[Tagungsbericht] Deutsches Lehrkräfteforum 2021

Fortbildung

Als wir uns im Mai 2020 als Team für das Deutsche Lehrkräfteforum beworben hatten, glaubten wir nicht wirklich daran, dass wir genommen werden. Eine Zusage und sechs Monate später war es dann so weit und wir fuhren voller Vorfreude in das kleine Städtchen Bad Boll, in der Nähe von Stuttgart.

Donnerstag, 11.11.2021

Nach einem kurzen Imbiss und dem Bezug der Zimmer wurden alle Teilnehmenden des Forum von Dr. Birgit Ossenkopf, der Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft, begrüßt. Anschließend stand auch schon der erste Programmpunkt mit dem Titel „Gemeinsam gute Schule Gestalten – die vielfältigen Facetten von Kooperation“ auf dem Programm. Um möglichst viel Input von der Veranstaltung mitnehmen zu können, haben wir uns bei allen Workshops aufgeteilt und uns im Nachhinein ausgetauscht.

Zusammenarbeiten lernen: Wie kann erfolgreiche Zusammenarbeit gelingen und wie können wir die dafür notwendigen Strukturen schaffen? (Anna Ginkel & Andrea Seitz; Team:werk)
© Deutsches Lehrkräfteforum DominikEiseleFotografie

Das junge Team von Team:werk stellte in einem kurzen Impulsworkshop die verschiedenen Phasen der Zusammenarbeit in Teams vor. Zudem wurden Low- und Highlights der aktuellen Zusammenarbeit im Kollegium der einzelnen Teilnehmer*innen gesammelt. Für uns war es hierbei spannend zu sehen, auf welcher Stufe wir als Team stehen und unsere Zusammenarbeit selbst einmal genauer zu analysieren. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurde ein Padlet erarbeitet, welches ihr euch gerne anschauen könnt.

Made with Padlet
Passwort: Team
Kooperationen in Zeiten digitaler Transformation: Welchen Beitrag können digitale Medien zur Unterstützung kollaborativer Unterrichts- und Lernformen leisten? (Micha Pallesche; Rektor, Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule)

In diesem Vortrag stellte Micha Pallesche, Schulleiter der Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule, vor, wie an „seiner“ Schule das Konzept des offenen Ganztags umgesetzt wird und welche Rolle digitale Medien dabei spielen. So wird z.B. sehr großer Wert darauf gelegt, das eigenstände Arbeiten mit digitalen Medien so zu ermöglichen, dass die SchülerInnen in Form von Eigen- und Projektarbeit selbstständig arbeiten können. Hierbei ist Lernen nicht immer „an den Raum“ gebunden, sondern kann auch außerhalb stattfinden, sei es auf dem Schulgelände oder auch innerhalb bestimmter Orte in der Stadt. Ebenfalls ist die Schule mit verschiedenen Räumen ausgestattet, welche es ermöglichen, eigene Produkte verschiedener Arten zu erstellen. So gibt es einen Raum, welcher extra für das Erstellen von Videos mit Kamera und Greensceen eingerichtet ist und von den SchülerInnen eigenständig zum Erstellen von z.B. Erklärvideos genutzt werden kann. Einen ausführlichen Bericht über dieses innovative Schulkonzept findet ihr auch hier.

Freitag 12.11.2021

Nach einem kräftigen Frühstück starteten wir den ersten Vortrag des Tages.

Burnout, Bildung, Beziehung und Beziehungsbildung (Tobias Rohde)

Der Referent Tobias Rohde referiert anschaulich und ohne digitale Präsentation über die Resilienz im Lehrerberuf. Leider ist aktuell die Burnout-Rate bei unserem Berufsgruppe immer noch sehr hoch, sodass dieses Thema nicht zu vernachlässigen sei. Der Weg aus diesem Dilemma sei für ihn eine gute Balance zwischen Belastbarkeit und Erholung. Korrekturen spielen dagegen kaum eine Rolle bei der Entstehung von Burnout im Lehrerberuf. Auch spreche er der Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*innen eine hohe Bedeutung zu. Studien zeigen, dass man im Durchschnitt 2-3 Schulstunden im Jahr einsparen können, wenn man eine gute Beziehung zu seiner Klasse hat. Diese würden den Fachinhalt dadurch schneller verstehen und somit für ein rascheres Vorgehen Sorgen. Wichtig sei hierbei, echte Interesse an den Schüler*innen zu zeigen, beispielsweise indem man sich mit etwa einem Viertel der Klasse pro Stunde intensiver beschäftige und auch einmal nach ihren Bedürfnissen frage.

