiten Termin. Etwa 90% der Mädels haben aber bereits beim ersten Termin eine Abgabe getätigt. Alle haben diese anschließend nochmals abgegeben und sich verbessert. Manche hatten sich davor aber zweimal überlegt, ob sie es wirklich noch einmal verbessern wollen oder sich mit der ersten Note zufrieden geben. Während der Unterricht, parallel dazu wurde eine Einheit mit selbstständigem Lernen durchgeführt, durften die Mädchen so oft und so viele Fragen zu ihrer Interpretation stellen, wie sie mochten. Einige haben hier ihre Interpretationen angefertigt, andere in Heimarbeit, um anschließend im Unterricht Fragen zu stellen. Googlen bzw. Recherchieren war jederzeit erlaubt, wurde aber erstaunlich selten gemacht. Die Abgaben der Schülerinnen waren teilweise mit dem PC, aber auch teilweise zweimal per Hand geschrieben. Hier durften sie selbstständig ihre Präferenz wählen.

Feedback der Mädels

Die Mädels haben sich alle sehr positiv gegenüber der Lernlandkarte geäußert, auch wenn in meinen Augen bei manchen in Hinblick auf die Note noch Luft nach oben gewesen wäre. Insbesondere die zweite Chance für eine Verbesserung und somit die Möglichkeit für das Ausgleichen der eigenen Fehler empfanden sie als gewinnbringend.

Meine Feedback

Auch ich bin von der Methode absolut überzeugt und werde mich immer weiter an die Vorlagen von Björn Nölte und Steffen Siegert heranwagen. Für mich war dieses Vorgehen ein gelungener Einstieg und ich kenne jetzt die Stellschrauben, an denen ich noch arbeiten muss, um die Durchführung noch reibungsloser von Statten gehen zu lassen. Insbesondere den zeitlichen Aufwand der Vor- und Nachbereitung sowie der Durchführung im Unterricht hatte ich unterschätzt. In Zukunft dürfen die Mädchen auch selbstständig ihre Quelle aussuchen, denn ich bin immer dabei und zur Stelle, wenn es Fragen gibt. Aber sie dürfen auch alleine arbeiten und sich selbstständig der Herausforderung stellen. Somit werden neben dem historischen Wissen auch viele weitere, lebenswichtige Kompetenzen geschult.

Weitere Erfahrungsberichte

Blackout Poetry im Geschichtsunterricht

Geschichte, Methode, Methodik, Neuzeit, Textquelle

Aktuell befinde ich mich mit meinen 8.Klassen in der Zeit zwischen dem Wiener Kongress und der Märzrevolution. Hierbei steht auch der Umgang mit politischen Lieder auf dem Lehrplan. Das „Lied der Deutschen“ geht hierbei auf ein Gedicht von Hoffmann von Fallersleben zurück. Im Twitterlehrerzimmer hatte ich zuvor schon oftmals von Blackout Poetry gelesen, insbesondere im Kontext mit dem Deutschunterricht.

Was ist Blackout Poetry?

Blackout Poetry im klassischen Sinne bezeichnet im klassischen Sinne das Lesen zwischen den Zeilen. Aus Wörtern, die einem beim Lesen ins Auge fallen, soll ein neues Gedicht aus dem vorgegeben Text entstehen. Hierbei werden alle Wörter, die nicht mehr zum neuen Gedicht gehören, schwarz markiert, während die verblieben Wörter weiß bleiben oder auf eine andere Art und Weise hervorgehoben werden. Hierbei findet eine kreative Auseinandersetzung mit dem Text statt. Ann-Christin hat auf ihrem Blog einen tollen Beitrag (hier) verfasst, welcher die Methode aus Sicht der Schreibpädagogik nochmals genau erläutert.

Blackout Poetry im Geschichtsunterricht

Nun bin ich jetzt allerdings keine Deutschlehrerin, sondern unterrichte die Fächer Latein und Geschichte. Somit viel meine Wahl für den Einsatz der Methode auf den Geschichtsunterricht, da wir uns dort aktuell mit literarischen Texten befassten. Zu diesen Texten, genauer gesagt zum „Lied der Deutschen“ sollte ein Blackout Poetry entstehen. Hierbei hielt ich mich an die formellen Rahmenbedingungen fügte aber der Aufgabenstellung hinzu, dass die Wörter die zentralen Punkte des Gedichts markieren sollten und nicht ein neues Gedicht entstehen musste. Um den Arbeitsauftrag zu verdeutlichen, habe ich ihnen einige Beispiele aus dem Internet gezeigt und anhand derer die Methode erklärt. Ohne Beispiele ist es in meinen Augen etwas schwer, eine absolut unbekannte und spezielle Methode ausführen zu können. Aus diesem Grund würde ich beim erstmaligen Einsatz der Methode empfehlen, Beispiele zu Blackout Poetry zu zeigen.

