[Tafelrunde] eduBreakout, Beziehungsarbeit & Schüleraktivierung

eduBreakout, Tafelrunde, teamwork

Vergangenen Dienstag fand die erste Tafelrunde im neuen Jahr statt. Wir haben uns sehr über das große Interesse und eure rege Teilnahme gefreut. An dieser Stelle möchten wir uns auch herzlich bei Team:werk für die Unterstützung und den eingebrachten Input bei der Tafelrunde bedanken.

Sektempfang

Begonnen hat der Abend, wie es sich für den Start ins neue Jahr gehört, mit einem Sektempfang. Hierbei werden den Teilnehmer*innen verschiedene Getränke aus einer Karte präsentiert, welche diese sich mit Hilfe der Kommentarfunktion bei Zoom virtuell bestellen können.

Diese Methode eignet sich sehr gut zum Einstieg in ein Meeting, um die Stimmung etwas zu lockern, alle Teilnehmer*innen Willkommen zu heißen und einen ersten Gesprächsimpuls zu initiieren.

Check-In: Jacke ablegen

Nachdem jede*r mit einem Getränk seiner Wahl versorgt war, ging es weiter zum offizielleren Teil des Abends, dem Check-In. Bei diesem Punkt ist es uns besonders wichtig, dass die Teilnehmer*innen einmal kurz innehalten, den Alltagsballast abschütteln und bewusst bei der Tafelrunde ankommen. Also Methode hatte sich Team:werk hierbei für das „Ablegen der Jacke“ entschieden. Hierbei werden den Teilnehmer*innen einige reflektierende Frage gestellt, bei welchen sie einmal in sich gehen und für sich selbst die Fragen beantworten sollen. Das können Fragen sein, welche sich auf Aktivitäten im Alltag beziehen oder Erinnerungen an vergangene Ereignisse hervorrufen. Am Dienstag waren es zum Beispiel

  • Was war Dein schönstes Erlebnis über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr?
  • Auf was bist Du besonders stolz, wenn Du auf 2021 und Deine Arbeit zurückblickst? •
  • Was hast Du heute getan kurz bevor Du  zu unserer Tafelrunde „aufgebrochen“ bist?-

Die bei sich gegebenen Antworten müssen auch anschließend nicht kommuniziert werden, sondern dienen primär dazu, in sich zu gehen und sich im hier und jetzt bewusst zu werden. Als Methode eignete sich dieses Prinzip nicht nur für digitale Meetings oder dem Distanzlernen, sondern ebenso für das Klassenzimmer.

BreakoutSessions

Nach dem gelungenen Check-In ging es sogleich in die einzelnen Räume. Gesprochen wurde in dieser Tafelrunde über den eduBreakout sowie Beziehungsarbeit und Schüleraktivierung. Wir hatten uns somit für ein Thema aus der direkten Praxis entschieden und ein weiteres Thema, welches auch die Metaebene mit einbezog. Im folgenden nun ein kurzer Abriss der einzelnen Gespräche, während die Protokolle den Materialien zu entnehmen sind.

eduBreakout

Im Konferenzraum 1 wurde, untermalt mit vielen Beispielen aus der Praxis, der eduBreakout besprochen. Hierbei ging es sowohl um die persönlichen Erfahrungen, Best-Practice-Beispielen und die Diskussion um Probleme bei der Durchführung sowie die Erörterung möglicher Problemstellungen.

Beziehungsarbeit & Schüleraktivierung

Die Teilnehmer*innen in Konferenzraum 2 sahen sich dagegen mit der Frage konfrontiert, was macht man, wenn die Beziehung zu den Schüler*innen nicht gut ist oder wenn man, an einem Beispiel aus dem Distanzlernen, vor lauter schwarzen Bildschirmen sitzt. Auch in dieser Konferenz wurden Problemstellungen sowie verschiedene Lösungsansätze diskutiert und Erfahrungen aus der eigenen Praxis geteilt.

Moodmeter

Nachdem eifrig in den Konferenzräumen diskutiert und erörtert wurde, sind alle Teilnehmer*innen der Tafelrunde wieder in den Hauptraum zurückgekommen. Der Abend wurde nun mit einem Mood Meter beschlossen. Dieses Stimmungsbarometer, welches auf die eigene Selbsteinschätzung basiert, eignet sich sehr gut zur Reflexion der eigenen Gefühls- und Stimmungslage. Die Teilnehmer*innen konnten durch diese Methode noch einmal gezielt reflektieren, wie es ihnen nach der Tafelrunde ging und es bei sich auch mit ihrer Gefühlslage vor der Tafelrunde vergleichen. Bei der Durchführung in der Tafelrunde haben uns die vielen positiven Reaktionen der Teilnehmenden sehr erfreut.

