Einführung in die Geschichte mit der Discovery Tour [+ Material]

Computerspiel, Geschichte, Spiel

Wenn Kinder mit Geschichte in der Schule anfangen, dann beginnen die ersten Stunden meistens nicht mit Dinosauriern oder Menschen in der Steinzeit, sondern es geht darum, dass die SchülerInnen sich mit Geschichte generell auseinandersetzen: Was ist Geschichte eigentlich? Und woher haben wir unser Wissen über die Geschichte? Über die letztere Frage gelangt man dann auch schnell zu der klassischen Einteilung von Sachen, die sich mit Geschichte beschäftigen, in Quellen und Darstellungen. Beide Begriffe sind prägend für das historische Arbeiten im Geschichtsunterricht, weshalb diese dementsprechend auch ausführlich eingeführt werden sollten.

Während die Einführung von Quellen in meinem Unterricht ganz klassisch ablief, wollte ich bei der Einführung der Darstellungen in meiner fünften Klasse gerne ein wenig mehr auf die Lebenswelt der SchülerInnen eingehen. Bereits bei der Frage, wo wir im Alltag auf Geschichte treffen, kamen hier viele Beispiele, die sich auf Computerspiele bezogen. Insofern kam mir der Gedanke, dies bei der Planung gleich aufzugreifen, weshalb ich mich entschied, eine Stunde zu machen, welche Darstellungen im Geschichtsunterricht mit Hilfe der Discovery Tour von Assassin’s Creed: Odyssey einführt.

Durchführung

Ich hatte den SchülerInnen natürlich nicht erzählt, dass ich vorhatte, mit ihnen in dieser Stunde ein Videospiel zu spielen. Insofern habe ich zum Einstieg der Stunde ganz klassisch gefragt, womit wir uns in der letzten Stunde beschäftigt haben, worauf wir dann kurz eine Wiederholung zum Quellenbegriff durchführten. Anschließend holte ich ein Gamepad heraus, wonach schon erstes „Getuschel“ begann: „Warum bringt Herr Hennig denn ein Gamepad mit?“. Anschließend lies ich auf dem Smartboard hinter mir das bereits über meinen Laptop gestartete Spiel projizieren und meinte, dass wir uns heute mal ein Spiel anschauen wollten, welches sich mit Geschichte beschäftigt. Auf die folgende Frage, wer denn mal spielen möchte, ging blitzschnell jeder Finger nach oben. Ein motivierendes Gefühl!

Ich hatte die Discovery Tour in Athen gestartet, hier sollten insgesamt 5 SchülerInnen einmal ein wenig herumlaufen können. Ziel war es dabei, ein wenig darüber zu sprechen, was die SchülerInnen sehen und wie „realistisch“ das im Spiel gezeigte Bild des antiken Griechenlands ist. Während also nach und nach 5 SchülerInnen vorne auf dem „Spielstuhl“ Platz nahmen und stellvertretend für die ganze Klasse spielten, arbeitete ich mich nach und nach zu der Frage vor, ob das Spiel hier denn auch eine Quelle wäre. Hier kam dann auch relativ schnell die Meinung, dass das Spiel keine Quelle sein könne, da es ja nicht aus der Vergangenheit, sondern „von heute“ stamme. Daher sei es eben keine Quelle. So kam ich zu der Überleitung, dass wir einen anderen Begriff für Videospiele, Comics, Filme etc. bräuchten. So konnte ich zu dem folgenden Arbeitsblatt überleiten, mit welchem wir dann den Darstellungsbegriff einführten.

Wie ihr seht, bleibt das Spiel gerade durch die zweite Aufgabe weiterhin präsent. Mit diesem AB geht es nicht nur darum, sich mit Beispielen von Darstellungen und der Unterscheidung zu Quellen auseinanderzusetzen, sondern Darstellungen hier am Beispiel vom Spiel kritisch zu untersuchen. Altersgerecht habe ich mich hier für eine Ankreuz-Aufgabe entschieden, da man mit dieser relativ einfach auch Fünftklässler zum diskutieren bringen kann. Wichtig war mir hier, dass sie sehen, dass z.B. Videospiele eben keine „echte“ Vergangenheit zeigen, sondern nur Vorstellungen der Entwickler, die allerdings durchaus die aktuelle Forschung berücksichtigen können. Auch die Frage, was mit so einem Spiel in erster Linie bewirkt werden soll (Geld, für ein Unternehmen zu generieren) konnten wir so diskutieren.

Fazit

Die euch vorgestellte Stunde hat nicht nur mir, sondern meinen SchülerInnen sehr viel Spass gemacht. So haben sie durch den Einstieg nicht nur Spass am Spielen des Spiels gehabt (auch wenn nur einzelne spielen durften, diese wurden aber lautstark angefeuert), sondern wir konnten auch gut das Thema an sich einführen und diskutieren. Gerade durch das Spielen konnten wir sehr gut besprechen, dass das im Spiel gesehene antike Griechenland keine eigentlichen Quelle ist und daher anders als z.B. „echte“ antike Überreste bewertet werden muss. Das AB war dann bewusst relativ kurz gehalten, konnte aber so im „Rest“ der Stunde (45 Minuten) sehr gut bearbeitet und besprochen werden. Auf Basis dieser Stunde haben wir dann in der nächsten Stunde Quellen und Darstellungen noch einmal gemeinsam besprochen und gezielter vergleichen, womit dieses Thema dann ausführlich eingeführt war. Besonders gefreut hat mich, dass einige SchülerInnen auch nach der Stunde zu mir kamen und sich für die tolle Stunde bedankten. Gleichzeitig fragten sie aber, wann wir dann wieder spielen würden, worauf ich meinte „Erstmal nicht mehr“, wo sie dann leider ein wenig enttäuscht waren. 😁 Vor kurzem kam dann eine Schülerin und meinte, dass ihr die Stunde so viel Spass gemacht hätte, dass sie sich die Discovery Tour gleich zu Weihnachten gewünscht hätte. Insofern freue ich mich doch, auch dem Weihnachtsmann mit dieser Stunde ein wenig geholfen zu haben… 🎅

Material

Wenn ihr das Material auch in eurem eigenen Unterricht nutzen wollt, könnt ihr das gerne hier herunterladen:

Weitere Ideen und Einsatzmöglichkeiten zum Einsatz von Videospielen für den Geschichtsunterricht findet ihr bei unseren Freunden Dr. Lucas Hassis und Patrick Heike, mit welchen wir mittlerweile schon einige gemeinsame Projekte gestartet haben. Schaut gerne bei ihnen und informiert euch über kommende und vergangene Workshops vorbei, vor allem, wenn ihr auch den Einsatz der Discovery Tour im Unterricht plant. 👍

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