Ergebnis und Fazit

Gemalt haben die Mädels etwa 30 Minuten und haben anschließend ihre Ergebnisse auf die Klassenpinnwand geladen. So konnten sie auch die Ergebnisse ihrer Mitschülerinnen anschauen und vergleichen.

Aufgefallen sind den Mädels vor allem die zentralen Elemente des Gedichts, welche so gut wie jede korrekt herausgearbeitet hat. Zudem das Anfertigen von kleinen Bildchen und Symbolen passend zu den zentralen Inhalten des Textes. Dies zeigt, dass sie sich wirklich mit dem Text auseinandergesetzt haben und ein Transfer stattgefunden hat, bei welchem sie sich Gedanken um eine mögliche graphische Untermauerung der zentralen Inhalte gemacht haben. Für mich hat sich der Einsatz dieser kreativen Methode definitiv gelohnt, denn es fand eine andere und in meinen Augen viel effektivere Herangehensweise an den literarischen Text statt, welche bei der „normalen“ Interpretation vielleicht nicht möglich gewesen wäre.

Instagramposts im Latein- und Geschichtsunterricht

Apps/Programme, digital, Geschichte, Latein, Methode, Methodik

Mit meinen Schülerinnen arbeite ich gerne digital und setze digitale Tools im Unterricht ein. Neben den digitalen Kompetenzen erachte ich auch die Medienerziehung und den Umgang mit Social Media als eine wichtige Aufgabe, die es zu fördern gilt. Aus Gründen des Datenschutzes ist es nicht so einfach mit den gängigen Social Media-Plattformen wie Twitter, Snapchat & Co. im Unterricht zu arbeiten. Zwar ist ein Großteil der heutigen Schüler*innen auf den bereits genannten Plattformen angemeldet, allerdings dürfen sie ihre privaten Accounts nicht im Unterricht einsetzen. Abhilfe bietet hierbei die Plattform zeoob.com.

zeoob.com

Mit Hilfe der Anwendung ist es möglich, Social Media-Beiträge zu verfassen, ohne dass sich die Schüler*innen auf der jeweiligen Plattform anmelden müssen.

Möglichkeiten mit zeoob.com

Egal ob TikTok, Snapchat oder Instagram, die Anwendung bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Besonders beliebt ist bei meinen Schülerinnen Instagram, dessen Vorlage sie gerne einsetzen, wenn wir Social Media-Posts im Unterricht erstellen.

Einsatz im Geschichtsunterricht

Instagram setzte ich daher gerne ein, um einen historischen Aspekt darzustellen. Sei dies, aus heutiger Sicht oder aus zeithistorischer Perspektive. Erfahrungsgemäß tun sich die Schüler*innen, insbesondere die jüngeren Klassen, leichter, wenn sie einen historischen Aspekt aus heutiger Sicht darstellen sollen. In diesem Fall ist das Anforderungsniveau niedriger und sie müssen sich nicht in die Situation der Person hineinversetzen. Schwieriger wird die Aufgabenstellung, wenn der Post aus zeithistorischer Perspektive verfasst werden soll, wie im Beispiel zu sehen.

Die Schüler*innen müssen sich Gedanken über die Art der Artikulation der jeweiligen Person machen und ihren Charakter bestmöglich nachahmen. Hierfür ist eine hohe Transferleistung erforderlich, welche auch ein hohes zeithistorisches Verständnis voraussetzt. Die Schüler*innen lernen bei der Erstellung eines Instagramposts nicht nur ein hohes historisches Verständnis des jeweiligen Lerngegenstands, sondern auch den zeithistorischen Kontext genau zu untersuchen und zu verstehen. Die im Unterricht entstandenen Beiträge können anschließend auf einer digitalen Pinnwand gesammelt und gegenseitig kommentiert werden.