Diese Methode lässt sich zudem sehr gut in den Unterricht, analog oder digital, integrieren. Hierdurch wird, passend zum Thema des Abends, die Beziehung zu den Schüler*innen gestärkt. Die Lehrkraft zeigt Interesse an den Gefühlen der Schüler*innen und baut damit Nähe und letztendlich eine Beziehung zur eigenen Klasse auf. An dieser Stelle ist auch zu empfehlen, dass die Lehrkraft selbst an dieser Methode teilnimmt und anschließend auch über ihre eigene Gefühlslage spricht und nicht nur die Klasse agieren lässt.

Ausblick

Die nächste Tafelrunde findet am 01.02.22 statt und setzt sich mit den Themen „zeitgemäße Prüfungsformate“ und „Etablieren und Durchführen von Mikrofortbildungen in der Schule“ auseinander. Wir würden uns sehr über eure Teilnahme freuen! Wer keine News mehr verpassen möchte, kann sich gerne hier virtuell der Community der Tafelrunde anschließen und sich mit News von uns versorgen lassen.

Materialien

[Team:werk vs. digitive] Zusammenarbeit im digitalen Raum

Methode, Methodik, teamwork

Im Kontext unserer Zusammenarbeit mit Team:werk bei der Tafelrunde wird Anna Lisa die Frage klären, was sich hinter Team:werk verbirgt und euch verschiedene Meetingformen für den Schulalltag und eure Zusammenarbeit vorstellen.

Zum Start ins neue Jahr möchten wir, das Sozialunternehmen Team:werk, die allgemeine Aufbruchsstimmung nutzen und für unser Herzensthema motivieren, das wir mit digitive teilen: Zusammenarbeit unter Lehrkräften fördern. Wir stellen euch unsere Vision vor, präsentieren einige Beispiele für digitale Kommunikation in Unternehmen und machen Vorschläge, wie diese in die Schule übersetzt werden können.

Von der Idee

Lehrkräfte sind Führungskräfte im Klassenzimmer und der zentrale Hebel für Innovationen in unserer Gesellschaft. Sie begleiten Klassen, die letztendlich große Teams sind und lernen müssen, als solche zu agieren. Das fällt oft nicht leicht, wenn eine Kultur des Lernens und Teilens nicht auch im Kollegium existiert. Denn gelebt werden muss diese mindestens von der Lehrkraft selbst, wenn sie Einzug ins Klassenzimmer erhalten soll. Um nun die Führungskräfte unseres Bildungssystems in diesem Bereich weiterzubilden, gründete sich Team:werk. Getrieben von der Vision, Lehrkräftebildung innovativ zu denken und Weiterbildung neu zu gestalten, fassten Andrea Seitz und Anna Ginkel 2020 den Entschluss, mit ihrem Sozialunternehmen wirkungsorientiert Lehrkräfte zu schulen.

Foto: Ronja Ziemann

Digitalität als Chance nutzen

Während der Pandemie wurden Online-Konferenzen und die nun im virtuellen Raum vorwiegend stattfindende Arbeit zum Mittel der Wahl, welches vielerorts allerdings mehr notgedrungen als begeistert eingesetzt wurde. Gerade im Bildungsbereich, wo viele Prozesse auf analoge Weise gestaltet worden waren, wurde die nun im Eilzug stattfindende Digitalisierung oftmals als Hindernis statt als Vorteil gesehen. Dabei zeigen bereits zahlreiche Unternehmens- und Unterrichtskonzepte in anderen Ländern, was eine digitale Welt des Lernens und Lehrens bieten kann und warum es sich lohnt, hier einen Blick hineinzuwerfen.

Schule und das dahinterstehende Bildungssystem zielen u.a. darauf ab, Lernende auf ihre weitere Berufslaufbahn vorzubereiten. Diese wird in nahezu sämtlichen Bereichen fortwährend flexibilisiert und digitalisiert. Ohne entsprechenden Zugang auf lerntheoretischer und praktischer Ebene fehlt Schüler:innen der notwendige Einblick und das hinreichende Verständnis in Bezug auf sich etablierende Technologien und neue Arbeitsprozesse. Hier ist wichtig zu beachten, dass nicht nur Tätigkeiten als solche zunehmend von Digitalität bestimmt werden, sondern auch, dass Teams im virtuellen Raum kooperieren und funktionieren müssen. Das meint sowohl Aspekte wie Effizienz und Produktivität, aber auch weiche Faktoren, in welchen es vermehrt darum geht, auf zwischenmenschlicher Ebene gut miteinander arbeiten zu können. Wenn nun noch einmal in Betracht gezogen wird, dass Schule genau darauf vorbereiten muss, sind ganz andere Ansätze vonnöten als noch vor einigen Jahrzehnten.

