[alternative Prüfungsformate] Steam-Game

Geschichte, Spiel, digital, Computerspiel, Jugendmedien, alternative Prüfungsformate

Die folgende Idee basiert auf der Idee „Netflix-Serie“ als alternatives Prüfungsformat von Stefan Fassnacht. Mehr Infos dazu findet ihr auf dem dazugehörigen Blogbeitrag.

Egal, ob SchülerIn oder Lehrkraft: Wer heutzutage im Medium Videospiele unterwegs ist, kommt um die Plattform Steam nicht herum: Nahezu alle bekannten Spieleserien wie FIFA, DotA 2, Civilization oder PUBG werden alle über diese Plattform gespielt. Da ich innerhalb des eigenen Unterrichts mit meinem Privatlaptop arbeite, ist den SchülerInnen schnell aufgefallen, dass auch ich Steam nutze, wenn mal gezockt wird. Sofort kamen die üblichen Fragen: Was spielen sie denn? Was ist ihr Lieblingsspiel? Haben sie schon von Spiel X gehört? Es zeigte sich, dass die SchülerInnen sehr mit dieser Plattform vertraut sind, weshalb ich mir überlegte, ob man das nicht auch für den Unterricht nutzen könnte. Angelehnt an den oben bereits erwähnten Entwurf, eine eigene Netflix-Serie zu erstellen, bastelte ich ein editierbares Template (Material ist am Ende des Beitrags verfügbar), mit welchern die SchülerInnen ein eigenes Steam-Spiel entwickeln und vorstellen sollten.

Beispiel zur Veranschaulichung im Unterricht

Die Rahmenbedingungen

Getestet habe ich diese Vorlage in meiner zwölften Klasse. In dieser haben wir das Thema „Völkerwanderung“ behandelt und die Aufgabe war, innerhalb dieses Kontextes ein eigenes Spiel zu entwickeln. Ich habe hier bewusst keine inhaltlichen Grenzen gesetzt, um den SchülerInnen hier die Möglichkeit zu geben, das ganze auch kreativ umzusetzen. Sie konnten sich also (wie es in dem Template möglich ist) aussuchen, welcher Inhalt (innerhalb der Einheit) in welchem Genre umgesetzt werden soll. Als Bewertungskriterien habe ich folgende zwei Schwerpunkte gewählt und diese den SchülerInnen so auch transparent klar gemacht:

  • Inwiefern wird ein historischer Inhalt aufgegriffen? => Umsetzung des historischen Stoffes
  • Wie wurde dieser Inhalt mit der Gattung „Videospiel“ verknüpft? => Kreativität in der Umsetzung

Als Zeitrahmen bekamen die SchülerInnen hier insgesamt 4 Stunden, sodass in der fünften Stunde die Spiele dann vorgestellt und diskutiert werden konnten. Die SchülerInnen gingen motiviert ans Werk und überlegten sich relativ schnell verschiedene Ideen, ein Spiel innerhalb des Rahmens der „Völkerwanderung“ zu entwickeln.

Die Ergebnisse

Dementsprechend gespannt war ich also auf die Ergebnisse der SchülerInnen. Voller Freude präsentierten sie in Stunde 5 schließlich ihre Ergebnisse, welche sehr bunt gemischt waren: Eine Gruppe hatte sich ein Aufbau-Strategiespiel ausgedacht, in welchem sich die vertriebenen Ostgoten innerhalb der oströmischen Gebiete niederließen. Hier sollte man versuchen, eine neue Heimat zu errichten und dabei sowohl gotische als auch römische Häuser und Strukturen bauen können. Eine andere Gruppe entwickelte ein Rollenspiel, welches innerhalb des untergehenden Ostgotenreiches spielte. Hier spielte man ein Mitglied von Theoderichs Dynastie, welches nach dessen Tod in die Wirrungen um seine Nachfolge eingriff und selbst versuchte, den Thron für sich zu beanspruchen. Dabei konnte man typischen Rollenspiel-mäßig auswählen, ob der Charakter eher durch Kraft oder durch Intelligenz stärker wird. Ein weiteres Spiel war ein „klassisches“ Strategiespiel, in welchem man sich ein damaliges „Land“ aussuchte und versuchte, seine Macht zu vergrößern. Hierbei setzte die Gruppe die historischen Umstände durch Boni um, wenn z.B. die Ostgoten unter Theoderich stärker in der Außendiplomatie waren, während die Merowinger unter Chlodwig stärkere Soldaten hatten.

