Björns Woche im #twlz: Der Krieg in der Ukraine im Unterricht

meine Woche im #twlz

Liebes digitales Kollegium,

Gegenwartsbezüge gehören zum modernen Schulalltag wie das Spielen in der großen Pause. Nahezu jedes Fach definiert sich dadurch, dass es den Unterricht nicht losgelöst von der Lebenswelt der SchülerInnen, sondern eben gerade auf dieses bezogen gestaltet. Erst dadurch erkennen SchülerInnen den eigentlichen Wert des Bildungsgegenstandes. Manchmal aber sorgen diese Gegenwartsbezüge dafür, dass man auch „politische schwierige Themen“ im Unterricht bespricht. Denn es ist doch ein Unterschied, ob man auf Basis des Physikunterricht die Geschwindigkeit des eigenen Fahrrads berechnet oder wie aktuell einen Krieg mitten in Europa thematisiert. Der russische Angriff auf die Ukraine hat zumindest bei meinen SchülerInnen das Bedürfnis geweckt, gemeinsam darüber zu reden. Gerade im Geschichtsunterricht ist man es gewohnt, so über Krieg zu sprechen, als wäre er „irgendwann mal passiert“. Erst die aktuellen Entwicklungen zeigen den SchülerInnen, dass er durchaus auch real sein kann. Fragen nach dem „Warum?“, Ängste um die Zukunft und anderen Themen prägten auch den Alltag meiner SchülerInnen, weshalb ich es wichtig fand, auch im Schulkontext über das Thema zu reden und über die aktuellen Entwicklungen so gut es geht aufzuklären. Ich möchte euch heute daher meine Herangehensweise zu diesem Thema zeigen, freue mich aber sehr, eure Ideen und Meinungen zu diesem Thema zu hören: Wie geht ihr mit diesem sensiblen Thema um?

Schritt 1: Fragen zulassen und klären

Als ersten Schritt fand ich es wichtig, den SchülerInnen zu ermöglichen, die eigenen Fragen zu stellen und diese gemeinsam zu besprechen. Um das ganze möglichst anonym zu machen, habe ich mich entschieden, über die Plattform Wooclap eine Plattform für offene Fragen einzurichten. Zu Beginn der Stunde habe ich den QR-Code zu dieser Seite auf dem Smartboard gezeigt, sodass sich alle SchülerInnen dort anonym ihre Fragen zu dem Thema stellen konnten. Durch die Anonymität war abgesichert, dass jeder wirklich ohne „Druck“ seine Fragen stellen konnte. Insgesamt kam eine große Zahl an Fragen, die ich dann gemeinsam mit den SchülerInnen besprechen konnte.

Ich selbst hatte mich am Abend vorher schon ein wenig in das Thema eingelesen, aber gleich zu Beginn der Stunde klargestellt, dass ich ebenfalls kein Experte bin. So konnte ich zu einigen Fragen ein wenig Input geben, zu anderen haben wir dann gemeinsam recherchiert und Antworten (so gut es geht) gefunden. Auch konnten einige SchülerInnen sehr gut durchdachte Beiträge zu den einzelnen Fragen geben, sodass wir hier gemeinsam von der Diskussion profitierten.

Schritt 2: Sachlich informieren

Zum Beantworten der Fragen hatte ich bereits vorher Material herausgesucht, welches es den SchülerInnen ermöglichen sollte, sich selbstständig und, was bei diesem Thema wichtig ist, möglichst sachlich über den Krieg und seine Hintergründe zu informieren. Gerade in den sozialen Medien droht in den heutigen Zeigen schnell die Gefahr von einer Emotionalisierung, die den sachlich-kritischen Blick auf die Ereignisse trüben kann. Ebenfalls werden gerade von russischen Seite auch viele Fake-News verbreitet, was ebenfalls über soziale Medien schnell Verbreitung findet. Daher hatte ich geschaut, welches Material sich für den Einsatz hier gut eignet und das möchte ich euch hier gerne teilen:

Faktencheck: Putins Blick auf die Geschichte der Ukraine auf der deutschen Welle.

Ukraine-Krieg 2022 – Ukraine-Konflikt 2021/2022 auf der lpB Baden-Württemberg.

Wie aus Krise Krieg wurde auf der Website der Tagesschau.

Faktencheck: Putins Blick auf die Geschichte der Ukraine auf Deutschlandfunk Nova

Schritt 3: Putins Argumentation dekonstruieren

Dieser Punkt ist für mich als Geschichtslehrer besonders wichtig, da er leider ein gutes Beispiel dafür ist, wie Geschichte genutzt wird, um damit Kriege zu rechtfertigen. So greift Putin verschiedene Argumente auf, die auf seiner ganz eigenen Interpretation von Geschichte beruhen. So sagt er z.B., dass die Ukrainer nie eine eigene Kultur und Identität besessen hätten oder der Staat 1917 von Lenin erschaffen worden sei. Aus dieser Interpretation der Geschichte leitet Putin schließlich sein Eingreifen ab, da er sich nur zurückholen wolle, was schon immer russischen gewesen sei. Um diese Argumentation verstehen und dann auch dekonstruieren zu können, ist es wichtig, die historischen Hintergründe der ukrainischen Geschichte zu kennen. Denn erst dann wird man merken, dass die Ukrainer sehr wohl eine eigene Kultur und Identität besaßen (und besitzen). Um dieses Ziel zu erreichen, habe ich den oben genannten Artikel von Deutschlandfunk Nova gemeinsam mit den SchülerInnen gelesen und eine Übersicht erstellt, in welcher die einzelnen Schritte der Herausbildung der ukrainischen Identität zu sehen waren. Mit diesem Hintergrundwissen war es dann gut möglich, Putins Argumentation zu dekonstruieren und eine Diskussion über die generelle Problematik beim „bewussten Falschinterpretieren“ oder beim „bewussten Vergessen von Fakten“ von historischen Ereignissen zu führen.

Konkretes Unterrichtsmaterial

Der Geschichtslehrer Herr Meier hat freundlicherweise seine komplette Unterrichtsstunde einmal für uns geblogggt.

Und auch die liebe Kristina hat tolles Material erstellt und kostenlos zur Verfügung gestellt.

Und Materialien von DOS Lernwelt.

Materialsammlungen

Material zur Unterstützung für geflüchtete Kinder und Jugendliche.

Während sich meine Ideen vor allem an ältere SchülerInnen richten, gibt es im #twlz auch sehr gute Tipps für jüngere SchülerInnen. Einer dieser Tipps kommt von Nina Toller und verweist auf die Sendung mit der Maus.

Zudem hat das Team der Sendung tolle Slides für den Umgang bei Überforderung veröffentlicht.

Ebenfalls eine tolle Übersicht an verschiedenen Materialien zu diesem Thema gibt es von Joschka Flak und Anja Holm.

Sowie dieses Padlet mit vielen hilfreichen Informationen.

Ebenso hat die Schule von Silke Müller einiges an Material zusammengetragen.

Und das Institut für Film und Bild via mundo.

Auch Verena Knoblauch hat zum Sammeln aufgerufen und viel Rückmeldung erhalten.

Sowie drei Hinweise von Stefan Helge Kern.

Fazit

Auch wenn das Thema Krieg gerade mit aktuellen Bezügen immer schwierig ist, dürfen wir uns als Lehrkräfte nicht davor verschließen. In der Lebensewlt der SchülerInnen nimmt dieses Thema aktuell eine große Rolle ein, weshalb wir unser Bestmögliches geben sollten, ihnen bei Fragen und Unklarheiten zur Seite zu stehen. Meine SchülerInnen waren jedenfalls sehr dankbar darüber, dass wir uns die Zeit genommen haben, ausführlich über das Thema zu sprechen. Auch wenn es weiterhin ungewiss bleibt, wie sich die aktuelle Lage entwickelt, so ist es doch wichtig, auch dieses schwierige Thema auf eine möglichst konstruktive Weise in den Unterricht zu holen. Ich hoffe, euch mit diesen Ideen Möglichkeiten für die Thematisierung gezeigt zu haben, und freue mich über weitere Anregungen und Vorschläge von euch. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, dass dieses Thema seinen Aktualitätsbezug schnell „verliert“, indem der russische Angriff ein Ende findet. Insofern verabschiede ich mich heute mit pazifistischen Grüßen. 🕊

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