Computerspiele im Unterricht (Katharina Sambeth & Björn Hennig)

Beim ersten Workshop-Slot des Tages durften wir ein Projekt aus unserer Agenda vorstellen. In einem spannenden Austausch spielten und diskutierten wir mit Kolleg*innen über den Einsatz von Computerspielen im Unterricht. Die Präsentation kann hier eingesehen werden.

Herausforderungen einfach machen! (Mathias Pfeiffer)

Welches Herausforderungen musstest du dich im Leben schon stellen und wie war dein Gefühl danach? Mit diesen Worten begrüßte der Erlebnispädagoge die Teilnehmenden seines Workshops. Bei den jüngeren Teilnehmenden war dies oftmals eine prägende Erfahrung aus dem Studium, während aber auch persönliche Herausforderungen thematisiert wurden. Mathias Pfeiffer, welcher den Workshop veranstaltete, unterstützt Lehrkräfte bei der Planung und Durchführung von Herausforderungen mit ihrer Klasse (Website). Hierbei geht es um die etwas andere Form der Klassenfahrt, bei welchen die Schüler*innen sich einer eigenes gewählten Herausforderung stellen und diese mit einem vorher festgelegten Budget ausführen müssen. Diese Herausforderungen dienen auf der einen Seite zum Teambuilding, auf der anderen Seite aber auch zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Als Beispiele wurden etwa eine zwölftägige Pilgerreise genannt, bei welcher Schülerinnen ohne Begleitung und mit einem Budget von 120€ pro Person aufgebrochen waren.

„And the Oscar goes to…“ (Jule Müller & Simone Goerttler)

In diesem Workshop stellten die Referentinnen ein spannendes Projekt vor, welches jährlich in Kooperation mit der Universität an einer Schule in Osnabrück durchgeführt wird. Kurz gesagt spielt der neunte Jahrgang als Projekt im Englisch-Unterricht für einen Tag hier die Oscarverleihung nach. Die SchülerInnen werden in drei Gruppen aufgeteilt: Stars, Reporter und Fans. Jede Gruppe hat verschiedene Aufgaben und muss zum Tag der Oscarverleihungen verschiedene Aufgaben erfüllen und Produkte erstellen. Während die Stars z.B. einen Film drehen und eine Siegesrede vorbereiten müssen, müssen die Reporter Artikel schreiben oder Interviews durchführen. Die Fans malen Plakate ihrer LieblingsschauspielerInnen oder machen einen Fan-Podcast. Das ganze geht über mehrere Stunden, bis es dann am Tag der Oscarverleihung einen schönen „Abend“ gibt, an welchem alle für einen Tag nach Hollywood „entfliehen“. Wir konnten durch ein Video ein paar Einblicke in dieses spannende Projekt gewinnen. Zwar ist es in dieser Form für den Englisch-Unterricht konzipiert wurden, aber aus unserer Sicht lässt sich dieses Konzept auch gut in anderen Fächer einsetzen bzw. mit Englisch kombinieren: So könnte man für Geschichte z.B. die Kategorie „bester Historienfilm“ erstellen und im Vorfeld im Unterricht einen historischen Spielfilm analysieren.

One touch – digitalen Unterricht greifbar machen (Danielle Sardi & Loraine Trautwein)

Beim dritten und letzten Workshop des Tages stand das Transformieren von analogen zu digitalen Methoden im Mittelpunkt sowie die Förderung der Digitalkompetenz im Kollegium, ein Problem, welches der ein oder andere sicherlich auch aus dem eigenen Kollegium kennt. Als Tipps gaben die Referentinnen das Verteilen von kleinen digitalen Häppchen im Kollegium sowie das Veranstalten von Mikrofortbildungen mit auf den Weg. Sie selbst haben zudem einen Reader für das Kollegium erarbeitet, welcher die Möglichkeiten an digitalen Tools bündelt und Einsatzmöglichkeiten für den Unterricht aufzeigt.

Mit TheA (themenorientiertes Arbeiten) große Herausforderungen in junge Köpfe bringen (Dominik Oebel & Philipp Sprott)

Fächerübergreifende Projektarbeit ist so ein Stichwort, welches immer wieder gefordert wird, wo es aber oftmals an konkreten Ideen zur praktischen Umsetzung fehlt. In diesem Workshop haben die Referenten Ideen vorgestellt, wir man die wöchentliche Ansammlung von Einzelstunden in Nebenfächern klug kombinieren und daraus einen guten fächerübergreifenden/fächerverbindenden Unterricht schaffen kann. Dies wurde an einer Einheit zum Thema Wasser gezeigt: Im Erdkunde-Unterricht wurde sich damit beschäftigt, wo wir Wasser haben und wo es herkommt. Der Biologie-Unterricht hat sich mit der Rolle von Wasser für Mensch und Tier beschäftigt. Was Wasser überhaupt „ist“, war dann Teil des Chemie-Unterrichts. Mit zahlreichen solcher Projekte konnten die Referenten aufzeigen, wie gut fächerübergreifender Unterricht funktionieren kann.

Projektförderung & Fuckup Night
© Deutsches Lehrkräfteforum DominikEiseleFotografie

Nach drei tollen Workshops stand an diesem Freitag zudem die Präsentation der Projekte auf dem Programm, welche sich für eine Förderung durch das Deutsche Lehrkräfteforum beworben haben. Anschließend fand nach einem gemeinsamen Abendessen noch die sogenannte Fuckup Night statt, bei welcher es unter anderem um das Erleben einer positiven Fehlerkultur ging. Hier stellten verschiedene Personen ihre witzigsten „Fehler“ vor und resümierten gleichzeitig, was sie daraus gelernt haben. Nach der Vorstellung dieser Fehler in der großen Runde wurden weitere Missgeschicke in kleineren Runden mit einem leckeren Bierchen weiter besprochen.

Samstag 13.11.2021

Auch wenn nach der gestrigen Abendveranstaltung für den ein oder anderen der Wecker etwas zu früh geklingelt hat, sind wir doch voller Tatendrang in den neuen Tag gestartet. Für den Samstag stand neben der Verkündung der Gewinner der Projektförderung noch der Austausch und die Erarbeitung von eigenen Projekten auf dem Programm.

Herausforderung Kollaboration – Wie können wir gemeinsam gute Schule gestalten?

Gemeinsam mit Danielle Sardi und Loraine Trautwein haben wir bei diesem offenen Format das Konzept der Tafelrunde entwickelt. Dieses monatliche digitale Treffen soll deutschsprachige Lehrkräfte zusammenbringen, um gemeinsam über aktuelle Probleme, Anliegen und Ideen zu diskutieren. Ziel hierbei ist es, Schule gemeinsam zu gestalten, damit nicht jede*r mit seinen Probleme alleine dasteht oder das Rad neu erfinden muss. Wir würden uns sehr freuen, euch in zwei Wochen bei der ersten Tafelrunde zu sehen.

Das #twlz grüßt

Uns hat es beide sehr gefreut, so viele bekannte Gesichter aus dem #twlz zu treffen und endlich einmal persönlich kennenzulernen.

Fazit

Das Deutsche Lehrkräfteforum war für uns beide als Team die erste Tagung in Präsens und wir sind sehr dankbar, dass wir an dieser Veranstaltung teilnehmen durften. Wir haben viele tolle Impulse für unseren Unterricht mitgenommen sowie Anregungen für uns selbst. Nicht zu vergessen ist das Treffen und der Austausch mit so vielen tollen und inspirierenden Menschen, wie sie in Bad Boll versammelt waren.

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