Tools für die Argumentation: Argumentationswippe vs. Kialo

Allgemein, digital, Geschichte, Politik/Sozialkunde

Die Argumentation im Unterricht ist eine Kompetenz, mit welcher viele Schüler*innen oftmals zu Beginn Probleme haben. Nicht ohne Grund ist sie bei den Operatoren auch im Anforderungsbereich drei angesiedelt. Insbesondere in Geschichte und Politik ist diese Kompetenz fast schon eine Kernkompetenz, welche in einer Vielzahl von Stunden zum Einsatz kommt. Ich erinnere mich an so gut wie keine Politikstunde, wo wir nicht diskutiert haben. Um Schüler*innen hierbei bei der Argumentation zu unterstützen und diese zu visualisieren, nutze ich gerne digitale Tools. 

Argumentationswippe

Die Argumentationswippe ist ein kostenloses Tool, welches ich gerne zur Visualisierung von einfachen einfachen Argumentationen im Unterricht einsetze. Im gezeigten Beispiel haben wir über die Rechtfertigung der Todesstrafe gesprochen und Argumente dafür oder dagegen gesammelt. Ohne Anmeldung kann ich hierbei am Computer die Argumente der Mädels sammeln und anordnen. Somit findet eine Strukturierung der Argumente sowie eine Sicherung derer statt. Selbstverständlich ist es ebenso möglich, dass die Schüler*innen selbstständig Argumente sammeln und gewichten und diese beispielsweise gemeinsam in einer TaskCards sammeln und diskutieren. Hier habe ich darüber schon einmal ausführlich berichtet.

Kialo Edu

Um komplexere Argumentationen zu visualisieren und mit mehreren Argumentationssträngen zu arbeiten, nutze ich gerne Kialo Edu. Das Tool ist kostenlos, allerdings benötigt die Anwendung sowohl für Lehrende als auch bei der Nutzung durch die Schüler*innen eine Registrierung. Hier gibt es allerdings die Option, sich mit Nickname und Passwort zu registrieren, sodass die Schüler*innen keine Mailadresse angeben müssen und das Tool somit mit einem ausgedachten Namen verwenden können

Mit Kialo Edu ist es möglich, mehreren Argumente zu bestärken oder zu widerlegen und zusätzlich diese untereinander zu werten. Auch neue Argumente können geschaffen werden. Dargestellt wird dies mit Hilfe eines Diagramms sowie den Farben rot und grün. Man sieht im unteren Beispiel das Ausgangsargument sowie die weiterführende Argumente, welche kollaborativ im Unterricht erstellt werden.

Die Möglichkeit der kollaborativen Zusammenarbeit sowie der Darstellung einer komplexeren Argumentation ist in meinen Augen die Stärke von Kialo Edu. Mit Hilfe eines Kreisdiagrammes ist es zudem möglich, die verschiedenen pro- und contra-Argumente darzustellen. Dies ist in meinen Augen aber nur sinnvoll, wenn man eine klare Linie in seiner Argumentation hat. Ansonsten bringen einem die bunten Farben ohne Beschriftung nichts. Er beim Anklicken wird deutlich, welche Argumente hinter den einzelnen Kästchen stehen.

Fazit

Persönlich schätze ich beide Tools sehr, habe allerdings in der Praxis wesentlich öfters die Argumentationswippe im Einsatz. Mit ihr kann auch spontan und ohne Vorbereitung im Unterricht arbeiten. Oftmals entstehen Diskussion aus dem Unterricht heraus und da habe ich nicht unbedingt die Zeit, noch eine Argumentation bei Kialo Edu anzulegen.

Reel

Das Inselspiel – Einführung in die Politik

Gruppenarbeit, Politik/Sozialkunde

Dieses Jahr darf ich erstmals mein Drittfach „Politik und Gesellschaft“ regulär unterrichten. Für die erste Stunde habe ich daher nach einem kreativen Einstieg gesucht. Inspiriert wurde ich hierbei von lebenskarneval und dem Inselspiel, welches ich für eine 45minütige Stunde etwas abgewandelt habe. Zudem war es mir wichtig, dass die Gruppen ihre Ergebnisse selbst protokollieren. In der Praxis habe ich in einer Einzelstunde sowohl das Spiel als auch die anschließende Diskussion geschafft.