Einsatz im Lateinunterricht

Neben dem Geschichtsunterricht kann zeoob.com auch im Lateinunterricht eingesetzt werden. Hierbei bietet sich die Wiedergabe eines literarischen Inhalts mit Möglichkeit zu einem interpretatorischen Kommentar an, aber auch das Zusammenfassen eines Lektionstextes oder die Vorstellung eines Charakters oder Autors der lateinischen Welt.

Beim Erstellen des Posts wird von den Schüler*innen gefordert, die zentralen Inhalte knapp und prägnant zusammenzufassen. Hierfür ist es notwendig, dass sie den Text verstanden und in seinen Einzelheiten erfasst haben. Auch ein mögliches Streitgespräch in den Kommentaren, beispielsweise im Themenschwerpunkt „Philosophie“ ist möglich.

Thematisierung von Social Media und Fake News

Neben den fachlichen Inhalten bietet sich die Arbeit mit zeoob.com an, über Social Media und Fake News allgemein zu sprechen. Während der praktischen Anwendung sehen die Schüler*innen, wie leicht es ist, den Inhalt zu faken. Auch die Tatsache, dass die Welt von Instagram manchmal mehr Schein als Sein ist, sollte in meinen Augen thematisiert werden. Viele Jugendliche gehen viel zu leichtgläubig mit dem Thema um und glauben alles, was irgendwelche Stars und Influencer von sich geben.

Musicals im Geschichtsunterricht

DDR, Erster Weltkrieg, Geschichte, kritischer Umgang, Methode, Methodik, Musical

Persönlich bin ich ein absoluter Fan von Musicals. Insbesondere „Elisabeth“ und „I am from Austria“ haben es mir angetan. Für den Unterricht sind beide nicht so geeignet, dafür eine ganze Reihe anderer Musicals.

Hamilton

Der Musical-Hit aus den USA beschreibt das Leben des Gründervaters und späteren Finanzminister Alexander Hamilton. Aufgrund von Corona sind bis jetzt nur einige Titel auf Deutsch erschienen, sodass man mit einer Übersetzung im Geschichtsunterricht arbeiten muss, da der Text sehr schnell bzw. der Rap nicht so gut verständlich ist. Bis jetzt ist nur ein kurzer Remix in Übersetzung veröffentlicht worden. Ich hab den Anfang dessen eingesetzt, um die Biografie Alexander Hamiltons zu erarbeiten und einen vergleich zwischen Musical und Realität zu schaffen.

Ein weiteren Clip von den Tony Awards habe ich mit deutschem Untertitel am Ende der Einheit zur Amerikanischen Revolution eingesetzt. Hierbei kann man nicht nur die Schlacht bei Yorktown und die Amerikanische Revolution selbst wiederholen, sondern auch die Laudatio von Michelle und Barack Obama analysieren. Zudem habe ich die Art von Geschichtsvermittlung als Musical mit meinen Mädels diskutiert. Zudem eignet sich der Clip hervorragend, um zur Französischen Revolution überzuleiten, da der General La Fayette sagt, dass er zurück nach Frankreich geht und dort sein Volk befreit. Anhand dieser Aussagen kann man eine Irritation schaffen und die Französische Revolution mit Bezug zur Amerikanischen Revolution einleiten.

In beiden Klassen habe ich den Auszug mehrmals angeschaut, weil meine Mädels so begeistert von der Darstellung der Künstler*innen waren und den Inhalt am Anfang gar nicht richtig wahrgenommen haben.

Die Gefährten

Im Ersten Weltkrieg spielen auch Tiere eine wichtige Rolle, wie es auch im Musical „Die Gefährten“ gezeigt wird. Hierbei geht es um die Erlebnisse eines Pferdes im Krieg. Der Ausschnitt aus dem Musical eignet sich nicht nur zur Wiederholung des Krieges, sondern auch als Hinführung zum Kriegsende. Auch die Äußerung, dass das Kaiserreich besiegt wurde, bietet Gesprächsanlass im Sinne der Multiperspektivität.

Anastasia

Das Musical „Anastasia“ schildert das Leben der Zarentochter Anastasia gemäß dem Disney-Film. Den folgenden Titel (bis 2:13min) habe ich genutzt, um die Russische Revolution einzuführen und die wichtigsten Merkmale dieser zu erarbeiten, bevor wir in eine detaillierte Quellenarbeit gegangen sind. Anschließend haben wir das Musical und das Leben der Zarentochter gegenübergestellt und überlegt, wie Disney auf seine Version des Lebens kam und welche Gefahren sich in dieser falschen Darstellung einer historischer Gegebenheit verbergen.