Insgesamt war sich sehr zufrieden mit den Ergebnisse und auch die SchülerInnen gaben größtenteils positives Feedback an die anderen Gruppen. Im Anschluss an die Präsentationen haben wir dann noch ein wenig darüber diskutiert, wie „authentisch“ Videospiele mit historischen Inhalten sein können. Hier war es ganz spannend zu hören, dass auch die SchülerInnen anfangs noch versuchten, sehr „nah“ an der Geschichte zu sein, während es in den weiteren Planungen doch eher darum ging, die Gattung „Videospiel“ gut umzusetzen.

Fazit

Persönlich bin ich sehr zufrieden mit den Ergebnisse und dieser ganzen Methodik. Daher möchte ich die Vorlage gerne mit euch teilen und bin schon gespannt, ob ihr ähnliche Erfahrungen machen werdet. Dieses Kurzprojekt hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, die Lebenswelt der SchülerInnen in einem sinnvollen Kontext in den Unterricht zu holen. Die SchülerInnen hatten nicht nur Spass und haben sich dabei mit den historischen Inhalt auseinander gesetzt, sondern auch einmal aktiv wahrgenommen, wie sehr Geschichte am Ende doch nur ein Konstrukt ist.

Material

Lizenz Template:Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International EdTechPicks.org 2019-11-02

Blackout Poetry im Geschichtsunterricht

Geschichte, Methode, Methodik, Neuzeit, Textquelle

Aktuell befinde ich mich mit meinen 8.Klassen in der Zeit zwischen dem Wiener Kongress und der Märzrevolution. Hierbei steht auch der Umgang mit politischen Lieder auf dem Lehrplan. Das „Lied der Deutschen“ geht hierbei auf ein Gedicht von Hoffmann von Fallersleben zurück. Im Twitterlehrerzimmer hatte ich zuvor schon oftmals von Blackout Poetry gelesen, insbesondere im Kontext mit dem Deutschunterricht.

Was ist Blackout Poetry?

Blackout Poetry im klassischen Sinne bezeichnet im klassischen Sinne das Lesen zwischen den Zeilen. Aus Wörtern, die einem beim Lesen ins Auge fallen, soll ein neues Gedicht aus dem vorgegeben Text entstehen. Hierbei werden alle Wörter, die nicht mehr zum neuen Gedicht gehören, schwarz markiert, während die verblieben Wörter weiß bleiben oder auf eine andere Art und Weise hervorgehoben werden. Hierbei findet eine kreative Auseinandersetzung mit dem Text statt. Ann-Christin hat auf ihrem Blog einen tollen Beitrag (hier) verfasst, welcher die Methode aus Sicht der Schreibpädagogik nochmals genau erläutert.

Blackout Poetry im Geschichtsunterricht

Nun bin ich jetzt allerdings keine Deutschlehrerin, sondern unterrichte die Fächer Latein und Geschichte. Somit viel meine Wahl für den Einsatz der Methode auf den Geschichtsunterricht, da wir uns dort aktuell mit literarischen Texten befassten. Zu diesen Texten, genauer gesagt zum „Lied der Deutschen“ sollte ein Blackout Poetry entstehen. Hierbei hielt ich mich an die formellen Rahmenbedingungen fügte aber der Aufgabenstellung hinzu, dass die Wörter die zentralen Punkte des Gedichts markieren sollten und nicht ein neues Gedicht entstehen musste. Um den Arbeitsauftrag zu verdeutlichen, habe ich ihnen einige Beispiele aus dem Internet gezeigt und anhand derer die Methode erklärt. Ohne Beispiele ist es in meinen Augen etwas schwer, eine absolut unbekannte und spezielle Methode ausführen zu können. Aus diesem Grund würde ich beim erstmaligen Einsatz der Methode empfehlen, Beispiele zu Blackout Poetry zu zeigen.

Ergebnis und Fazit

Gemalt haben die Mädels etwa 30 Minuten und haben anschließend ihre Ergebnisse auf die Klassenpinnwand geladen. So konnten sie auch die Ergebnisse ihrer Mitschülerinnen anschauen und vergleichen.