Einsatz im Unterricht

Das Spiel kann im Unterricht zum Aufzeigen von Politik und Einführen in die eigene politische Mitbestimmung genutzt werden, da bei der Durchführung dessen viele Entscheidungen in der Gruppe getroffen werden müssen. Zudem wird das Verständnis von politischen Einheiten und Funktionen geschult. Auch wird durch das Diskutieren in Kleingruppen die Argumentationskompetenz gestärkt. Abschließend findet auch eine Förderung der Sozialkompetenz und Gruppendynamik durch das gemeinsame Lösen von Problemen und Herausforderungen statt.

Vorbereitungen

Zuhause habe ich in der Vorbereitung bereits die Spielpläne sechs mal ausgedruckt und laminiert. Diese habe ich nach der Einteilung der Gruppen mit samt einen abwaschbaren Folienstifts an meine Mädels verteilt. Während des Spiels wurden diese selbstständig ausgefüllt. Sie durften sich selbst in Gruppen einteilen und haben Gruppen zwischen 3-6 Personen gewählt. Das Spiel hat bei allen Gruppen gut funktioniert.

1.Phase

Die Schüler*innen sind in ihrer Gruppe auf einer einsam Insel irgendwo im Pazifik gestrandet. Nach dem ersten Schock geht es darum, die Insel zu erkunden. Hierbei müssen sie in ihrer Kleingruppe sich auf drei Schritte einig werden, die sie als erstes auf der Insel machen wollen und diese anschließend notieren. Die Mädels haben hier vorrangig das Suchen einer Unterkunft und die Suche nach Nahrung genannt.

2.Phase

Nach den ersten Schritten auf der Insel wird nun eine Unterkunft gesucht und diese auf dem Plan der Insel angekreuzt. Zur Auswahl stehen hierbei:

  • Wald mit Früchten für Nahrung
  • Höhle im Berg
  • Lagune mit Fisch und Treibholz für eine Unterkunft
  • Bucht mit Trinkwasser und Zugang zum Meer

Die Mädels haben hier vor allem einen Platz an der Küste und seltener im Wald gewählt.

3.Phase

Jeder Mensch benötigt eine Aufgabe und auch auf der Insel muss das Leben organisiert werden. Die Kleingruppe wählen für jedes Mitglied der Gruppe eine Aufgabe, die dieses im Zusammenleben erfüllen muss. Aufgaben waren hier zum Beispiel das Suchen von Nahrung, Feuer machen, eine Unterkunft etc. bauen.

4.Phase

Die Insel im Pazifik ist schön, aber man möchte doch wieder zurück in die Zivilisation. Die Kleingruppen machen sich nun Gedanken, wie sie Flugzeuge und Schiffe auf sich aufmerksam machen könnten. Hierbei kam eine ganze Reihe von Ideen zum Vorschein. Eine Gruppe wollte den Wald anzünden, was in der Besprechung auch kontrovers diskutiert wurde. Andere Gruppen waren SOS mit Steinen und Hölzern an den Strand gelegt.

5. Phase

Demokratien haben oftmals einen Anführer und eine Gruppe von leitenden Personen. Die Gruppen sollten final nun Abstimmen, ob sie einen Anführer wählen möchten oder nicht. Hierbei auch sich die Gruppen aus unterschiedlichen Gründen für die ein oder andere Option entschieden.

Mit dem Abschluss dieser Phase wurden die einzelnen Ergebnisse nun der Klasse vorgestellt und diskutiert. Man hat hier schon gesehen, wo Probleme in dieser kleinen politischen Einheit aufgetreten sind, an welchen man in der nächsten Stunde mit unserem politischen System anknüpfen kann.

Material

Der Spielplan kann via Eduki hier heruntergeladen werden.