Hinterm Horizont

Das Musical mit Hits von Udo Lindenberg spiegelt das Leben des Künstlers wieder. Udo Lindenberg verliebte sich in ein Mädchen aus Osterberlin und beschreibt diese Liebe und die damit verbundenen Probleme in seinen Liedern. Der Titel „Mädchen aus Osterberlin“ beschreibt beispielsweise die Beziehung Udos aus Westberlin zu seinem Mädchen aus Osterberlin. Eine Liebe im geteilten Berlin, welche für viele Menschen Alltag war, genauso wie das Leben mit der Teilung und den damit verbundenen Problemen.

Im Unterricht habe ich ausgewählte Lieder des Musicals und weitere zum Thema passende Titel in Gruppenarbeit analysieren und in ihren historischen Kontext setzen lassen. Anschließend haben wir gemeinsam die Verbreitung von historischen Ereignissen in der Musik diskutiert.

Fazit

Die gezeigten Beispiele habe ich in den Klassen 8-10 eingesetzt und bin jedes Mal auf Begeisterung gestoßen. Musicals sind etwas ganz besonders und vor allem die künstlerischen Darstellungen haben meine Mädels begeistert.

Bonusaufgaben für schnelle Schüler*innen

Methode, Methodik, Zusatzaufgaben

Jede*r kennt das Problem: Was machen, wenn Schüler*innen früher mit ihren Aufgaben fertig sind als ihre Mitschüler*innen? Zusätzliche fachliche Aufgaben können als Strafe empfunden werden und sollen eigentlich der ganzen Klasse zugute kommen und nicht nur einzelne Schüler*innen fördern. Manchmal haben die Schüler*innen in vorherigen Stunden bereits Hausaufgaben bekommen oder Lesen ein Buch, um die Zeit zu überbrücken. Wichtig ist, dass alle Schüler*innen genug Zeit zum Lösen der Aufgaben erhalten, um zu verhindern, dass jemand den Anschluss verliert. Insbesondere bei komplexeren Aufgaben ist eventuell eine zusätzliche Hilfestellung oder Differenzierung notwendig.

Um zu verhindern, dass sich schnelle Schüler*innen langweilen und Unruhe entsteht, hab ich eine Kartei für Bonusaufgaben (hier) erstellt. Diese enthält diverse Karteikarten mit kleinen Rätseln, kreativen Aufgaben, Sketchnotes und Denkspielen. Lösungen und Anwendungen sind dabei durch einen QR-Code verlinkt. Es findet also eine Förderung diverser Fähigkeiten und Kompetenzen statt, welche auch dem eigentlichen Fachunterricht zu Gute kommen können. Zudem werden keine fachlichen Aufgaben vorweggenommen, die die langsameren Schüler*innen dann beispielsweise als Hausaufgabe erledigen müssen.

Die Karten werden von meinen Schülerinnen sehr gut angenommen und teilweise sogar mit nach Hause genommen, um sie gemeinsam mit den Geschwistern oder der Familie zu lösen. Durch eine stetige Erweiterung der Kartei findet keine Langeweile statt und es gibt immer neue Bonuskarten für meine Mädels.

Material

Meine Auswahl kann hier als Vorlage verwendet werden.

Inspirationen für die Kärtchen habe ich mir unter anderem hier geholt.

[alternative Prüfungsformate] Netflix-Serie

alternative Prüfungsformate, digital, Geschichte, Methode, Methodik, Neuzeit

Die Idee zu diesem Unterrichtsprojekt stammt von Stefan Fassnacht, welche er auf der mobile Schule digital im November vorgestellt hat.

Netflix, Amazon Prime und wie sie alle heißen. Fast jeder von uns nutzt Streaming-Dienste als Ersatz oder Ergänzung zum Programm der alltäglichen Fernsehprogramme. Meine Mädels sind beispielsweise große Fans von Gossip Girl und Haus des Geldes, zwei Serien, welche zum Beispiel auch beim Anbieter Netflix zu finden sind. Somit sind sie mit dieser Art von Anwendung bereits vertraut und ich kann an ihre Lebenswelt problemlos im Unterricht anknüpfen. Die Aufgabe der Mädchen war es nun, mit Hilfe eines Templates, ihre eigene Netzflix-Serie zu konzipieren.