Aufgefallen sind den Mädels vor allem die zentralen Elemente des Gedichts, welche so gut wie jede korrekt herausgearbeitet hat. Zudem das Anfertigen von kleinen Bildchen und Symbolen passend zu den zentralen Inhalten des Textes. Dies zeigt, dass sie sich wirklich mit dem Text auseinandergesetzt haben und ein Transfer stattgefunden hat, bei welchem sie sich Gedanken um eine mögliche graphische Untermauerung der zentralen Inhalte gemacht haben. Für mich hat sich der Einsatz dieser kreativen Methode definitiv gelohnt, denn es fand eine andere und in meinen Augen viel effektivere Herangehensweise an den literarischen Text statt, welche bei der „normalen“ Interpretation vielleicht nicht möglich gewesen wäre.

Deklinieren und Konjugieren mit der Liniennetz-Methode

Grammatik, Latein, Methodik, Wiederholung

Als ich im August vom Land ins Umland von Hannover gezogen bin, war eine der größeren Neuerungen für mich, dass ich nun nicht nur mit Auto oder Fahrrad, sondern auch mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren konnte. Bisher hatte ich noch in keiner Stadt gelebt, die ein solches System gehabt hat, weshalb ich es ganz faszinierend fand, dies als normales System hier nutzen zu können. Auch die SchülerInnen in Hannover nutzen dieses System, um damit zur Schule zu fahren, weshalb ich auch schonmal einige Schüler auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn getroffen habe. In einem Gespräch mit einem Schüler aus meinem Lateinkurs meinte ich mal aus Spass, dass es ganz schön kompliziert sei, sich hier zurecht zu finden (tatsächlich muss ich zweimal umsteigen), woraufhin er nur meinte, dass es doch wesentlich leichter als Latein sei. In diesem Moment kam mir der Gedanke, ob man nicht beides irgendwie verknäpfen könnte: Das den SchülerInnen vertraute Fahren mit der Straßenbahn, womit auch immer das Finden der „besten“ Route gemeint ist, und der Lateinunterricht. Schnell kam mir die Idee, dass es bereits Übungen gibt, in welcher „Konjugations- oder Deklinationsketten“ gebildet werden müssen. Wäre es nicht praktisch, genau dieses Prinzip auf ein Straßenbahnnetz zu übertragen? Mit diesem Hintergrundgedanken machte ich mich an die Arbeit und entwarf die folgende Übung. Das Netz wurde hierbei mit dem kostenlosen Tool Metro Map Maker erstellt.

Ablauf

Diese Übung ist so aufgebaut, dass es quasi zwei Straßenbahnnetze gibt. Eine für Substantiv-City, eine für Verb-Stadt. Beide Städte haben ein Netz aus verschiedenen Linien, die einige Knotenbahnhöfe haben. Jeder Bahnhof entspricht dabei einer bestimmten Form, die gebildet werden soll. Dabei wird immer ein Startbahnhof ausgewählt, wo der Zug losfährt. Der Zug stellt hierbei die Vokabel dar, welche dekliniert bzw. konjugiert werden soll. Die Lehrkraft kann die Vokabel dabei in das auf dem Zug vorgefertigte Feld schreiben. Wie im bebilderten Beispiel wäre „puer“ hier die Vokabel, die bei Start am „Nom. Sgl.“ Bahnhof (ganz links) dementsprechend auch nicht abgeändert werden muss. Erst, wenn der Zug weiterfährt, passt sich die Vokabel der jeweils nächsten Station an. Fährt der Zug z.B. nach Osten zum „Gen. Sgl.“ Bahnhof, dann muss auch „puer“ entsprechend dekliniert werden („pueri“). Fährt er von dort weiter nach Osten, muss „pueri“ in den Gen. Pl. umgewandelt werden („puerorum“), fährt er jedoch weiter nach Süden, dann wird aus „pueri“ ein „puerum“, denn hier ist ein „Akk. Sgl.“ Bahnhof.

Ein Beispiel aus dem Unterricht: So sieht die praktische Anwendung dieser Übung aus. Der Zug selbst steht am Ausgangsbahnhof und fährt von dort die Stationen auf dem Weg zum Ziel ab.

