„Yolocaust“ – Förderung von Geschichtsbewusstsein

2.Weltkrieg, Bildquelle, kritischer Umgang

Vermutlich jeder, der schon einmal in Berlin war, kennt das „Denkmal für die Ermordeten Juden Europas“ zwischen dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz. Jedes mal, wenn ich diesen Weg entlang laufe, sehe ich Menschen, die fröhlich lächelnd auf den Stehlen stehen und in die Kamera grinsen. Ich frage mich an dieser Stelle immer, welche Intentionen sich hinter solchen Aufnahmen verbergen und würde die jeweiligen Personen am liebsten zu ihren Beweggründen befragen und mit ihnen über die Aufnahmen sprechen, um ihre Sichtweise der Dinge zu erfahren. Für mich und mein Geschichtsbewusstsein ist es unvorstellbar, dort ein fröhliches Foto mit mir machen zu lassen.


Die Förderung und die Definition des eigenen Geschichtsbewusstsein ist ein wichtiger Prozess im heutigen Geschichtsunterricht. Insbesondere die Erinnerungskultur an die Zeit des Dritten Reiches erfordert einen sensiblen Umgang, um solche solche Situationen wie sie eben beschrieben worden sind, zu vermeiden.

Förderung des Geschichtsbewusstseins am Beispiel „Yolocaust“

Anfang 2017 veröffentlichte der deutsche Künstler Shahak Shapira auf einer Website zwölf bearbeitete Bilder, welche in Gedenkstätten des Holocaust aufgenommen worden waren. Hierfür bearbeitete er die Bilder so, dass die jeweiligen Personen in Fotografien aus der Zeit des Nationalsozialismus gezeigt wurden. Die Provokation hinter diesen Montagen war beabsichtig und sollte die abgebildeten Personen und deren Mitmenschen zum Nachdenken anregen. Alle Abgebildeten meldeten sich innerhalb kürzester Zeit und gaben teilweise einen Kommentar zu den Fotos ab.

Ich bin der Typ, der dich, wie ich gerade las, zu Yolocaust inspiriert hat. Ich bin der „Spring auf tot..“ – Ich kann es gar nicht schreiben, mir wird schon schlecht wenn ich es nur ansehe. Ich wollte niemanden beleidigen. Nun sehe ich meine eigenen Worte in den Nachrichten. 

Ich habe gesehen was meine Worte ausgelöst haben. Das ist verrückt und es ist nicht, was ich wollte. (…) Das Foto war als Witz für meine Freunde gedacht. Ich bin dafür bekannt, dass ich Witze unterhalb der Gürtellinie mache, dumme Witze, sarkastische Witze. Sie verstehen meinen Humor. Wenn Du mich kennen würdest, würdest Du das auch… Aber wenn es öffentlich geteilt wird und es Fremde erreicht, die keine Ahnung haben wer ich bin, dann sehen sie jemanden, der etwas, was anderen Menschen wichtig ist, respektlos behandelt. Das war nicht meine Intention. Und es tut mir leid. Wirklich. In diesem Sinne, würde ich gerne „entdouchet“ werden.

P.S. Oh, und wenn Du gegenüber BBC, Haaretz und all den anderen Blogs, Nachrichtenstationen, etc. erklären könntest, dass ich Mist gebaut habe, wäre es phantastisch. 😅 (Quelle: yolocaust.de)

Sowohl die Bilder als auch der abgegebene Kommentar eignen sich zur Förderung des Geschichtsbewusstseins im Unterricht. Denn sie sorgen für Irritation, provozieren und rufen sogleich eine Diskussion über ethische und moralische Grundsätze sowie den Umgang mit der Vergangenheit in der Klasse hervor. Im Anschluss an die Diskussion kann die Thematik mit verschiedenen zusätzlichen Materialien und Unterrichtsentwürfen vertieft werden.

Zusätzliches Material

  • Raphaela Walser: „Yolocaust“ oder: „Darf man das?“ Ein Beitrag zum reflektierten Umgang mit Geschichtskultur im Unterricht ➡️ „hier“ klicken.
  • Unterrichtsmaterialien zur Vorbereitung des Besuchs des Denkmals für die Ermordeten Juden Europas A – Basis ➡️ „hier“ klicken.
  • Über den Holocaust lernen. Theoretische Grundlagen und unterrichtspraktische Überlegungen ➡️ „hier“ klicken.
  • Bild zum Zitat ➡️ „hier“ klicken.

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