Die Rahmebedingungen

Ende Dezember hatte ich mit meinen 10.Klassen den Kalten Krieg abgeschlossen. Die anschließende deutsch-deutsche-Problematik empfinde ich als sehr komplex, sodass ich mich entschlossen habe, mit der Mauer zu beginnen. Hierbei waren mir diverse Themen wichtig, welche auch für den weiteren Unterrichtsverlauf von Bedeutung sind. Entschieden habe ich mich letztendlich für sieben Schwerpunktthemen:

  • Bau der Mauer
  • Bahnhof Friedrichstraße und der Kontakt zwischen Ost- und Westberlin
  • Mauerflüchtlinge
  • Mauertote
  • Grenzanlage und Grenztruppen
  • Migration DDR-BRD
  • Mauerfall

Zu diesen Themen habe ich eine TaskCard (hier einsehbar) mit Leitfragen und Quellen sowie Darstellungen für jede Gruppe bereitgestellt. Zudem habe ich jeder Gruppe ein Template mit Google Slides für die Serie zur Verfügung gestellt, auf welchem sie kollaborativ arbeiten konnten. Das Template, welches dem typischen Aufbau von Netflix nachempfunden ist, stellt hierbei den Rohbau für die Serie dar und macht das Projekt realer. Eine Kollegin, die am Ende der Stunde kurz rein kam, dachte auf den ersten Blick bei der Präsentation meiner Mädels tatsächlich, dass wir gerade eine echte Netflix-Serie behandeln.

Die Erarbeitung

Die Aufgabe der Schülerinnen war es nun mit den vorgegebenen Materialien, welche sie jederzeit ergänzen durften, eine Netflix-Serie zu erstellen. Die Mädels sollten eine Titelseite sowie eine Seite mit vier Folgen erstellen sowie diese bebildern und einen Text dazu schreiben. Gedreht wurde keine Serie, sondern nur theoretisch angelegt. Hierbei war mir wichtig, dass es keine Dokumentation, sondern eine Serie wird, da sie sich hierbei intensiv mit dem Stoff auseinandersetzen mussten. Zudem war es Bestandteil der Aufgabe, eine historische Quelle in die Serie einzubauen und diese bei der anschließenden Präsentation der Serie kurz zu erläutern. Im Vorfeld hatte ich zudem einen detaillierten Erwartungshorizont sowohl analog als auch in mebis als Rubrik hinterlegt. Mit Hilfe der Vorlage konnten die Gruppen ausführlich sehen, was sie für welche Anzahl von Punkten leisten mussten und sich immer wieder selbst in Hinblick auf die verschiedenen Rubriken evaluieren. Mit ihrer Note erhalten sie auch ein Feedback mit Hilfe der Rubrik via mebis.

Nachdem ich den Mädels das Projekt vorgestellt hatte, haben diese etwa 3-4 Wochen mit jeweils zwei Unterrichtsstunden in der Woche intensiv an dem Projekt gearbeitet. Hierbei stand ich ihnen jederzeit für Rückfragen zur Verfügung, habe sie aber ansonsten selbstständig arbeiten lassen. Die finale Arbeit wurde abschließend via mebis abgegeben.

Die Präsentation

Nach der Abgabe hat jede Gruppe ihr finales Werk präsentiert und ihre Quelle der Klasse erläutert. Es war toll zu sehen, wie begeistert die Mädels von den einzelnen Arbeiten waren und wie sie die Präsentationen ihrer Mitschülerinnen wertgeschätzt haben.

Die Sicherung

Im Anschluss an die Präsentationen fand die Sicherung des Projektes statt. Gemeinsam habe ich mit der Klasse die einzelnen Felder erarbeitet, wobei erst die an der Präsentation beteiligten Schülerinnen ihr gelerntes Wissen wiedergeben sollten und anschließend die Expertinnen auf dem jeweiligen Thema ergänzt haben.

Schülerinnen-Fazit

Als Rückmeldung haben mir die Mädels mit auf den Weg gegeben, dass ihnen insbesondere die freie und eigenständige Arbeit in Gruppen sehr gut gefallen hat. Sie empfanden die selbstständige Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff als sehr spannend und bereichernd. Zudem hat ihnen die kreative Arbeit Freude bereitet und sie empfanden das Projekt als „sehr cool“. Auch die Art der Präsentation hat ihnen sehr gefallen, insbesondere die moderne Interpretation der sonst eher klassischen Referate.