Sinn dieses Netzes ist es jetzt, dass man den SchülerInnen einen Start- und Endbahnhof gibt. Die Aufgabe der SchülerInnen ist es hierbei, den Zug von Punkt A nach Punkt B fahren zu lassen, wobei sie die entsprechenden Formen der jeweiligen Vokabel bilden müssen. Die Besonderheit hierbei ist, dass sie sich dabei ihren Weg selbst wählen können. Es gibt keine feste Vorgabe, auf welchem Weg man zum Ziel kommen kann. Hier können die SchülerInnen je nach eigener Stärke schauen, welche Formen sie besser bilden können. Wenn sie an einer Form nicht weiterkommen, können sie selber schauen, ob es nicht noch einen anderen Weg zum Ziel gibt. Auch können so unterschiedliche Wege erstellt und verglichen werden, was die SchülerInnen zusätzlich motiviert (Habt ihr noch weitere Lösungswege gefunden?). Die Aufgabenstellung kann hierbei so aussehen, dass die Lehrkraft den SchülerInnen Start- und Zielbahnhöfe sowie die passende Vokabel vorgibt. Leistungsstarke SchülerInnen können binnendifferenziert die Aufgabe bekommen, sich nach Beendigung der von der Lehrkraft gestellten Aufgaben selbst eigene kurze Aufgaben auszudenken und sich gegenseitig zu stellen.

Neben den eigentlichen Zügen gibt es auch noch Waggons, welche an den Zug angehangen werden können. Diese haben je nach Art der Vokabel unterschiedliche Bedeutungen: Bei Substantiv-Zügen können Adjektiv-Waggons angehangen werden. Hier müssen diese dann als zusätzliche Herausforderung ebenfalls mitdekliniert werden. Fährt „felix puer“ wie im Beispiel oben wieder nach Osten zum „Gen. Sgl.“ Bahnhof, dann wird aus ihm „felicis pueri“. Fährt er jedoch in den Süden zum „Nom. Pl.“ Bahnhof, dann wird er zu „felices pueri“ etc. Bei den Verb-Zügen können diese Waggons als weitere Kriterien dienen, welche in dem normalen Straßenbahnnetz nicht gegeben sind: So kann der Modus (Ind. / Konj.) oder das Genus Verbi (Aktiv / Passiv) als Waggon angehangen werden. In Verb-Stadt besteht zudem die Besonderheit, dass nicht immer alle Bahnhöfe angefahren werden können. Fährt ein Zug mit einem „Konjunktiv“-Waggon, kann er z.B. nicht in einen „Futur“-Bahnhof einfahren, da es kein „Konjunktiv Futur“ gibt. Somit lernen die SchülerInnen hier gleich einige Besonderheiten der lateinischen Sprache kennen.

Feedback der SchülerInnen

Waren meine SchülerInnen anfangs noch etwas skeptisch, hat sich die Straßenbahn-Übung mittlerweile zu einer ritualisierten Übungsform in meinem Unterricht entwickelt. Die SchülerInnen wissen genau, wie der Ablauf funktioniert und fangen schnell an, selbstständig ihre Routen zu planen. Weiterhin fangen auch die leistungsstärkeren SchülerInnen selbstständig an, sich mit anderen zusammenzusetzen und sich gegenseitig eigene Aufgaben zu erstellen. Durch immer neue Vokabeln sowie Adjektiv- und Kriterien-Waggons erhält die Übung auch immer neue Anreize, sodass man nicht nur alte Sachen wiederholt.

Aufbau

Die beiden Straßenbahnnetze sind als Bild-Datei auf meinem Laptop gespeichert und werden einfach geöffnet und via Bildschirmübertragung auf das Smartboard projiziert. Die Züge (und ggf. die Waggons) sind nach Vorlage laminiert und ausgeschnitten. Sie werden durch einen Magneten auf der Rückseite festgehalten und können so schnell von Station zu Station verschoben werden. Die SchülerInnen brauchen selbst kein Material, da die projizierte Fläche alle notwendigen Informationen erhält. Auch bei den eigenen Aufgaben reichen die Informationen vom Smartboard.

Material

Das gesammelte Material findet ihr hier:

Kreative Aufgabenstellungen bei der Interpretation

Computerspiel, digital, Latein, Methode, Methodik

Da sich das Schuljahr dem Ende zuneigt und die Ferien vor der Tür stehen, stellt sich oftmals die Frage: Was genau machen wir jetzt noch? Denn in den meisten Fächern wurden die meisten Arbeiten schon geschrieben, sodass es sich anbietet, ein wenig mehr kreative Freiarbeit zu machen. Dasselbe galt bei mir auch für den Lateinunterricht: Hier hatten wir noch einen Rest vom Lektionstext zu übersetzen, was ich aber nicht nach dem typischen „Na dann übersetzt mal…“-Muster machen wollte. Beim Planen habe ich überlegt, wie ich das ganze etwas kreativer gestaltet könnte: Eventuell den übersetzten Text in einem Zeitungsartikel zusammenfassen? Oder doch mal einen Comic zeichnen? Einige Schüler*Innen hatten gefragt, ob wir mal was mit Minecraft machen würden… eventuell könnten sie die Szene in Minecraft nachspielen? All diese Ideen schwirrten in meinem Kopf herum, allerdings konnte ich mich nicht wirklich entscheiden. Getreu dem Motto habe ich dann aus der Not eine Tugend gemacht… und einfach alle Möglichkeiten zur Verfügung gestellt. Inklusive des Hinweises, bei einer eigenen Idee kurz Rücksprache mit mir zu halten, um diese ggf. dann auch umsetzen zu können. So könnten die Schüler*Innen je nach eigenen Interessen „ihre“ Form der kreativen Textinterpretation aussuchen. Insgesamt sah der Arbeitsauftrag an sich dann so aus:

Gesagt, getan machten sich die Schüler*Innen in ihren Gruppen ans Werk und begannen, den Text individuell zu interpretieren. Kurz zur Info: In dem Textabschnitt geht es darum, dass ein römischer Offizier nach der Eroberung von Syrakus den berühmten Erfinder Archimedes gefangennehmen soll. Dieser ist jedoch vollkommen fokussiert auf seine geometrischen Formen und nimmt den Offizier gar nicht war. Als er diesen kurz daraufhin anbrüllt, erschlägt ihn der Offizier. Das ist soweit die grobe Hintergrundgeschichte, die die Schüler*innen umsetzen durften. Über drei Stunden hinweg arbeiteten sie dann konzentriert an ihren Produkten und insgesamt entstanden dabei folgende Ergebnisse:


2x Zeitungsartikel, 1x Nacherzählung, 1x Comic, 1x Theaterplakat, 2x Minecraft-Videos, 1x animiertes Video und ein Drehbuch.

Ein paar der Ergebnisse möchte ich euch dabei nicht vorenthalten, um euch einmal einen Einblick zu geben, wie gut diese Arbeit funktioniert hat:

Das Theaterplakat
Der Comic
Ein Ausschnitt aus dem Drehbuch
Bild aus dem animierten Video
Bild aus einem Minecraft-Video

Ich hoffe, dass ihr anhand der Bilder sehen könnt, wie begeistert ich von meinen Schüler*Innen war. In der Nachbesprechung wurde auch angemerkt, dass sie sowohl die Ergebnisse toll fanden als auch die Möglichkeit, einmal kreativ arbeiten zu dürfen. Die Schüler*Innen waren es nicht gewohnt, sich ihre Art der kreativen Textinterpretation aussuchen zu dürfen. Aber nicht die Schüler*Innen, sondern auch ich habe beim Herumgehen das ein oder andere Programm gefunden, welches ich dann gleich einmal selbst ausprobieren musste. Das beste Beispiel hier ist wohl die App StickNodes, mit welcher das oben genannte animierte Video entstanden ist.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich mich entschieden habe, hier keine kreative Art der Textinterpretation vorzugeben. Auch wenn es zeitlich ein wenig aufwendig war, rechtfertigen die Ergebnisse diese Methode gerade nach zwei Klausuren aus meiner Sicht auf jeden Fall. Das schöne ist, dass sich diese Methode dabei auch problemlos auf andere Sprache übertragen lässt. Abgesehen von der Textbasis lassen sich die oben genannten Arbeitsaufträge auch genau so in Englisch, Französisch oder anderen Sprachen anwenden. Wenn ihr also auch einmal solche tollen Ergebnisse von euren Schüler*Innen haben wollte, kann ich euch nur raten, es mal so oder ähnlich zu versuchen. Ich bin schon gespannt, was eure Schüler*Innen so erstellen!

Die Entwicklung der amerikanischen Kolonien spielerisch „entdecken“ [deck.toys]

Apps/Programme, deck.toys, Geschichte, Neuzeit

Die Amerikanische Revolution ist nach wie vor ein Dauerbrenner in den Geschichtsbüchern- und Curricula. Der Fokus liegt hierbei vor allem auf den Entwicklungen, welche die Konflikte zwischen dem britischen Parlament und den amerikanischen Kolonien, zum Thema haben, bis hin zur Unabhängigkeitserklärung am 04.07.1776. Doch bevor man sich mit diesen ganzen Konflikten beschäftigen kann, ist es natürlich notwendig, dass die SchülerInnen sehen, dass dieser Konflikt nicht einfach „da war“. Es ist unabdingbar, dass die SchülerInnen über die Vorgeschichte des Konflikts ausführlich informiert sind: Wie entstanden die Kolonien in Amerika? Wer siedelte sich dort an? Wie war das Verhältnis zwischen den Kolonien und dem „Mutterland“? Und welche Entwicklungen führen zu den ersten Konflikten, die sich 1765 mit der Einführung der Stempelsteuer entzündeten?

All diese Fragen müssen natürlich geklärt werden. Und um dies auf eine möglichst spannende, aber gleichzeitig auch informative Weise zu tun, habe ich ein neues deck.toys entwickelt, welches sich speziell mit diesen Entwicklungen beschäftigt. Hier geht es darum, dass die SchülerInnen die wichtigsten Entwicklungen der ersten Kolonien bis zum siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) spielerisch kennenlernen. Mit den unterschiedlichen Methoden, welche deck.toys anbietet (z.B. Quizzes, Sortieraufgaben, Wahr-oder-Falsch Fragen etc.), ist so ein methodisch abwechslungsreiches Abenteuer entstanden, welches den oben angesprochenen Rahmen abdeckt.

Aufgabenbeispiel

Die letzte Station nach dem siebenjährigen Krieg fordert die SchülerInnen dann auf, sich Gedanken über die weitere Entwicklung der Kolonien zu machen. Dies kann als Überleitung zu den kommenden Stunden genutzt werden, in welcher die durch den siebenjährigen Krieg entstandenen Schulden als Aufhänger genutzt werden können, um die Einführung der Stempelsteuer zu thematisieren.

Das deck.toys zum eigenen Gebrauch findet ihr hier. Es kann über alle mobilen Endgeräte ohne Anmeldung direkt genutzt werden.

Workshop

Du hast Lust, selbst aktiv zu werden? Melde dich gerne zum kostenlosen Workshop am 01. Dezember hier an.

Digitale Tools für den Unterricht: Die Plattform LearnHip

Apps/Programme, digital, Latein

Heute möchte ich euch eine Plattform vorstellen, mit welchen ihr verschiedene kleine Apps und Spiele für den Unterricht erstellen könnt: LearnHip. Diese Seite ist eine englischsprache Website, welche ähnlich wie Learningapps oder Wordwall „Baukästen“ für verschiedene Apps zur Verfügung stellt. Diese können dann relativ einfach schnell erstellt und an den jeweiligen Unterricht angepasst werden. Weiterhin ist LearnHip kostenlos, es muss lediglich ein Account via Mail-Adresse erstellt werden.

Dabei ist die App sehr vielfältig aufgebaut: Zum einen gibt es die Klassiker, welche sich in ähnlicher Form auch auf anderen Plattformen durchaus wiederfinden: Multiple Choice-Fragen, Lückenfüller etc. Darüber hinaus bietet LearnHip aber auch weitere Funktionen: So gibt es z.B. eine App, in welcher Sätze miteinander verknüpft werden müssen. Dies kann für den Sprachunterricht genutzt werden, um z.B. passende Gliedsätze zuzuordnen. Praktischerweise bietet LearnHip für alle Apps auch eine Kontrollfunktion, sodass die Schüler*Innen am Ende immer selbst kontrollieren können, ob ihre Lösung richtig ist. Auch können Sätze durcheinander gebracht werden, sodass z.B. Satzglieder erst sortiert werden müssen, bevor ein Satz übersetzt werden kann. Im Folgenden habe ich einmal zwei Beispiele für den Lateinunterricht mitgebracht:

Sortieraufgabe

Hier geht es zum Beispiel: LearnHip: Sortiere die Relativsätze

Ordnen der Reihenfolge

Hier geht es zum Beispiel:LearnHip: Ordne die Satzglieder

Brettspiel

Wirklich besonders macht LearnHip aber seine Funktion, ein interaktives Brettspiel zu entwickeln. Hier kann mit ein paar wenigen Klicks ein kleines Brettspiel erstellt werden, bei welchen die Felder aus Fragen zu verschiedenen Unterrichtsthemen bestehen können. An einem Endgerät können bis zu 8 Spieler*Innen gemeinsam oder gegeneinander um den Sieg spielen. Auch hier folgt ein Beispiel aus dem Lateinunterricht.

Hier geht es zum Beispiel: Latein-Spiel

Scaffolding zur Einübung von Deklinationen und Konjugationen

Grammatik, Latein, Wiederholung

Im heutigen Blogpost möchte ich euch eine meiner liebsten Methoden zur Einübung oder Wiederholung von Deklinationen und Konjugationen vorstellen. Zuerst notiere ich die Grammatik an der Tafel und lasse sie der Klasse einmal laut vorlesen. Gegebenenfalls lasse ich die Klasse die Deklination oder Konjugation mit einem weiteren Wort zur Festigung noch einmal wiederholen.

Anschließend streiche ich einzelne Formen aus der Tabelle heraus und wiederhole die Übung von Neuem.

Durch dieses Vorgehen prägen sich die SchülerInnen die Grammatik schrittweise ein und wiederholen sie mit Vokabeln der selben Deklination bzw. Konjugation. Die Methode können sie zudem auch zuhause zum selbstständigen Lernen und Wiederholen einsetzen.

Ruhesignale im Unterricht

Geschichte, Latein, Methode, Methodik

Unterrichtsstörungen gehören fast schon zum Alltag im Klassenzimmer. Umso wichtiger ist es, diese durch den Einsatz von Signalen gezielt und möglichst effektiv zu unterbinden.

Die „Stille-Glocke“

Als erste Methode möchte ich euch die sogenannte Stille-Glocke vorstellen. Diese kann sowohl in der Grundschule als auch in den weiterführenden Schulen eingesetzt werden. Hierbei besitzt der Raum bzw. die jeweilige Fachstunde eine eigene Glocke, welche unabhängig von der Pausenglocke agiert. Die Lehrkraft läutet mit der Glocke, wenn sie ihre Stunde beginnen möchte und stellt diese anschließend auf das Pult. Hat sie ihre Stunde beendet, läutet sie wieder mit der Glocke. Auch zum Markieren einer kurzen Pause, z.B. bei Doppelstunden oder wenn eine Dritte Person das Klassenzimmer betritt wird für die Unterbrechung des Unterrichts die Glocke geläutet und mit dem Ende der Pause wieder ein Zeichen mit der Glocke gegeben.

Durch das Leuchten der Glocke wird der Unterricht näher definiert und den Schüler*innen ein Startsignal für die Einleitung der Konzentrations- und Ruhephase gegeben. Vielleicht ist dem ein oder anderen aus der Universität noch das Konditionieren (Pavlovs Hund) ein Begriff. Die Glocke stellt ein immer währendes Signal dar, welches den Mitgliedern der Klasse Ruhe signalisieren soll. Es ist zudem zu empfehlen, nach dem Läuten der Glocke einen Moment inne zuhalten und erst mit dem Unterricht zu beginnen, wenn wirklich Ruhe in der Klasse eingekehrt ist.

Die „Uhren-Methode“

Als zweite Methode ist die „Uhren-Methode“ zu nennen. Hierfür benötigt es eine Uhr und optimalerweise keine Wanduhr im Klassenzimmer, welche die Schüler*innen sehen können. Bei einer Erhöhung des Lärmpegels lässt die Lehrkraft die Klasse einmal gesammelt aufstehen. Dies kann durch eine eingeführte Geste geschehen, etwa durch das Hochhalten und Tippen auf die eigene Armbanduhr. Nun beginnen die Schüler*innen zu schätzen, wann eine Minute vergangen ist und setzen sich dementsprechend wieder hin. Nach etwas mehr als einer Minute gibt die Lehrkraft ein Zeichen, um zu signalisieren, dass die angestrebte Minute nun überschritten sei und sich alle noch stehenden Schüler*innen der Klasse wieder setzen sollen. Der Lehrkraft steht es offen, ob sie den besten Schätzer notieren und in regelmäßiges Abständen einen Preis verteilen möchte. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten, damit die Ruhestörungen nicht auf Grund des Preises herbeigeführt werden. Sitzen alle Mitglieder der Klasse wieder, geht der Unterricht weiter.

Durch das Einsetzen der Uhr und die damit verbundene Bewegung wird der Fokus der Klasse wieder auf die Lehrkraft und weg vom Nachbarn und der Ruhestörung gelenkt. Zudem wirken sich Bewegungen im Unterricht positiv auf das Lernverhalten der Klasse aus, da eine Förderung der geistigen Spannkraft stattfindet.

Das fiktive Interview

Geschichte, Latein, Methodik

Wer träumte nicht schon einmal davon, ein berühmter Journalist und Enthüllungsautor zu werden? Bei der heutigen Methode kann dies für einen begrenzten Zeitraum Realität werden:

Das fiktive Interview ist insbesondere bei schwierigen und längeren (Quellen-)texten eine geeignete Methode, da es eine intensive Auseinandersetzung mit dem Medium erfordert. Ausgeführt wird das Interview idealerweise in Partnerarbeit, größere Gruppen sind allerdings auch möglich.

Die Methode: Beide Partner lesen den Text, wobei einer der beiden die Rolle des Interviewers und der andere Partner die Rolle des Interviewten einnimmt. Der Interviewer versucht nun in kurzer und knackiger Form auf der Basis des Textes Fragen für seine Partner zu formulieren, welcher dieser nun in der Form des Interviews beantworten wird.

Eine abgewandelte Version dieser Methode ist die Podiumsdiskussion, welche sich zum Beispiel bei der Behandlung von Parteien (z.B. der Weimarer Republik) oder der Frankfurter Nationalversammlung im Unterricht anbietet. Hierbei erarbeiten ein oder zwei Moderatoren Fragen, welche sie in einem nachgestellten Wahlkampf den verschiedenen Vertretern der Parteien stellen möchten. Die Positionen der einzelnen Parteien werden jeweils von einer Kleingruppe in der Klasse erarbeitet, von welchen ein Vertreter am Ende zur Podiumsdiskussion entsandt wird. Dieser hat sich nun, gemeinsam mit den Vertretern der anderen Parteien, den Fragen der Moderatoren zu stellen. Fragen aus dem Publikum können hierbei zugelassen werden, müssen es aber nicht zwingend sein.

Anmerkung: Die Rolle des Interviewers oder des Moderators kann gegebenenfalls auch durch die Lehrkraft gestellt werden.

Rollenkarten für die Gruppenarbeit

Gruppenarbeit, Methodik

Ich persönlich bin ein großer Fan von Gruppenarbeit im Geschichtsunterricht. Diese Sozialform eignet sich sehr gut zur Zusammenarbeit zwischen leistungsschwächeren und leistungsstarken Mitgliedern der Klasse. Es ist sogar empirisch bewiesen, dass hierbei eine Steigerung des Leistungserfolges auf beiden Seiten eintreten kann, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Zudem wird bei dieser Art der Materialerarbeitung die Sozialkompetenz der Klasse, die Teamfähigkeit und das eigenständige Arbeiten in einer Gruppe gefördert.

Quelle: Klett-Verlag

Damit nicht nur ein Teil der Gruppe arbeitet und der Rest sich eher als „Team“ als als „Work“ der Gruppenarbeit ansieht, halte ich es für wichtig, jedem Mitglied der Gruppe eine gewisse Rolle innerhalb der Gruppenarbeit zuzuschreiben. Hierbei eignen sich Rollenkarten für den Geschichtsunterricht, welche es in verschiedenen Varianten gibt. Ich persönlich erachte eine Gruppe mit vier Personen für ausreichend bei einer Gruppenarbeit und empfehle aus diesem Grund die Rollenkarten von Klett.