Teambuilding digital

Ein Zusammengehörigkeitsgefühl online zu schaffen, wirkte auf viele Lehrkräfte zunächst so, als müsste das Rad neu erfunden werden. Wo vorher noch der Klassenraum war und die Tischordnung einen Großteil der Dynamik bestimmte, fanden sich nun Kacheln in einer virtuellen Konferenz. Und wo ein Lehrkräftezimmer zum Austausch untereinander zur Verfügung stand, befindet sich nun ein Termin im Kalender, zu welchem man zwar zusammenkam, eine gute Kommunikationskultur aber häufig schwer zu etablieren war. Dabei kann Teambuilding auch digital stattfinden und neue Chancen eröffnen, trotz räumlicher Distanz eng miteinander zu arbeiten. Der Weg dahin blieb nur oft verborgen. Um diesen zu entdecken, darf offline Kollaboration nicht einfach in den digitalen Raum gepresst, sondern muss verstanden und übersetzt werden.

Wie neue Wege entstehen: indem man sie geht

Wie kommt man nun also zu einer offenen Kommunikationskultur, die Zusammenarbeit unter Lehrkräften fördert und in welcher Digitalität nicht als notwendiges Übel gesehen wird? Für einen ersten Schritt kann es hier sinnvoll sein, in einen Bereich zu schauen, in dem das, was zunächst unmöglich scheint, bereits funktioniert: Die freie Wirtschaft, in der große und kleine Unternehmen agil und flexibel über Grenzen hinweg arbeiten. Dies gelingt ihnen anhand verschiedenster Methoden, die dazu führen, dass Austauschmöglichkeiten und Variationen der Zusammenarbeit entstehen, um das ganze Unternehmen dem eigentlichen Ziel, beispielsweise der Launch eines neuen Produkts, näher zu bringen. Ein konkretes Beispiel hierfür sind die verschiedenen Meetingformen sein, die eine Firma für sich etabliert und als Team für gut befunden hat:

  • Ein tägliches 15-minütiges Stand-Up, bei dem Mitarbeitende reihum zusammentragen, was sie am Vortag erreicht haben, welche Aufgaben sie an diesem Tag angreifen möchten und wo sie dafür Hilfe benötigen.
  • Ein regelmäßig stattfindendes Weekly oder Monthly kann dazu beitragen, dass in bestimmten Zeitabständen besprochen und reflektiert wird, wo man sich gerade in einem Prozess befindet und welche kurz- oder langfristigen Ziele man als Einzelperson und als Team verfolgen will. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, die nächsten Schritte konkret festzulegen, aber auch die bisher unternommenen Schritte zu beleuchten und zu hinterfragen.
  • Auch kleinere Zusammenkünfte spielen eine tragende Rolle: Das One-on-one-Meeting bietet die Möglichkeit, sich gemeinsam auf einen Kaffee in einem Online-Raum zu treffen und informell auszutauschen. Sicherlich kann es hierbei auch um berufliche Aspekte gehen. Dann ist es wichtig, gemeinsam darüber nachzudenken, welche Informationen auf welchem Weg zurück an das gesamte Team zurückgespielt werden sollten.
Foto: Ronja Ziemann

Zurück in die Schule – aber wie?

Sicherlich sind nicht immer alle Methoden, die aus dem Unternehmensbereich kommen, für das Bildungswesen geeignet oder umsetzbar. Terminkalender sind häufig voll und nicht immer besteht die Möglichkeit, sich auf einen Plausch zu treffen und sich dabei Gedanken um die Rückkoppelung von wichtigen Aspekten zu machen. Sich jedoch über verschiedene Möglichkeiten der digitalen Kommunikation bewusst zu werden und einige im eigenen Kollegium anzustoßen, kann eine große Hebelwirkung besitzen. Auch wenn man sich selbst nicht als technikaffinste Person sieht, ist eine offene Haltung und ein wenig Neugierde gegenüber innovativen Methoden und Technologien etwas, das Schüler:innen brauchen, wenn sie selbst auf eine Arbeitswelt von morgen vorbereitet werden wollen. Und wenn Lehrkräfte diese Kultur des Lernens und Teilens nicht vorleben – wer dann?