Mein Fazit

Persönlich bin ich sehr stolz auf meine Mädels und die Ergebnisse, die sie präsentiert haben! Sie haben wunderbar zusammengearbeitet, gemeinsam die Vergangenheit entdeckt und Begeisterung für ihr Thema entwickelt und es selbstständig sowie nachhaltig erarbeitet. Teilweise saßen sie schon an ihrer Arbeit beisammen, obwohl ich noch nicht einmal anwesend im Klassenzimmer war. Die entstandenen Noten sind auch allesamt positiv ausgefallen.

Material

Bildquellen

Powerpoint Karaoke als Präsentationstraining

Methode, Methodik

Spontanität, Ausdrucksstärke, Souveränität und die Präsentation und Wiedergabe von Sachverhalten sind Kompetenzen, welche nicht nur in der Schule von Bedeutung sind, sondern auch im späteren Berufsleben. Umso wichtiger ist es, diese Kompetenzen neben dem fachlichen Inhalt zu schulen. Um die Präsentationsfähigkeit zu schulen, aber auch den Umgang mit unerwarteten Situationen sowie Spontanität, eignet sich die Methode der Powerpoint Karaoke. Zudem kann man mit den Präsentationen ebenso schöne Vertretungsstunden gestalten.

Was ist Powerpoint Karaoke?

Auch wenn die Bezeichnung der Methode anderes vermuten lässt, wird bei der Powerpoint Karaoke nicht gesungen. Lediglich die spontane Darbietung und der unbekannte Titel wurden übernommen. Bei der Powerpoint Karaoke geht es darum, eine Präsentation zu halten, welche zuvor unbekannt oder nur wenige Minuten zuvor gesehen wurde und dies in einer vorgegebenen Zeit. Hierbei geht es nicht darum, den Inhalt korrekt wiederzugeben, sondern spontan, kreativ und gleichzeitig souverän zu agieren, ohne sich anmerken zu lassen, dass man die Präsentation nicht kennt.

Durchführung im Unterricht

Für den Unterricht in einer 8.Klasse habe ich die Methode leicht abgewandelt und meine eigenen Rahmenbedingungen gesetzt.

  • Zeit pro Präsentation: 3-4 Minuten (kein vorzeitiger Abbruch)
  • Präsentation eines unbekannten Schaubildes
  • Einzel- oder Partnerpräsentation; niemand wird gezwungen zu präsentieren

Um in 45 Minuten jedem Mitglied der Klasse die Chance auf eine Präsentation zu geben, habe ich für die einzelnen Vorträge ein Zeitlimit von drei Minuten festgesetzt. Hierfür habe ich ihnen einen Timer gestellt und auf das Pult gelegt. Selbst habe ich mich zurückgenommen und in eine freie Bank gesetzt. War eine Präsentation nach der vorgegebenen Zeit allerdings noch nicht beendet, habe ich die Referierenden in Ruhe aussprechen lassen, damit sie ihre Präsentation beenden konnten. Ein abrupter Abbruch erschien mir angesichts des Alters und der Unbekanntheit der Methode doch zu hart.

Zudem habe ich mich aufgrund der Zeit und mangelnder Vorlage gegen die Vorstellung von Präsentation und für Schaubilder entschieden. Die Vorteile sind hierbei, dass alle wichtigen Informationen auf einen Blick zu erkennen und grafisch untermalt sind. Vorstellen durften die Mädels diese wahlweise in Einzel- und Partnerarbeit, wobei sie die Präsentation erst zu Gesicht bekamen als der Timer und somit ihre Zeit gestartet war. Sie mussten also absolut spontan handeln und hatten dabei keine Vorbereitungszeit. Die einzelnen Präsentationen hatte ich zuvor durchnummeriert und auf einem Stick mitgebracht. Die Schülerinnen habe dann wahllos eine Zahl zwischen 1-18 nenne dürfen und die jeweilige Präsentation erhalten. Alternativ kann man hier auch ein Glücksrad verwenden.

Fazit

Es war mein erster Durchgang mit dieser Methode und ich bereue es, sie nicht früher eingesetzt zu haben.

Die Mädels sind teilweise so auch sich herausgegangen und haben sich von einer anderen Seite gezeigt, wie ich es im normalen Geschichtsunterricht selten erlebt habe. Ich durfte viele neue Facetten an ihnen entdecken und war am Ende echt stolz auf sie. Sie haben gelernt, dass sie super spontan reagieren können und auch eine Lösung für ein Problem finden, wenn sie einmal nicht weiterwissen. Sie standen spontan an der Tafel und haben die einzelnen Präsentation gerockt, ohne Angst vor der Aufgabe zu haben. Sie sind in, passend zu den Präsentation, verschiedenen Rolle geschlüpft und haben diese imitiert. Besonders schön war, dass sie mit den Referierenden interagiert haben, wenn bei diesen eine kurze Pause entstanden war. Das haben sie absolut selbstständig ohne jegliche Anweisung meinerseits getan und damit auch gezeigt, wie sehr sie ihre Klassenkameradinnen bei kleinen Schwierigkeiten unterstützen und wie gut sie als Klasse zusammenhalten. Am Ende der Stunde haben sich auch noch einige Schülerinnen getraut, welche zuvor etwas skeptisch waren. Dies zeigt auch, wie hoch das Vertrauen ihrerseits in die Gemeinschaft ist und ich weißt, dass es manchen echt Überwindung gekostet hat. Am Ende der Stunde kam die Frage auf, ob wir so etwas wiedermachen. Ein schöneres Feedback kann man doch gar nicht bekommen. Insbesondere, wenn man strahlende und lachende Kinder vor sich hat 😊

Schaubilder

Deklinieren und Konjugieren mit der Liniennetz-Methode

Grammatik, Latein, Methodik, Wiederholung

Als ich im August vom Land ins Umland von Hannover gezogen bin, war eine der größeren Neuerungen für mich, dass ich nun nicht nur mit Auto oder Fahrrad, sondern auch mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren konnte. Bisher hatte ich noch in keiner Stadt gelebt, die ein solches System gehabt hat, weshalb ich es ganz faszinierend fand, dies als normales System hier nutzen zu können. Auch die SchülerInnen in Hannover nutzen dieses System, um damit zur Schule zu fahren, weshalb ich auch schonmal einige Schüler auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn getroffen habe. In einem Gespräch mit einem Schüler aus meinem Lateinkurs meinte ich mal aus Spass, dass es ganz schön kompliziert sei, sich hier zurecht zu finden (tatsächlich muss ich zweimal umsteigen), woraufhin er nur meinte, dass es doch wesentlich leichter als Latein sei. In diesem Moment kam mir der Gedanke, ob man nicht beides irgendwie verknäpfen könnte: Das den SchülerInnen vertraute Fahren mit der Straßenbahn, womit auch immer das Finden der „besten“ Route gemeint ist, und der Lateinunterricht. Schnell kam mir die Idee, dass es bereits Übungen gibt, in welcher „Konjugations- oder Deklinationsketten“ gebildet werden müssen. Wäre es nicht praktisch, genau dieses Prinzip auf ein Straßenbahnnetz zu übertragen? Mit diesem Hintergrundgedanken machte ich mich an die Arbeit und entwarf die folgende Übung. Das Netz wurde hierbei mit dem kostenlosen Tool Metro Map Maker erstellt.

Ablauf

Diese Übung ist so aufgebaut, dass es quasi zwei Straßenbahnnetze gibt. Eine für Substantiv-City, eine für Verb-Stadt. Beide Städte haben ein Netz aus verschiedenen Linien, die einige Knotenbahnhöfe haben. Jeder Bahnhof entspricht dabei einer bestimmten Form, die gebildet werden soll. Dabei wird immer ein Startbahnhof ausgewählt, wo der Zug losfährt. Der Zug stellt hierbei die Vokabel dar, welche dekliniert bzw. konjugiert werden soll. Die Lehrkraft kann die Vokabel dabei in das auf dem Zug vorgefertigte Feld schreiben. Wie im bebilderten Beispiel wäre „puer“ hier die Vokabel, die bei Start am „Nom. Sgl.“ Bahnhof (ganz links) dementsprechend auch nicht abgeändert werden muss. Erst, wenn der Zug weiterfährt, passt sich die Vokabel der jeweils nächsten Station an. Fährt der Zug z.B. nach Osten zum „Gen. Sgl.“ Bahnhof, dann muss auch „puer“ entsprechend dekliniert werden („pueri“). Fährt er von dort weiter nach Osten, muss „pueri“ in den Gen. Pl. umgewandelt werden („puerorum“), fährt er jedoch weiter nach Süden, dann wird aus „pueri“ ein „puerum“, denn hier ist ein „Akk. Sgl.“ Bahnhof.

Ein Beispiel aus dem Unterricht: So sieht die praktische Anwendung dieser Übung aus. Der Zug selbst steht am Ausgangsbahnhof und fährt von dort die Stationen auf dem Weg zum Ziel ab.

Sinn dieses Netzes ist es jetzt, dass man den SchülerInnen einen Start- und Endbahnhof gibt. Die Aufgabe der SchülerInnen ist es hierbei, den Zug von Punkt A nach Punkt B fahren zu lassen, wobei sie die entsprechenden Formen der jeweiligen Vokabel bilden müssen. Die Besonderheit hierbei ist, dass sie sich dabei ihren Weg selbst wählen können. Es gibt keine feste Vorgabe, auf welchem Weg man zum Ziel kommen kann. Hier können die SchülerInnen je nach eigener Stärke schauen, welche Formen sie besser bilden können. Wenn sie an einer Form nicht weiterkommen, können sie selber schauen, ob es nicht noch einen anderen Weg zum Ziel gibt. Auch können so unterschiedliche Wege erstellt und verglichen werden, was die SchülerInnen zusätzlich motiviert (Habt ihr noch weitere Lösungswege gefunden?). Die Aufgabenstellung kann hierbei so aussehen, dass die Lehrkraft den SchülerInnen Start- und Zielbahnhöfe sowie die passende Vokabel vorgibt. Leistungsstarke SchülerInnen können binnendifferenziert die Aufgabe bekommen, sich nach Beendigung der von der Lehrkraft gestellten Aufgaben selbst eigene kurze Aufgaben auszudenken und sich gegenseitig zu stellen.

Neben den eigentlichen Zügen gibt es auch noch Waggons, welche an den Zug angehangen werden können. Diese haben je nach Art der Vokabel unterschiedliche Bedeutungen: Bei Substantiv-Zügen können Adjektiv-Waggons angehangen werden. Hier müssen diese dann als zusätzliche Herausforderung ebenfalls mitdekliniert werden. Fährt „felix puer“ wie im Beispiel oben wieder nach Osten zum „Gen. Sgl.“ Bahnhof, dann wird aus ihm „felicis pueri“. Fährt er jedoch in den Süden zum „Nom. Pl.“ Bahnhof, dann wird er zu „felices pueri“ etc. Bei den Verb-Zügen können diese Waggons als weitere Kriterien dienen, welche in dem normalen Straßenbahnnetz nicht gegeben sind: So kann der Modus (Ind. / Konj.) oder das Genus Verbi (Aktiv / Passiv) als Waggon angehangen werden. In Verb-Stadt besteht zudem die Besonderheit, dass nicht immer alle Bahnhöfe angefahren werden können. Fährt ein Zug mit einem „Konjunktiv“-Waggon, kann er z.B. nicht in einen „Futur“-Bahnhof einfahren, da es kein „Konjunktiv Futur“ gibt. Somit lernen die SchülerInnen hier gleich einige Besonderheiten der lateinischen Sprache kennen.

Feedback der SchülerInnen

Waren meine SchülerInnen anfangs noch etwas skeptisch, hat sich die Straßenbahn-Übung mittlerweile zu einer ritualisierten Übungsform in meinem Unterricht entwickelt. Die SchülerInnen wissen genau, wie der Ablauf funktioniert und fangen schnell an, selbstständig ihre Routen zu planen. Weiterhin fangen auch die leistungsstärkeren SchülerInnen selbstständig an, sich mit anderen zusammenzusetzen und sich gegenseitig eigene Aufgaben zu erstellen. Durch immer neue Vokabeln sowie Adjektiv- und Kriterien-Waggons erhält die Übung auch immer neue Anreize, sodass man nicht nur alte Sachen wiederholt.

Aufbau

Die beiden Straßenbahnnetze sind als Bild-Datei auf meinem Laptop gespeichert und werden einfach geöffnet und via Bildschirmübertragung auf das Smartboard projiziert. Die Züge (und ggf. die Waggons) sind nach Vorlage laminiert und ausgeschnitten. Sie werden durch einen Magneten auf der Rückseite festgehalten und können so schnell von Station zu Station verschoben werden. Die SchülerInnen brauchen selbst kein Material, da die projizierte Fläche alle notwendigen Informationen erhält. Auch bei den eigenen Aufgaben reichen die Informationen vom Smartboard.

Material

Das gesammelte Material findet ihr hier: